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Samstag, den 10. December 1898
49. Jahrgang
Deutsches Reich.
'rs Berlin. Der Reichstag ist am Dienstag, Mittags
12 Uhr, im Weißen Saale des Königlichen Schlosses h, von Sr. Majestät dem Kaiser eröffnet worden. Der ^Kaiser erschien in der Paradeuniform des Regiments L der Garde du Corps mit dem fliegenden Adler und dem IV Bande des Schwarzen Adlerordens, dem Wilhelmsorden und den Ketten der drei höchsten preußischen Orden, c' Der Eröffnung wohnten bei die Kaiserin und mehrere ^Prinzen, darunter der persische Prinz Melik Mirza.
— Zur Deckung der Reisekosten des Kaisers zur Fahrt Wach Palästina soll nach der „Frk.f. Ztg." dein Landtag Ulf eine besondere Vorlage zugehen. — Die vom Sultan M dem Kaiser zum Geschenk gemachten Geschütze sind in J 25 Kisten verpackt in Berlin eingetroffen und dem Zeug-
Hause überwiescu. Die Geschenke bestehen in einem türkischen Felgeschütz mit Lasfette und einem türkischem Berggeschütz mit den dazu gehörigen Sätteln für die D^Maulthiere, auf denen diese die Geschütze im Gebirge 1 fortschaffen. Beiden Geschützen ist die betr. Munition beigefügt. — Von den Reitpferden des Kaisers, die der Monarch in Palästina benutzte, hat am Montag eines s . der werthvollsten im Marstall zu Potsdam getödtet werden "' müssen. Sämmtliche Pferde haben durch die Stra- l. pazen der Reise derartig gelitten, daß sie bei der An- Mkunft in Potsdam sofort in einem Krankenstall von den - : übrigen P erden des Marstalls isolirt werden mußten. W — Der Kronprinz auf Reisen. Kaiser Wilhelm ; soll, wie Londoner Hofkreise aus Berlin erfahren haben ^wollen, die Absicht haben, den Kronprinzen im nächsten J Jahre über den Ozean zu schicken. Der Kronprinz Mwürde im strengsten Inkognito ganz Amerika bereisen
und ungehindert von irgend welchen Rücksichten der M Etikette alle Eindrücke frisch und unvermittelt auf sich r wirken lassen können.
— Für ein „Viehkursbuch" beabsichtigt das Reichs- eisenbahnamt den Eisenbahnverwaltungen einen Entwurf s vorzulegen. Das Kursbuch soll die Fahrpläne auf den : Hauptlinien für den Viehtransport darstellen.
— Der erste Wein und die ersten Rosinen aus I unseren Colonien wurden am Dienstag in Berlin durch - das Preisgericht des Colonialwirthschaftlichen Comitees ? prämiirt. Die Geschmacksprobe unb die chemische Analyse j der Produkte, welche aus Klein-Windhoek in Südwest- r asrika stammen, berechtigen zu den besten Hoffnungen, i Nach dem Urtheil des Gouverneurs besteht begründete Aussicht, den Weinbau in absehbarer Zeit in größerem Umfange zu betreiben.
— Eine größere Anzahl Dreijährig - Freiwilliger wird im November 1899 bei den Seebataillonen zur Einstellung gelangen, um im Frühjahr 1900 nachKiaut- schau entsandt zu werden.
Breslau, 6. Dez. Durch eine heftige Acetylen- ' Explosion wurde die hiesige Noak'sche Fahrradschule stark beschädigt. Der Besitzer und ein Arbeiter sind schwer I verletzt.
I Aus Schlesien. Einen eigenthümlichen Tod fand I ein Dieb in Czenstochau. Er stahl einem Nachbar ein I geschlachtetes, in der Scheune hängendes Schwein, legte $ das die Hinterbeine verbindende Krummholz um den I Hals, hob das Schwein auf seinen Rücken und machte | sich davon. Er mußte einen Zmu übersteigen, verlor I dabei das Gleichgewicht und stürzte nach vorn, während I das Thier nach hinten zu hängen kam. So wurde der | Hals des Diebes durch das Krummholz gegen den Zaun I gedrückt und der Mann mußte elend ersticken.
