SchlüchternerMung
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25. Samstag, den 26. März 1898. 49. Jahrgang.
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich
Berlin. Die Reise des Kaisers nach Jerusalem und Konstantionpel ist, wie aus bester Quelle mitge- theil wird, bestimmt bis zum Monat Oktober hinausgeschoben worden.
Metz, 20. März. Heute als dem 70. Geburtstage weiland Prinzen Friedrich Carl von Preußen, erfolgte hier in Gegenwart des Prinzen Friedrich Leopold die Enthüllung des Denkmals für den Prinzen. Prinz Friedrich Leopold gab das Zeichen zur Enthüllung des Denkmals, welche unter dem Gruße der Geschütze, unter dem Präsentiren der Truppen und unter dem Geläut der Glocken der Garnisonskirche erfolgte. Oberpostdirektor Knauf dankte hierauf im Namen deS Denk- malSkomiteeS dem Kaiser, den Fürsten und allen Denen, durch deren Unterstützung das Denkmal errichtet werden konnte, woraus Bürgermeister Frhr. v. Krämer das Denkmal im Namen der Stadt übernahm. Hierauf verlas General Graf Häseler die Ordre des Kaisers, dankte für diese kaiserlich Kundgebung und brächte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus. Während des FeftaktvS' waren die Fahnen und Standarten im Halbkreis um daS Denkmal aufgestellt.
Eisenach, 21. März. Ein großer Maurer- und Zimmerer-Streik droht hier auszubrechen. Wie verlautet, werden 700 Maurer uns Zimmerleute wegen Lohndifferenzen die Arbeit niederlegen.
Gießen, 23. März. Der landwirthschaftliche Provinzial-Verein für Oberhessen hat für den Monat Juni l. I. hier eine Ausstellung von Rindvieh der Vogelsberger Rasse beschlossen. Es liegt die Absicht vor, nicht nur Vogelsberger Vieh aus unserer Provinz, sondern auch aus dem anliegenden Zuchtgebict der Provinz Hessen-Nassau z. B. aus den Kreisen Bieden- kopf, Marburg, Wetzlar u. s. w. zur Ausstellung zu- jutaffen.
Lokales «ud Provinzielles.
* Schlüchtern, 25. März.
* — Herr Regierungs-Assessor von Belowzu Cassel ist an Stelle des Amtsrichters Rothe zu Salmünster zum Vorsitzenden der Schiedsgerichte für den Kreis Schlüchtern ernannt worden.
* — Am Mittwoch Abend erlegte Herr Drusche! sen. im Katzenthal bei Niederzell die erste Schnepfe in diesem Jahre.
* — An den Folgen der im Feldzug 1870/71 erhaltenen Schußwunden, <die stets wieder aufgebrochen waren, starb vor einigen Tagen in der Klinik zu Marburg der frühere Gerichtsdiener am hiesigen Amtsgericht U. Kreß. Seinem letzten Wunsche gemäß fand er seine letzte Ruhestätte aus hiesigem Friedhof.
* — Dem Kriegsinvaliden Titus Klug zu Eckardroth im hiesigen Kreise ist aus den für 1897/98 fälligen Zinsen der von dem Geh. Kommerzienrath Salomon Lachmann in Berlin gegründeten Stiftung ein Geldgeschenk von 50 Mark bewilligt worden. Dem Wunsche des Stifters gemäß werden diese Geschenke, deren in jedem Jahre 25 zur Vertheilung kommen, den Empfängern zum 22. März, dem Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers Wilhelm L, portofrei zugesandt.
