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WchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 92.

Mittwoch, den 16. November 1898.

49. Jahrgang.

IMMIntWtl auf bie -Schlüchterner Zeitung" gPlpH-UUl&yni iverben noch fortwährend von allen ...... - Postanstalten und Landbriesträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

sichtlich, haben Handel und Jndnstrie im Großherzog- thum im Laufe des Jahres 1898 einen bedeutenden Aufschwung genommen, und in den Produklionsver- Hältnissen ist eine lebhaft steigende Tendenz bemerkbar. Die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkte sowie die Le­benshaltung der Arbeiterbevölkerung sind dem gemäß günstig. Als drückend wurde in allen Gewerbebetrieben der Mangel an geeigneten Arbeitskräften empfunden.

Karlsruhe. Eine große Millionen-Erbschaft wird das badische Dorf Schlechtenau machen. Eine daselbst erzogene und jetzt in England verstorbene Dame hat ein Vermögen von 11 Millionen hinterlassen, welches sie der Gemeinde Schlechtenau testamentarisch sichergestellt hat.

Aus Metz berichtet dieNat -Ztg.": Ein katholischer Geistlicher wurde hier zu 14 Tagen Gefängniß ver- urtheilt, weil er auf der Kanzel gesagt hatte:Wenn die Truppen diese Woche zum Manöver einrücken, so achtet auf Eure Portemonnaies und auf Eure Kinder."

Vor kurzem wurde der Bürgermeister von Altötting (Bayern), Bankier I. B. Stuber, wegen Defraudation von Sparkassengeldern verhaftet. Seine Schuldsumme wird vomMühldorfer Anzeiger" auf 670000 Mk. angegeben. Die Gläubiger, etwa 250, rekrutieren sich aus der ganzen Umgegend. Viele arme Leute, Dienst­boten rc. sind betroffen.

Ausland.

Gran, 8. November. Aus unbekannter Ursache sind 24 Zöglinge des katholischen Priesterseminars aus dem­selben ausgetreten.

Spanien. Aus Suez wird derPolit. Korr." ge­schrieben, daß sich auf den von Hongkong kommenden Schiffen viele Mönche von den Philippinen befinden, die nach Spanien zurückkehren, wo sie sich zur Partei der Carlisten schlagen dürften. Manche Mitglieder der Klostergemeinschaften auf den Philippinen bringen an­sehnliche Reichthümer mit, die sie schon seit Beginn des amerikanisch-spanischen Krieges in sicheren Gewahrsam gebracht hatten. Man erzählt sich u. a., daß der Bischof von Camarines, einer Diözese im südöstlichen Theile der Insel Luzon, nach Shanghai mehrere Millionen Dollars abgesendet haben soll. Daß die Klöster auf den Philippinen außerordentlich reich sind, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Sie hatten schon seit längerer Zeit in China, Japan und an anderen Orten des fernen Ostens bedeutende Geldsummen placirt. Die Mönche von den Philippinen waren auch die ersten Europäer, die sich in Kmutschau niedergelassen hatten, und sie sind in diesem Gebiete auch heutzutage reich be­gütert. In Hongkong sollen sie überLändereien verfügen, die einen Werth von beiläufig 20 Millionen Dollars haben. Die Bank von Hongkong hat ihnen einen offenen Kredit von namhafter Höhe eingeräumt. Auch von diesem Geldüberflusse dürste der Carlistenpartei Einiges zu Gute kommen.

Australien sieht einer außergewöhnlich reichen Ernte entgegen; schon jetzt ist man besorgt, ob die vorhandenen Kohlenvorrüthe und Eisenbahnwagen ausreichen werden, die erwarteten Getreidemassen zu befördern. Zu den gesegnetsten Gegenden gehören die Bezirke, wo die deutschen Farmer dicht zusammensitzen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 15. Nov.

* Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende September 1898 sind von versicherten Personen des Kreises Schlüchtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern im Ganzen 169 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende September 1898 zur Erledigung: 102 durch Fest­setzung des Rentenanspruchs, 66 durch Ablehnung, 1 durch den während des Verfahrens eingetretenen Tod der Antragsteller :c. Die bewilligten Altersrenten be­trugen: für 74 männliche und 28 weibliche Personen zusammen jährlich 12,278 Mark 30 Pfg. Von den 102 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 59 in der Land- und Forstwirthschaft, 8 in der Industrie im Handel und Verkehr, 14 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 13 im Staats- rc. Dienste, 8 im Ge stndedienste. Ende Sept. 1898 blieben, nach Abgang durch Tod rc., noch 63 Altersrenten mit zusammen 7,788 Mark 60 Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Heil vom 23. November 1891, von welchem Tage ab

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat sich nunmehr in Beirut zur Rückreise nach der Heimath eingeschifft, welche im strengsten Inkognito zurückgelegt wird. In Berlin hat sich ein Komitee gebildet, welches die Bürgerschaft Berlins und der Vororte am Tage der Rückkehr des Kaisers die Häuser zu schmücken ausfordert.

