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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 9. März 1898

49. Jahrgang

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Deutsches Reich

Berlin. Unser Kaiser ist von seiner Reise nach Wilhelmshafen und Bremen am Freitag Abend nach Berlin zurückgekehrt.

Ueber die Lage in Südwestafrika, wo bekanntlich in letzter Zeit wiederholt Gefechte zwischen Abtheilungen unserer Schutztruppe und aufständischen Eingeborenen im Norden der Kolonie stattfanden, gehen derKöln. Ztg." von einem soeben aus Swakopmund eingetroffenen Deutschen folgende Mittheilungen zu: Die im Norden des Schutzgebietes an der portugiesischen Grenze ausge- . brochenen Unruhen machen der Behörde viel zu schaffen, da die Neger über 10000 gezogene Gewehre und für den Anfang genügende Munition verfügen. Der Landes­hauptmann hat telegraphisch Unterstützung von Deutsch­land verlangt, 150 Mann und mehrere Maximgeschütze. Außerdem sind aus Argentinen 300 Pferde verschrieben worden. Zur Unterdrückung des Aufstandes wäre so­fortiges Einschreiten insofern am Platze, als infolge der durch die Rinderpest hervorgerufenen Armuth den Negern jetzt die Möglichkeit genommen ist, sich weitere Munition zu verschaffen. Dennoch soll man die Gefahr nicht unterschätzen; die Eingeborenen sind vorzügliche Schützen, die einen Vogel im Fluge mit der Büchse treffen und keine Patrone verschwenden. In Swakopmund befürchtet man einen Uebersall und hat Gewehre an die Bürger vertheilt. Der Bahnbau von Swakopmund nach Windhoek schreitet rüstig vorwärts, man ist bestrebt, jeden Monat 20 Kilometer herzustellen. Unter den beim Bahnbau beschäftigten Europäern ist ein mit Darm­blutungen verbundenes typhöses Fieber ausgebrochen, das schon eine Reihe Opfer gefordert hat.

Die Auer'sche Gasglühlicht-Gesellschaft hat ihre sämmtlichen schwebenden Prozesse verloren, indem der Livilsenat des Kammergerichts zu Berlin die Auer'schen Klagen wegen Patentverletzungen in sämmtlichen Fällen abwies. Die erste Instanz hatte bekanntlich zu Gunsten Auers erkannt. Gegen das abweisende Erkenntniß her zweiten Instanz hat die Firma Auer, wie zuverlässig verlautet, sofort die Revision angemeldet.

Die Militärkapellmeister werden demnächst ein äußeres Zeichen erhalten, das sie deutlicher als bisher von den Feldwebeln unterscheiden soll. Ihre Uniformen werden nämlich an Stelle der Cantillen Offiziers-Achsel- stttcke mit einer Lyra erhalten. Ein Stern kennzeichnet den Träger als Königl. Musikdirigenten, zwei Sterne bezeichnen ihn als Königl. Musikdirektor. Die Regrments nummer kommt in Wegfall. Die Frage ob, den Kapell­meistern das Tragen von Juterimsröcken gestattet werden wird, ist noch unentschieden.

Die Landwirthschaftskammer der Provinz Sachsen hatsichmitderEinwanderungländlicherArbeiterausRussisch- Polen beschäftigt und folgende Erklärung angenommen. Die Einwanderuag vonArbeitern muß unter gewissen Voraus­

setzungen nicht nur geduldet, sondern gefördert werden,',um den großenArbeitermangel auszugleichen, der durch dieAbwander- ungvom Lande in die Städte und in die Industriegebiete ent­steht. Es find Maßnahmen zu treffen, die die Landbevölkerung aus wohlverstandenen Selbstinteresse an das Land fesseln. Eine umfassende Regelung der Verhältnisse der länd­lichen Arbeiter im Wege der Reichsgesetzgebung ist dringend erwünscht. Die Zustände auf dem Gebiete des gewerbsmäßigen Gesinde- und Stellenvermittelungswesens sind unhaltbar.