—n. Der allen Deutschen unvergeßliche 22. März gestaltete sich in diesem Jahre für den Kriegerverein Schlüchtern zu einem recht freudigen Tage. Den verehrten hiesigen Veteranen der glorreichen Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 wurde nämlich von dem Ehrenpräsidenten des Vereins, Herrn Hauptmann Rechtsanwalt Henrichs in recht feierlicher Weise die von Sr. Majestät unserm allergnädigsten Kaiser gestiftete Centenar-Medaille überreicht. Angesichts der bekränzten Büste des hochseligen Heldenkaisers Wilhelm L, die inmitten einer vom Gärtner v. Rockenthicn ausge- führten prachtvollen Decoration von lebenden Blumen^
* — Aus der Sitzung der Strafkammer zu Hanau vom 21. März. Der mehrfach vorbestrafte 22jäynge Dienstknecht Kaspar K. aus Frankfurt a. M. z. Zt. in Wehlheiden eine ihm am 19. Mai v. I. zu Frankfurt, zusätzlich in Aschaffenburg und Würzburg erkannter Strafen, auferlegte Gesammtstrafe von 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verbüßend, ist des schweren Dieb- stahls in wiederholtem Rückfalle angeklagt. Der Beklagte gibt die Verübung der ihm zur Last gelegten That zu, wonach er seinem früheren Dienstherrn, dem Karroussel-Besitzer Lehmann aus Steinau, einen diesem gehörigen Anzug aus der von demselben bet Wirth H. dortselbst gemietheten Kammer entwendete, bestreuet jedoch die That mittelst Erbrechens vollführt zu haben. Mangelnden Schlosses halber war die Kammerthür nur mit einem Strick, der von einer in der Thür befindlichen Klammer nach einem in dem Pfosten steckenden Nagel gespannt war, geschlossen. Diesen Strick soll K. nun durchschnitten haben; jedoch ist seine Angabe, daß derselbe seinerseits nur aufgeknotet worden sei, weder durch die Augenscheinsoornahme noch durch die Angaben des Hauseigenthümers widerlegt und somit ist die Quali- ficatlvn des schweren Diebstahls nicht vorhanden, da die Thatbestandsmerkmale der Anwendung gewaltsamen Be- seitigens des Verschlusses fehlen. Unter Verweigerung mildernder Umstände lautet das Urtheil auf 1 Jahr Zuchthaus. — Die Verhandlung gegen den, der gefährlichen Körperverletzung angeklagten 20jährigen Dienstknecht Augustin G. von Rabenstein ergab folgendes Bild: Vor etwa 2 Jahren hatte der Bauer I. in Rabenstein seinem Sohne Augustin I. das Anwesen übergeben, indem er selbst als Auszügler sich im oberen Stocke des Wohnhauses etablirte. Bet dieser Uebernahme vorgekommene Differenzen hatten nun Entzweiung und ständigen Hader der Mitglieder der Familie I. unter sich zur Folge, der noch dadurch genährt wurde, daß der Vater P. I. in 'feiner Wohnung junge Leute, Mädchen und Jungens, duldete, die ab und zu sich mit einem Tänzchen zur Ziehharmonika vergnügten. Bei dem beiderseitig gespannten Verhältniß war voraus« zusehen, daß diese Zusammenkünfte von der Gegenpartei auf's schärfste krttisirt und endlich Anlaß zu ernsterer Feindseeligkeit bieten mußten. Und diese brach am 11. Januar d. J. plötzlich aus. DaS junge Volk hatte sich wieder einmal in der Wohnung des alten I. versammelt, tobte sich recht aus und brächte dadurch den Augustin I. in hellste Wuth. Als dann in später Stunde die beiden Kameraden Bernhard O. und Aug. G. sich nach Hause begeben wollten, trat ihnen Augustin I. im Hausflur entgegen und wandte sich an G. mit den Worten: „Du hast Dich oben in der Wohnung ungezogen aufgeführt, Du kommst mir nicht mehr in das HauS." G. verwahrte sich hiergegen, ein Wort gab das Andere, bis schließlich der junge Mensch mit kräftigen Schwünge vor die Thür flog, wo sich dann ein Handgemenge entwickelte, in dessen Verlauf I. seinen Gegner mehrere Male in die Dunggrube warf; als er schließlich mit einem Mistgabelstiel ihn bearbeitete zog G. sein Messer und versetzte dem Gegner zwei Stiche in die Stirne und einen in die Brust. Damit hatte die Sache vorläufig ihr Ende erreicht. Am nächsten Morgen wurde Aug. G. verhaftet. Während I. früher aufs Bestimmteste angab, G. habe gestochen ehe seinerseits der Angriff mit dem Knüppel erfolgte, hält er nunmehr nach ernster Verwarnung diese Angabe nicht mehr fest aufrecht. Nach der ganzen Sachlage wie sie die Beweiserhebung ergab, kann das Gericht nicht umhin anzunehmen, daß der Beklagte in Nothwehr handelte und gab es diejer Annahme durch ein sreisprechendeS Urtheil Ausdruck.
