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SchWernerZeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 75

Samstag, den 17. September 1898.

49. Jahrgang

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Die Expedition derSchlüchterner Zeitung

Zur Ermordung der Kaiserin von Oesterreich» Verwundete. Ueber mehrere tragische Todesfälle im In Geus fand am Montag Nachmittag ein Vorbeizug österreichischen Kaiserhause giebt dieFranks. Zeitung" an der Leiche statt; etwa 100,000 Menschen beteiligten eine Uebersicht: Kronprinz Rudolf von Ocstereich Ungarn £ schied am 30. Januar 1889 im Jagdschlösse Mayerling

dann die Mitglieder des Staatsraths; ihnen schlössen sich freiwillig aus dem Leben. Herzogin Sophie von die konsularischen Vertreter fremder Staaten an; ferner Alcu^on, Schwester der Kaiserin, die einstige Braut

sich daran. Zuerst kam eine Abtheilung Gendarmerie,

die Bürgermeister vieler Landstädte, endlich in unabseh­barer Menge, die Bürgerschaft, Greise, Männer und Knaben. Das Ganze machte in seiner bürgerlichen Ein­fachheit und Schlichtheit einen überaus sympathischen Eindruck. Die wichtigste Frage ist jetzt, ob der Mörder Lucchcni Komplicen gehabt hat. Bei der anarchistischen Propaganda ist das eigentlich selbstverständlich. Anderer­seits ist eS infolge der strengen anarchistischen Disziplin bisher fast niemals gelungen, der Hmtermänncr anarchistischer Attentate habhaft zu werden. So scheint

die Sache auch diesmal zu liegen. In Genf und Lausanne fanden am Dienstag Nachmittag die Verhöre mit den verha teten Anarchisten statt. Obwohl sich die Verha teten offen als Anarchisten bekennen, glaubt der Untersuchungsrichter doch nicht, ihnen irgendwelche Mit- Wissenschaft beweisen zu können, da sich die wirklichen Komplicen gewiß schon geflüchtet haben. Mehrere glaub­würdige Personen, die Lucchcni vor der That mehrere Male sahen, ohne auf ihn mehr als durch sein freches Aussehen aufmerksam zu werden, behaupten, er sei stets in Gesell chaft einiger besser gekleideten Personen gewesen, so daß es den Anschein hatte, als werde er wohl voi einigen Genossen überwacht. Auch bis zum Augenblick des Attentats war er in Gesellschaft eines weißbärtigen Mannes, der dann plötzlich verschwunden war. Aus manchen unscheinbaren Details scheint doch immer mehr hervorzugehen, daß Lucchcni das Werkzeug Anderer war, wenn er dies auch selbstverständlich leugnet. Dic Unter­suchung. die in guten Händen liegt, wird bald Sicheres ergeben.

Wien, 13. Sept. Die Leiche der Kaiserin trifft hier Donnerstag den 15. Sept., Abends um 10 Uhr, auf dem Wcstbahnhofe ein. Der Sarg wird in einem schwarzen achtspännigeu Gala-Tranerwagen nach der Ho'burg geführt, in der Ho burgpfarrkirchc auf einen Katafalk gestellt und in geschlossenem Sarge exponirt. Am Freitag und Samstag wird dem Publikum der Zu­tritt zur Exposition in der Hofburgpfarrkirche gestaltet sein. Das feierliche Leichenbegängnis; und die Beisetzung in der Grust der Patres Kapuziner erfolgt Samstag den 17. Sept., Nachmittags um 4 Uhr, mit dem großen Gepränge, den das spanische Hofceremonicll vorschriubt. Auf Anordnung des Kaisers wird die Ho traucr durch sechs Monate getragen.

Wieu, 14. September, Kaiser Franz Joseph erhielt Kondolenztelegramme seitens der 'Souveräne, des Papstes, der Staatsoberhäupter nahezu der ganzen Welt, darunter auch Telegramme aus Japan, Zauzibar, Peru, Chile und Uruguay. Aus der Umgebung der ermordeten Kaiserin Elisabeth verlautet, daß die Vorleserin der Kaiserin ihr

Ludwigs II. von Baiern, fand im Mai 1897 den Flammentod in Paris. Kaiser Maximilian I. von Mexiko, Schwager der Kaiserin, wurde am 19. Juni 1867 in Qucretaro (Mexico) erschossen. Erzherzog Wilhelm Franz Karl, Hoch- und Deutschmeister, starb im Sommer 1894 in Baden bei Wien infolge Sturzes vom Pferde. Erzherzog Johann von Toscana, welcher allen Würden entsagt und den Namen Johann Orth augc- uommcn hatte, verscholl in Südamerika auf hoher See. König Ludwig II. von Baiern, Better der Kaiserin, endete am 13. Juni 1886 durch Selbstmord, indem er sich im Starnberger See im Wahnsinn ertränkte. Graf Ludwig von Trani, Prinz beider Sizilien, Gemah der Erzherzogin Mathilde in Baiern, starb in Zürich durst Selbstmord. Erzherzogin Mathilde, die Tochter des Feldmarschalls Erzherzog Albrecht, fand den Tod im Palais ihres Vaters, indem ihr Kleid durch ein brennen­des Zündhölzchen in Flammen gcricth. Erzherzog LadiSlaus, Sohn des ErherzogS Joseph, verunglückte auf der Jagd durch Entladung seines Gewehrs. Nun ist auch noch die Kaiserin Elisabeth ermordet worden!

