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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

12. Mittwoch, den 9. Februar 1898. 49. Jahrgang.

IS^ff^IhtttrtOM ouf dieSchlüchterner Zeitung" 5Pvplimilll|fcH werden noch fortwährend von allen "- ~ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

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Deutsches Reich

Berlin. Der Kaiser hat am Freitag in der Sitzung des Landes-Oekonomie-Kollegiums theilgenommen. Auf der Tagesordnung stand die Ministerial-Vorlage über den Einfluß des Ausbaues eines Netzes einheimischer Wasserstraßen auf die wirthschaftliche Entwickelung der deutschen Landwirthschaft.

* Goldene Dienstbotenkreuze für 40jährige Dienstzeit in derselben Familie hat die Kaiserin im letzten Jahre 144 verliehen. Hiervon entfielen auf Ostpreußen 8, Westpreußen 5, Brandenburg 10, Pommern 11, Posen 5, Schlesien 25, Sachsen 10, Schleswig-Holstein 7, Hanover 5, Westfalen 3, Hessen- Nassau 9, Rheinprovinz 29, Elsaß Lothringen 17.

Als Sühne für die Ermordung des Matrosen Schulze verlangte nach einer Meldung desBür. Reuter" aus Peking die deutsche Regierung weitere Con- zessionen für Eisenbahnen in der Provinz Schantung. Daß weitere Ausschreitungen des chinesischen Pöbels gegen deutsche Matrosen vorgekommen seien, wie englische Blätter wissen wollten ist nicht wahr. In Shantung herrscht vollständiger Frieden. Dagegen soll auf Haikang eine Empörung ausgebrochen sein.

Die Sammlungen für die englischen Maschinen­bauer werden von den deutschen Sozialdemokraten noch immer fortgesetzt, obwohl ja in England schon seit einigen Tagen die Wiedereinstellung der Aibeitlibegonnen hat. Nur der Zwang, jede Woche 50 Pfg, für die Engländer herzngeben, soll bei den Berlinern Metall­arbeitern aufgehoben werden. In mehreren stark be- suchten Berliner Gewerksversammlungen wurde jedoch daß man endlich mit den Sammlungen für die Eng­länder einhalttn müsse, da man das Geld dringend brauche für diegroße Lohnbewegung", dieim Früh­jahr ganz sicher zu erwarten sei."

* An alle Strafanstalten Preußens ist Seitens deS Herrn Justizministers eine Verfügung ergangen, wonach diese Anstalten am Geburtstage des Kaisers und überhaupt des Flaggenschmuckes entbehren sollen.

* Vermehrung der Bahnwärter. Die Königliche Eisenbahnverwaltung hat nunmehr Anordnung getroffen, daß diejenigen Posten, wo seither der volle Dienst theil- weise mit Hilfsbeamten gethan werden mußte, für die Folge mit zwei etatsmäßigen Beamten besetzt werden sollen.

München. Prinzregent Luitpold von Bayern be­suchte den König Otto in Fürstenried, um sich persön­lich von dessen Zustand zu überzeugen. Man bringt dies mit dem trotz aller Dementis sich hartnäckig be­hauptenden Gerücht in Verbindung, im Befinden des Königs sei eine wesentliche Verschlimmerung eingetreten.

Kiel, 6. Febr. Im hiesigen Hafen kenterte gestern früh 7 Uhr eine Dampfpinasse mit Ablösungswachmann­schaften der kaiserlichen Werft. Ertrunken sind 12 Matrosen. Die Pinasse sank sofort, der Kessel explodirte. Bis jetzt sind 11 Leichname geborgen.

Oldenburg', 1. Februar. Vor Kurzem war ein Sohn des Gärtners Lorenz in Fiffau aus Amerika heimgekehrt, um seinen betagten Vater noch einmal zu sehen. Der Besuch hat einen schlimmen Abschluß ge­funden. Als der Sohn unerwartet in das Zimmer trat, blieb dem Vater vor freudiger Erregung ein Brod­stück, welches er soeben in den Mund gesteckt hatte, in der Kehle stecken. Alle Bemühungen, dasselbe zu ent fernen, waren vergebens; der alte Mann erstickte.

Aus Thüringen. Dieser Tage sind von der Fürst­lichen Kammer in Schleiz nicht weniger als 27 000 Festmeter Holz (Langholz) meistbietend versteigert worden. Holzhändler von weit und breit waren anwesend. Es wurden sehr hohe Gebote, wie sie noch nie dagewesen, ja sogar bei einigen der Bahn nahe gelegenen Partien 120 Prozent abgegeben; 5070 Prozent, über die alte Taxe. Das versteigerte Hiolz hat einen Werth von ungefähr 5-600 000 Mk.

Bom Eichsselde, 30. Jan. Wegen Bigamie wurde die 39jähr., zu Kaltohmfeld im Kreise Worbis geborene, jetzt im Nachbarorte Pützlingen wohnhafte Ehefrau Henriette Hentrich, geb. Blume, zu 1 Jahr Gefängniß

Ausland.

