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SchlüchternerMung

^Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf. z

^£ 101. Samstag, den 18. Dezcmder 1897. 48. Jahrg-Ä

N^° Kitte, vergessen Sie nicht, "NE

falls Sie die ,,Schlüchterner Leitung" bisher durch die Post bczw. vom Landbriefträger bezogen haben, das Abonnement auf dieselbe für das nächste Vierteljahr rechtzeitig erneuern zu wollen, damit in der regelmäßigen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Post liefert nur bis zum 31. d. M. und nur in dem Falle weiter, wenn der Abonnementsbetrag mit dem etwaigen Bestellgeld im Voraus entrichtet ist.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

und den erforderlichen Depots und Magazinen aller Art in der Lage sein, auch die schwersten etwa erlittenen Havarien und Verluste dort unabhängig von den Docks einer fremden Macht repariren und ersetzen zu können.

Kiel, 13. Dezember. Wie telegraphisch gemeldet worden ist, wird die Beseitigung des durch die Kollision mit derBrandenburg" entstandenen Havarieschadens derWürttemberg" zwei Monate in Anspruch nehmen. Die Beschädigung ist weit bedeutender, als Anfangs ange­nommen wurde. Mam sagt, daß das Panzerschiff außer Dienst gestellt wird. Der Rammsporn derBranden­burg" hat dieWürttemberg" unterhalb der Gürtel- panzerung getroffen, wo die Wirkung eine noch weit verhängnißvollere hätte werden können. DaS Leck liegt an Steuerbordseite, wo der Rammer derBrandenburg" den Schiffskörper in einer Ausdehnung von mehreren Metern beschädigt und aufgerissen hat. Die wasserdichten Schotten und Abtheilungen der Panzer haben unsere Marine diesmal vor einer furchtbaren Katastrophe glück­lich bewahrt. In Kiel macht sich die Entsendung der KreuzerDeutschland" undGefion", sowie des See­bataillons nach China stark fühlbar. Aus zahlreichen Familien scheidet der Vater, der Sohn oder der Verlobte und die weihnachtliche Stimmung wird von dem Scheiden beeinflußt, aber der Zug nach dem Osten ist, wie der Voss. Ztg." geschrieben wird, populär. Seit vielen Jahren schon wissen alle der Marine nahestehenden Kreise, daß eine Kohlenstation in Ostasien ein fast unent­behrliches Ding ist, sie wissen, daß sie längst erstrebt ist und man jetzt den richtigen Fleck gesunden hat, den man festhalten wird.

Ueber eine nicht beabsichtigte Wirkung des Margarine­gesetzes wird aus Erfurt berichtet: Wegen des Margarinegesetzes haben hier zahlreiche Händler infolge der Verkaufsschwierigkeiten die Margarine aufgegeben, jagegen hat die Fleischerinnung beschlossen, Margarine n den Schlächterläden zum Verkauf einzuführen. Für die Fleischer, die nicht mit Butter handeln, haben die Vorschriften bezüglich der getrennten Verkaufsräume keine Giltigkeit. Einen Vortheil haben die Butterproduzenten von dem Margarinegesetz also auch hier nicht.

Eisenach, 13. Dezember. Wieder hat das Laster maßlosen Schnapsgenusses ein Opfer gefordert. In einer Gastwirthschaft zu Berka a. Werra trank dieser Tage der Tagelöhner Jakob Bender, wie man hört, durch eine Wette veranlaßt, innerhalb einer Stunde siebenKännchen" Branntwein und außerdem noch Bier. Die Folge davon war, daß er unmittelbar nach dem Genusse von einem starken Unwohlsein befallen wurde, worauf sich ein tiefer Schlaf und endlich ein Starrkrampf einstellte, der nach 30 Stunden zum Tode führte.

Man schreibt aus Mainz: Die Rheinische Natur- forschende Gesellschaft erwarb für das hiesige Museum ein eigenartiges Stück. Zu Beginn dieses Monats deckte nämlich ein Landwirth bei Alzey in einer Sand« grube den Unterkiefer eines Mastodon schweinartigen Riesenelephanten auf. Nach demMainz. Tagebl." ist der Kiefer ohne die Schneidezähne 11|a Meter lang, die Schneidezähne selbst haben eine Länge von 80 Ccnti- meter. Ein Nachmittag und ein voller Vormittag gingen darauf, bis der Kiefer, der in nassem, morschem Zu­stande sich befand und dabei seine viertehalb Centner schwer war, unter Zuziehung zweier Angestellten des Römisch-germanischen Museums so weit mittelst Ban­dagen, Gipsverband und eingegipsten Eisenstangen, die der Form des Kiefers angepaßt werden mußten, gefestigt war, daß er endlich an das Licht der Sonne getragen werden konnte. Die Stadtverwaltung Main; wird die erforderlichen Gelder zur Erwerbung des Fundes für das Museum zur Verfügung stellen.

