3ä 101. Samstag, den 17. December 1898. 49. Jahrgang.
Wer eine UMcw
in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der'ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder
Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen allzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Die Heeresvorlage und neue Garnisonen.
Die Militärvorlage wird insbesondere wegen der P Neueintheilung der Feldartillerie eine Anzahl neuer l Garnisonirungen zur Folge haben müssen. Die „Deutsche I Tageszeitung" plaidirt dafür, daß dabei kleinere Städte - mit ländlicher Umgebung möglichst bevorzugt werden möchten.
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Man wird aus verschiedenen Gründen diesem Wunsche sympathisch ^gegenüberstehen können. Schon vor mehr als einem halben Jahrzehnt hat Professor Sehring in seinem trefflichen Werke über die innere Colonisation darauf hingewiesen, daß die Entvölkerung des platten Lande- zum Theil darauf zurückzu ühren sei, daß die Bauernsöhne während ihrer Militärzeit die Reize und Vergnügungen der Großstädte kennen lernen und nachher keine Neigung mehr verspüren, zu dem reizlosen, einförmigen und stillen Landleben zurückzukehren. Die Ent- völkerung deS platten Landes hat seither nicht nachgelassen, und wenn die Landwirthe über den Mangel an ländlichen Arbeitern klagen, sö muß selbst die linksliberale Treffe zugeben, daß es sich hier nicht um einen agrarischen Lärm handelt, sondern um eine hauptsächlich bestehende Nothlage. Kann der Staat diese Nothlage nicht beseitigen, so darf er wenigstens nichts thun, um sie zu verschärfen. Durch die Militärvorlage steigert sich die Zahl der auSzuhebenden Rekruten, und schon dadurch
.wird das platte Land wieder einiger tausend kräftiger II ; Arme mehr beraubt. Deshalb sollte dafür gesorgt werden f daß diese Arbeitskräfte nicht dauernd verloren gehen, f Wenn die Soldaten in kleine Garnisonen kommen, so ist das Leben dort nicht wesentlich von dem Landleben
sind. Die Offiziere müssen freilich auf manche Vergnügungen und Bequemlichkeiten der Großstädte verzichten, aber sie können dafür wesentlich billiger leben; als in der Großstadt. Es ist gesagt worden, daß seit der Bildung des 16. und 17. Armeecorps bereits eine ganze Anzahl von Garnisonen nach kleinen Orten verlegt worden sind. Diese Begünstigung kam aber nur einer Anzahl von Grenzorten Ostpreußen und Lothringens zu Gute. Gerade jetzt aber könnten die kleineren Orte gleichmäßig durch das ganze Land berücksichtigt werden, da die Feldartillerie durch das ganze Land hin eine Veränderung ihrer Organisation erführt. Auch die Bildung zweier neuer Armeecorps wird eine Anzahl von Garnisonsveränderungen znr Folge haben und auch hier sonnten die kleineren Orte berücksichtigt werden. Man sollte bei der Bildung neuer Garnisonen nicht nur von militärischen Gesichtspunkten ausgehen, sondern auch die wirthschaMchen und socialen berücksichtigen.
— Der deutsche Michel schläft wieder einmal Nirgends in der Presse finden sich entsprechende Bemerkungen über eine seit fast Jahr und Tag stündlich sich fühlbar machende Besteuerung des Auslandes seitens Amerika. Die Aankees treiben nämlich einen Theil der Kriegskosten dadurch ein, daß sie jede von Deutschland aus gelöste Rückfahrtskarte nach Amerika mit 4,20—21 Mk. besteuern. Nur wer nach Amerika reist, um dort zu bleiben, ist von dieser Steuer befreit. Diese Unverschämtheit festzunageln ist eine Pflicht, der sich die Presse nicht entziehen sollte und wenn immer von Neuem Stimmen laut würden, dürfte der Erfolg kaum
ausbleiben. Die Kriegssteuer belauft sich auf 4,20 bei einen Passagebetrag bts 120 Mk., auf 12.60
bei einen Passagebetrag bis 240 Mk. und auf 21
bei einen Passagebetrag von über 240 Mk.
— Die Auswanderung über Hamburg hat im vember gegen denselben Monat des Vorjahre um
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Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat Donnerstag Morgen Potsdam verlassen und sich zur Hofjagd nach Springe begeben. Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat den Kaiser dorthin begleitet. — Bei der gestrigen Jagd im Revier Haller- mundskopf betrug die Strecke des Kaisers 40 grobe Sauen, welche im Verlauf einer Stunde niedergestreckt worden waren. Zwei der schwersten Sauen, welche ausgezeichnete Gewehre und einen „charakteristischen Kopf" hatten, ließ der Kaiser für sich reservieren, da dieselben ausgestopft werden sollen.