Der Mörder Lucchcni wurde 1873 in Paris von einem Dienstmädchen aus Borgo San Domino geboren und als er ein Jahr alt war in geheimnißvoller Weise nach Parma gebracht unb von der Polizei einer armen Familie anvertraut. Nach vier Jahren verschwand er, er wurde wieder nach PariS zurückgeholt. Sein Name Luccheui ist der seiner Mutter. Seine Jugend hat er zumeist in Ungarn und Oesterreich verbracht. 1893 wurde er in Triest verhaftet und an Italien anS- geliefert, wo er als Militär-Gestcllungspftichtiger ver urtheilt, aber dann begnadigt wurde. 1694 wurde er Soldat, 1896 war er als solcher in Afrika Nach seiner Heinikehr wurde Lucchcni wegen schlechter Führung begrabirt; im Dezember 1897 trat er aus dem Militär dienst auS, um sodann zeitweise in San Domino, einer Hauptburg der Sozialisten zu verweilen. Zur Zeit der Unruhen in Mailand, als er sich bereits in Genf mlfhielt, war Luccheui sehr aufgeregt und hatte häufig Zusammciikünfte mit anderen Italienern. Zwei der letzteren sind jetzt verhaftet.

man ohne Treppe in das Freie gelangen könne; und alle Gegenvorstellungen des Baumeisters, daß das Erd­geschoß aus gesundheitlichen Rücksichten höher gelegt werden müsse, halfen nichts. So leidet nunmehr der herrliche Bau ab und zu in bedenklicher Weise unter den ungünstigen Grundwasscr Verhältnissen; genauer gesagt, die Bewohner des Baues leiden darunter, wenn sie nicht rechtzeitig ein anderes Heim aufsuchen.

Die Prinzessin Heinrich wird, wie derBert. Lok-Anz." mittheilt, zu ihrer Reise nach Kiaulschau denjenigen Reichspostdampser benutzen, der Anfang November mit Wcihuachts'peudcu für die Besatzungen der deutschen Kriegsschiffe in China und die Garnison Kiautschau von Bremen direkt dorthin rxpedirt wird.

Die für die Palästinareise des Kaiserspaares bestimmten 8 Mann von der Leibgendamcne des Kaisers und 8 Mann von der Leibgarde der Kaiserin werden Mitte September ihre Garnison Potsdam verlassen und sich nach dem heiligen Lande begeben, um sich dort, be­vor das Kai erpaar ein trifft, mit den Sitten und Ge­bräuchen des Landes einigermaßen vertraut machen zu können. Außer freier Reise rc. erhalten sie jeder 5 Mk. Tagegelder.

Dresdeu. Vier Ansichten desBcbcl'schen Schlosses" am Züricher See reproduzieren dieDresd. Nachr.". Die Ansichten, von einem Amateur Photographen hcr- rührend, lassen erkennen, daß BebelSVilla Julie" in der That ein Besitz ist, dessen sich keinSchlotbaron" zu schämen haben würde. Das Grundstück liegt dicht am See, besitzt ein sportmäßig eingerichtetes Bootshaus, ieiche Wcinbauanlagen und ist mit einerfeudalen", in massiger Steinarbeit aufgc'ührten Mauer umgeben.

Aus Sachsen, 7. September. Die Fleischpreise sind in Chemnitz derart gestiegen, daß die politisch farblosen Chcmnitzcr Neue Nachrichten" dazu bemerken, bei der­artigen Flcischpreiscn werde manche Familie auf den Genuß von Fleisch überhaupt verzichten müssen. Es ist bekannt, daß in manchen Kreisen der sächsischen Arbeiter- bwilfcrung der Genuß von Pferdefleisch erheblich ge­stiegen ist. Hunde- und Katzensleisch wird selbst von manchen Arbeitern in sächsischen Dörfern nicht ver schmäht.

