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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum W Pfg.

M 26

Samstag den 1. April 1899

50. Jahrgang.

N^ftpkinma^ °uf die .Schlüchterner Zeitung» UUHy£ 81 werden noch fortwährend von allen

- - - " Postanstalten und Landbrie trägern sowie von der Expedition entgegen genommen.

(Fortsetzung des stenographischen Communal-Landtags- Berichtes betr. den Bau von Kleinbahnen.)

Meine Herren! Dieses Verhältniß läßt es dringend erwünscht erscheinen, daß mit der allergrößten Sorgfalt bei derartigen Unternehmungen vorgegangen wird. Es ist vielfach Betheiligten nicht zur Ueberzeugung gekommen, daß neben der Berechtigung, die durch die Konzession, ein solches Unternehmen zu betreiben, ertheilt wird, auch noch auf die ganze Dauer der Konzession, also regel­mäßig am 99 Jahre, hinaus die Verpflichtung entsteht, dasselbe, mag es nun gut oder schlecht gehen, zu betreiben. Sind Private die Unternehmer und Aktionäre, nun so treten sie bei ungünstigen Ergebnissen einfach in Liquid dation und haben dann ihr Geld verloren, sind aber der dauernden Last ledig. Nicht so ist es, wo ein Communal- Verband als Unternehmer auftritt, denn dieser kann nicht bankrott werden, da ihm das Besteuerungsrecht zur Seite steht. Er muß daher immer wieder die Ausfälle auf die Steuerpflichtigen untervertheilen, so daß das Unternehmen zu einer schweren unheilvollen Last für die Betheiligten werden kann: zu einer Schraube ohne Ende. Er ist gehalten, für die Ausfälle, die bei derartigen Unter­nehmungen entstehen, für die ganze Folgezeit einzustehen und es wird außerordentlich schwer halten, von einem solchen Engagement je wieder los zu kommen. Es bedarf der sorgfältigsten Prü-ung, ehe ein Communal-Verband den entscheidenden Schritt thut und den Bau beschließt. Es ist ja gewiß verständlich, wenn die lokalen Behörden in dem Wunsche, die Lage ihrer Gegend zu verbessern, derartigen Unternehmungen ihre Unterstützung leihen, wenn sie für sie eintreten mit Wort und Schrift. Man muß sich aber klar sein darüber, daß unsere hessischen Kleinbahnen in ihrem überwiegenden Theile sämmtlich Zuschußverwaltungen sind und sein werden.

Die Kosten einer Kleinbahn in unserem bergigen Lande sind nicht unbedeutende. Der Bau setzt ein ber- artiges Anlagekapital voraus, daß eine Verzinsung dieses Kapitals zu dem Zinsfuß, den der kleinere Verband in der Regel zu leisten haben wird, kaum zu erwarten steht. Es sind noch wenig Vorbilder vorhanden An staatlichen Anlagen kann man etwa die Oberhessischen Stichbahnen zum Vergleich heranziehen Bei diesen hauptsächlich ländliche Gegenden aufschließenden Bahnen schwankte die Rente von 0 bis 2 Prozent. Auf höhere Renten aber werden Sie bei uns kaum zu rechnen haben, sofern nicht bedeutende Transporte von Massengütern sich einstellen.

Wenn ein Kreis oder eine Stadt an ein derartiges Unternehmen herangeht, müssen sie sich klar machen, daß die anfänglichen Beiträge zu der Kleinbahn, wenn viel­leicht auch später vermindert, doch ständig in ihrem Etat erscheinen werden. Die Differenz zwischen den Seitens des unternehmenden Verbandes selbst zu leistenden Zinsen und der Rente aus dem Unternehmen, wird, bis das Kapital ganz abgetragen ist, also doch mindestens zwei Menschenalter, dauernd den Etat belasten.

Von höchster Wichtigkeit ist daher die Aufstellung der Rentabilitätsberechnungen. Leider täuschen sich hier die Betheiligten oft in der empfindlichsten Weise. Das kann auch nicht ausbleiben, wenn diese Berechnungen so ausgestellt werden, wie dies meist der Fall ist.

Es wird zunächst die Zahl der das Interessengebiet bewohnenden Bevölkerung ermittelt. Sodann werden die muthmaßlichen Frachten festgestellt. Alles was je ver­sandt ist, wird aufgeführt. Die Interessenten sind ge­wöhnlich geneigt, Alles in rosigstem Lichte erscheinen zu lassen. Es werden bedeutende Frachten angegeben, von denen ein großer Theil hinterher die Kleinbahn gar nicht beschneitet Hat man so die Verfrachtung festgestcllt, so ermittelt man nach den Erfahrungssätzen die Kosten des Betriebes und rechnet diesen die Verzinsung des Anlagekapitals zu. Stehen hiernach die Ausgaben fest, so weiß man ja, wie hoch man die Frachtsätze zu stellen hat, damit das Ganze balancirt undrentabel" erscheint. Ueberall wird noch etwas gefeilt und gerückt, bis die Sache stimmt. Ob aber hinterher zu den gewählten Tarifen die Güter wirklich zur Versendung gelangen, ist eine zweiie offene Frage.