* Steinau, 24. März. (Nachahmungswerth!) Herr Pfarrer Schneider zu Steinau hat in Gemeinschaft mit den Herrn Lehrern dortselbst, eine Schul- oder Jugendsparkasse gegründet im Anichluß an unsere Kreisspar- kasse dergestalt, daß letztere Kasse Sparmarken ä 10 Psg., welche auf Sparkarten mit 10 Feldern geklebt werden, den obigen Herren zur Verfügung stellt und bei diesen in Empfang genommen werden können. Die Sparkarten werden mit dem Namen des Sparers versehen, und gelangen vollgeklebt und gesammelt von Zeit zu Zeit an die Kreisiparkasse, von welcher diese Karren in das jedem Sparer kostenfrei übergebene Sparkassenbuch eingetragen werden. Was soll hiermit bezwecke werden, höre ich fragen? Wir haben ja fast an jedem Orte eine
aufgestellt war, hielt Herr Hauptmann Henrichs eine zündende und zu Herzen gehende Ansprache an die Veteranen, die in einem brausenden Hoch auf unsern geliebten Kaiser und obersten Kriesherrn gipfelte. Nach geschehener Ueberreichung und Anheflung der neuen Auszeichnung hob Redner in weiterer gediegener Ausführung die großen Verdienste der Veteranen hervor, indem er namentlich betonte, daß sie redlich und nach besten Kräften mitgeholfen hätten, das neue deutsche Reich zu gründen und die neue Kaiserkrone zu schmieden. Ganz besonders aber legte er es ihnen auch sehr warm aus Herz, fortan nicht nur das Bildniß des geliebten Kaisers Wilhelm I, der den seltenen Vorzug hatte, ein wirklicher Liebling seines Volkes gewesen zu sein, aus der Brust zu tragen, sondern auch immerdar sein Andenken treu in ihrem Herzen zu bewahren. In das in Anschluß daran ausgebrachte Hoch aus die verehrten Vertrauen stimmten die älteren und jüngeren Mitglieder des Vereins, die nicht die Ehre hatten, für Deutschlands Recht, Freiheit und Ehre mitzukämpfen, freudig und begeistert ein. Für die weitere würdige Begehung dieser freudigen Feier sorgte wie gewöhnlich der Krieger- gesangverein, der in entsprechender Abwechselung mit allgemeinen Gesang zahlreiche mit Beifall aufgenommene vierstimmige patriotische Männerchöre vortrug. Möge es den wackeren Veteranen unseres Vereins vergönnt sein, noch recht lange dem Verein als vorbildliche und nachahmenswerthe Mitglieder anzugehörenft
* — Die Landwirthschaftskammer in Cassel macht bekannt, daß für ihren Bezirk der Jnstitutsgärtner des pomologischen Gartens, Herr Huber-Caffel, sowie die Herren Winterschul-Direktoren Dr. Hesse-Marburg und Wagner-Gelnhausen als Sachverständige zur Erkennung der San-Josö-Schildlaus ausgebildet wurden. In Anbetracht der Gefährlichkeit dieses Insekts liegt es im Interesse aller, die Obstbäume besitzen, dieselben einer genauen Besichtigung zu unterwerfen und bei vermeintlichem Auftreten dieser Schildlaus die befallenen Zweige rc. zur Feststellung an einen der obengenannten Herren zu senden.
* — Sehr zu bedauern ist eine Thatsache, die die Intendantur des sächsischen Armeekorps mittheilt. Die genannte Heeresverwaltung macht bekannt, daß sie nach wie vor gezwungen ist, ihre Getreide-Ankäufe der Hauptsache nach durch Händler zu bewerkstelligen; denn die Angebote von Getreide dnrch die Landwirthe selbst seien in sehr geringem Umfange erfolgt. Aber gerade der unmittelbare Getreide-Verkauf des Landwirths an das Heer ist für den Landwirth außerordentlich wichtig. Geht es denn niemals vorwärts mit den landwirthschaft- lichen Verkaufs Genossenschaften?
* — Aus den Verhandlungen des am Sonntag in Fulda stattgehabten Gauturntages des Obersuldagaues sei mitgetheilt, daß. das diesjährige Gauturnfest in Rotenburg abgehallen werden soll. Als Tag wurde vorläufig der 3. Juli bestimmt. Auch wurdebes chlossen, in diesem Jahre eine Gauturnfahrt nach dem Stoppelsberg zu verunstalten.
* — Mit Rücksicht auf die Gefahr der Verbreitung der Schafräude hat die kgl. Regierung zu Kassel im Anschlüsse an die kurhessische Hirtenordnung vom 18. Oktober 1828 für das laufende Jahr eine Reihe von Anordnung gegen die Einführung und Verbreitung der Schafräude im Regierungsbezirk erlassen. U. a. haben in allen Gemeinden, in welchen Schasheerden vorhanden sind, die sich aus Beständen verschiedener Schafbesitzer zusammensetzen, die Schafhalter für eine jede Heerdc bis zum 1. April ein geeignetes Gemeindemitglied zum Schäferei-Aufseher zu wählen und mit der besonderen Beaufsichtigung der Schafheerde zu beauftragen. Kommt eine giluge Wahl bis zum 1. April nicht zu Stande, so ernennt der Landrath den Schäferei- Aufseher aus den Gemeindegliedern.