SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
57. Samstag, den 16. Juli 1898. 49. Jahrgang.
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N<»1s^!!«Na^ "Uf die .Schlüchterner Zeitung« gPvHl-UUliyvIl merben nod) fortwährend von allen --— ' Postanstalten und Landbriesträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
beamte 70, Forstbeamte 48, Apotheker 19, Wegeaufseher 16, Küster 15, Militär- und Berginvaliden 14, verschiedene Berufe 150.
— Das Schwurgericht in Colmar sprach einen geständigen Todschläger frei. Der Schmiedemeister Anton Widemann in Bollweiler versetzte im Zorn seiner Schwiegermutter einen Schlag, daß sie znsammenstürzte, und legte dann brennende Holzstücke auf die Bekleidung der Todten, um den Eindruck zu erwecken, daß sie verbrannt sei. Er war geständig. Die Erschlagene war übel beleumundet, ihr Mann war durchgebrannt. Die eigene Tochter, die Frau des Widemann, hatte sie in dessen Abwesenheit verkuppelt. Sie hatte auch versucht, dem Angeklagten Phosphor in den Kaffee zu thun. Die Geschworenen verneinten die Schuldfragen, worauf das Gericht zur Freisprechung kommen mußte.
— Das Landgericht von Meiningen verurtheilte am 5. d. M. den Lehrer Gärtner aus Schnellbach wegen tyrannischer Züchtigung von Schulkindern zu 8 Monaten Gefängniß, während der Staatsanwalt nur 6 Wochen beantragt hatte.
Ausland.
Spanien. Wie in Madrid verlautet, sollen die Amerikaner folgende Friedensbedingungen stellen: Abtretung von Cuba, Puerto Rico, einem Hafen auf den kanarischen Inseln und Zahlung von 1200 Mill. Fr. Die Philippinen sollen als Unterpfand für die Zahlung dieser Summe dienen. Diese Bedingungen werden als unannehmbar angesehen. — In militärischen Kreisen wird behauptet, das spanische Heer auf Cuba sei noch intakt und deshalb müsse Widerstand geleistet werden, selbst wenn Santiago genommen werden sollte. — Wie gerüchtweise verlautet, erhielt der Kriegsminister abermals ein Telegramm des Marschalls Blanco, in dem dieser erklärt, die cubanischen Freiwilligen seien für Fortsetzung des Krieges, da sie hoffen, im Landkriege Erfolge zu erringen. Die Konservativen sind der Ansicht, der Friede sei annehmbar, wenn der Abschluß desselben nur den Verlust von Cuba nach sich brächte; der Krieg müsse indessen fortgesetzt werden, wenn die Amerikaner auch noch Puerto Rico, die Philippinen und eine zu große Geldentschädigung fordern würden. Die Carlisten sind zu abenteuerlichen Unternehmungen geneigt, falls die Regierung in die geringste Gebietsabtretung willigt. Don Carlos soll in dieser Hinsicht eine bündige Erklärung erlassen haben.
Amerika. Das Gelbe Fieber, die gefürchtete, gräßliche Tropenkrankheit, hat die amerikanischen Belagerungs- truppen befallen. Dadurch ist den Spaniern ein Bundesgenosse erwachsen, wie er stärker nicht leicht gefunden werden konnte. Was den spanischen Gewehren und Kanonen tapfer standhielt, muß sich vor der furchtbaren schleichenden Macht dieses Würgengels beugen. Depeschen aus Washington besagen, es seien Telegramme von Miles und Shafter eingegangen, deren Veröffentlichung das Kriegsamt verweigert. Man meint, daß sie sich auf den Ausbruch des Gelben Fiebers beziehen. Es sind bereits hundert Fälle von gelbem Fieber unter den amerikanischen Truppen festgestellt.
Schanghai, 11. Juli. Nach einem Telegramm der „North China Daily News" aus Tschungking vom 8. d. Mts. sind die protestantischen und katholischen Mi sionen in Schungchingfu von Aufrührern angegriffen worden. Auch in Jüngchong und anderen iu der Nähe gelegenen Städten ist viel Unheil angerichtet worden. Ein französischer Priester ist von den Räubern gefangen genommen. Dieselben verlangen ein Lösegeld von lOOuO Taüls. Mehrere Eingeborene wurden getödtet und viel Eigen- hum zerstört. Die Lage ist .kritisch. Die Konsuln in Tschungking haben sich an Bord des Kanonenbootes „Alert' begeben. In der Stadt Tschungking ist Alles ruhig._______
Lokales und Provinzielles
* Schlüchtern, 18. Juli.
* — Dem Förster Centner zu Steinau wurde der Königliche Kronenorden IV, Classe verliehen.