Essen. Am 24. Februar 1843 übernahm der ver­storbene Alfred Krupp die hiesige Gußstahlfabrik. Das Werk beschäftigte damals 120 Arbeiter. Jetzt besteht die Firma aus der Gußstahlfabrik, dem Stahlwerk in Annen, dem Grusonwcrk bei Magdeburg, vier Hochofen­anlagen bei Neuwied, Duisburg, Engers und Rhein­hausen, drei Kohlengruben, verschiedenen Steinbrüchen, fünfhundert Eisensteingruben, einem Schießplatz, vier Seedampfern, der Aktiengesellschaft Germania und be­schäftigt ungefähr 35 000 Personen mit nahezu 70 000 Familienangehörigen.

Essen. Die Störung im rheinisch-westfälischen Fern- sprechdicnst ist eine derartige, wie man sie in solchem Umfange bisher in Deutschland wohl noch nicht erlebt hat. Der Gesammtschaden beläuft sich der Frankf. Ztg. zufolge nach fachmännischer Schätzung auf mehr als eine halbe Million. In einem Bezirke, der sich von Aachen bis Münster erstreckt und die Jndustriemittel- Punkte Krefeld, M.-Gladbach, Düsseldorf, Essen, Dort­mund umfaßt, find fast sämmtliche Drähte zerrissen.

Ausland.

Rußland. Der transkontinentale Kanal Ostsee- Schwarzes Meer. Die russische Regierung hat soeben die Vorarbeiten für das gigantische Unternehmen fertig- gestellt, dessen Fertigstellung von großem Einfluß auf die Konstellation Europas sein wird. Der Beginn der Vorarbeiten ist auf den kommenden Frühling festgesetzt worden. Die Ausmessungen des Kanals werden außer­ordentlich sein: Die Breite im Wasserspiegel 65 Meter, auf dem Grunde 35 Meter; die Tiefe soll durchweg 8,5 Meter betragen. Der Kanal beginnt bei Riga, folgt dem Lauf der Düna bis Dünaburg und erreicht im gegrabenen Bett die Stadt Lepel an der Beresina. Dem Lauf dieses Flusses bis zu dessen Zusammenfluß mit dem Dnjeper folgend, benutzt er schließlich diesen Strom, um unterhalb Chersow ins Schwarze Meer zu münden. Demnach sind von der 1600 Kilometer be­tragenden Gesammtlänge des Kanals nur 200 Kilo­meter künstlich. Gleich dem Nordostseekanal soll auch

Die Ursache ist darin zu erblicken, daß die Temperatur i an dem Abcud, als der Schneefall begann, über Null i war. Der Schnee blieb deshalb an den Drähten all­gemein haften. Plötzlich trat uun stärkere Kälte ein, i so daß die Schneemassen Eisschichten um die Drähte bildeten, die dann immer neuen Schnee aufnehmen konnten, bis endlich die Verbindungen an den Dach- gestängen rissen. Schließlich senkten sich die Gestänge selbst zur Seite, wodurch noch mehr Drähte außer Ver­bindung gesetzt und häufig auch die Dächer beschädigt wurden. Die Erneuerungsarbeiten werden sich etwa einen Monat hinziehen. Weiter sei bemerkt, daß jetzt, wo die Schneemassen zu schmelzen beginnen, am Rhein, Mosel, Saar und Ruhr Hochwasser befürchtet wird.

Köln, 4. März. Ein kranker Papagei verursachte vor einigen Tagen den Tod von vier Personen. Es erkrankten sechs Hausangehörige an Lungenentzündung, wovon drei starken: außer diesen erlag derselben Krank­heit eine die Kranken pflegende barmherzige Schwester, während andere Schwestern erkrankten. Der Papagei soll die Krankheit dadurch übertragen haben, daß er Zucker aus dem Munde von Personen genommen hat; er wird z. Z. einer bakteriologischen Untersuchung unterzogen, um die Natur der Infektion zu ergründen.

