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*^ 51. Samstag, den 25. Juni 1898. 49. Jahrgang.
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juni. Der Kaiser, welcher am Dienstag vor Helgoland ein traf, verließ Mittwoch früh seine Macht „Hohenzollern" und besichtigte die Dünen-Arbeiten, über welche er nach einem Vortrage des Oberbaudirektors Franzius seine volle Befriedigung aussprach. Nachdem die um den Kaiserpreis konkurrirenden englischen Machten eingetroffen waren, fuhr der Monarch Nachmittags nach Brunsbüttel.
— Die deutschen Fahrradfabrikanten dringen schon lange daraus, daß ausländische Fahrräder höher verzollt werden. Statt des jetzigen Zolls von 2—3 Mark verlangen sie einen von 20 bis 25 Mark. Die Mehrzahl der Vertragsstaaten erhebt noch beträchtlich höhere Einfuhrzölle auf Fahrräder. Die Vereinigten Staaten 100 bis 112 Mark für jedes Rad, Oesterreich-Ungarn 50 Mark, Rußland 38 Mark, Schweden 37,50 Mark, Schweden 37,50 Mark. Namentlich droht Amerika die deutsche Fahrrad-Industrie zu ruiniren. Die Einfuhr amerikanischer Fahrräder in den ersten Monaten dieses Jahres ist nach der amtlichen Statistik gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres um 850°/o gestiegen.
— Es ist bei den Landesregierungen beantragt, den Borrath der Reichsbank an goldenen Fünsmarkstücken, welcher einen erheblichen Bruchtheil der von dieser Münzsorte überhaupt geprägten Stücke repräsentirt, in Kronen umzuprägen, da an diesen letzteren Münzen unausgesetzt Bedarf bestehe. Der Antrag wird damit
Bei einer Landwehrübung traf es sich, wie aus Naumburg a. S. berichtet wird, höchst merkwürdig, daß Vater und Sohn bei derselben Kompagnie des Königs Rock trugen. Der Vater war als Landwehrmann eingezogen. Der Sohn stand als aktiver Soldat bei der 1. Kompanie des dortigen Bataillons.
Darmstadt, 24. Juni. Der Großherzog hat dem Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 aus Anlaß des vor 10 Jahren erfolgten Regierungsantritt Sr. Majestät des Kaisers, seines erhabenen Chefs, schwarze Haarbüsche verliehen. — Dieser Tage stand vor dem hiesigen Schwurgerichte die Ehefrau Karl Reuter aus Neu-Msenburg unter der Anklage der Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Dix Angeklagte hat in geradezu bestialischer Weise ihr zweijähriges uneheliches Kind, ein Mädchen, zu Tode mißhandelt. Die Geschworenen sprachen sie schuldig im Sinne der Anklage, unter Versagung mildernder Umstände. Der Gerichtshof verurtheilte die unnatürliche Mutter zu zehn Jahren Zuchthaus.
Mainz, 23. Juni. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts hat einen unverbesserlichen Pantscher, den schon viermal mit Geldstrafen bis zu 150 Mark bestraften Milchhändler Philipp Jakob Oswald von Gimbs- Heim, der seiner vollständig entrahmten Milch 50 pCt. Wasser zusetzte, zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt.
Meilen nördlich von Manila, ein dreitägiges erbittertes Gefecht stattgefunden. General Monet, welcher an der Spitze von 3000 Mann auf dem Vormarsch war, um Manila zu entsetzen, fand die Eisenbahn gesperrt und fiel in einen Hinterhalt. Ein verzweifelter Kampf folgte. General Monet fiel. Die Eingeborenen-Truppen gingen zu den Aufständischen über; die überlebenden spanischen Truppen, etwa 500 Mann, ergaben sich. Die Aufständischen nahmen die Stadt Malabon. Als der Angriff erfolgte, begann das Bataillon „Pampanga" von der Eingeborenen-Miliz, welches für besonders loyal angesehen worden war, auf seine Offiziere zu feuern; fünf derselben wurden getödtet. Den Spaniern gelang es, die Meuterer zu entwaffen; ein Theil derselben entkam jedoch.
motivirt, daß die Fünfmarkstücke sich für den Verkehr ungeeignet erwiesen haben; der größte Theil derselben befinde sich bei der Reichsbank, im Verkehre seien die Münzen äußerst selten, auch ein Wunsch aus dem Publikum nach ihrer Wiederverbreitung sei nicht laut geworden. Wie bekannt, hat der Bundesrath bereits beschlossen, von dem Vorrathe der Reichsbank 22 Mill. Mark goldene Fünfmarkftücke in Kronen umprägen zu lassen.