Der Mangel dieser Berechnungen beruht aus der ungenügenden Berücksichtigung der Tarifverhältnisse. Die

Frage der Tarifirung der Kleinbahnen ist eine außer­ordentlich schwierige. Bei einer schmalspurigen Bahn muß man z B. schon von vornherein die Tarife um die Kosten der Umladung der Kle nbahngüter auf die Staatsbahnwagen ermäßigen. Diese Tarife müssen da­her sehr niedrige sein, wenn nicht der Fall eintreten soll, daß die Versender nach wie vor mit ber Achse ihre Frachten direkt der Staatsbahn zuführen.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berliu. Das Kaiserpaar beabsichtigt, Ende April beziehungsweise Anfangs Mai zum Besuch bei dem Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein in Prim- kcnau einzutresien. Die Ankunft der Kaiserin ist bereits für Ende April angemeldet.

Die Königin Viktoria von England dürfte, wie aus London berichtet wird, auf der Rückreise von der Riviera zur Enthüllung des Denkmals für den Herzog Ernst, ihrem der Herzogin-Wittwe gegebenen Versprechen gemäß, nach Koburg kommen.

Der Kaiser und die Erbschaften. Bekanntlich kommt es häufig vor, daß vermögende Leute in Testamenten ihr Vermögen zu wohlthätigen Zwecken u. s. w. stiften, ohne auf vorhandene Erben Rücksicht zu nehmen, welche in dürftigen Verhältnissen leben. Ein entschiedener Gegner derartiger letztwilliger Verfügungen ist Kaiser Wilhelm [I. Erst kürzlich hat derselbe in einer beson­deren Kabinettsordre mit großem Nachdruck die Noth­wendigkeit einer ausreichenden Abfindung hilssbcdüritiger Verwandten betont, welche bei Zuwendungen von An­stalten, Körperschaften u s. w. unberücksichtigt geblieben sind. Da für die Annahme derartiger Erbschaften stets die Genehmigung des Kaisers nachzusuchen ist, so dürfte in Zukunft in dieser Zustimmung eine Aenderung zu Gunsten etwaiger Erben eintreten.

Darmstadt, 27. März. Der hiesige Installateur Schäfer wollte gestern in seiner Wohnung eine Installation für Acetylengas vornehmen, wobei das Gas explodirte. Schäfer wrude durch ein abfliegendes Metallstück getödtct.

Vom Rhein. Der Mangel an Arbeitskräften macht sich zu diesem Frühjahr besonders stark bemerkbar; am schlimmsten scheint es am Niederrhein zu stehen. Lehr­linge sind nur schwer, Dienstboten ott gar nicht zu haben. Es entstehen daraus viele Verlegenheiten. Im Ueberfluß vorhanden sind dagegen auf Erwerb angewie­sene weibliche Kräfte aus den mittleren Bevölkerungs- klasseu. So haben sich zur Au nahmeprmung im Lehre- rinnenseminar zu Xanten 108 Bewerberinnen gemeldet, von welchen nur 25 Aufnahme finden können. Der Mangel an Dienstboten scheint besonders allenthalben eine noch nicht gekannte empfindliche Höhe erreicht zu haben.

Aachen. Unsere Karlschützengilde wird in diesem Jahre ein ganz außerordentliches, wohl einzig dastehendes Jubiläum begehen. Nach alter Ueberlieferung ist Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen, der Be­gründer der Schützerei des Aachener Münsters, und zwar soll er, 23 Jahre alt, im Jahre 799, also zu Lebzeiten Karls des Großen, zum Schutze von Kirche und Gottesdienst die wehrhafte Karlsschützentruppe ge­gründet haben. Sonach wird diese, welche die älteste aller deutschen Korporationen sein dür te, in der Lage sein, in diesem Jahre ihr 1100jähriges Jubelfest zu be­gehen. Mit diesem Jubelfeste wird das diesjährige rheinische Bundesschießen und zugleich die 25 jährige Wiederkehr des Bundesschießens verbunden sein, welches im Jahre 1874 in Aachen abgehalten wurde.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 31. März.

* Versetzt wurde der Ober örster Freiherr von Rechenberg zu Marjoß auf die Oberförsterstelle Weiße- warte im Regierungsbezirk Magdeburg, vom 1. Juni

b. I. ab. |

* Ernannt wurden die Forstassessoren Dreßler. und Brauer zu Oberförstern zu Orb bezw. Marjoß.

* Das warme Wetter wird dem Braunschweiger' Wetterbericht derVoss Ztg." zufolge, nunmehr anhaltend eh sind aber Rcgenfälle zu erwarten, die für Ostern auch i nicht angenehm wären.

* Auf eine Anregung des Bundes der Handel-' sinniger Weise nahmen sie diesen gefährlichen Fund mit und Gewerbetreibenden, für den Verkauf von Postwerth-' nach Hause und versuchten denselben zu öffnen. In zeichen durch private Gewerbetreibende eine Provision der Gesindestube legte man nach verschiedenen anderen

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von ein Procent aus der Postkasse zu bewilligen, hat der Staatssekretär v. Podbielski eine abschlägige Antwort ertheilt.