Rußland. Die Mißernte des verflossenen Jahres in Rußland hat sich auf ein großes Gebiet ausgedehnt. An Roggen zum Beispiel, dem Hauptbrodgetreide des russischen Volkes, haben nicht weniger als 18 Gouver­nements unter der Hälfte des sonstigen Mittelertrages geerntet, sodaß der Bauer, der sich kaum von dem großen Hungerjahre 1891 erholt hat, in vielen Gegenden den völligen Niedergang seiner Wirthschaft vor Augen sieht. In mehreren Gouvernements verkaufen die Bauern Vieh und Pferde in Mengen zu niedrigsten Preisen. Es fehlt an Futter, sodaß Roggenstroh bereits als solches verwandt wird. Der Tagelohn ist auf ein Minimum gesunken, und den Bauern fehlt es an jeg­lichem Nebenerwerb. Obwohl aus den Kronswaldungen unentgeltlich Holz abgelassen wird, und die Forstoer- waltung sich bemüht, den Bauern Arbeit in den Forsten zu schaffen, so genügen diese Maßnahmen lange nicht und geben den Leuten vor allem nicht die Möglichkeit, ihre Wirthschaftsarbeiten im Frühjahr wieder aufzu- nehmen, da mancher Wirth seinen Hauptschatz, das Pferd, bereits verkauft hat. Es ist einstweilen noch unbekannt, wie sich die Regierung diesen Uebelständen gegenüber verhalten wird. Jedenfalls muß konstatirt werden, daß die Mißernte des Jahres 1897, die sich zum großen Theil gerade auf wirthschaftlich verhältnißmäßig hoch entwickelte Gouvernements ausdehnt, dem ohnehin schwach bestellten bäuerlichen Wohlstände wiederum einen höchst empfindlichen Stoß gegeben hat.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter«, 8. Febr.

* Seit Freitag Abend sind unsere Fluren wieder weiß geworden. Nachdem der Sturmwind und Regen in den letzten Tagen und Nächten nachließ, hat es fast ununterbrochen geschneit. Eine prächtige Winterlandschaft bietet sich dem Auge dar. Bei der hochgchenden Sonne wird der Schnee nicht lange liegen bleiben. Nach dem alten Sprichwort heißt es: Weißer Februar stärkt die Felder und was der Februar nicht macht, bringt der Lenz bei Nacht.

* In einem Schreibe» der Militär-Intendantur des 11. Armeecorps zu Kassel in Sachen der direkten Ankäufe bei den produzirenden Landwirthen wurden den Bürgermeistereien auch die Vortheile mitgetheilt, welche den Landwirthen zu Theil werden, wenn sie direkt mit dem Proviantamt in Verbindung treten, und sind die Bürgermeisterei n ersucht worden, Landwirthen, welche in der Lage sind, von ihren Produkten abzugeben, diese Vortheile zur Kenntniß zu bringen. Diese Vortheile sollen darin bestehen: 1) bei direktem Verkehr mit dem Proviantamt falle der Verdienst des Zwischenhändlers fort, 2) die Proviantämter dürfen für das Material die höchsten Marktpreise bezahlen und 3) der Landwirth er­hält für seine an die Proviantämter abgelieferten Er­zeugnisse Baarzahlung, während er im Verkehr mit Händlern oder Maklern vielfach entweder auf dre Aus­zahlung der Kaufpreise warten muß, oder für einen Theil des Geldes Waaren wie sie die Händler neben den Landesprodukten häufig feil halten annehmen muß.

* Vom Vorstand des Detcullisten-Verbandes geht uns Folgendes zur Veröffentlichung zu: Neuerdings versendet eine Antwerpener Firma, die sichCommandit- gesellschaft Th. Keßler u. Co." nennt, Preislisten nach Deutschland, in denen sie verzinsliche Werthpapiere und Schuldverschreibungen gegen monatliche Zinszahlungen zum Kauf anbietet. Nach eingezogenen Erkundigungen handelt es sich hierbei um die Fortsetzung eines Schwindel-

von der Strafkammer verurtheilt. Die Frau hatte im Jahre 1878 zu Wanzleben den Arbeiter Heinrich Heutrich gcheirathet, der sie nach einjähriger kinderloser Ehe verließ, um nach Amerika auszuwandern. Die Verlassene zog zu ihrer Mutter nach Kaltohmfeld und heirathete am 3. Juli 1884 den Lumpensammler Heinrich Reuter aus Wilbich (Kreis Heiligenstadt) ohne sich von ihrem ausgewanderten Ehemann Heutrich scheiden zu lassen. Dieser zweiten Ehe entsprossen in 13 Jahren 7 Kinder. Im Vorjahre nun suchte ihr erster Mann sie wieder aus und dadurch kam die Bigamie ans Tageslicht. Die zweite Ehe der Frau wurde für ungültig erklärt, sodaß ihre 7 Kinder als uneheliche angesehen werden müssen.

