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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich I Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 88.

Mittwoch, den 2. November 1898.

49. Jahrgang.

Ra>ü^1!i»tz16-H °f bic .Schlüchterner Zeitung» K»^kUU»UkN werden noch fortwährend von allen '' 1 " - ~ Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

türkische Kavallerieeskorte auf dem Marsche, den der Kaiser vor dem Frühstück zu Pferde zurücklegte, vier Pferde verloren hat.

Die Kaiserin Friedrich hat den Ditton-Park, unweit London, einen Landsitz des Herzogs von Bucelench, auf mehrere Monate gemiethet. Danach be­stätigt sich die Mittheilung, daß die Kaiserin längere Zeit in England zu verweilen gedenkt.

* In den Kriegervereinen gährt's ganz gewaltig. Die Mehrzahl der alten Kriegsveteranen, die die letzten Fcldzüge mitgemacht haben, weigern sich, die Erklärung zu unterschreiben, die jetzt jedem einzelnen Mitgliede eines Kriegervereins zngesandt worden ist. Der Wort­laut dieser Erklärung ist folgender:Ich, der Unter­zeichnete, Mitglied des Vereins......erkläre hier­mit nach Kenntnißnahme des mir gleichzeitig übersandten Zirkulars nebst Anlage, daß, wie ich bei meiner Auf­nahme in den Verein bereits erklärt habe, sich meine Gesinnung auch jetzt noch im Einklang mit dem § 1 unserer Satzungen befindet, und es mein Bestreben bis­her war und weiter sein wird, die in diesem Paragraphen zum Ausdruck gebrachten Grundsätze der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland sowie die Pflege treuer nationaler Gesinnung und echter Kameradschaft im bürgerlichen Leben, soweit es in meinen Kräften steht, zn bethätigen und, wo es nöthig, öffent­lich zu bezeugen. Zugleich erkläre ich mich ausdrücklich damit einverstanden, daß, wenn Gegenteiliges von mir bekannt wird, meine Ausscheidung aus dem Verein an geordnet werden kann." Zahlreiche Mitglieder haben diese Erklärung ohne Unterschrift zurückgeschickt, andere ließen sie ganz unbeachtet

Die ersten 16 "deutschen Mädchen, die freiwillig nach Deutsch-Südwestafrika gehen, um dort zunächst Ansiedler- und Missionsfamilien Anschluß zu finden und später unseren Landsleuten drüben gute Hausfrauen und dem Schutzgebiete eine werthvolle Stütze für deutsches Wesen zu werden, reisen am 25. November von Ham­burg nach Swakopmund ab.

DerReichsanzeiger" schreibt: Anläßlich der Pesterkrankungen in Wien ist anscheinend im Publikum die Befürchtung verbreitet, es könne durch ähnliche Ver­hältnisse auch in Berlin ein Ausbruch der Krankheit herbeigeführt werden. Zu einer derartigen Beunruhigung liegt kein Anlaß vor. Die Versuche mit Pestbazillen an lebenden Thieren werden seit langer Zeit weder am Kaiserlichen Gesundheitsamt, noch am Königlichen In­stitut für Infektionskrankheiten noch am Hygienischen Institut der hiesigen Universität ausgeführt. Solche Versuche sind auch noch nicht in Aussicht genommen und um so weniger nothwendig, als die einschlägigen Fragen durch die in Indien augestellten Untersuchungen hinlänglich geklärt wurden, und als die im vorigen Jahre von Reichswegen zur Erforschung der Pest nach Indien entsandte Sachverständigenkommission Gelegen- )eit gehabt hat, erschöpfende Studien über die Pest, ins besondere über die Art der Verbreitung und Maß­nahmen, die zur Bekämpfung geeignet sind, zu machen.

Posen. Die Ansiedelungskommission für Westpreußcn und Posen hat in Betreff der Erweröserleichterungen olgende Bestimmungen getroffen: 1. Der Grund und Boden braucht nicht mit Kapital bezahlt zu werden, ondern wird gegen eine jährliche Rente von höchstens 3 Prozent der fiskalischen Selbstkosten zu Eigenthum iberlassen. 2. Zum Aufbau der Gebäude und zur Be- chaffung des Inventars muß der Erwerber das fcstge- ctzte Vermögen selbst besitzen, doch können ihm unter Umständen dazu tilgbare Darlehen (sogenannte Er­gänzungsdarlehen) bis zum Höchstbetragc von einem Viertel des nachgewicsencn eigenen Vermögens zn 3'/, Prozent Zinsen gewährt werden. 3. Vor der Renten- phlung werden ein bis drei Freijahre gewährt. 4. Zum lmzuge erhält der aus größerer Entfernung zuziehende Ansiedler eine Umzugskostenbeihilfe. Auch wird er mit einem Umzugsgute von der nächsten Bahnstation un­entgeltlich mit Gutsgespann abgeholt und in vorhandene Gutsgebäuden vorlänfig untergebracht. 5. Beim Auf­bau und bei der ersten Bestellung hilft die fiskalische Gutsverwaltung ihm, soweit nöthig, durch unentgeltliche Gespannleistungen. Baumaterialien, namentlich Ziegel- und Feldsteine, werden zn billigem Selbstkostenpreise überlassen. Wer nicht selbst aufbauen will, kann auch ertige Gehöfte gegen Zahlung der Selbstkosten über­

Deutsches Reich.