* Vom 1. April b. I. ab werden zu beu Fracht­stückgutsätzen als Eilgut befördert: 1) Bienen, Brod, Butter, 2) lebende, frische und geräucherte Fische, 3) Muschel- und Schalthiere aus der See (ausgenommen Austern, Hummern, Langusten und Schildkröten), 4) Frische Gemüse, als grüne Bohnen, grüne Erbsen (Schoten), Salat, Gurken, Spinat, 5) Milch, 6) frische Beeren aller Art, frisches Stein- und Kernobst mit Ausschluß von Südfrüchten und frische Weintrauben. Die Aufgabe dieser Güter hat mit Eilgutfrachtbrief (weißer Frachtbrief mit rothem Rand) zu erfolgen.

* Bei der Staatseisenbahnverwaltung bietet sich z. Z. Gelegenheit, willige und brauchbare Leute im Alter von nicht unter 17 Jahren für den Dienst auf dem Güterboden, als Güterbodenarbeiter, anzunehmen. Die Beibehaltung ist eine dauernde, auch ist bei Fleiß und Verwendbarkeit eine Be örderung zunächst zum Güterboden-Vorarbeiter, alsdann zum Hülfsladcmcistcr und event Lademeister nicht ausgeschlossen. Wie bekannt sind auch die Kranken- und Pensionskasseneinrichtungen bei der Staatseisenbahn Verwaltung mustergültig und wird besonders bemerkt, daß neben der Alters- und Ju- validitäts-Versicherung noch eine besondere Kassenein­richtung besteht, welche den Mitgliedern namhafte Unter« stützungen in Krankheits- rc. rc. Fällen gewährt. Mit­glieder und zuverlässige Arbeiter können sich bei der hiesigen Güterabfertigung melden Personalpapicre, Zeugnisse rc. sind mitzubringen.

* DerSonntagsbote für Kurhessen" (bisher im Verlage von Ernst Röttger, Cassel, erschienen) ging k den Besitz des Vereins für Innere Mission zu Cassel über. Die gesammte Reineinnahme des Sonutagsbotcn" ist für die Zwecke derInneren Mission bestimmt.

* Der durch einen geborenen Schlüchterner, dem in unserer Druckerei ausgebildeten Buchdrucker Heinrich Gunkcl aus Schlüchtern, gebimste und redigirteWind- hoeker Anzeiger» in Windhoek, Deutsch Südwest-Afrika, schreibt: Von unseren neuen Mitbürgerinnen, die am 10. Januar hier eintrafen, haben sich bereits zwei ver­lobt Die Verlobten sind: Emma Nickgern und Gustav Eilers, Helene Wolfs und Heinrich Schäfer. Dieselbe Nummer desAnz." veröffentlicht ein Amgebot, wonach sich der aus Magdeburg gebürtige Farmer Moritz Pilet in Fraucnstcin bei Windhoek mit Elisabeth Docmski, wohnhaft zu Klein Windhoek, geboren in Berlin, zu verheirathen beabsichtigt.

* Zu Hohenwalde in der Neumark verschied bochbctagt die Wittwe des kurhessischen Ministerpräsidenten Hasfenpflug Die Verstorbene entstammte der dem hes­sischen Adel angehörenden Familie v. Münchhausen. Der Minister war in erster Ehe mit der Schwester der Brüder Grimm vermählt gewesen.

Salmünster, 26. März. Gestern Nachmittag wurde die Leiche des im Dezember vorigen Jahres verunglückten Arbeiters Joseph Grauel von Soden im sogenannten Salzfluß bei Salmünster vom hiesigen Schäfer auf« gefunden. Grauel war spät Abends von Salzhof nach ©oben gegangen; er hat wahrscheinlich in der Dunkel­heit die Brücke verfehlt und ist so ins Wasser gekommen. Ein dem Handelsmann Stern dahier gehörender Ochse wurde aus dem Bahnhöfe Wächtersbach scheu und raunte die Eiscnbahnstrckc nach Salmünster zu gerade in den Blitzzug hinein, der ihn vollständig zermalmte.

Neuhos, 28. März. Aus Schalke in Westfalen, wo wieder Neuhöfer zur Arbeit sind, kommt die Mittheilung, daß der Maurer Augustin Diegelmann am Samstag Abend erstochen worden ist. Der Mörder ist festgc- nommen; es hat sich herausgestellt, daß Diegelmann nur ein Opfer der Verwechselung geworden ist. Die Rache des Mörders, der an dem betreffenden Abend seinem Opfer bei einer Wirthschaft auflauerte, galt einem ganz Andern.

Rothwesten bei Kassel, 28. März. Drei hiesige Einwohner fanden in einem Stroh Haufen ein jedenfalls vom letzten Scharfschießen des Kasseler Artillerie Regi­ments liegen gebliebenes Geschoß, eine nicht zur Explosion gekommene Granate, sogenannten Blindgänger. Leicht-