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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 40. Mittwoch, den 18. Mai 1898. 49. Jahrgang.

RostpllltNHOH °uf bic »Schlüchterner Zeitung" ^HUuUilO^O werden noch fortwährend von allen --------------~ ' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Nachdem Stadt- und Landkreis Hanau nunmehr wieder frei von Maul- und Klauenseuche sind, sollen die für die Stadt Hanau angesetzten Viehmärkte wieder abgehalten werden.

Wiederkäuer und Schweine dürfen nur durch die vom hiesigen Oberbürgermeisteramte veröffentlichten Stadt­eingänge (Kontrolstationen) dem Marktplatze zugeführt werden.

Nach § 3 der landespolizeilichen Anordnung vom 21. Juni 1897 ist das Aufbringen von Wiederkäuern und Schw: I auf die Märkte nur dann gestattet, wenn den marklpvuzeilichen Organen eine von der zuständigen Ortsbehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß in der Ursprungsgemeinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche bei Schweinen: weder die Maul- und Klauenseuche, noch eine der Schweineseuchen herrscht, und daß die Ursprungsgemeinde in den letzten 4 Wochen nicht zu einem Bcobachtungsgebiet im Sinne des § 59a der Bundesrathsinstruktion gehört hat.

Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.

Ferner dürfen nach der landespolizeilichen Anordnung 17. Dezember 1895

vom - - , on,. die aus ver cuchten Nachbar-

20. August 189b

gebieten (letztere werden allmonatlich bekannt gemacht) mit der Eisenbahn in den Regierungsbezirk ein geführten Wiederkäuer und Schweine, wenn dieselben nicht mittelst Wagen von der Ausladestation in ein öffentliches Schlacht­haus überführt werden, nicht eher entladen werden, bevor sie von dem zuständigen beamteten Thierarzt untersucht und für gesund befunden worden sind.

Die Benachrichtigung des Kreisthierarztes von der bevorstehenden Ankunft einer Biehsendung liegt dem Empfänger derselben ob und hat mindestens 12 Stunden vor Ankunft der Viehsendung telegraphisch oder schriftlich zu erfolge», andernfalls kann der Empfänger keinen Anspruch auf die Untersuchung des Viehes alsbald nach dessen Ankunft machen.

Der Transport von Schweinen und Kälbern darf nicht durch Treiben geschehen, sondern die Thiere müssen gefahren oder getragen werden.

Schließlich verweise ich noch auf die Polizeiverord- 3. Dezember 1896 .

nung vom 27 August 1897~ ^tr. die Llstenfuhrung über den An- und Verkauf von Rindvieh, Schafen, Schweinen, Pferden durch Viehhändler.

Der nächste Viehmarkt findet am 18. Mai ds. Js. statt.

Hanau, am 10. Mai 1898.

P. 5127 Königliche Polizeidirektion, v. S ch e n ck.

Deutsches Reich. _

Berlin. Am Sonntag ist das Kaiserpaar in Straß­burg eingetroffen, woselbst ihm von der Bevölkerung ein sehr herzlicher Empfang zu theil geworden ist. Unter brausenden Hoch- und Hurrahrufen fuhr der Kaiser als­bald nach Kehl zu dem von den Offizieren veranstalteten Wettrennen. Am Abend fand in Straßburg ein großer Militär-Zapfenstreich statt, der Tausende von Bewohnern derwunderschönen Stadt" auf die Beine brächte. Die Majestäten konnten begeisterte Ovationen entgegennehmen. Am Mittwoch gedenkt das Kaiserpaar wieder in Berlin zu sein. Es steht außer Zweifel, daß der Kaiser den Landtag am Mittwoch schließen wird. Das Abgeordneten­haus hält nur noch zwei Sitzungen ab.

Ueber die Ankunft des Prinzen Heinrich von Preußen in Peking werden folgende Einzelheiten mitge- theilt: Prinz Heinrich wurde auf der ganzen Strecke von Taku bis Peking in der großartigsten Weise empfangen. Der deutsche Gesandte v. Heyking war von Tientsin nach der Rhede von Taku hinausgckommcn, wo er den Prinzen begrüßte. Als Vertreter der chinesischen Behörden hatte sich ein hoher Mandarin eingefunden, der dem Bruder des deutschen Kaisers seine tiefste Ehrfurcht bezeugte. In den Takuforts, in Tanku und in Tientsin war zu Ehren des Prinzen zahlreiches Militär ausgestellt; die Soldaten präsentsten das Gewehr, während die Offiziere nieder­

knieten. In Tanku wurde Prinz Heinrich von dem Vizekönig empfangen. Bei der Abfahrt des Eisenbahn- zuges nach Peking wurden dem Prinzen von der Volks­menge lebhafte Ovationen dargebracht. In Peking empfing der Bruder des Kaisers von China den hohen Gast am Bahnhof, der von einer riesigen Menschen­menge umlagert war. Nach der feierlichen Begrüßung erfolgte der Einzug in die Stadt. In den Straßen bildete Militär Spalier; berittene Mandarinen befanden sich an der Spitze des Zuges, dann folgte ein Halbzng Seesoldaten. Prinz Heinrich wurde in einer prachtvollen Sänfte getragen, hinter ihm kam sein Gefolge, ebenfalls in Sänften. Die Straßen waren überall von dicht­gedrängten Volksmasfen angefüllt.