Das deutsche Kaiserpaar ist wohlbehalten in Je­rusalem eingetroffen. Die hohen Herrschaften sind Freitag früh/al Uhr aus dem Zeltlager bei Bab-cl- Wad aufgebrochen und um 11 Uhr zu Pferde im besten Wohlsein im Zeltlager bei Jerusalem eingetroffen. Die­selben wollten um 3 Uhr den feierlichen Einzug durch das Jasfathor in Jerusalem halten und die Grabeskirche besuchen. Es herrscht anhaltend schönes, sehr heißes Wetter. Ueber den vorangegangenen Reisctagliegt folgendes Telegramm aus. Bab-el-Wald vom Freitag vor: Von Ramleh ritten Ihre Majestäten heute Nachmittag über El-Kubab und Latrun bei Amweis vorbei bis hierher, wo dieselben mit Ge'olge gegen 5 Uhr aylangten, um die Nacht in dem inzwischen aufgeschlagenen Zeltlager zu verbringen. Auch auf dieser ganzen Strecke fand der kaiserliche Zug begeisterte Aufnahme. Die Be­wohner der anliegenden Ortschaften, von ihren Dorf­ältesten geleitet, hatten zu Pferde an der Straße Auf­stellung genommen, um längs derselben die unter dem Namen Dsehita berühmten arabischen Reiterspiele dem Kaiser vorzuführen. Der Kaiser folgte den Ausführungen der vorzüglichen Reiter mit Interesse. Die Temperatur betrug Mittags über 40 Grad Neaumur in der Sonne. Auf die Ansprache der deutschen Kolonisten von Sarona erwiederte der Kaiser:Er freue sich, daß die guten Be Ziehungen, welche er mit Sultan Abdul Hamid un dem osmanischen Reiche unterhalte, auch den Deutschen im Orient zu Gute kommen. Je mehr die Deutschen in der Levante an der Heimath festhielten, umsomehr würden sie für das türkische Reich ein kulturförderndes und nützliches Element bilden. Weil Seine Majestät der Sultan dies erkannt habe, lasse derselbe den Deutschen in seinem Reiche einen wohlwollenden Schutz zu Theil werden." Vor der Weiterreise nach Ramleh empfing der Kaiser auch eine Deputation der Templer, welche vier Aquarelle überreichten, die ihre Kolonien bei Jaffa, Haifa und Jerusalem darstellen. Das kaiserliche Zelt­lager bildet eine ansehnliche Feldstadt und ist mit deutschen Fahnen geschmückt. Daneben befindet sich ein zweites Feldlager der begleitenden türkischen Paschas, dahinter sind die Biwaks der Kavallerie-Eskorte, der Infanterie und der Wachen. Alles ist Abends erleuchtet, was mitten in der Wildniß ein eigenartigen Anblick ge­währt, dazu erschallen in den riesigen, seitwärts lagern­den Proviant- und Gepäck Kolonnen Trompeten- und Hornsignale aller Art, was das Lagerbild vervollständigt.

Am Sonnabend Nachmittag hatten sich die Straßen vom Zeltlager bis zum Jaffa-Thore und von dort zur Erlöserkirche und Grabeskirche mit einer ungezählten Menschenmenge gefüllt, auch die Dächer und Balköne waren dicht besetzt; der in lebhaften Farben gehaltene Festschmnck der Straßen und die bunten Trachten der frohbewegten Menge gaben ein überaus fesselndes Bild. Kurz vor 4 Uhr nahte die glänzende Kavalkade. Die orientalische Bevölkerung war sichtlich erstaunt und über­rascht von der Pracht des Abendlandes, die hier ent faltet wurde; Alles jubelte dem Herrscherpaare zu. Kaiser Wilhelm trug die Tropenuniform; er und die Kaiserin hatten das Orangeband des Schwarzen Adler- ordens angelegt; das Kaiserpaar dankte fortwährend freundlich und huldvoll nach allen Seiten. Von der Davidstraße ab wurde der Rest deS Weges bis zur Grabeskirche zu Fuß zurückgelegt. Bei einer Ehren­pforte begrüßte eine Abordnung der Juden das Kaiser­paar mit einer Ansprache. Nach dem Besuch der Grabes kirche nahmen das Kaiserpaar auf dem Muristan die Huldigung der deutschen evangelischen Gemeinde Jerusa­lems entgegen. In der Muristan-Kapelle erfolgte so dann die feierliche Ueber gäbe des Ehrengeschenkes der deutschen Gemeinden von Jerusalem, Jaffa und Haifa; es ist dieses eine prachtvolle Biebel. ein überaus werth volleS Kunstwerk. Auf alle die verschiedenen Ansprachen erwiederte der Kaiser erfreut und huldvoll. Erst am späten Nachmittag begab sich das Kaiserpaar in das deutsche Konsulat. Am Abend war die ganze Stadt festlich r.leuchtet. Der Weg des Kaisers nach Jaffa war, russischen Berichten zufolge, so beschwerlich, daß die

