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50. Mittwoch, den 22. Juni 1898. 49. Jahrgang.

falls Sie dieSchlüchterner Zeitung" bisher durch die Post bezw. vom Landbriefträger bezogen haben, das Abonnement auf dieselbe für das nächste Vierteljahr rechtzeitig erneuern zu wollen, damit in der regelmäßigen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Post liefert nur bis zum 30. d. M. und nur in dem Falle weiter, wenn der Abonnementsbetrag mit dem etwaigen Bestellgeld im Voraus entrichtet ist.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Juli beginnende neue Vierteljahr

ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Amtliches.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche noch mit der Erledigung der diesseitigen Ver­fügung vom 7. d. Mts Nr. 3903 betreffend die Privat- hengste, im Rückstände sind, haben dieselbe binnen 3 Tagen bei 3 Mk. Strafe zu erledigen.

Schlüchtern, den 18. Juni 1898.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juni. Das Kaiserpaar, das Freita Nachmittag einen Spazierritt machte, verließ am Sonn abend Morgen Berlin. In den ersten Nachmittags­stunden trafen die Majestäten in Altona ein. Der Em­pfang war gemäß dem Wunsche des Kaisers schlicht, die Ausschmückung der Feststraßen auf ein Geringes be­schränkt. Unter den Huldigungen des Publikums be- gaben beide Majestäten sich nach dem Festplatz, au welchem das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Programm gemäß enthüllt wurde. Nach Beendigung der Festlich­keiten reiste die Kaiserin zu ihrer Schwester nach Grün­holz weiter, während der Kaiser elbabwärts fuhr, in Cuxhaven seine DachtHohenzollern" bestieg und dort am Sonntag bei schönstem Wetter der großen Elbregatta beiwohnte. Abends folgte der Monarch einer Einladung der Hamburg-Amerika-Linie zum Diner an Bord des DampfersPretoria". Am heutigen Montag fährt der Kaiser nach Helgoland, woselbst er mehrere Tage ver­weilen wird.

Bisher sind 397 Wahlergebnisse bekannt. Ge­wählt sind 44 Konservative, 9 Reichspartei, 86 Centrum, 9 Reformpartei, 9 Nationalliberale, 2 Freisinnige Ver­einigung, 1 Bund der Landwirthe, 5 Antisemiten, 33 So- zialdemokraten, 13 Polen, 1 Däne, 7 Elsäffer, 9 Fraktions­lose und4Bauernbündler. l83Stichwahlen stehen aus,wo­ran betheiligt find 46 Konservative, 21 Reichspartei, 34 Centrum, 7 Reformpartei, 77 Nationalliberale, 13 Frei­sinnige Vereinigung, 36 Freisinnige Volkspartei, 9 Deutsche Volkspartei, 4 Bund der Landwirthe, 99 Sozialdemokraten, 4 Polen, 9 Welsen und 9 Fraktionslose. Zersplitterung der bürgerlichen Wählerschaft und ungeahnt starkes An­schwellen der socialdemokratischen Stimmen sind bisher das bezeichnendste Ergebniß der Wahlen. Durch die noch nicht dagewesene Menge der Stichwahlen ist die eigentliche Entscheidung in den zweiten Wahlgang ver­schoben worden, durch den erst die Stärke der einzelnen Parteien bestimmt wird. Immerhin wird man, selbst

wehr, großes Aufsehen; B. hat zahlreiche Betrügereien verübt. Jetzt hat sich herausgestellt, daß er überhaupt kein Lieutenant ist, sondern dem Landsturm angehört, und zwar ohne Charge.

Köln, 15. Juni. Heute stand die Kalker Fleisch- Vergiftung zur Verhandlung. Einzelne Zeugen machten überaus belastende Aussagen gegen den Metzgermeister Esser, der zu jenem Viehhändler, von dem er eine kranke Kuh gekauft hatte, sagte:Es gibt mitJhrer Kuh Spektakel, da zahlreiche Personen erkrankt und zwei gestorben sind. Laßt uns um Gottes Willen Stillschweigen beobachten." Ein Arzt, der 13 Personen behandelt hat, darunter die zwei Verstorbenen, sagt aus, die Fleischvergiftung sei nicht durch die Zersetzung des Fleisches, sondern durch die Krankheit des Thieres hervorgerufen worden. Das Fleisch sei bereits vor der Schlachtung der Kuh ver­dorben gewesen. Der Staatsanwalt beantragte 15 Monate Gefängniß und sofortige Verhaftung des Schlächters Esser; der Gerichtshof erkannte auf drei Monate Ge­fängniß.