Mit der Anlage von Versicheruugs Kapitalien in Arbeiterhäusern sind in Deutschland stellenweise bcmcr- kenswerthe Erfolge erzielt worden. So waren speziell bei der Hannoverschen Anstalt bis zum vorigen Jahre 4,66 Millionen Mark Darlehn für den Bau vou Arbeiter- Wohnungen bewilligt, und die allein an 200300 einzelne Arbeiter gewährte Darlehnssumme überstieg schon eine Million Mark. Für das Kapital von 4,66 Mill. Mark wurden 703 Häuser, 1745 Wohnuugen, die vou etwa 9000 Einwohner bewohnt sind, errichtet. Die Miethen in den für Miethsparteien hergestellten Hänscrn schwankten bei durchschnittlich vier Wohnräumen (Küche eingeschlossen,) zwischen 120 und 227 Mark, der Zinsfuß der Darlehen zwischen 3 und ZU Proz.

Besteuerung der Waarenhäuser. Zur Berathung einer stärkeren Besteuerung der Waarenhäuser hat der Fin mz- minister eine Anzahl von Sachverständigen des Handels und Gewerbes, darunter Mitglieder des Berliner Aeltestencollegiums der Kaufmannschaft, die Vorsitzenden der großen kaufmännischen und industriellen Bereinigungen, sowie Vertreter der städtischen Behörden Berlins zu einer Conferenz auf Mittwoch, den 18. ds. Mts. laden lassen.

Kiel Die Marineverwaltung in Kiel bewilligt den- stnigen Arbeitern, welche seit 20 Jahren auf den Werften beschäftigt sind, von ihrem 60. Lebensjahr ab beim Eintritt der Invalidität eine lebenslängliche Inva­lidenrente. Die Rente beträgt bei einem Jahresverdienst von 1680 Mark jährlich 600 Mk., nach 30jähriger Dienstzeit 960 Mk., für Arbeiter, welche 1150 Mk. ver­dienen, 360 Mark, und nach 30jähriger Dienstzeit 540 Mark. Den Wittwen verstorbener Arbeiter werden namhafte Wittwenunterstützungen und Kinder Erziehungs­beihilfen gewährt.

Vom Harz. Fünf Jahre Freibier. Zwei Jlsen- burger Herren stritten sich auf dem Eckerkruge über die Einwohnerzahl der Stadt Braunschweig. B. behauptete, Braunschweig habe unter 100,000 Einwohner, K. da­gegen über 100,000. Schließlich machte K. den Vorschlag, folgende Wette einzugehen: K. wolle so viele Glas Bier zahlen, wie Braunschweig unter 100,000 Einwohner habe, B. dagegen solle so viele Glas Bier zahlen, wie Braunschweig über 100,000 habe. Die Wette wurde in Gegenwart von Zeugen perfekt. Ein Kundiger, der zufällig anwesend war, gab Auskunft, daß Braunschweig ca. 126,000 Einwohner zähle. Mithin hat B. 26,000 Glas Bier verspielt und K. ebenso viel zu vertrinken.

Suhl, 13. Mai. Die alberne Manier, einer Person kurz vor dom Hinsetzen den Stuhl heimlich wegzuziehen, hat hier wieder einen recht bedauerlichen Unglücksfall veranlaßt, indem der 17jährige Lehrling Max Seeburg in Folge des an ihm verübten Scherzes so unglücklich niederstürzte, daß er vollständig gelähmt liegen blieb und anscheinend schwere Verstauchungen des Rückgrates erlitt, die seine Ueberführung in die Klinik zu Halle erforderlich machten.

Als sogenannter Grünenthaler Schein wurde in Gera ein Tausendmarkschein angchalten, den die Reichsbank als echt anerkannte. Nachträglich hat sich nun herausgestellt, daß der Schein doch falsch ist. In Gera ist kürzlich noch ein falscher Schein angehalten worden. Der Reichsbankpräsident in Berlin hat daher alle Reichsbankstellen in Deutschland angewiesen, die vorkommenden Tausendmarkscheine auf ihre Richtigkeit genau zu prüfen, außerdem ist auf das Anhalten der falschen Scheine eine Prämie auSgesetzt worden.

In Krefeld sind 1750 Kilogramm amerikanische Plockwurst, welche als trichinös befunden wurden, be­schlagnahmt und vernichtet worden.