— Eine Pulvertonne explodirte auf dem Uebungsplatz des Garde-Pionierbataillons in Berlin bei Sprengver- suchen. Ein Lieutenant Wollmann wurde sofort getödtet. Erst nach und nach fand man die einzelnen Theile seines in viele Stücke zerrissenen Körpers. Den Oberkörper und die Eingeweide fand man an einem Baume hängen; das Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und verkohlt; die Beine lagen auf einem benachbarten Platze, der linke Arm war noch hundert Meter weiter geflogen. Von den Kiefern des Platzes flogen Aeste und Zweige sausend in die Luft und viele Fensterscheiben zersprangen.
Deutsch-Eylau. Ein scharfer Schuß fiel am Dienstag Vormittag bei der Truppenbesichtigung durch den komman- direnden General v. Lentze. Der Schuß zerschmetterte den Generalmajor v. Rabe einen Oberschenkel und tödtete sein Pferd. Die Kugel durchschlug auch das Sattelzeug. Ein Gefreiter der 3. Kompagnie des 47. Regiments, bei dem eine Hülse ohne Holzpfropfen gefunden wurde, ist verhaftet worden. Der Kaiser und der Kriegsminister wurden von dem Vorfall sofort telegraphisch benachrichtigt. Schon im Vorjahre soll übrigens auf Rabe auf dem Schießplatz geschossen worden sein. Diese Nachricht ist aber deshalb auffällig, weil Rabe Kavalleriekommandeur ist und mit der Infanterie keine dienstlichen Beziehungen hat.
Elbing, 24. Juni. Auch die Chinesen, welche sich hier aufhalten, wollten sich an der Reichstagswahl be- theiligen. Bald nach Eröffnung des Wahlakts erschien, wie die „Elb. Ztg." erzählt, Kapitän Leno Buah im Wahllokal des 4. Bezirks mit einem ordnungsmäßig zusammengefalteten Zettel in der Hand. Der Wahlvorsteher konnte dem Verlangen des Sohnes des himmlischen Reichs, auch seine Stimme abzugeben, nicht entsprechen, suchte ihm vielmehr klar zumachen, daß das Wahlrecht zum -entschen Reichstage nur deutschen Reichsbürgern zusteht.
Ausland.
Belgrad, 20. Juni. Hier eingegangene Berichte aus Altserbien stellen fest, daß während des Aufruhrs in der Gegend von Berana eine große Anzahl von Dörfern, gegen vierzig, eingeäschert worden sind. Christliche Serben kämpften mit den mohamedanischen Albanesen. Den Anlaß gaben mehrere zwischen diesen Männern schwebende Fälle von Blutrache. Jetzt beginnt die Erregung nachzulassen. Auf beiden Seiten wurde aus Präcisionsgewehren geschossen, mit denen nach den serbischen Berichten die Bevölkerung jener Gegend von Montenegro aus bewaffnet worden ist.
London, 21. Juni. Der Stapellauf des Kreuzers' „Albion" fand heute in Blackwall statt. Der Herzog von Mork wohnte dem feierlichen Akte bei. Die Taufe nahm die Herzogin von Mork vor. Als das Schiff in die Fluthen glitt, verursachte es eine so große Wasserverdrängung, daß die für die Zuschauer erbaute Tribüne vollständig von einer großen Welle bedeckt wurde. Ungefähr 300 Personen wurden ins Wasser geschleudert. 10 Leichen wurden bisher aufgefunden. Man befürchtet, daß mindestens 60 Personen das Leben eingebüßt haben. Fast Alle gehören der Arbeiterklasse an und waren in der Nähe der Werft wohnhaft. Sie hatten eine offenstehende Thür benutzt, um auf das Bollwerk zu drängen und dem Stapellauf zuzuschauen. Das Geschrei der vom Wasser fortgerissenen Opfer wurde fast erstickt von dem Beifallklatschen der Zuschauer, dem Lärm und dem Pfeifen der in der Nähe liegenden Dampfer.
Washington, 21. Juni. Hier ist soeben die Nachricht eingetroffen, daß von dem Freiwilligen Mariano Salva ein Attentat auf den General Blanco verübt worden sei. Als Blanco den Palast verließ, feuerte Salva, der vor dem Palaste auf Posten stand, sein Gewehr auf Blanco ab und traf ihn in den linken Schenkel. Eine große Verwirrung entstand. Ein Offizier versuchte, Salva mit dem Säbel niederzuhauen, wurde aber von Kameraden Salvas daran verhindert. Salva machte den Versuch, zu entkommen, was ihm aber nicht gelang. Bei seiner Festnahme sagte er, er habe nur den Tod eines Bruders rächen wollen. Das sei sein ganzer Lebenszweck gewesen. Salva wird natürlich ferschoffen werden. Der Umstand, daß Blanco sofort von seinen Offizieren umringt wurde, rettete ihm das Leben.