Bom Rhein. Der Gemeinderath von Ordenkirchen hatte, um die Spatzenplage zu verringern, für jeden getödteten Sperling eine Prämie von 5 Pfg. ausgesetzt. Das Ergebniß war, daß die Stadt sehr tief in den

teten aber keinen Schaden an. Sie haben, wie man glaubt, große Verluste erlitten, während auf Seiten der Amerikaner kein Mann gefallen und alles uubeschädigt geblieben ist. Das DynamitschiffVesuvius" feuerte wiederum drei Schüsse ab. Einer traf die im Hafen von Santiago gelegene Insel Cayosmith; die Wirkung des Dynamits war fürchterlich. An der Stelle, wo das Geschoß einschlug, entstand eine große Höhlung, in der bequem eine ganze Kirchengemeinde Platz gehabt hätte. Am Mittwoch Morgen kamen spanische Soldaten ins amerikanische Lager bei Guantanamo und sagten, sie wollten sich ergeben, weil ihre Landsleute dem Hunger- todte nahe wären. Hunderte von Spaniern würden sich gern in die Hände ihrer Feinde geben, wenn ihnen von den Amerikanern ihr Leben zugesichert würde. Sie hatten an dem Gefecht vom Dienstag theilgenommen, in welchem 150 Spanier getödtet worden waren, und erzählten, tausend Spanier hätten für Donnerstag Nacht einen Angriff auf das amerikanische Lager geplant. Als die amerikanischen Schiffe vom Bombardement zurück- kehrten, lockerte die Schraube derMarblehead" eine Mine, die an Deck gebracht und geöffnet wurde. Man fand darin 57 Kilo Schießbaumwolle.

New-Aork. Von der zähen Energie, mit der die Spanier bei Caimanera sümpften, legen nachträgliche

Meldungen über das Gefecht Zeugniß ab, welches am Samstag Abend voriger Woche begann und erst am Sonntag Abend mit dem Rückzug der Spanier endete. Das Gefecht fing mit vereinzelten Schüssen auf die amerikanischen Piquets an, die erst wichen, dann aber auf die vorrückenden Spanier eindrangen. Das Marine­bataillon formirte drei Seiten eines hohlen Vierecks um ihr Lager, unten in der Bucht lag das amerikanische KriegsschiffMarblehead" vor Anker. Landeinwärts vom Hügel, auf dem das Lager sich befindet, ist. eine tiefe Einsenkung und jenseits ein hoher Hügelrücken.

Beutel greifen mußte. Da die Nachbargemeinden diese _........ ....

famose Prämie jedoch nicht nachahmten, so war eine I Das benachbarte Land ist von dichtem Unterholze durch- Verminderung des Spatzenvolkes überhaupt nicht wahr- brochen. Darin waren die Spanier versteckt, wogegen

wenn es gelingen sollte in den etwa 70 Stichwahlen, an denen die Sozialdemokratie betheiligt ist, die bürger­lichen Parteien zu vereinen und so den sozialdemo­kratischen Ansturm abzuweisen, mit einem Zuwachs für die socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten zu rechnen haben. Das fünfte Dutzend wenigstens dürfte voll werden und mehr haben die sozialdemokratischen Führer selbst nicht erhofft.

* Militärische Auszeichnung- der Fahnen- und Standartenträger. Den Fahnenträgern der Fußtruppen und den Standartenträgern des Heeres sind besondere Abzeichen verliehen worden. Es sind darüber folgende Bestimmungen getroffen worden: Die Träger der Feld- zerchen erhalten ein Abzeichen zum Waffenrock sowie einen Ringtragen, der zu jedem Dienst mit Helm anzu- legen ist, die Fahnenträger außerdem, soweit sie nicht das Offizier-Seitengewehr tragen, ein besonderes Seiten­gewehr. Die Fahnenträger erscheinen, auch wenn die die Fahnen nicht zum Dienst mitgeführt werden, ohne Gewehr und mit eingestecktem Seitengewehr. Bei der Fußartillerie werden diese Auszeichnungen nur bei solchen Gelegenheiten, bei denen der Truppentheil eine Fahne führt, von den die Fahne tragenden Unteroffizieren an­gelegt.

nehmbar. Die Stadtväter hoben deshalb mit seltener Einstimmigkeit ihren Beschluß wieder auf, und damit hat die einträgliche Jagd ein Ende.

In dem Städtchen Burscheid im Bergischen ereignete sich vor kurzem ein tragischer Unglücksfall. Ein drei­jähriger Knabe fiel unmittelbar vor dem Rade eines schwer beladenen «Fuhrwerks auf die Erde. Nur die Geistesgegenwart einer gerade vorübergehenden Frau rettete ihn vor dem sichern Tode. Der Kleine lief da­von, so schnell ihn die Beinchen tragen wollten. Zehn Minuten später fand man ihn todt in dem verschlammten Regensarg eines Nachbarhauses. Ob das Kind in seiner Angst dort ein Versteck suchen wollte, oder obsonst ein unglücklicher Zufall dabei eine Rolle gespielt, konnte nicht estgestellt werden.

