WchternerMiillg
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 14. Januar 1899
50. Jahrgang
"^ die .Schlüchterner Zeitung» werden noch fortwährend von allen ”■•" ! Postanstalten und Landbriesträgern
wie von der Expeditim entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Nach der gestrigen Frühstückstafel unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt mit einer daran
fand, die schwarzen Pocken ausgebrochen. Die Schwerkranke wurde alsbald geimpft, mit den Sterbesakramenten versehen, während das Schiff aus dem Hasen an die Ruhrmündung geschleppt und in Quarantäne gelegt wurde.
Trebbin. Weil er nicht im Dienst bleiben, sondern nach Berlin wollte, wozu aber seine Eltern die Einwilligung nicht gaben, steckte Dienstag früh der Knecht
Filipinos erklären, jedes einzelne Mitglied werde der militärischen Okkupation durch die Amerikaner Widerstand leisten. Der Kampf zwischen Amerikanern und Filipinos ist somit unvermeidlich, zumal da die Vereinigten Staaten durchaus keine Lust zeigen, die neue Regierung anzuerkennen oder bestehen zn lassen. Der Befehlshaber der Amerikaner, General Otis, ist ange-
Albert V. in Gersdorf bei Trebbin (Kreis Teltow) das
anschließenden Promenade auf dem Kurfürst cudamm -..... — — --—m —-------- ^----- -------/
und in die VillenkolomcGrnncwald. Mittwoch Abend um j Wft seines Dienstherrn, des Lehnschulzengutsbesitzers
7 Uhr beehrte der Kaiser das Offizierkorps des Kaiser Franz Garde Grenadierregiments Nr. 2 zu der aus Anlaß des fünfzigjährigen Chefjubiläums des Kaisers von Oesterreich veranstalteten Festtafel. Andern Morgen unternahm das Kaiserpaar den üblichen Spaziergang im Thiergarten.
— Keine Kaiserreise nach Aegypten. Gegenüber den Mittheilungen, wonach das deutsche Kaiserpaar aus Anlaß der geplanten Reise nach Rom einen Ausflug nach Aegypten beabsichtigen soll, muß hervorgehoben werden, daß von einem solchen Ausfluge an unterrichteter Stelle nicht das Geringste bekannt ist.
Bertram Schulze, an. Der Brandstifter ist in den
— Das Einkommen des Kaisers. Zur Zeit der Hoffcstlichkcitcn werden alljährlich Fragen laut über die Höhe der Bezüge des Kaisers. Es ei deshalb darauf nochmals kurz hingewiesen: Vom deutschen Reiche erhält der Kaiser für sich nichts. Ihm werden jährlich allerdings 5 500 000 Mark zur Verfügung gestellt, nicht aber zu persönlichen oder repräsentativen Zwecken, sondern speziell für Gnadenbewilligungen der verschiedensten Art. Als König von Preußen bezieht er neben den Einkünften des Kronfideikommißfonds eine Zivilliste von jährlich 15719296 Mark.
In Deutsch-Südwestafrika beginnt man jetzt auch, der Straußenzucht eine größere Aufmerksamkeit als früher zu schenken, obwohl man nicht eigentlich ausschließliche Straußenfarmen anlegen, sondern die Zucht mehr im Nebengewerbe betreiben will, wie sich dies heute in Südafrika als am einträglichsten herausgestellt habe. Die Firma Wecke u. Voigts, die große Ländereien bei Okahandja und Windhoek sowie die Farm Voigtland besitzt, kaust gegenwärtig junge Straußen auf, um sie zu Zuchtzwecken zu verwenden. Man bringt diesem Versuche ebenso wie dem der Kilimandscharo-Straußen- zuchtgesellschaft hier großes Interesse entgegen.
Aus dem Fürstenthum Reuß ä. L, einem der vielgeschmähten Kleinstaaten, kommt die interessante Nachricht, daß, während schon im vorigen Jahre daselbst die Grund- und die Einkommensteuer je um einen Termin ermäßigt worden sind, kürzlich der Rest der Staatsschulden des Landes ausgcloost worden ist. Reuß a. L. ist somit der einzige Staat im Denschen Reiche, der vollständig schuldenfrei dastcht. Im Jahre 1898 be trug nach dem Gotha'schen Hofkalender der Staatsschuld von Reuß ä. L. 31,050 Mark.
Essen, 8. Jan. Das Kuratorium der Kruppschen Arbeiterstiftung hat der „Rh.«Wests. Ztg " zufolge den Beamten und Arbeitern der Firma die Mittheilung gemacht, daß Herr F. A Krupp für die im Jahre 1897 aus Anlaß der hundertjährigen Gedenkfeier des Geburtstages Kaiser Wilhelms des Großen mit einem Kapital von 1,000,000 Mark begründete Jnvalidenstiftung. welche die Unterstützung bei Erwerbsunfähigkeit infolge
Flammen umgekommen.