* — Bei Lehrverträgen ist, was in den betheiligten Kreisen noch nicht bekannt zu sein scheint, zu beachten, daß seit dem 1. April d. I. Lehrverträge nicht mehr allein vom Lehrherrn und den Eltern bezw. dem Vormund )es Lehrlings, sondern auch vom Letzteren selbst unter« chrieben werden müssen. Fehlt die Unterschrift des Lehrlings, so sind die Lehrverträge, nach der „Off. Ztg ",
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Juli. Auf seiner Nordlandsreise ist der Kaiser jetzt in Molde angekommen. Am Mittwoch arbeitete der Monarch nach dem Besuch des dort vor Anker liegenden englischen Geschwaders allein und machte Nachmittags einen Spaziergang. Zur Abendtafel waren zwanzig englische Offiziere geladen. Das Wetter war regnerisch.
— Im Eisenbahnministerium sind neuerdings, wie die „D. Versicherungsztg." mitthcilt, die im preußischen Staatsbahnbetriebe giltigen Vorschri ten über Gewährung von Prämien für Entdeckung betriebsgefährlicher Schäden und für Abwendung drohender Betriebsgefahren umge> arbeitet worden. Bei der Herausgabe der Vorschriften ist eine möglichst ausgiebige Gewährung von Prämien bei der Entdeckung solcher Schäden im Interesse der Betriebssicherheit empfohlen worden. Für die Bemessung der Prämien sollen die Besonderheiten des Falles, namentlich die Schwere der drohenden Gefahr, der Grad der bewiesenen Umsicht und Zweckmäßigkeit der ergriffenen Maßnahmen berücksichtigt werden. Außerdem kann auch für hervorragend verdienstvolle Leistungen zur Abwendung einer Betriebsgefahr ohne Rücksicht auf die Stellung der Betheiligten die Erwirkung einer besonderen Auszeichnung in Frage kommen.
— Die außerordentlich verderblichen Folgen des spanisch-amerikanischen Krieges für Deutschland lassen sich aus einem Bericht erkennen, den der Geschäftsführer des Vereins der Industriellen im Regierungsbezirke Köln erstattet hat. Der Bericht sagt zunächst in Bezug auf Spanien: Die Zahlungsverhältnisse haben sich außerordentlich verschlechtert, und der Abschluß von Geschäften hat fast gänzlich aufgehört. In erster Beziehung ist es besonders die ungemeine Verschlechterung der spanischen Währungsverhältnisse, die zu großen Schwierigkeiten in der Erledigung der schwebenden Verbindlichkeiten der spanischen Ge chüstswelt geführt hat, in letzterer hat die unsichere politische Lage, in Verbindung mit der verringerten Kaufkraft des Landes und mit der geschwächten Zahlungsfähigkeit des Kaufmannsstandes, eine völlige Stockung im Abschluß von Geschäften zur Folge gehabt, und hier und da sind sogar bereits abgeschlossene Geschäfte mit spanischen Häusern wegen der sehr ungünstigen Kursverhältnisse rückgängig gemacht worden. Hinsichtlich des deutschen Geschäftsverkehrs mit den Vereinigten Staaten heißt es: „Der unmittelbare Einfluß des Krieges auf die in unserem Bezirk vertretenen Geschäftszweige ist zwar ziemlich gering, doch liegen immerhin einzelne Fälle solcher Schädigungen vor. Die lediglich oder hauptsächlich für den inländischen Bedarf arbeitenden deutschen großgewerblichen Werke haben im Ganzen einen Nachtheil von dem Kriege nicht verspürt. In einigen Zweigen hat der Kriegszustand für den holländischen Warenabsatz sogar Vortheil gebracht. Eine Erschwerung des geschäftlichen Verkehrs durch ungünstige Fracht und Versicherungsverhältnisse ist nicht wahrgenommen worden." Was der Kölner Bericht hier feststellt, war das von vornherein zu erwartende Ergebniß des Krieges: Spaniens vollkommener Ruin, auch in finanzieller Beziehung.
— Die Sollfriedensstärke des französchen Heeres beträgt 48 209 Offiziere und 561141 Mann; dazu kommt noch die Gendarmerie mit 742 Offizieren und 25121 Mann. Die Gesammtfriedensstärke der russischen Armee, einschließlich Kosaken, finnischer und eingeborener kaukasischer Truppen, aber ausgeschlossen Grenzwache, Gendarmen, wird auf 36000 Offiziere, 860 000 Mann berechnet. Nach dem Gesetz vom 3. August 1893 beziffert sich die Jahresdurch'chnittsstärke des deutschen Heeres an Gemeinen auf 479229 Mann, ausgeschlossen Einjährig-Freiwillige. Hierzu kommen 28,088 Offiziere, 23230 Spielleute, 68 730 Unteroffiziere rc.
— Die Gesammtzahl der Postagenten betrug Ende Januar 1898 8335; davon waren im Hauptberuf: Gastwirthe 1449, Handwerker 1375, Landwirthe 1298, Kaufleute 1174, Lehrer 1084, Gemeinde- unb Privat- beamte 622, Ei enbahnbeamte 359, Lehrer und Beamte im Ruhestände 354, Privatiers 288, Zoll- und Steuer-
ungültig und es können daraus keinerlei Rechte bezw. Pflichten geltend gemacht werden.