Deutsches Reich

Berlin, 16. Dezember. Der Kaiser trifft von Rends­burg kommend heute Abend um 7 Uhr in Friedrichsruh zum Besuche des Fürsten Bismarck ein und nimmt dort einen einstündigen Aufenthalt.

Das Befinden der Kaiserin, welches infolge einer starken Erkältung in der letzten Zeit zu wünschen übrig ließ, hat sich erheblich gebessert.

Die Aushändigung der Kaiser Wilhelm-Medaille an die Veteranen wird am 29. Dezbr. erfolgen, so daß noch vor Ablauf des Jahres alle dazu berechtigten Preußen im Besitz der Denkmünze sein werden.

Im Hinblick auf die mit der Ermordung deutscher Missionare begründete deutsche Aktion in China dürften folgende Daten über das Misstonswesen in China interes- firen: Es arbeiten gegenwärtig in China acht katho­lische Orden mit 38 Vikariaten in 18 Provinzen. Die katholische Propaganda besitzt 41 Bischöfe, 664 europä­ische und 559 chinesische Geistliche mit etwa 11O0OOO Gemeindemitgliedern, denen 2942 Kirchen und Kapellen zur Verfügung stehen. In 1850 Schulen werden gegen 32000 Schüler und in 36 Seminaren 744 Studirende unterrichtet. Die evangelischen Missionen haben weit geringere Erfolge aufzuweisen. Ihr Beginn fällt in da« Jahr' 1805, doch entwickelten sie sich erst seit 1842 in merklicher Weise. Gegenwärtig arbeiten 35 Gesell­schaften, darunter fünf Deutsche; die Berliner, die Rheinische, Baseler, der Allgemeine evangelisch-protestant­ische Missionsverein und der Berliner Frauen-Missions- Verein auf 12 Stationen mit 17 männlichen, 11 weib­lichen europääischen Missionaren und 17 eingeborenen Gehilfen. Die Zahl der Bekehrten ist etwas größer als 3000. Man muß gestehen, daß der Erfolg in keinem günstigen Verhältniß zu den aufgewendeten Mitteln steht Außerdem entsenden 11 englische und 17 amerikanische Missionen ihre Boten nach China.

Die Besprechungen des Frauenmangels in Deutsch- Südwestafrika haben bereits zur Einleitung verschiedener Maßnahmen geführt. Sowohl die Kolonialgesellschaft wie auch ein Missionsverein werden die Beförderung und Unterbringung deutscher Frauen in der Kolonie übernehmen. Daneben aber ist auch die Bildung eines besonderen Frauenvereins für Südwestafrika im Gange, welcher die Errichtung' eines Mädcheuheims und einer weiblichen Ackerbauschule in Windhoek anstrebt.

Ueber die maritime Bedeutung der Kiaotschau- bucht wird in der MünchenerAllgem. Ztg." Folgendes bemerkt: In circa 17 Stunden vermag von ihr aus ein Geschwader die Mitte der Straße von Petschili, in circa 25 Stunden die Mündung des Pei-Ho vor Tientstn, in circa 23 Stunden den koreanischen Hafen von Chemulpo und in 30 Stunden die Straße von Korea und die Südwestspitze von Japan, bei 16 Knoten Ge­schwindigkeit in der Stunde, zu erreichen, welche Kriegs­schiffe auf nicht zu große Strecken innezuhalten ver­mögen. China selbst hat daher offenbar sehr begründeten Anlaß, die wichtige, überdies zu einem der drei Haupt­stützpunkte seiner neu zu organisirenden maritimen Ver­theidigung in Anbetracht ihrer Beschaffenheit und Lage höchst geeignete Bucht nicht in fremde Hände gelangen zu lassen. Das deutsche ostasiatische Geschwader würde in der Kiaotschaubucht künftig, die Besetzhaltung, ent­sprechende Befestigung und Einrichtung der Bai voraus­gesetzt, einen völlig gesicherten Ankerplatz und ein Kohlen- tepot erhalten können, welche ihm weit größere Operations­freiheit und Ausdehnung seiner Aktion wie zur Zeit ge­statten würden- wo es vor der Uebcrmacht der im west- pacifischen Ozean auf Hongkong, Wladiwostok und Saigon gut basirten übrigen Seemächte eine mehr oder weniger nur sekundäre Rolle bei dortigen internationalen Ver­wickelungen zu spielen vermag. ES würde überdies bei Anlage eines geräumigen Docks von genügender Größe

AuSland.