— Ueber die vermuthliche Rückkehr des Prinzen
verschieden. Die bescheidenen Genüsse der Kleinstadt kann'Heinrich von Preußen aus Ostasien wird berichtet, i sich der Soldat auch verschaffen, wenn er wieder auf j
das Land zurückkehrt, denn zu der größten Mehrzahl Westindien bestimmte Kreuzer „Hertha weroe naaj ‘ der Dörfer ist irgend eine kleine Stadt so nahe gelegen, - Ostasien gehen. Dem Vernehmen nach soll der statt-
daß der Bauer ohne großen Aufwand einigemale im ^--—»» ^-----^ -~ 1oOQ
Jahre hingelangen kann.
!daß in Marinekreisen neuerdings verlautet, der für ' QÜöfttHhtiSM övditiav C%»vl(iq ' iDCVbC tlCldj
Ein weiterer Vortheil der Garnisonirung in einer | kleinen Stadt fliegt darin, daß die Soldaten besser von - der Berührung mit der Socialdemokratie fern gehalten
. liche Neuban den Prinzen Heinrich im Herbst 1899 durch die Südsee, die Magelhaensstraße und die Atlantik in die Heimat zurückführen.
— Dem Bundesrath ist eine Vorlage des Neichs kanzlers zum Posttarif zugegangen, welche für Postan-
, werden. In der großen Stadt läßt sich das unmöglich Weisungen eine Mindestgebühr von 10 Pfennig bei Be- ganz vermeiden. Wenn der Berliner Soldat soeben vor' trägen bis 5 Mark vorschlägt, ferner sollen, da nach dem seinem Kaiser in Parade gestanden hat, so hört er in Beschluß des Washingtoner Kongresses vom 1. Januar . der nächsten Minute, wie der „Vorwärts" mit einigen ' 1899 ab Postanweisungen bis 1000 Francs im inter- I spöttischen Bemerkungen auf den Kaiser ausgeboten wird. ■ nationalen Verkehr zugelassen werden, folgende Taxstufen Des Weiteren werden die kleinen Landstädte Wirth- dem jetzigen Tarif angefügt werden: lür 400 bis 600 kschaftlich dadurch gefördert, daß sie Garnisonen erhalten, j Mark 50 Pfennig, und für 600 bis 800 Mark 60 Pfg. LWenn auch die Soldaten nur noch selten in Bürger-! Ferner soll — ebenfalls in'olge des Beschlusses des »quartieren wohnen und wenn die Offiziere in den ' Washingtoner Kongresses — eine Erhöhung des Meist- I SafinoS, die Soldaten in den Cantinen einen erheblichen gewichts für Waarenproben von 250 auf 350 Gramm
der nächsten Minute, wie der „Vorwärts
Vier ache zugenommen, von 1476 auf 5 438 Personen
Bochum, 14 Dez. Ein interessanter Prozeß, welcher zwischen dem früheren Kämmereikassen-Rendanten Herbst mib der Stadtgemeinde Bochum schwebt, hat kürzlich vor dem 4. Civilsenat des Reichsgericht seinen Abschluß gefunden. Herbst, welcher seit 186« als städtischer Beamte in Bochum angestellt war und ein Gehalt von 5200 Mk. bezog, wurde 1896 wegen Krankheit entlassen, mit einer Pastor von 2870 Mk. Herbst machte nun einen höheren Pensionsanspruch (von 3900 Mark), geltend, darauf gegründet, daß ihm außer der Zeit von 186« bis 1896 auch noch eine zwöl-jährige Soldateiidienstzeit anzurechnen sei und darnach seine Pension stipulirt werden müsse. Das Landgericht Bochum hatte die Ansprüche des Klägers anerkannt und ebenso die BerusungS- instanz des Landgerichts Hamm, an welche sich die Stadt- gemeinde Bochum gewandt hatte. Gegen dieses Urtheil hatte die Beklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt. Das Reichsgericht hat aber die Revision der Stadtgemeinde Bochum als unbegründet angesehen und dieselbe kostenpflichtig zurückgewiejen.
