WchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Zwei el, daß dies Urtheil völlig unhaltbar ist, da es sich mit dem Preßgesetz auf keinen Fall vereinbaren läßt Nach einer solchen Gerichtsanschauung müßte ja auch die Postverwaltung die von ihr beförderten Blätter auf eine etwaige Strafbarkeit des Inhalts prüfen, und wir kämen damit zu Zuständen, gegen welche die Censur noch der Inbegriff der Preßfreiheit wäre.
Mühlhausen i. T„ 6. Nov In der Badeanstalt von Wilhelm Glotz an der Unstrut konnte man gestern eine eigenartige Szene beobachten: den Besitzer der Anstalt, einen 85jührigen Greis, frisch und munter inmitten alter und junger Badegäste in den kühlen Fluthen der Unstrut badend und schwimmend. Schon seit 56 Jahren feiert Herr Glotz seinen Geburtstag am 5. Nov. mit feinen Badegästen durch ein gemeinsames Bad in der Unstrut, unbekümmert um die Witterung, und au diesem Tage ist auch alljährlich erst Schluß der Bade- saison in der Glotzschen Badeanstalt.
Dortmund. Nach einer Mittheilung des „Neichs- anzeigers" ist die Entzündung der schlagenden Wetter auf der Zeche „Holland" bei Wattenscheid am 4. d M. aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine geöffnete Sicherheitslampe erfolgt. In unmittelbarer Nähe eines der Getödteten, eines 24 Jahre alten Schleppers, der seit dem 1. März ds Js. Bergmann ist, ist die die'em gehörige Sicherheitslampe mit abgeschraubtem Obertheil vorgefunden worden. Der doppelte Bleinietverschluß war gewaltsam geöffnet worden. Sonstige Anhaltspunkte, um die Entstehung der Explosion zu erklären, liegen nach der Mittheilung des „Staatsanzeigers" bis jetzt nicht vor.-
Ausland.
Genf, 10. Nov. Das Schwurgericht verurtheilt? heute den Mörder der Kaiserin von Oesterreich, Luegeni zu lebenslänglichem Zuchthaus. Die Todesstrafe ist in Genf abgeschafft, daher konnte Luegeni nicht zum Tode verurtheilt werden.
Brüffel. Wie der „Hann. Kur." aus Brüssel erfährt, wird König Leopold II. seinen langgehegten Plan einer Kongoreise im nächsten Jahre doch zur Aus sührung bringen, und zwar im Monat Mai. Außer mehreren Ministern werden zahlreiche belgische Staatsbeamte den König begleiten, um sich durch eigene Anschauung von den Fortschritten der künftigen belgischen Kolonie zu überzeugen. Von der Einsetzung einer Regentschaft wird mit Rücksicht darauf Abstaud ge nommen, daß die Kongoregieruug im Begriffe steht, einen telegraphischen Draht Zwischen Banana und St. Thome zu legen, wodurch die telegraphische Verbindung zwischen Belgien und dem Kongostaate hergestellt wird.
Petersburg. Die russische Bevölkerung ist von der jüngsten Mißernte hart betroffen. Bisher haben viele Gouvernements zur Verpflegung bis zur künftigen Ernte fast nichts gethan. Das Gouvernement Samara allein benötigt mehr als 5 Mill. Rubel zur Verproviantirung der vom Nothstände Betroffenen. Jetzt hat der Zar- Bericht einge,ordert.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 11. Nov.
* — Die sog. stille Zeit, in welcher keine Tanzvergnügen abgehalten werden dürfen, beginnt am nächsten Sonntag und wird nur durch die Tage vorn 21. bis 27. November unterbrochen, in welcher Tanz noch ge« stattet ist. Am nächsten Sonntag, als dem Sonntag vor dem Buß- und Bettag, dem Todtenfensonntag, dür'cn auch keine Concerte ftattfinben. In der Adveuts- zeit sind bekanntlich incl. des ersten Wcihnachtsfcicrtages Tanzmusiken verboten.
* - (Landwirthschaftskammer.) In der letzten Vorstandssitzung der He fischen Landwirthschaftskammer lag u. A. vor die Beschlußnssung über die Anfrage des Herrn Ministers, ob die Einführung einer Parzelttrungs- grenze (sogenannte Minimalparzelle) zumal in den Kreisen Hanau, Gcluhausen und zum Theil Schlüchtern geboten sei. Als Referenten fungirten die Herren Oeeonomicrath Gerland und Dr. phil. V. von Stock-
R«»^p!!unm»N ""^ bie -Schlüchterner Zeitung" gpv HvUUliyvjoerben nod) fortwährend von allen ^ ------- ' - - Postanstalten und Landbriesträgern
owie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Die bevorstehende Ankunft des deutschen Kaisers in Spanien bildet das Hauptthema aller Gespräche; sie hat selbst auf die Diplomaten einigen Eindruck gemacht. Frankreichs und Englands Botscha ter haben mit dem Minister des Auswärtigen verhandelt. Die kaiserliche Macht wird Cartagena auf einige Stunden anlaufen und sodann in Cadix ankern, um Kohlen einzunehmeu. Es besteht die Vermuthung, der Kaiser werde während des Kohlen-Einnehmens einen Abstecher nach Sevilla machen, in welchem Falle die Königin ihn einlaben würde, vollends nach Madrid zu kommen.