Bingen, 5. Dez. (Der redliche Finder soll sie behalten ) Ein wohl kaum mißzuverstehendes Kapitel aus dem Roman „Ehcleben» — einerlei ob die Frau oder der Mann der leidende Theil ist — bildet sicherlich die nachstehende Annonce, die im „Binger Anzeiger" vom 5. Jannar enthalten ist: „Ich thue hiermit kund, daß meine Frau mit meinen zwei Kindern entlaufen ist uno daß ich auf keinerlei Arten haftbar bin, wenn sie auf meinen Namen borgt oder leiht. Der redliche Finder soll sie behalten. Georg Nau, Bergarbeiter, Waldalgcs- Heim, den 3. Jan. 1899."
— Der 22jährige Sohn eines Hamburger Kaufmanns hatte, während er sich in München aufhielt, mit einer Kellnerin ein Liebesverhültniß angeknüpft und ihr die Ehe versprochen. Durch einen Vertrag hatte er sich verpflichtet, ihr, falls er sie bis zu einem bestimmten Termin nicht geheirathet haben sollte, eine Entschädigung von 10000 Mark zu zahlen. Die Ehe kam nicht zu stande, weil die Eltern ihre Einwilligung versagten, und die Kellnerin erhob Klage auf Zahlung dieser Summe Das Landgericht München hatte auch den Beklagten verurtheilt, und die dagegen eingelegte Berufung wurde
jetzt vom dortigen Oberlandsgericht verworfen. Der junge Mann muß also die 10000 Mark an die frühere Geliebte zahlen.
wiesen, die amerikanische Autor.tät zur Geltung zu bringen, wenn nöthig, mit Gewalt. Hier steht also ein Nachspiel zu dem Kriege mit Spanien in Aussicht, das die siegberauschten Amerikaner schwerlich erwartet haben.
Manila, 6. Jan. Aguinaldo ist noch Präsident der Republik der Filipinos. Die Mehrheit des neuen Kabinets gehört der Kriegspartei an. Das Eingeborenenblatt „Jndependencia" sagt, die Lage sei sehr ernst und lasse nur zwei Möglichkeiten zu: entweder Verzicht der Amerikaner auf die Einverleibungspolitik oder langdauernder blutiger Krieg. — Die hier eingetroffenen kalifornischen Freiwilligen sind noch hier an Bord des Transportschiffes und warten weitere Befehle ab.
Manila, 7. Jan. Aguinaldo hat als Antwort auf die Proklamation des Generals Otis ein Manifest erlassen, in welchem er dagegen Einspruch erhebt, daß General Otis sich selbst als Militärgouverneur der Philippinen bezeichnet, und erklärt, daß er niemals sich damit verstanden erklärt habe, die Souveränität der Amerikaner anzuerkennen. Aguinaldo sagt, in der Proklamation, welche General Merrit vor der Kapitulation der Spanier erlassen habe, sei ausdrücklich und feierlich erklärt worden, daß die amerikanischen Truppen nur gekommen seien, um die Filipinos zu befreien. Er protestiere deshalb im Nrmen des Allmächtigen gegen das Eindringen der Amerikaner.
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Alters und Invalidität in denjenigen Fällen bezweckt, wo eine Ergänzung der staatlichen Fürsorge für den einzelnen Arbeiter und dessen Familie nothwendig ist, und wo für diese Ergänzung nicht schon durch die bestehende Pensionskasse und sonstigen Wohlfahrtsein richtungen der Kruppschen Kassen gesorgt ist, ein weiteres Kapital von 500,000 Mk. ausgesetzt, so daß das gc- sammte Kapital der Jnvalidenstiftung nunmehr 1,500,000 Mark beträgt. Zugleich hat Herr F. A. Krupp bestimmt, daß diese Jnvalidenstiftung, deren Verwaltung schon jetzt durch die Organe der Kruppschen Arbeiter- stiftung besorgt wird, mit der Arbeiterstiftung in der Weise vereinigt werden werden soll, daß das Sti tungS- kapital von 1,500,000 Mark in das Eigenthum der Kruppschen Arbeiterstiftung übergeführt wird. Auch hat die Firma Krupp den hierzu erforderlichen Antrag bei der Aufsichtsbehörde der Arbeiterstiftung bereits gestellt.
Ausland.
Rußland. Europas zukünftige Speisekammer. Der Handel mit Sibirien ist seit dem Bau der Bahnen zusehends im Steigen. Ganz besonders sind es die südlichen Bezirke des weiten Reichs, die eine recht lebhafte Ausfuhr nach Europa unterhalten. Kurzon z. B., das an der südsibirischen Linie liegt, kann heute als der erste Exportort in Butter gelten, es versorgt die größten Geschäfte der Welt und im vergangenen Jahre hat der Butterexport die Höhe von 2 Millionen Rubel erreicht. Auch liefert Kurzon viel Steppenvich, sowie Geflügel und Hühnereier. Die letzte Ausfuhr in diesem Artikel betrug 95 Wagen zu je 15 000 Stück, das er- giebt die Kleinigkeit üoir J4 250 000 Hühnereiern.