Nach einer Meldung dcs „Reuterschen Bureaus" aus Manila vom 17. d. M. hat bei Bulacan, 30
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 21. Juni.
*— Gegenwärtig weilt in hiesigem Kreise ein Beamter der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt, um bei den Arbeitgebern die Quittungskarten einer außerordentlichen Nachprüfung zu unterziehen. Die Be- theiligten thun deshalb gut, ihre Karten nachzusehen und alsbald in Ordnung zu bringen, falls solches noch nicht geschehen ist.
*— In der Angelegenheit der Verlegung der Eisenbahn und des Tunnelbaues zwischen Elm und Flieden ist eine Kommission von Berlin hier eingetroffen und unterzieht die Terainverhältnisse einer Besichtigung und Prüfung. Von deren Ergebnissen wird es abhängen, ob das Umbauprojekt alsbald verwirklicht oder auf unbestimmte Zeit verschoben wird.
r. Steinau. Am vorigen Montag zogen eine Anzahl durch Herrn Baufseher L ü d c r s von hier und auswärts eingeladene Personen, in der Mehrzahl wissenschaftlich gebildete Herren, zum Teufelsloch, um eine Besichtigung dieser interessanten Höhle vorzunehmen. Auf der durch die Erwartung lebhaft erregten Hinfahrt wurde ein Zeitungsartikel reihum gelesen und besprochen, der ehemals im Bezirksboten gestanden hatte und wegen seines Interesses vor einer Reihe von Jahren vom Schlüchterner Kreisblatt wieder zum Abdruck gebracht worden war. Ein für die Sache interessierter Wegewärter, in Steinau selbst ansässig, welcher der Gesellschaft nach allen Seiten hin hilfreiche Hand leistete, hatte sich seiner Zeit den besagten Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten und legte ihn vor. Er handelt von einem Einstieg, den vor etwa fünfzig Jahren ein wagehalsiger Hutmachergeselle aus Schlächtern an Seilen unternommen. Auch kam ein späterer Versuch von Bergbeamten aus dem Bieber- thale zur Sprache, welche nach Braunkohlen schürften, aber keine fanden. Seit der Zeit hat sich wohl mancher mit der Absicht getragen, das Geheimniß der Höhle zu lüften, aber jedermann ist durch die Schwierigkeiten ab-
geschreckt worden, welche dem Einstieg entgegenstehen. Am Fuße der Höhle angekommen, untersuchte man zunächst die Quellen, welche unterhalb der Landstraße in den Steinabach münden. Die meiste Aufmerksamkeit erregte eine in fast gleicher Höhe mit dem Bache aus den Kalkfelsen hervorsprudelnde Quelle^ welche den Beobachtungen nach immer in gleicher Stärke fließen soll. Die Untersuchung ergab, daß sie unter mächtigem Druck ihr Wasser auswirft, was auf ein größeres unterirdisches Wasserbecken schließen läßt, welches dahin seinen Abfluß hat. Nach Beendigung dieser Vorprüfung stieg man gemeinsam zur Höhle, wo schon alles auf den Einstieg sorg« ältig vorbereitet war. Wegen der niedern Temperatur im Innern der Höhle wartete man, bis jeder sich genügend abgekühlt hatte, dann ging es einzeln hinab, die Kundigen voran, die übrigen als Nachtrab. Es galt zunächst, auf schwankender Leiter, die mit Ketten an einem mächtigen Baume befestigt war, bis zu dem Punkte zu gelangen, wo die im Laufe der Zeit massenhaft hineingeworfenen Steine einen Absatz bilden. Von da aus stieg man, mit beiden Händen ein an eine kräftige Wurzel befestigtes Seil haltend, auf den Steintrümmern schräg abwärts, bis man vor einen schmalen Gang gelangte, der aus dem natürlichen Felsdome seitwärts weiter führt. Zahlreiche Lichter brannten, und von Zeit zu Zeit wurde eine hell aufleuchtende Fackel losgebrannt, um die Tropfsteingebilde an der Decke und an den Wänden erglänzen zu lassen. Dann gingen die Muthigsten, immer nur einige Personen aus einmal, weiter vor, bis eine Querspalte mit Berschüttungen vor.