— Die beiden Söhne des Prinzen Heinrich von Preußen werden auf Anordnung des Kaisers das Weih nachtsfest in der kaiserlichen Family verleben, da ihre Eltern zu dieser Zeit sich in Kiaotschau befinden.
— Die Konferenz der katholischen Bischöfe in Fulda hat, wie die „®crm.* hört, eine Dankadresse an den Kaiser für die Schenkung der Dormitation gerichtet. — Die Schenkung der „Dormitation de la SainteVierge“ durch den Kaiser an die Katholiken wurde am 5. Nov. vom deutschen Konsultat in Jerusalem grundbuchlich eingetragen. Als Besitzerin fungirt das deutsche Reich vertreten durch den Konsul Teschcndorff, als Nutznießerin der deutsche Palästinaverein. Das Grundstück, dessen idealen Werth die Türken nicht in Betracht gezogen haben, wurde vom Sultan für 8500 Pfund (etwa 155,000 Mk.) angekau t.
— Der preußischen Förster soll gedacht werden. Jetzt verlautet wieder, daß das Höchstgehalt der königl. Förster im nächsten Etat etwas höher bemessen werden solle, daß aber die Wünsche der Förster vorläufig nicht ganz erfüllt werden könnten.
— Ein elektrischer Ring. Bier große Elcktrizitäts- gesellschatten: Ludwig Löwe u. Co, die Elcktrizitäts- Aktiengesellschaft Schlickert u. Co., die Gesellschaft für elektrische Unternehmungen und die kontinentale Gesell- scha t für elektrische Unternehmungen wollen sich niib einander verschmelzen, bezw. eine sogenannte Interessengemeinschaft gründen. Die Wirkung wird wohl namentlich in ent prechenden Preisen für alle Neuerungen und Bervollkommnungen zu suchen sein.
— Die Zahl der Patienten der Tollwuthschutzstatiou hat das erste Hundert überschritten. Bisher betrug sie 99. Als Hundertste kommt noch dazu eine Familie Drews vom Drewshof im Kreise Elbing, Mann, Frau und eine achtjährige Tochter, die alle von einem tollen Hunde gebissen worden sind. Bon den Patienten sind 71 bereits wieder entlassen, während sich noch 31 in Behandlung befinden!
S — 60 Prozent Dividende kann die deutsche Gas- glühlicht-Aktiengesellschaft für das abgelaufene Geschäftsjahr zahlen.
— Das Gesamintvermögen der Stadt Berlin be- । trägt z. Zt. 329,563,994 M., gegen 319,978,594 M. im Vorjahr, also mehr 9,585,400 Mark.
München, 6. Nov. Zu den Gerichtskuriosas gehört tut Fall, in dem das Landgericht ein seit 5 Jahren verheiratetes Ehepaar zu einem Tag Gefängniß wegen Vergehens wider die Sittlichkeit verurtheilt, weil das Ehepaar in einem Schwägerschaftsverhültniß steht. Der I Standesbeamte hat das vor 5 Jahren übersetzen und nun wird die Ehe aufgelöst. Aber die beiden Eheleute, der Mann ist Schneider, wurden zuvor noch „wegen linsittlichen Zusammenlebens" bestraft! I
Tilsit, 8. Nov. Eine sonderbare Rechtsprechung hat . die hiesige Strafkammer in einem Prcßbcleidigungs- prozeß geübt. Sie hat nämlich nicht nur den verantwortlichen Redakteur, obgleich dessen Namen gegen seinen Willen als verantwortlicher Leiter stehen geblieben war, mit mehreren Monaten Gefängniß bestraft, sondern auch den Verleger, den Drucker und schließlich ß auch — den Schriftsetzer. Letzterer wies vergeblich da- | hin, daß er gar nicht in der Lage gewesen sei, den | ^sh"it der Manuskripte einer Prüfung zu unterziehen | ^^her hat man nur versucht, das Setzerpersoual zur | Z^guißpsticht heranzuziehen; es auch für den Inhalt verantwortlich zu machen, ist bcm Tilsiter Gericht vor ? "thEtü geblieben. Es unterliegt allerdings keinem
hausen. Es wurde ein dahingehender Entscheid gefällt, daß die Einführung einer Minimalparzelle nicht zu be
— Die Haltestelle Marbach der Strecke Fulda« §ünfth wird am 1. Dezember d. I. eröffnet.