Bromberg. In Folge Genusses von verdorbenem Fleisch sind in Fordon bei Bromberg gegen 30 Personen

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erkrankt. Wie bereits festgestellt ist, haben die Leute Fleisch von einem erkrankten Stück Vieh gegessen, das der Besitzer geschlachtet und an einen hiesigen Fleischer verkauft hatte.

Nenenburg (Westpreußen), 9. Mai. Der Duell- unfug greift schon in kleinbürgerliche Kreise über. Viel bespöttelt wird hier eine Forderung zum Duell, die der Schuhmachermeister K. an den Stadtkämmerer Lenz ge­richtet hat, weil dieser ihn wegen ungebührlichen Be­tragens aus dem Rathhause verwiesen hatte. Um seine gekränkte Ehre wieder herzustellen, forderte K. den I Kämmerer durch einen Brief zum Duell im Stadtwald aus, da die Beleidigung nur durch Blut, abgewaschen werden könne. In einer Frist von drei Tagen sollte sich der Kämmerer erklären, ob er die Forderung an- nehmen wollte oder nicht. Der Kämmerer übergab den Brief dem Magistrat und dieser beförderte ihn an die Staatsanwaltschaft. Derschneidige" Schuhmacher- meister verdiente die sofortige Ernennung zum Reserveoffizier.

Ausland.

Brüssel. Die Regierung in Brüssel beschloß strenge Maßregeln gegen die Preistreiberei an der Antwer- pener Getreidebörse. Mehrere ausländische Spekulanten erhielten eine Ausweisungsandrohung.

Antwerpen, 14. Mai. Aus Veranlassung der deutschen Behörden ist hier ein Falschmünzer Namens Steinfortz verhaftet worden, welcher deutsche Banknoten fabrizirte. In der Wohnung des Verhafteten wurden außer allerlei Werkzeugen große Mengen falscher Hundertmarkscheine beschlagnahmt.

London, 11. Mai. Eine Depesche des Blattes Globe" meldet aus Gibraltar vom 11. Mai: Ein englischer Dampfer traf ein und berichtete der Marine- Hehörde, er habe in der vergangenen Nacht einen spanischen Torpedobootzerstörer passirt, eins der zur Bewachung der von Algeciras in der Meerenge bestimmten Schiffe. Bald nach dem Jassiren sah man von dem englischen Dampfer die Lichter an Bord des spanischen Schiffes plötzlich verlöschen. Es folgte eine schreckliche Explosion. Das Schiff verschwand vollständig. Es wird hier ge­glaubt, daß eine Kessel-Explosion stattgefunden und alle an Bord Befindlichen vermuthlich ums Leben ge­kommen sind.

Madrid, 13. Mai. DerKölnischen Ztg." wird von hier telegraphirt: Vier amerikanische Kriegsschiffe beschießen seit gestern früh Cienfuegos (an der Südküste von Cuba) und versuchten, 8 Boote mit Waffen für die Aufständischen zu landen, wurden aber durch die an der Küste ausgestellte Infanterie zurückgewiesen. Die Spanier hatten 14 Verwundete. Die Amerikaner wechselten die Stellung für eine abermalige Beschießung und einer abermaligen Landungsversuch, aber auch an dieser Stelle vereitelten zwei Bataillone die Absicht der Amerikaner. Drei große und drei kleine amerikanische Schiffe setzte» gestern morgen bei Cardenas ein Boot mit Marinesoldaten aus und bemächtigten sich des Leucht- thurms. Darauf fuhren die Schiffe in die Bucht ein und unternahmen eine heftige Beschießung der Stadt, die nur von 2 Kanonenbooten, einer Kompagnie In­fanterie und 300 Freiwilligen vertheidigt war. Zahl­reiche Granaten trafen die Stadt, eine verursachte einen Brand. Ein Kanonenboot ist dienstunfähig. Indeß wurde der Landungsoersuch zurückgewiesea. Die ameri­kanischen Schiffe dampften ab, eines derselben war schwer beschädigt.

Ncwyork. Das kriegerische Drama im atlantischen Ocean hat wieder eine gewaltige Steigerung erfahren. Das amerikanische Geschwader unter Admiral Sampson hat die Hauptstadt Portoricos, San Juan, bombardirt und in kurzer Zeit eingeäschert, und die spanische Kapverde- flotte ist gleichzeitig bei Fort de France (Martinique) angekommen. Die große Seeschlacht dürste nun doch geschlagen werden. Ueber das Bombardement San Juans liegt folgende Nachricht aus Port au Prince vor: Admiral Sampson traf gestern früh vor Sonnenaufgang mit 9 Schiffen in Sicht von San Juan auf Portorico ein. DieIowa" gab den ersten Schuß ab; dann er­öffnete dieJudiana" das Feuer. In wenigen Minuten war das Fort Morro nur noch ein Trümmerhaufen. Die Kanonen des Forts haben das Feuer des ameri­kanischen Geschwaders nur mit einigen Schüssen er­wiedert ; sie wurden fast sofort zum Schweigen gebracht. Die fremden Konsuln, sowie mehrere Tausend Em-