Posen Dem Vernehmen nach wird in der Provinz I Posen seitens einer Elektrizitätsgesellschaft die Anlage k einer großen elektrischen Centrale geplant, an die alle i Ortschaften des betreffenden Kreises und der Nachbar- 1 kreise in einem Umkreise von etwa 20 Klm. durch ein - Leitungsnetz angeschlossen werden können. Der elektrische
Strom soll außer zur Beleuchtung vornehmlich zum ; Pflügen, sowie zum Dreschen, Häckselschneiden usw. gegen bestimmte Sätze für das Pflügen eines Morgens, sowie für eine Pferdekraftstunde beim Betriebe sonstiger land- kvirthschaftlicher Maschinen benutzt werden.
LaudSberg a. W. Der Name des deutschen Soldaten, der während des Krieges 1870/71 in französische Gefangenschaft gerathen und noch jetzt in Haida (Algerien) 111 strengem Gewahrsam gehalten wird, soll Fritz Ort wann sein.
Kronach. Etwa eine Million Christbäume wandern alljährlich aus den vberfränkischen Wäldern nach Nord-
deutschland. Der Versand hat bereits begonnen. Von der Station Kronach alleimgehen jährlich etwa 200,000 junge Tannen und Fichten ab. äJZan fürchtet bereits für die Erhaltung des Waldbestandes, da diese Masse von Stämmchen bei einer ordnungsmäßigen Durch- forstung kaum gewonnen werden kann.
Köln, 26. Nov. Das hiesige Gewerbegericht fällte eine interessante Entscheidung über den Begriff „sofortige Kündigung'. Ein Kaufmann hatte einem Packer gegenüber, welcher einige Stunden zu spät zur Arbeit erschienen war, geäußert, er könne sofort gehen, könne aber auch noch bis Samstag bleiben. Der Packer wählte die erstere Eventualität und verließ die Arbeit. Als aber derKauMrnn sich wngerte. E ltschädignuz wegen nicht gewährter Kündigung zu zahlen, verklagte ihn der Packer. Das Gewerbegericht wies aber die Klage ab, weil er die Arbeit so lange habe fortsetzen müssen, als ihm der Angeklagte Gelegenheit dazu geboten habe. Selbst auf die Entschädigung für mangelnde Kündigung für den Zeitraum vom Samstag ab, für welchen er wirklich entlassen worden war, hätte er nur dann Anspruch machen können, wenn er bis zum Samstag gearbeitet hätte.
Weis. Als Sparbüchse hatte eine vorsichtige Kuh ihren Magen zu benutzen verstanden. Der amtliche Fleischbeschauer Herr Wilhelm Einig fand in dem Magen
zuerst nicht hinreichend gewürdigt sei, der Erfolg seitdem diese Ankäufe doch glänzend gerechtfertigt hätte. Dieselben seien und bleiben das einzige und sicherste Mittel, bald an das Ziel zu gelangen, welches der Kreis seit Jahr- zenten erstrebt habe, nämlich Schaffung einer Reinzucht des Simmenthaler Rindes im Kreise, Die Nachfrage nach diesen Thieren sei eine so enorme und die Preise für schöne Thiere so hohe, daß für die nächsten Jahr zehnte diese Zucht sich noch sehr rentire. Herr Kohlhepp Schwarzenfels ergänzte die Ausführungen des Herrn Pfalzgraf und zeigte die Wege, welche rasch zu obigen Zielen führten, indem er emp'ahl, jedes Jahr einen Transport Vollblut-Zuchtbullen direkt aus dem Simmen- thal, aber auch jedes Jahr einen Transport weibliches Jungvieh aus dem badischen Oberlande zu holen und zu versteigern. Auch empfahl Herr Kohlhepp, daß jedes Jahr der bisherigen Ankan skommission ein drittes Mitglied beigegeben werde, damit sich allmählig möglichst viel Züchter an Ort uib Stelle orientirten über diese Zucht. Nach einigen Diskussionen wurde der Vorschlag
des Herrn Kohlhepp angenommen, derart, daß der An- kanf von Bullen und Rindern, wie ausgeführt, jedes Jahr stattzufinden habe und daß sich unter Beibehaltung der seitherigen Ankanfskommission diese um einen oder zwei, und zwar jedes Jahr wechselnde Herren zu verstärken habe. Auch wurde für die nächstjährigen Ander Kuh eine große Anzahl Münzen und zwar 1 Zwei- käufe Herr Gutsinspektor Preiß-Vollmerz in Vorschlag Markstück, 2 Einmarkstücke, 1 Fünfzigpfennigstück, 1 großes gebracht. Im Weiteren beschloß die Versammlung den i Ankauf von 200 Centern Leinkuchen und 200 Centnern
Zwanzigpfennigstück und 3 Zehnpfennigstücke, im Ganzen
also 5 Mark in deutschen Reichsmünzen.