Die Prinzessin Heinrich hat die Reise nach Ki- outschau angetreten.

Die Beisetzung der Leiche des Fürsten Bismarck ist nunmehr bis zum April verschoben, weil das Mau­soleum bis zum 27. ds. Mts. nicht fertig gestellt werden kann.

Ein Arbeitgebcrbund des Baugewerbes für ganz Deutschland ist in der Bildung begriffen. Der im Jahre 1890 gegründete socialdemokratische Maurerverband hat seine Mitgliederzahl in diesen 8 Jahreu auf über 70,000 gebracht und ein beträchtliches Vermögen angesammelt. Gegenüber dieser wohlgefestigten Organisation ist der Zusammenschluß der Arbeitgeber höchst mangelhaft, die bestehenden 40 Vereinigungen der Unternehmer können unter den gegenwärtigen Umständen nicht viel erreichen. Man befürwortet die Schaffung einer großen Arbeitgeber­organisation, die im Stande sei, den Arbeiterverbänden entgegenzutreten. Es sind bereits Schritte gethan, um die Begründung eines derartigen Bundes in die Wege zu leiten.

Bresla». DiehalbamtlicheHandels-u.Jndustrie-Ztg." meldet, daß sich nunmehr auch eine der größten schlesischen Tuchfabriken entschlossen habe, wie bereits früher viele große sächsische Spinnerei- und Weberei-Unternehmungen mit ihren Arbeitern und Maschinen nach Rußland überzusiedeln. Für die geplante ostdeutsche Industrie eröffnet diese Entwickelung nicht gerade günstige Aus­sichten. Die Ansiedelungskommiffion beabsichtigt, das im posenschen Kreise Briesen gelegene fiskalische Ritter­gut Dembowalonza in etwa 92 Ansiedlerstellen mit eigenen Wohn- und Wirthschaftsgebänden aufzutheilen.

Erfurt, 7. Nov. Das hiesige Schöffengericht ver- urtheilte ein Dienstmädchen, welches von einer Herrschat 1,50 Mark Dinggeld angenommen, aber den Dienst nicht angetreten hatte, zu 10 Tagen Gefängniß und begründete die Höhe der Strafe damit, daß in letzter Zeit die Prellereien seitens des Gesindes Herrschaften gegenüber überhand genommen hätten.

Brauuschweig, 11. Nov. In vergangener Nacht um 2 Uhr fand eine furchtbare Explosion in der Nord­deutschen Znckerraffinerie in Fellstedt statt, die das Eta­blissement in Flammen setzte. Zwanzig Arbeiter sind verwundet, drei werden vermißt.

Köln. Der Steinmetzgchilfe, der, wie kürzlich gemeldet, seinen Meister dnrch 2 Revolverschüsse schwer verletzte, ist ein Anarchist, der, wie die Untersuchung ergab, sich über den Mord der Kaiserin von Oesterreich, sowie über das gegen den deutschen Kaiser geplante Attentat in ungebührlichen Ausdrücken erging. Im Besitze des Verhafteten wurden 17 scharfe Patronen und 300 Mk. gesunden.

Bonn, 11. Nov. Im vergangenen Sommer wurden wiederholt schwere Steine auf die Schienen der Vorge- birgSbahn gelegt, was mehrere Unfälle und in einem Falle den Tod eines Heizers zur Folge hatte. Einer der Thäter stand heute vor der hiesigen Strafkammer. Es war der 13 '/»jährige Schüler Heinrich Frohn ans Dransdorf. Er hatte in zwei Fällen Steine anf die Schienen gelegt, indeß die Aufmerksamkeit der Zug­beamten verhinderte ein Unglück. Mit Rücksicht darauf, daß der Bursche nach der ersten That von seinen Eltern vorher nachdrücklich verwarnt worden war, dennoch aber nicht von dem Unfug abgestanden hat, erkannte die Strafkammer trotz der Jugend des Angeklagten auf 1 Jahr Gefängniß.