Münster (Westfalen), 8. Sept. Heute Nacht wurde aus dem anscheinend ordnungsmäßig verschlossenen Post­wagen auf dem Wege zwischen dem Bahnhof und der Hauptpost in Münster ein Werthbriefbeutel mit 22 Wertbriefen und 19 Einschreibebriefen gestohlen. Darunter befand sich ein Arie mit Hunderttausend Mk. der in Arnsberg aufgegeben war. Der Gesammtwerth der gestohlenen Sendungen beträgt 150,000 Mark. Der Wagen war am Bahnhof in Gegenwart deS zuständigen Beamten verschlossen worden, traf aber mit offener

am DonnerstagCarlcona" vorlas, worin die Morde der italienischen Vendetta beschrieben werden, deren Details dem jetzigen Attentat ganz ähnlich sind. Die Kaiserin war tief erschüttert über die Beschreibung. Das Buch war gewählt worden, um sie zum Aufgeben d"' gewünschten Reise nach Sizilien zu bewegen.

In mehreren Städten Oesterreich-UngarnS, so in Budapest, Laibach, Triest u. a., hat man sich zit Aus­schreitungen gegen italienische Arbeiter hinreißen lassen, aus Wuth darüber, daß ein Italiener die Schandthat vollführte. Die Exzesse hatten einen bedenklichen Charakter angenommen, zu ihrer Bewältigung mußte theilweite Militär ausrücken. Zwei Kompagnien Infanterie besetzten die Ziegelwerke bei Laibach, wo meistens Italiener beschäftigt sind und blutige Zusammenstöße mit anderen

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Sept. Der Kaiser verweilte am Dienstag mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria einige Zeit bei seinem erkranken Sohne, dem Prinzen August Wilhelm, in dem Neuen PailaiS bei Potsdam. Am Freitag Abend wird der Kaiser sich nach Wien begehen, am nächsten Tage der Leichenfeier daselbst beiwohnen und Sonntag sorgen in Potsdam wieder eintreffen. Am Sonnabend Vormittag findet für die heimgegangen« Kaiserin von Oesterreich ein feierliches Requiem in der HedwigSkirche zu Berlin statt.

Der Kaiser hält sich gegenwärtig nicht, wie sonst, im Neuen PalaiS bef Potsdam, sondern im Marmor mlenS bei Potsdam auf. Dort nahm er auch heute )ie fälligen Vorträge entgegen. Das Neue Palais wurde bereits im Frühjahr d. JS. verlassen, weil es ür ungesund erachtet werden mußte, und die Erkrankung >cs kleinen Prinzen August Wilhelm wird eben alls mit den hygienischen Verhältnissen des Neuen Palais in Zusammenhang gebracht. Friedrich der Große, der bc anntlich das Neue Palais nach dem siebenjährige«

Krieg errichten ließ ein prachtvoller Bau inmitten

Arbitern stattsmdcn. Es wurden zahlreiche Revolver- herrlichster Umgebung hatte sich eingebildet, das schüsse ab-efenert. Dabei gab es auf beiden Seiten viele, Erdgeschoß deö Palais müsse so angelegt werden, daß

Thür an der Hauptpost cm.

Viernheim Hier mußten vier Schulbuben Vereine aufgelöst werden, zweiAthleten-Klubs' und zwei .Turnvereine". Diese Vereine waren ganz regelrecht 'oustituirt. Sie halten Statuten, Vorstand, Kassirer und VereiuSd euer, Eintrittsgeld, Uebungsabende rc. Selbst leben jährige Kinder mußten ihre regelmäßigen Beiträge ahlen. Kein Wunder, daß diese Gelder nicht immer inf redlichem Wege erworben wurden. Und dies führte auch zur Entdeckung dieserBübereien".

Ausland.

Holland Der Mord, welcher in Genf an der Kaiserin Elisabeth begangen wurde, läßt in ganz aitdcrem Lichte eine Nachricht erscheinen, die vor einigen Tagen in der Presse auftauchte, die uns aber zu unglaublich erschien, als daß wir ihr an dieser Stelle Beachtung geschenkt hätten. Wir meinen die SensaliouS-Nachricht von einem auf die jugendliche Königin Wilhelmina von Holland vor 14 Tagen versuchten Revolver-Attentat. Die'es Attentat sollte vor 14 Sagen verübt worden sein, als die junge Königin im Wagen auf dem Wege zwischen Schloß Socstdyk und der Eisenbahn-Station Baarn sich befand. Aus einem Verstecke hinter einem Baume soll ein Mann hervorgetreten sein und einen Revolverschuß auf die Königin abgcfcucrt haben. Die Königin soll unverletzt geblieben, dagegen die Hofdame, welche neben ihr im Wagen saß, an der Wange verletzt worden sein. Als Thäter soll ein Mann verhaftet worden sein, in dem man einen englischen Anarchisten zu erkennen glaubte. Das ganze Attentat soll geheim gehalten worden sein, um die Festesfreude nicht zu stören.