Einen Hauseinsturz, der von schrecklichen Folgen begleitet war, meldet man aus Köln. Dienstag Nach­mittag stürzte ein großes, Geschäftszwecken dienendes Gebäude ein, in dessen gesammten Innern Handwerker mit Renovirungsarbeiten beschäftigt waren. Sämmtliche drei Etagen bilden einen Trümmerhaufen. Zwei Per­sonen sind todt, vier wurden schwer verletzt heraus­befördert und in hoffnungslosem Zustande dem Hospital überliefert.

Colmar. Ein Weinpauscher-Prozeß wurde vor der Strafkammer in Colmar in Elf. gegen den Weinpfuscher Brendel aus Egisheim verhandelt. B. wurde zu 1000 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Der Prozeß ist der erste einer großen Serie gegen Weinhändler schwebender Anklagen, die von der Colmarer Staatsanwaltschaft im Einver- stäudniß mit dem reichsländischen Ministerium eingeleitet wurden.

Breslau. Nach Kiaotfchau wollen, wie dieSchles.Ztg." erfährt, auch einige Gastwirthschaftsbesitzer Schlesiens gehen, um dort für die Bedürfnisse der zwischen 3000 bis 4000 Mann starken Schiffs- und Landbesatzung nicht nur an Getränken und sonstigen Verpflegungs­verbesserungen, sondern auch an allen den kleinen Ar­tikeln und Gegenständen zu sorgen, deren unsere dortige Mannschaft bedarf. Die Reise nach Kiautschau kostet mit den von Bremerhaven abgchenden Reichspostdampfern in der dritten Klasse 440 Mk. bis Schanghai, in der ersten 1390 Mk. Dazu kommen die Reisekosten nach Bremerhaven und diejenigen von Schanghai nach Kiaut­schau, so daß sich der Gesammtsahrtpreis dritter Klasse auf ca- 600 Mk. und erster Klasse auf ca. 1480 Mk. stellt. Die Fahrt von Bremerhaven nach Schanghai währt ca. 9 72 Wochen und der am 23. März von Bremerhaven abgehende Reichspostdampfer soll am 9. : Mai in Schanghai eintreffen. Von Schanghai nach i Kiautschau währt die Fahrt ca. 36 Stunden und kostet Kajüte 50 Mk., Zwischendeck 20 Mk.

erfahren durch die Correktion verschiedener Flüsse, mit deren Hilfe eine große Anzahl von Städten, wie Dis- ma, Mozir, Cernizow, Öfter, Zitomis und Poltawa, Anschluß an den Kanal erhalten werden. Die Fahrt­dauer ist für große Dampfer auf sechsmal 24 Stunden bei sechs Knoten Geschwindigkeit pro Stunde berechnet Wie bei dem Suez- und der Nordostsegkanal wird die Schiffbarkeit des Kanals auch Nachts nicht unterbrochen; denn einmal sorgt ein gewaltiges BeleuchtungSsystem für Erhellung des Fahrwassers, andererseits trägt jedes Schiff am Bug einen starken Scheinwerfer, um unan­genehme Begegnisse abzuwehren. Die Gesammtkosten des Unternehmens sind, selbst alle Flußkorrektionen ein­gerechnet, nicht hoch; sie betragen nur 200 Millionen Silberrubel, in welcher Summe sogar die Terrainan­käufe inbegriffen sind. Die Herstellungszeit des KanalS ist auf 5 Jahre bemessen.