. Unternehmens, das ein gewisser Adolf Molsberger in Gemeinschaft mit einem Georg Diller ebenfalls von Antwerpen aus unter den FirmenAntwerpener Com­missionsbank" undInternationale Bank, Antwerpen" betrieben haben und vor dem bereits in der Nr. 22 deS Reichsanzeiger" vom 26. Januar vor. JS. gewarnt worden ist. Es kann daher auch bei der Anknüpfung von Geschäftsverbindungen mit derCommandltgesell- schaft Th. Keßler u. Co." in Antwerpen nur die größte Vorsicht empfohlen werden.

* Die Firma Hch. Prinz, Molkerei in Freien« steinau und Steinau, erwarb dieser Tage für den Preis von 96,000 Mk. den Elisabethenhof bei Ulmbach und beabsichtigt, daselbst eine dritte Molkerei einzurichten. Der Vorbesitzer, Herr L. Scrpel in Ulmbach, erwarb den Hof erst vor einem Jahre für 120,000 Mk. von den Erben des Dr. Zimmermann.

Bom südlichen Vogelsgebirge, 3. Februar.Wenn die Tage anfangen zu langen, kommt der Winter ge­gangen." Diese alte Bauernregel scheint dieses Jahr wieder ihr Recht behaupten zu wollen, während wir hier im Dezember und Januar das schönste Wetter hatten, fängt es .in diesem Monat an Winter zu werden. Nachdem wir gestern furchtbaren Sturm und Hagel­wetter hatten, schneit es heule dermaßen, daß der Schnee fußhoch liegt; wenn die Erde gefroren wäre, so müßte wohl schon der Bahnschlitten in Betrieb gesetzt werden. Die Holzpreise steigen von Jahr zu Jahr mehr, bei der letzten Versteigerung wurde daS Meter mit 89 Mark bezahlt.

Rimmels, 4. Februar. Gegen Ende deS letzten Herbstes wurde in Weißenborn bei dem Mackenzeller Kirchhof ein Mergellager von vorzüglicher Qualität entdeckt. Desgleichen sind in letzter Zeit solche in MorleS und KermeS gefunden worden. Weitere An­zeichen sprechen dafür, daß solche auch tn der Hofaschen« bacher Gemarkung vorkommen. Ueberhaupt scheint der ganze Gebirgsausläufer vom Roßberg an bis nach Mackenzell, wo er endigt, an der Südseite Mergellager zu führen. Mergel ist vorzüglich geeignet, schwere Böden zu erschließen, zu lockern und zu erwärmen, und damit der Frucht die günstigsten Bedingungen zu ihrer Ent­wickelung zu verschaffen. Lag bis jetzt das Interesse an dem Ausbau der Straße Rimmels-Treisbach, abgesehen von Treisbach und Wiesen, hauptsächlich bei Dörfern des Kreises Hünfeld und des Bezirks Geisa, so wird das jetzt mit einem Schlage anders. Der ganze Bieber- und Haungrund des Kreises Fulda hat zur Erschließung seines schweren, feuchten Bodens nichts nothwendiger als Düngung mit Mergel.

Aus Waldkappel liegt folgende amtliche Meldung vor. Sonntag Morgen 6 Uhr entgleiste die Maschine des Personenzuges 451 Waldkappel-Kassel bald hinter Station Waldkappel vor der Wohrabrücke in Km. 48,7. Die Maschine und 3 Personenwagen stürzten den Damm hinunter. Der Lokomotivführer, der Heizer und sieben Reisende wurden hierbei leicht verletzt. Maschine und Wagen sind erheblich beschädigt.

Wehlheiden, 3. Febr. In der heutigen Sitzung des großen Gemeindeausschusses ist mit 20 gegen 12 Stimmen beschlossen worden, den vom Gemeinderath mit dem Stadtrath der Residenzstadt Kassel geschlossenen Vertrag, die Eingemeindung Wehlheidens in Kassel betr., anzunehmen. Da die Annahme des Vertrags seiteoS des Bürgerausschusses in Kassel und die Zustimmung der Regierung und der weiteren Faktoren gesichert erscheint, so ist damit eine weitere Großstadt geschaffen. Die Zukunft wird es lehren, ob der Beschluß der Ge­sammtheit zum Heile gereicht.

Gaffel, 3. Febr. In hiesiger Stadt treibt seit einiger Zeit ein Schwindler sein Wesen, der angibt, im heiligen Lande gewesen zu fein und hierauf bezügliche Andenken zu den theuersten Preisen zu verkaufen sucht. Die Sachen sind, wie sich bei genauerer Untersuchung herauSstellt, nichts als gewöhnliches Zeug, daS man auf Messen für weniges Geld kaufen kann. Da der Schwindler sicher auch anderswo sein Glück versuchen wird, sei hiermit nachdrücklich vor ihm gewarnt.

Cassel. Nachdem in Landwehrhagen an mehreren Koppelwegen Obstbäume angcflanzt sind, Benterode eine größere Anlage gemacht hat, ist der frühere Lintze-Hof in Lutlerberg von einem Kasseler Herrn angekauft. Die gefammten Ländereien sollen mit Obstbäumen ange-