Darmstadt. Die hessische Regierung hat soeben die Kreisämter eine Enquete über die Lage des Klein­gewerbes, der Industrie und des Handels, ferner über die Produktionsverhältnisse, die Lage des Arbeitsmarktes und die Lebenshaltung der Arbeiterschaft veranstalten lassen. So viel aus dem eingegangenen Material er­

gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Sept. 1898 durch Vermittel­ung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 167. Davon kamen bis Ende Sept. 1898 zur Erledigung: 103 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 44 durch Ablehnung, 20 auf sonstige Art. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 80 männliche und 23 weib­liche Personen im Ganzen jährlich 12,839 McnF 40 Pf. Von diesen Personen waren beschäftigt: 47 in «r Land- und Forstwirthschaft, 24 in der Industrie, 2 im Handel nnd Verkehr, 10 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 6 im Staats- rc. Dienste, 14 im Gesindedienste. Nachdem 34 Invalidenrenten durch Tod der Empfänger und 2 durch Wiedergewinnung der Erwerbsfähigkeit rc. in Ab­zug gekommen waren, blieben Ende Sept. 1898 noch 67 Invalidenrenten im Gesammtbetrage von jährlich 8,352 Mark 60 Pfg. zu zahlen.

* Das Landgericht II. Berlin verurtheilte dieser Tage den auch in hiesiger Gegend bekannten früheren Besitzer der Kohlengrube Kohlenhof bei Elm, Paul Schwengers aus Altenhaßlau bei Gelnhausen, wegen versuchter Erpressung zu drei Monaten Ge ängniß.

DerReichsanzeiger" eröffentlicht eine vom kaiser­lichen Gesundheitsamt ausgearbeitete Denkschrift über das Färben der Wurst sowie des Hack- und Schabe­fleisches.

Zum Abzahlungsschwindel theilt man derDtsch. Tagesztg." folgenden Kniff mit: Neuerdings wird in die Vertragsbestimmungen an unauffälliger Stelle ein Passus ausgenommen, wonach für die Abholung der Gelder 10 pCt. Inkassospesen berechnet werden. Glaubt man dann eines schönen Tages, nun endlich, seiner Zahlungsverpflichtung ledig zu sein, so kommt jene unverschämt hohe Forderung, gegen die sich^rechtllch gar nichts machen läßt, nachgehinkt. Ferner scheint mit den Stempelbeträgen, welche die Käufer gleichfalls entrichten müssen, etwas faul zu sein.

* Die Landwirthschaftskammer macht bekannt: In Verfolg eines Ministerial-Erlasses fordern wir die etwa in unserem Bezirk vorhandenen Mitglieder der in Concurs befindlichen Hagelversicherungs - Gesellschaft Germania" auf, {statt durch aussichtslose Prozesse sich ! selbst und der Gesellschaft noch mehr Kosten zu machen und die endgültige Regelung der leidigen Angelegenheit noch mehr zu verzögern, die auf sie entfallenden Nach- Zahlungen zu leisten, zumal ihnen, wenn sie sich dazn bereit erklären, der Concursverwalter die Zahlung in mehrjährigen Raten zugestehen wird. Auch ist schon jetzt vorauszuiehen, daß wahrscheinlich ein nicht uner­heblicher Theil des geforderten Nachschusses zurückgezahlt werden kann. Derseloe mußte deshalb so hoch angesetzt werden, damit auf alle Fälle Concursforderungen und Masseschulden gedeckt werden können.

Bad Orb, 12. Nov. Wie zuverlässig verlautet, sind die Verhandlungen des Magistrats mit einer Frank­furter Gesellschaft wegen Verkaufs der Saline so weit gediehen, daß in allen Hauptpunkten eine Einigung erzielt worden ist. Die Stadtverordneten haben der Magistrats­vorlage ihr Zustimmung ertheilt.

Hanau, 12. Nov. Das Schwurgericht sprach die Ehe rau des Schreiners Adam Schwarz von Frankfurt a M. von der Anklage der vorsätzlichen, aber nicht mit Ueberlegung ausgeführten Tödtung ihrer 2'/»jährigen Tochter frei Die Frau war mit dem Kinde bei Fechen- Heim in den Main gesprungen, um sich und das Kind zu ertränken. Sie selbst wurde aber an's Ufer ge­schwemmt und gerettet, während das Kind ertrank. . Das Schwurgericht verurtheilte gestern den Privatmann Möller von Neustadt (Amtsger.»Bez. Neuhof, Kreis Fulda) wegen Sittlichkeitsverbrechens unter Ausschluß der Ocffcntlichkclt zu 8 Monaten Gefängniß.

Wiesbaden, 10. Nov. Wie demRhein. Courier" aus Breidenbach (Kreis Biedenkopf) gemeldet wird, hat man in der dortigen Spar- und Darlchnskaffe eigen bedeutenden Fehlbetrag angeblich 28,000 Mark entdeckt.

Hcrsfeld, 11. November. Von einem rohen Buben­stück müssen wir wieder einmal berichten. An der Hersfeld.Hünfeldcr Straße, zwischen unserer Stadt und Untcrhaun, ist man zur Zeit mit dem Anpflagzen von Obstbäumen beschäftigt. In der gestrigen Nacht sind nun bei nennBäumchen die Kronen abgebrochen worden,