* — Der Blasenrost der Weymouthskiefer ist in Deutschland in letzterer Zeit mehrfach beobachtet, so daß seine weitere Ausbreitung eine große Gefahr w die Bestände dieser Art bedeutet. Die Besitzer solcher Pflanzungen und größerer Baumschulen werden deshalb darauf aufmerksam gemacht und ihnen im eigenen Interesse empfohlen, sämmtliche am Blasenrost erkrankten Stämme, welche so wie so unverkäuflich sein werden, zu vernichten. Außerdem werden sie bei Neupflanzungeu von KicfernstümmcheN in den Baumschulen darauf Bedacht zu nehmen haben, daß sie mindestens 50 Meter von Ribespflanzen — Stachel- und Johannisbeeren entfernt bleiben. Zweckmäßig werden dann beide Pflanzen« arten noch durch andere Bäume getrennt, um eine Ucbertragung der Pilzsporen durch Wind zu verhindern.
* — Das Wegfangen der Maulwürfe aus den Wiesen muß als eine bedenkliche Maßnahme betrachtet werden, da dieselben sich nur von thierischen Schädlingen ernähren, die dem Wiesenwuchs viel mehr Nachtheile bringen, wie die Maulwurfshaufen. Man lasse die Wühler ruhig in der Wiese arbeiten und ebne im Frühjahre ihre Haufen mit dem Spaten aber bequemer mit dem Wieseuhobel und der Wiescuegge. Der Graswuchs ■ entwickelt sich auf solchen Wic'en viel besser als auf anderen, wo der Maulwurf nicht gewühlt hat.
* — Vormundschaftliches. Mit dem 1. Januar 1900, dem Tage der Gesetzeskraft des Bürgerlichen Gesetzbuches tritt die dem bisherigen Recht unbekannte elterliche Gewalt der Mutter in Wirksamkeit (§ 1684 ff. des Bürgerl. Gesetzb). Mit dem genannten Tage erreichen die zahlreichen Vormundschaften über vaterlose Minderjährige, deren Mütter noch leben, geschäftsfähig und inzwischen nicht eine Ehe eingegangen haben, ihr Ende. Die zur Zeit dem Vormunde zustehende Fürsorge für das Vermögen des Mündels liegt vom 1. Januar 1900 ab der Mutter ob und endet regelmäßig, wenn sie eine Ehe eingeht (§ 1697). Bei dem großen Wandel, welcher ersichtlich in den Verhältnissen eintritt, namentlich betreffs der Vermögensverwaltung der minderjährigen Kinder, hat der preußische Justizminister in einer allgemeinen Verfügung angeordnet, daß jetzt bereits Fürsorge für die Umleitung in die neuen Verhältnisse getroffen werde. Mancher Vormund wird zu seiner Freude einer lästigen Vormundschaft ledig werden; jedoch bleibt es bei den Vormuudscha teil über außereheliche Kinder, weil nach § 1707 des Bürgerlichen Gesetzbuches der Mutter über ihr uneheliches Kind die elterliche Gewalt nicht zu steht.
* — Gegen die Einwanderer aus Europa hat die Nordamerikanische Regierung neue Maßnahmen getroffen. Danach müssen künftig nicht nur die Zwischendecks« Passagiere, sondern auch sämmtliche Cajüten-Passagiere, die in den Vereinigten Staaten landen wollen, den Nachweis führen, daß sie nicht mittellos sind mtb den amerikanischen Armenhäusern nicht zur Last fallen werden, daß sie nicht unter Contract einwandern, ferner keinen unmoralischen Lebenswandel ge ührt haben und endlich nicht Insassen von Zuchthäusern und anderen Strafanstalten gewesen sind.
* — Eine empfindliche, aber sehr gerechte Strafe verhängte die kgl. Strafkammer Hanau am 31. v. Mts. über den Krämer Johs. Möller zu Wallroth. Derselbe »atte — wahrscheinlich aus Rache — 14 dem Andreas Leipold daselbst gehörige junge Obstbäumchen auf ruchlose Weise zerschnitten, bezw. abgebrochen, er wurde jedoch bald als der Thäter ermittelt und zur Anzeige gebracht. Die Strafkammer bedachte ihn wegen diesen rohen That mit der exemplarischen Stra e von 7 Monaten Gefängniß. Wie hieraus zu ersehen ist, gehören derartige Roh- leiten noch immer nicht zu den Seltenheiten; man wird daher auch das Urtheil der Strafkammer überall mit besonderer Befriedigung begrüßen.
Caffel, 7. Nov. Ein seltenes Jagdglück hat der Lieutenant Graf Waldeck vom hiesigen Husarenregiment gehabt. Derselbe erlegte in dem Fürst Wied'schen Jagdrevier zu Schloß Bcrlcbnrg in einem Pürschgang und drei Standtreiben 4 Hirsche, darunter zwei Zwölfer, einen Achter mit einer Stange und ein Sechsender, drei Stück Rothwild, 3 Rehböcke, 7 Rehe, 1 Fuchs 14 Hasen
fürworten sei.
* — Wegen Auftreten der Maul-und Klauenseuche ^.»~ v.v..,.v..v, - u— - ^-,—
sind sämmtliche Vichmärkte in den Kreisen Schlüchtern, und ein Feldhuhn Gewiß ein Beweis dafür, daß es Fulda, Gelnhausen und Lanterbach sistirt worden, i in Mitteldeutschland noch reiche Jagdgefilde giebt,