Ausland.
Algier, 4. December. Nach einer Meldung aus Air Sefra hat an der marokkanischen Grenze zwischen den feindlichen Stämmen der Beniguils und der Benidjis ein Kan.^ s stattgefunden, wobei letztere vernichtet wurden. 300 Maunfielen. Weiber und Greise wurden erwürgt, junge Mädchen und Kinder in die Gefangenschaft geführt.
Aus Hongkong wird dem Bureau Reuter vom l. Dez. gemeldet, daß jetzt auf den Philippinen eine regelrechte Regierung eingesetzt ist. Sie besteht aus Vertretern aller Provinzen. Aguinaldo wird als Präsident der Republik anerkannt. Derselbe erklärt, daß seine Armee völlig organisirt sein würde, wenn es ihr nicht an Waffen fehlte; auf der Insel Paray aber habe er 40,000 wohlbewaffnete Soldaten stehen. Paray hat die größte Stadt auf den Philippinen nach Manila. Die Philippiner beherrschen jetzt die ganze Insel Negros, welche den reichsten Zuckerdistrikt der Gruppe bildet. Die Insurgenten bereiten eine neue Berufung an die amerikanische Regierung vor.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 9. Dez.
Pf. — (Protokoll der General-Versammlung des land- wirthschaftlichen Kreisvereins Schlüchtern vom 23. November 1898.) Die Versammlung war von etwa 60 Mitgliedern besucht und wurde Nachmittags 2'/, Uhr von dem Vorsitzenden Herrn Geheimen Regierungsrath Roth eröffnet. Erster Gegenstand der Tagesordnung war: Bekämpfung der Tuberkulose des Rindviehs und bisherige Resultate. Der Herr Vorsitzende hielt einen längeren Vortrag über diese Krankheit, deren Entwickelung, den enormen Schaden, welchen die Viehbesitzer durch diese Krankheit erleiden. Derselbe gab aber auch die Mittel an, welche nach dem heutigen Stande der Wissenschaft zur Bekämpfung derselben anzuwenden seien, und zwar: Jmp ung der gesammten Viehbestände mit Koch'schein Tuberkulin. Die Pflicht der Selbsterhaltung und die wirthschaftliche Ehre gebiete jedem Viehhalter, daß er sich Gewißheit verschaffe darüber, ob und welche Thiere seines Viehstandes gesund oder tuberkulös seien. Letztere Thiere müßten angemästet und nach und nach zum Schlachten verkauft werden, die Aufzucht von Kälbern dürfe nur von ganz gesunden Kühen erfolgen, andernfalls sei den Kälbern nur gekochte Milch zu geben, dann würde die Tuberkulose, sofern nicht fortwährend Handelsvieh neu eingestellt werde, alsbald aus den Ställen verschwinden. Hlernächst kam der vierte Gegenstand der Tagesordnung zur Verhandlung, und zwar: Die Simmenthaler Viehzucht. Herr Pfalzgraf referirte über die Reisen in das Simmenthal und das badische Oberland und führte aus. daß, wenn auch die Aufforderung des Herrn Vorsitzenden im September d. J. zur Bestellung und zum Ankauf von Simmenthaler Rindern vielleicht
Sesamkuchen. Die weiteren Gegenstände wurden bis zur nächsten Verhandlung zurückgestellt.