Krakau, 7. Jan. Das berühmte Salzbergwerk in Wieliczka droht einzustürzen. Zwei riesige Salinen- kammcrn sowie die Steinhäuser Kammer, wo die sogenannte Höllenfahrt stattzufinden pflegt, und die Michalowicc-Kammer müssen wegen Einsturzgefahr verschüttet werden. Durch ihren Einsturz wäre ein Theil der Stadt mit der Kirche aufs gefährlichste bedroht.
Rom, 10. Jan. Nachgrabungen auf dem Forum führten heute zur Auffindung der sogen. Begräbnißstätte der Romulus, die bis zu Ende des römischen Reiches große Verehrung genoß. Sie gilt als das älteste Denk mal des alten Rom.
Madrid, 11. Jan. General Rios kabelt aus Manila, die Lage der Amerikaner sei bedenklich. Die Philippiner zögen in hellen Schaaren gegen Manila.
in der Absicht, Sturm zu laufen. Die Amerikaner tristen umfassende Vcrthcidigungsmaßrcgeln. Die Rebellen hätten den Amerikanern nicht gestattet, in Jlo Jlo zn landen. Die Amerikaner wagten eine Bom- bardirung nicht, weil die Wohnungen sämmtlicher Europäer mit Petroleum begossen seien, und bei den ersten Kanonenschüssen in Brand gerathen könnten. Die Rebellenwollten eine Schlacht liefern, ehe amerikanische Verstärkungen einträfen. Der Aufruf Aguinaldos hat auf dem ganzen Archipel ungeheure Begeisterung hervorgerufen.
Manila. Die Lage auf den Philippinen spitzt sich
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 13. Jan.
* — HerrGerichts-Assessor Klemme in Rotenburg a. F. ist für die Dauer de» Theilnahme des Herrn Amtsrichters Zimmermann an den Sitzungen des Landtags mit der Verwaltung der Richterstelle bei dem Amtsgericht hier beauftragt.
* — Der Centralverband deutscher Kaufleute hat eine Eingabe an den Bundesrath gerichtet, in der betont wird, daß das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb nicht in vollem Umfang die erhoffte Wirkung gehabt hat. Zunächst wird allgemein neben der civilrechtlichen Verfolgung eine strafrechtliche Ahndung für alle gesetzwidrigen Handlungen in der Richtung des unlauteren Wettbewerbes, sowie eine Erweiterung der Grenze der Vergehen gegen den unlauteren Wettbewerb gefordert. Es wird sodann vorgeschlagen, noch folgende Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen: 1‘. Einreichung von Inventarverzeichnissen acht Tage vor Beginn des Ausverkaufs; 2. das Verbot, das zum Ausverkauf gestellte Waarenlager zu ergänzen, und des Mitverkaufs von Waaren für fremde Rechnung ; 3. die eventuelle Zuziehung von Sachverständigen bei Prozessen in Betreff des unlauteren Wettbewerbs; 4. die Verpflichtung des Verkäufers, einem Käufer den ganzen Vorrath einer Waare zu demselben Preise zu verabfolgen, wie dieser öffentlich angegeben ist. Bei einer Revision des Gesetzes wird in erster Linie darauf zu achten sein, die Lücken des Gesetzes zu beseitigen
— „Die kluge Eisenbahnverwaltung und die noch klügeren Radfahrer.» Unter dieser Spitzmarke wird geschrieben: Die Herrlichkeit mit der 50 P.ennig-Einnahme für die Eisenbahnverwaltung wird wohl nicht lange mehr bestehen. Sah ich da neulich einen Herrn auf einem Bahnhof der preußischen Staatseisenbahn eins zwei drei das Vorderrad von seinem Fahrrad herunterschrauben und diesen Fahrradtorso ausgeben. Kopfschüttelnd be-
trachtete sich der Gepäckträger das Dings, rief auch noch den Herrn Vorstand herbei; jedoch es blieb dabei, das Dings war kein Fahrrad mehr und kostete also auch nichts. Das Vorderrad nahm der Herr mit ins Kupee.
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__ ._.,_______ ...._____immer mehr zu. Den Amerikanern ist es nicht ge-
Ruhrort, 10. Jan. Hier sind bei" einer 30 "Jahre jungen, dauernde Zwietracht unter den Führern der alten unverheiratheten Frauensperson welche sich auf Aufständischen zu stiften. Präsident der Republik ist jnem im Nordhasen liegenden ausländischen Schiffe bc-j Aguinaldo. Das neue Kabinet ist gebildet und die
Wie sagt doch der Hamburger: „Derjenige, der sich nicht zu helfen weiß, ist nicht werth, daß er in Ver- egenheit kommt."
Jossa. In einem fränkischen Dorf, dessen Name besser nicht genannt sei, hatte kürzlich ein Bäuerlein des Guten zu viel gethan, so daß es ihm rathsam schien, seinen Rausch an Ort und Stelle auszuschlafen. Er