Aus Sachsen. Daß ein Radfahrer sogar blind­wüthig in einen Eisenbahnzug hineinzufahren wagt, dürste wohl kaum dagewesen sein. Am Sonntag kurz vor der Haltestelle Köttewitz der Müglitzthalbahn uchte ein Radfahrer angesichts des heranbrausenden Zuges die andere Seite des Geleises zu gewinnen. Das tolle Wagniß gelang nicht, und so fuhr der Unbesonnene mit aller Gewalt gegen die eine Kolbenstange der Loko­motive. Der Rodler blieb merkwürdigerweise ganz un­verletzt und entzog sich auch noch der Verhaftung durch die Flucht.

Ausland.

Innsbruck, 17. Juni. In Toblach gab es gestern Schneefall, ebenso in Lienz, wo der Schnee 3 Centi- meter hoch auf den Dächern lag. Auch die Jnnsbrucker Berge sind weit herab frisch angeschneit.

Amerika. Man scheint bereits an einen Herbstfeld- zug gegen und auf Kuba zu denken. Es ist, so wird gemeldet, möglich, daß man eine neue Aushebung von 100 000 Mann veranstalten werde, um im Herbst den Feldzug auf Kuba abzukürzen. Der Ministerrath beschäftigte sich sehr eingehend mit Deutschlands Stellung zur Annexion der Philippinen. Diese Annexion ist nun beschlossene Sache und Amerika wird die Philippinen eventuell mit den Waffen behaupten. Wahrscheinlich wird die Union auch die Canorischen Inseln besetzen Die amerikanische Flotte nahm am Mittwoch Tagesanbruch das Bombardement von Santiago wieder auf und schoß die westlichen Batterien in

In Hamburg erregt die Verhaftung desLieute-

-tant-" Brehner, des Begründers der dortigen Jugend-* Trümmer. Die Spanier erwiederten das Feuer, rich-

brochen. Darin waren die Spanier versteckt, wogegen die Amerikaner, längs des obersten Hügelsaumes auf­gestellt, sich vom Horizont und den weißen Zelten deut­lich abhoben und eine treffliche Zielscheibe boten. Die Spanier schössen von ihren Verstecken bis Mitternacht. Nur das Aufblitzen ihrer Schüsse lenkte das amerikanische Feuer. Unterdessen kam eine Schaluppe vom .Marble­head" mit einem Geschütze die Bucht herauf und bear­beitete die spanische Stellung mit, wie man glaubt, tödt- licher Wirkung. Nachts wurde das Gestrüpp durch elektrisches Licht von den Schiffen aus abgesucht, wobei öfters spanische Soldaten, die sich von Deckung zu Deckung stahlen, gesehen und dann sofort mit einem^Kugelrcgen der amerikanischen Bataillone bedacht wurden. Nach Mitternacht machten die Spanier einen heftigen Sturm den südwestlichen Abhang herauf, und obwohl ihre Linien schon am dritten Theile des Weges durchbrochen waren, kamen Abtheilungen bis knapp an das Lager heran, so daß die Offiziere Revolver benutzen konnten, doch fanden diese Spanier keine Unterstützung und flohen über die andere Seite des Hügels hinab. Die Angriffe kleiner spanischer Abtheilungen dauenen mit Intervallen die Nacht hindurch fort. Die Amerikaner brachten sofort bei Tagesanbruch drei I2pfündige Feldgeschütze ins Treffen die Nachts nicht verwendet wurden aus Be- sorgniß, daß sie mehr schaden könnten als nützen, und wo sich ein spanisches Häuflein zeigte, wurde mitten hineingefeuert. Die meisten amerikanischen Marinesol- üalen sind junge Leute; der Kommandant beglückwünschte sie zu der glänzend bestandenen Feuertaufe.

Manila, 5. Juni: Die Lage der Spanier wird immer schlimmer. Es herrscht großer Mangel an Lebens­mitteln. Die Geschosse der Aufständischen erreichen Manila. Die Kanonenboote, die in den Lagunenstädten

Lebensmittel rcquiriren sollten, konnten ihren Auftrag nicht ausführen und meldeten, die Garnisonen seien wahrscheinlich maffakrirt. Die Garnisonen in den Pro­vinzen seien an einem Tag überwältigt worden. Die Spanier seien überall machtlos. Die süd- und Nord- abtheilung sei bei Pasiz vereinigt. Die. spanischen Offi­ziere seien völlig unfähig. Gestern nahmen bie Auf­ständischen ein Fort am Flusse Zapote. Die Spanier leisteten tapferen Widerstand, bis sie Befehl erhielten, wegen Munitionsmangel sich zurückzuziehen. Heute nahmen bic Aufständischen verschiedene Orte. Die Spanier ver­loren 90 Mann. 7000 Mann zogen sich nach Manila zurück. Die Aufständischen schließen jetzt Manila ein