* — Mangel an ländlichen Arbeitern besteht nicht nur „im Osten". Im Westen weiß man leider auch zu ‘ gut, wie sehr man unter dem Arbeitermangel zu leiden ' hat, wenn es vielleicht auch im Osten noch schlechter ■ ansehen mag. So ist z. ^' nach der Zeitschrift „Der ' Arbeitsmarkt", bei der diesjährigen Ernte im Maingau die Leutenoth so groß gewesen, daß einige größere Be- 1 sitzer sich anschicken, ihre Güter ganz oder teilweise zu verpachten. Andere Gutsbesitzer gehen dazu über, die ' Viehwirthschaft abzugeben und nur sich noch dem Landbau zu widmen. Die vorhandenen Arbeiter wechseln zudem ungemein häufig. Mitten im Tage sollen solche die Arbeit aufgegeben haben, um bei einem anderen Bauern zu arbeiten, der ihnen mehr bot. Sogar Dreschmaschinen- arbeiter suchten die Landwirthe einander abspenstig zu machen. Nur diejenigen Bauern, welche mit ihren eigenen Söhnen die Arbeit verrichteten, blieben von den Folgen der Leutenoth verschont.
* — Vom „Segen" der Abzahlungsgeschäfte erzählt die „Krzztg." folgende lehrreiche Geschichte: Ein längere Zeit stellungsloser verheiratheter Kaufmann bedarf zum Antritt einer neuen Stellung eines Anzuges, und da er befürchtet, bei einem Schneidermeister keinen Credit zu bekommen, wendet er sich an ein Abzahlungsgeschäft, um einen Anzug im Betrage von 60 Mk. gegen monatliche Theilzahlungen zu erhalten. Ueber die Bedingungen, 25 Mark Anzahlung und der Rest in monatlichen Raten, war man schnell einig, aber, trotzdem das ganze Lager durchsucht wurde, es fand sich kein dem Käufer passender öder zusagender Anzug. Der Geschäfts-Jnhaber machte daher den Vorschlag, der Betreffende möge sich bei seinem Lieferanten einen Anzug anfertigen lassen und gab ihm zu diesem Zwecke ein verschlossenes Empfehlungsschreiben mit. — Unterwegs überlegte sich der Käufer aber die Sache und beschloß, doch lieber erst mal zu seinem frühe- ren Schneider zu gehen und zu versuchen, bei ihm einen Anzug auf Credit zu erhalten. Der Meister gewährte ihm gern den geforderten Credit, und nun öffnete man den ja jetzt werthlosen Brief des Abzahlungshändlers. Der Brief lautete folgendermaßen: „Herrn X! Bitte, Ueberbringer einen Anzug anfertigen zu wollen, dessen Preis jedoch für mich nicht mehr als dreißig Mark betragen darf. Hochachtungsvoll (Unterschrift).« Der Zinszuschlag betrug also wenigstens 100 v. H. und das Verlust-Risiko bei 25 M. Anzahlung ganze 5 M. Dieses Beispiel aus der Praxis ist ein Beweis dafür, daß die Abzahlungsgeschäfte kein Segen, sondern im Großen und Ganzen ein wirthschastlichcs Unglück für Viele unseres
Volkes sind.
Fulda, 7. Dez. In der letzten Kreistagssitzung empfingen die Deputirten durch Herrn Landrath Steffens die wichtige Nachricht, daß der Herr Landwirthschafts, minister auf ein an ihn gerichtetes Gesuch dem Kreis,