Grafenhausen, 12. Dez. Eine Mannheimer Firma kaufte hier ca. 150 Ctr. alten Tabak, den mehrere Pflanzer zur Spekulation voriges Jahr zusammengebracht hatten. Der Betrag, nahezu 8410 Mark, wurde von Dem Geschäftshaus in lauter Scheinen als Einschreibebrief in Mannheim bei der Post aufgegeben. Der Brief mit dem Gelde kam aber nicht an. Die Untersuchung
e Sljeil ihres Einkommens ausgeben, so bleibt doch noch 1 genug Vortheil von einer Garnison für eine Kleinstadt M bestehen. Man frage nur in den Kleinstädten, aus denen U Zwecks Zusammenziehung der Regimenter ein paar «Schwadronen oder ein Jnfanteriebataillon fortgezogen «sind, wie sehr dadurch die Häuser im Werthe gesunken ksind. Es macht eben für eine Stadt von 5 -6000 8 Einwohnern etwas aus, ob ein Dutzend besserer Wohn-
erfolgen und das Porto für das Gericht von 250 bis
Mungen zu leidlichen Preisen an Offiziere und Militär- M deamte vermiethet werden kann. Und für die Kaufleute, M Fleischer, Bäcker, Restaurateure u. f. w. ist es auch «nicht gleichgültig, ob eine Garnison am Orte ist oder «Nicht. Mit der Frage der Kleinstädte hängt aber auch M agrarische Frage zusammen. Wenn eine kleine Stadt M" Lebensfähigkeit verliert, so leivet auch die Landwirth- ; 1 p &er Unigegend darunter, weil sich die Consumtions- j: | Fähigkeit deS natürlichen Abnehmers verringert.
ü Indessen nicht nur für die kleinen Städte, sondern 1 auch für den Staat selbst stellt die Verlegung neuer W Garnisonen in kleine Orte einen Vortheil dar. Der ■ 7^nnd und Boden für die Casernen und für die Uebungs- Mwird, wenn nicht umsonst, so doch zu äußerst 11 Preise hergegeben, und der Bau der Casernen Mstellt sich billiger, weil die Arbeitskräte billigere
350 Gramm 20 P ennig betragen.
— Es schweben z. Z. Ermittelungen über die eventuelle Bedürftigkeit der Inhaber des Eisernen Kreuzes, welche mit dem Wunsche Zusammenhängen, einen Ehren- sold an Diejenigen zu gewähren, die es nöthig haben. Von dem Ausfall jener Ermittelungen hängt es ab, ob eine Vorlage an den Reichstag kommt oder nicht. Man schätzt die Zahl der Bedürftigen auf etwa 20,000, was bei einem Ehrensold von 150 Mark für Jeden einen Kostenaufwand von drei Millionen Mark erfordern würde.
— In maßgebenden artilleristischen Kreisen ist man der Mei nung daß es dringend nothwendig ist, daß den Schülern des oberen Lehrganges der Fußartillerie im Interesse ihrer technischen Ausbildung Gelegenheit gegeben wird, die Bearbeitung der Rohmaterialien — Hochofenprozeß, Stahlbereitung, Thätigkeit von Walzwerken und Dampfhämmern rc. — durch eigene Anschauung kennen zu lernen. In Spandau sind die Betriebe nicht vertreten, und deshalb sollen die Offiziere nach auswärts reisen, um sich ein genaueres Bild in den oben erwähnten technischen Einrichtungen machen zu können. Es dürsten Krupp, Gruson rc. aufgesucht werden.
durch die Postdirektion lörderte nichts in der Sache zu i Tage. Das Geschäftshaus erhielt von der Post für den verlorenen Brief 40 Mk. und mußte den Betrag nochmals zahlen. Man ersieht hieraus, wie gefährlich es ist, Geld nndeklarirt zu versenden.
Würzburg, 13. Dez. Die bekannte Maschinenfabrik van König u. Bauer, in der die erste Schnellpresse gebaut wurde, verlegt im nächsten Jahre ihre Betriebe nach Würzburg, da ihre bisherigen Räume in dem ehemaligen Kloster Oberzell zu klein geworden sind. Zuerst bestand die Absicht, das ganze Unternehmen nach Berlin zu übertragen, da hier kein geeigneter Platz gefunden werden konnte. Auf Veranlassung des Bürgermeisters Dr. v. Steidle hat nun die Stadt Würzburg auf eigne Kosten auf dem rechten Mainufer, unterhalb des Stadt- Hafens, ein Terrain von 36 000 Quadratmeter erworben und es' zum Selbstkostenpreise an König u. Bauer wieder abgelassen.
Gießen, 10. Dez. In dem Konkursverfahren deS Kaufmanns A. Schaumann in Gießen, in Firma Burk und Stork, soll nunmehr die Schlußvertheilung erfolgen. Nach den festgestellten Abrechnungen betragen die zu berücksichtigenden Forderungen 135056.15 Mk., während die noch vorhandene Masse sich auf 580,74 Mk. berechnet. Es erhalten somit die Gläubiger pCt "/i,, pCt. d. h. von 100 Mk. ganze 34 Pfg. Was werden die für vergnügte Gesichter machen!