nehmen. 6. Der Ansiedler, der im ersten Jahre wegen des Gehöftausbaues noch nicht selbst ernten kann, er­hält bis zur ersten Ernte abgesehen vom Saatgut Mund- und Wirthschaftsvorrath für sich, seine Familie und sein Vieh nach den dafür erlassenen näheren Be­stimmungen unentgeltlich. 7. Anschaffung von Obst­bäumen für die neuen Stellen erfolgt durch die An- sicdelungskommission unter Uebernahme von drei Vierteln der Kosten. 8. Zur Erleichterung der öffentlichen Lasten werden den neuen Ansiedlergemeinden unentgeltlich Grund­stücke überwiesen, deren Werth in der Regel 5 Prozent des Werthes der aufgetheilten Gutsfläche beträgt. So­weit die Ansicdelungskommission die Erbauung neuer Kirchen und Schulen aus Anlaß der Besiedelung für erforderlich erachtet, werden die erstmaligen Baukosten vom Staate getragen.

Dresden. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Hauptbahnhof in Dresden. Ein Klempner­gehilfe hatte auf dem Dach des Bahnhofs eine Reparatur auszuführen. Um dahin zu gelangen kletterte er an den die Drähte der elektrischen Lichtleitung haltenden Bindern empor, kam aber dabei mit den Drähten selbst, die eine Spannung von 3000 Volt hatte, in Be­rührung und erhielt einen so heftigen Schlag, daß er sofort todt war. Erst nach geraumer Zeit gelang es, deu Strom abzustellen. Inzwischen hing der leblose Körper in- den Drähten und wurde so furchtbar ver­brannt, daß er über und über rauchte.

Chemnitz. Eine exemplarische Strafe verhängte das Landgericht Chemnitz über einen l3jährigen Schulknaben, der zweimal faustgroße Steine auf die Eisenbahnschienen gelegt und mit Steinen eine Warnungstafel der Bahn herabgeworfen hatte. Die Steine wurden von der Lokomotive bei Seite geschoben. Das Urtheil lautete auf zwei Jahre Gefängniß.

Köln, 30. Oktober. Ein Steinmetzgehülfe, der ohne Kündigung plötzlich abreisen wollte und den Lohn und seine Papiere verlangte, machte auf den Meister, der das Verlangen abschlug, einen Mordversuch. Er feuerte zwei Revolverkugeln ab und entfloh hierauf. . Der Meister wurde tödtlich verletzt. Der Geselle wurde später verhaftet.

Rheydt, 28. Okt. Um die Vereinsfestlichkeiten, die am Niederrhein in den letzten Jahren außerordentlich angenommen haben, einzuschränken, beschloßen die hiesigen Stadtverordneten, daß künftighin bei Vereinsfesten, die mehr als einen Tag dauern, für den zweiten und jeden weiteren Tag die dreifache Lustbarkeitssteuer zu zahlen sei. Vereinsfestlichkciteu, die nur den Deckmantel jür Tanzbelustigungen bilden, sollen nur noch an den Tagen gestattet werden, wo nach der Düsseldorfer Regierungs- polizcivcrordnung anch den Wirthen die Abhaltung von Tanzlustbarkeiten gestattet ist. Ferner wurde die Steuer für die Abhaltung von Maskenbällen wesentlich erhöht.

Ausland.

Wien, 27. Okt. Zu den Pestfällen wird geschrieben: ES ist geradezu unglaublich, was ich soeben erfahre! Die beiden Wärterinnen des Barisch, die Pccha und die Hohenegger, thaten bei ihm zum ersten Male über­haupt Dienst. Man fragte sie gar nicht, ob sie auf der Jsolicrabtheilung der Klinik Nothnagel einen Pest- verdächtigen Fall übernehmen wollten, ja die Direktion unterließ es sogar, die für dieses Wartepersonal nöthigen, ußerordentlichcn prophylaktischen Maßregeln anzuordnen. Die Pccha und die Hohenegger erhielten eben ihr Todesurtheil zugestcllt. Anstatt daß man geschulte und erfahrene Warte-Personen ausgewählt und vorher be- tragt hätte, ob sie auch wollten, nahm man Anfänger- innen und setzte sie wehr- und schutzlos der Todesgefahr aus! Das schreit zum Himmel! Die langjährigen Wärterinnen sind eben alle auf den Abtheilungen und Kliniken beschä tigt, die neueintretenden Kräfte warten - so will eS die blödsinnigste aller Einrichtungen gewöhnlich bis eine Jsolierkammer für infektiöse Er­krankungen nöthig geworden ist. Sie sitzen im soge- nanntenThurm", dem vormaligen Narrrenthurm. Die armen Närrinnen! Der jetzt so allgemein gefeierte und tief beklagte Doktor Hermann Franz Müller, der den Heldentod für seine Pflicht und seine Wissenschaft ge­storben ist und der auch sein Denkmal in der Aula er­halten soll, h it die Pesterkrankung bei Barisch leider viel zu spät erkannt. Zuerst legte er ihn zu den vielen