* — Zur Zeit liefert die Verlegung der Eisenbahn zwischen Schlüchtern und Bahnhof Elm wieder den Gegenstand eingehender Erörterungen unter den Bürgern in hiesiger Stadt. Da wird es unseren Lesern wohl von Interesse sein, Kenntniß von den Wortlaut der neuesten Eingabe unserer Sladtvertretung an den Herrn Eisenbahnminister zu erhalten. Wir sind in der Lage, nachstehend diese Eingabe abzudrucken:
Schlüchtern, den 20. Juni 1898.
„Nach einer Aeußerung Sr. Excellenz des Herrn Minister Thielen in einer unserem Landtagsabge- ordneten Herrn Amtsrichter Zimmermann gewährten Besprechung ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß der Antrag der Städte Schlüchtern und Steinau vom 25. Oktober 1897 auf Verlegung der Eisenbahnen in unserem Kreise wegen zu hoher Kosten abgelehnt werden wird, dagegen würde eine Beseitigung der Kopfstation Elm bestimmt beabsichtigt.
Da diese Beseitigung der Kopsstation Elm nach menschlichem Ermessen die letzte Gelegenheit bietet, unsere allseitig anerkannten ungünstigen Eisenbahnverhältnisse für Kreis und Stadt Schlüchtern zu verbessern, so ist bei der obenerwähnten Besprechung der Herr Abgeordnete dieserhalb nochmals vorstellig geworden und wurde von Sr. Excellenz dahin be« schieden, zunächst unsere diesbezüglichen Wünsche der Kgl. Eisenbahndirektion vorzutragen.
Im Hinblick auf unsere Eingabe vom 25. Oktober 1897, welche wir uns erlaubten auch der Kgl. Eisenbahn- direktion zu unterbreiten, können wir wohl auf eine nochmalige Schilderung der hiesigen Zustände ver- zichtcn, nur gestatten wir uns die Aufmerksamkeit der Kgl. Eisenbahndirektion noch auf die Verhältnisse des Bahnhofes Schlüchtern zu lenken, insbesondere auf die Einrichtungen für den Güterverkehr. Die wohl infolge der beschränkten Raumverhältnisse ungenügenden Geleiseanlagen und Ladevorrichtungen veranlassen fortgesetzt Unzuträglichkeiten und Widerwättigkeiten, da Züge und Wagen zum Entladen nicht rechtzeitig bereit gestellt werden können, sodaß die Fuhrleute oft stundenlang warten müssen, bis sie Ein- und Ausladen können; dazu kommt, daß am hiesigen Bahnhof kein Raum zur Einrichtung von Lagerplätzen für die Gewerbetreibenden vorhanden ist und die An- und Abfuhr zum Güterschuppen durch dessen ungünstige Lage besonders erschwert ist, so daß die Uebelstände beim Aus- und Einladen doppelt schwer empfunden werden.
Daß die Einrichtungen für den Güterverkehr auf Bahnhof Schlüchtern in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen entsprechen, dürfte wohl auch allen Bahnbeamten selbst zur Genüge bekannt sein, ebenso daß schon viele Geschäftsleute ihren Unmuth in ziemlich bitterer Weise Luft gemacht haben, was schließlich Anklagen wegen Beleidigung und Bestrafungen wegen Uebertretung bahnpolizeilicher Bestimmungen zur Folge hatte.
Wenn diese Zustände bis heute noch wenig in der Oeffentlichkeit, besonders in der Presse laut geworden sind, so hat dies seinen alleinigen Grund dann, daß man in Schlüchtern seit längerer Zeit hofft, daß eine durchgreifende Abhilfe in absehbarer Zeit mit Be- stimmtheit zu erwarten ist und daß wir zu der Kgl. Eisenbahnverwaltung das Vertrauen haben, daß nicht allein fiskalische Interessen, sondern auch die wirth- schaftliche Förderung der betheiligten Bevölkerungskreise gebührende Berücksichtigung finden. Eine wirksame Abhilfe erhoffen wir nun aber jetzt von der in Aussicht genommenen Beseitigung der Kopsstation Elm.
Für dieselbe liegen zwei Projekte vor:
1. Die Erbauung eines Tunnels durch das Breitefeld und dadurch direkte Verbindung der Bahnhöfe Elm und Flieden.
2. Vereinigung der Bahnhöfe Schlüchtern und Elm etwa zwischen Bahnwärter-Haus Nr. 58 und 59 am sogenannten Mordgraben und direkte Verbindung dieses Bahnhofes mit Flieden durch Er- bauuug eines Tunnels durch den Distelrasen. (Antrag des Kreises Schlüchtern.)
Wenn wir nun im Hinblick auf vorerwähnte
Entscheidung bei Herrn MmisterS zu unserem großen