Amerika. Nach einem Kabeltelegramm anS New- Iork vom 13. dieses MonatS versuchten 1000 Gold­gräber aus Dawson City über die Bergpässe zu ent» kommen. Da großer Nahrungsmangel herrscht sind viele umgekommen.

Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 17. Dezember.

* Sonntag, den 19. Dezember, ist der Post- schalter genau wie an Wochentagen von 8 Uhr Morgens bis 1 Uhr Mittags und von 2 Uhr bis 8 Uhr Abends zur Annahme der Postsendungen geöffnet.

* Entlassen wurde der Provinzial-Schulrath, Geheime Regierungsrath Kannegießer auf Nachsuchen vom 1. Januar k. I. ab.

* Der Kultusminister hat dem Centralvorstande der deutschen Pharmaceutischen Vereinigung auf eine be­zügliche Eingabe mitgetheilt, daß er die Einführung einer besonderen Taxe für den Nachtdienst der Apotheken im Interesse der arzneibedürstigen Bevölkerung nicht genehmigen werde.

* Die Zahl derWeihnachtsbeurlauber beim Militär wird auch diesmal, wie im Vorjahre, besonders groß sein. Auf Befehl des Kaisers soll den Urlaubsgesuchen soweit wie irgend möglich Folge^gegeben und die UrlaubS- Zeit länger als sonst bemessen werden.

* Professor R. Falbs Wetterprognosen für daS Jahr 1898 sind soeben erschienen. Kritische^Tage, da» Wetter deS ersten Halbjahres und eine Abhandlung über Erdbeben und deren Ursachen bilden den interessanten Inhalt des kleinen Büchleins. Für daS kommende Jahr ist uns der ungemüthlichste von allen Tagen für den 31. August von der Vorsehung zugedacht. Blitz und Donner und alle Schrecken des Weltunterganges stehen an diesem Tage bevor. Vor und nach dem 31. August haben wir auch noch andere kritische Tage zu gewärtigen. Wo sich diese kritischen Tage erster, zweiter und dritter Ordnung abspielen werden, ist allerdings unbekannt; irgendwo jedoch giebt es sicher einen. Die WitterungS- prognosen Falbs bieten viel Interessantes und Bemerkens­werthes. Im Januar wird eS bei uns ganz erträglich werden. Dagegen soll es im Februar furchtbar kalt sein; es wird böse Schneefälle geben. Der erste Theil des Monats jedoch bringt Frühlingswctter, besonders in Süddeutschland. Zwei Drittel des MonatS März werden auffallend warm sein, mit mehreren Nieder- schlägen. Der April wird mit seinem Renommee nicht untreu werden, der Wonnemonat zahlreiche Gewitter bringen, besonders heftige in Oesterreich. Doch ist man dort schon an Niederschläge gewöhnt. Auf den verreg- neten Mai folgt ein herrlicher Juni. Damit schließen Falbs vorläufige Wettervorhersagen.

* Jetzt ist die Zeit, die Kronen der Obstbäume auszuschneiden und zu lichten I Mit vollem Recht wird in der neuesten Nummer des praktischen RathgeverS im Obst- und Gartenbau darauf aufmerksam gemacht, daß wohlschmeckende saftige Früchte nur dann zu erwarten sind, wenn Licht, Luft und Sonnenwärme ungehindert zu jeder Frucht bringen können. Das ist nur möglich, wenn zu dichte Kronen sachgemäß ausgeputzt werden. Diese Arbeit ist am richtigsten dann vorzunehmen, wenn die Saftbewegung im Baume ruht, d. h. im Winter, größere Schnittwunden sind zu verstreichen.

Hersfeld, 10. Dezember. In dem Dorfe Oberuf- Hansen bei Eiterfeld ist unter erschwerenden Umständen ein Kindesmord vorgekommen. Die Tochter eines reichen Bauern hat ihr uneheliches Kind ermordet und ist dann, als das Verbrechen ruchbar wurde, entflohen. Mit Hülfe auswärtiger Behörden ist es gelungen, die jugend­liche Verbrecherin im Auslande festzunehmen.

Frankfurt. Die Braut als Stiefmutter. Auf dem hiesigen Oberlandesgericht kam ein einzig in seiner Art bestehender Rechtsstreit zur Verhandlung. ES handelte sich um ein Eheversprechen oder bei Nichteinhaltung desselben, um eine geringe Entschädigung von 500 Mk. Den ersten Theil der Klage konnte nicht mehr stattge- geben werden, da der Beklagte sich inzwischen mit einer Anderen verehelicht hatte, wohl aber dem zweiten, wo­gegen sich der junge Ehemann, welcher, wie nachgewiesen wurde, noch aus seinem mütterlichen Erbe 600 M. zu er­halten hat, sträubte. Die verschmähte Braut war nicht gewillt, so leichten Kaufs die Sache fahren zu lassen.