Amerika. Die Mitglieder der amerikanischen Unter­suchungskommission über den Untergang derMaine" sind von Havana in Key-West eingetroffen. Dort be- geben sie sich an Bord des Vereinigten Staaten-KreuzerS New-Iork", welcher sie nach New-Aork befördern wird. DemDaily Mail" wird aus Washington berichtet, daß die Untersuchuugskommiffion ihren Bericht nicht vor Ablauf von 14 Tagen veröffentlichen wird. Derselbe wird keine Schlußfolgerung erhalten, sondern sich nur auf Darstellungen beschränken, die indeß geeignet sein sollen, großes Aufsehen zu erregen. In Washington wurde bereits eine Karte vom Hafen von Havana ver­öffentlicht, welche die Punkte angiebt, wo sich die unter­seeischen Minen und Torpedos befinden. Der amerika­nische Vertreter in Havana hat sich 1896 die Karte verschafft. Sie wurde auf Befehl des Generals Weyler angefertigt. Ein Exemplar befindet sich gegenwärtig in den Archiven der Kongreßbibliothek. Die amerikanischen Militär- und Marinebehörden stellen nicht mehr in Ab­rede, daß die Vereinigten Staaten militärische Vorbe­reitungen treffen. Rockefellers Besitz. Die Aktien der Standard Oil Co. halten in diesen Tagen einen Kurs von 444. Der Pariwerth derselben beträgt 100 Doll. pro Stück. Von diesen Aktien soll der Präsident der Standard Oil Co., John D. Rockefeller, dreihundert- tausend Stück besitzen. Außerdem besitzt Rockefeller die Eisenerzminen des Mesaba-Distrikts in Minnesota, sowie eine Flotte von einigen zwanzig großen Dampfern, auf welchen die Eisenerze vom Lake Superior nach dem Erie-See und von dort weiter nach Pittsburg trans- portirt werden. Welche Summen Rockefeller in Re- grerungs-, Munizipal- und Eisenbahnbonds investirt hat, entzieht sich der Berechnung. Die Annahme, daß John D. Rockefeller der reichste Mann der Vereinigten Staaten ist, hat nach der N.-A. H.-Z. große Wahr­scheinlichkeit für sich.

Lokales n»d Provinzielles.

* Schlächtern, 8. März.

* Bei der gestern und heute stattgehabten Wahl der Stadtverordneten wurden gewählt in der 2. Abtheilung: Ludwig Hafner, Johannes Guter­muth jun., Adam Fehl, Leonhard Batst, Ferdinand Fenner, Victor Wolf. In der 1. Abtheilung: Ludwig Bolender, Dr. Traugott Hayner, Markus Sichel, Meier Neuhof, Benedikt Strauß, Hermann Reis.

* Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer

vom 3. März. Berufungssache des 35jähr. Wagners Adam S. zu Seidenroth, durch schöffengerichtliches Ur­theil von Steinau am 21, December v. I. wegen Widerstands, Vergehen aus § 113 R.-St.-G.-B. zu 6 Tagen Gefängniß verurtheilt. Im Auftrage eines Gläubigers, des Metzgers L. von Steinau, welcher an den verstorbenen Vater des Beklagten eine Forderung von 48 Mk. hatte, wollte der Gerichtsvollzieher F. ein zur S.'schen Nachlaßsache gehöriges Schwein pfänden, wurde jedoch daran gehindert, da der Beklagte sich vor

den Stall postirte, den Eingang verwehrte und auf aus- drückliches Befragen, ob er Widerstand leiste, antwortete: Ja, ich leiste Widerstand. S. gesteht den Vorgang auch ein und giebt zur Begründung seiner Berufung an, daß es sich in vorliegendem Falle nm ein parteiliches Vorgehen des Gerichtsvollziehers handle. Derselbe habe erst eine Viertelstunde vor der Pfändung die Auction des Objectes angekündigt, so daß sich unmöglich Kauf-

dieferneueste Verkehrsweg der Menschheit, dem militärischen l --------- . . .

sowohl wie dem kommerziellen Zwecke dienen. Dielliebhaber einfinden konnten. Dieser Coup sei jedoch be« kommerzielle Bedeutung wird eine bedeutende Vermehrung | absichtigt gewesen, damit der mitgekommene Metzger L.