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32 27. Mittwoch den 5. April 1899. 50. Jahrgang.
kapital voll verzinst erhalten, sondern es kommt andererseits darauf an. ob und welche Vortheile Sie der betr. Gegend durch die Bahn verschaffen. Tritt eine allgemeine Hebung des Wohlstandes ein, so kann auch bei geringer Rente die Bahn thatsächlich Ihnen als rentable Anlage gelten. Ueberall werden die Kleinbahnen auf dem flachen Lande ein Abströmen der ländlichen Arbeiter nach unsern großen Städten zur unmittelbaren Folge haben. Dies ist eine Kehrseite der Bahnen für die Landwirthschaft. Ob Sie aber ohne Bahn diese Leute auf dem flachcu Lande dauernd festhalten werden, ist eine andere Frage, die Sie selbst wohl am besten werden beantworten können. Wägen Sie nach Ihrer Kenntniß der örtlichen Verhältnisse genau alle Vortheile und alle Nachtheile gegen einander ab und treffen Sie dann erst die Entscheidung. Lassen Sie sich aber nicht bestimmen durch Vorführung glänzender Reuten gewisser Kleinbahnen Wenn die f Hanauer Kleinbahnen ö'/j Prozent Rente abwerfen, so beruht dies auf ganz besonderen Verhältnissen, die sich I in unserm Hessenlande an einer andern Stelle kaum wiederholen werden. Unser Bergland bedingt: hohe , Anlagekosten und niedrige Rente, dessen mögen Sie sich bewußt bleiben.
I - Nach der Sitzung des Haupt-Ausschusses ist mir die ' Kleinbahn Flensburg-Kappeln vorgehalten worden als Beispiel einer rentabel» landwirthschaftlichen Kleinbahn.
. Auch diese Verhältnisse können nicht zum Vergleich herangezogen werden Die Bahn beginnt und endet in zwei Seehäfen, welchen an'cheinend die Produkte der Gegend zugeführt werden und dann die billige Wasser.rächt genießen. Die Bahn durchschneidet zwar nur ein land wirthschaitliches Gebiet, aber sie ist von bedeutender Länge (ca. 50 Kilometer), hat eine Unmenge Stationen und es ist ihr Ban genau halb so theuer gewesen, wie wir bauen können. Meine Herren, das sind Faktoren, welche die Reute von 5 H2 Prozent uns erklärlich erscheinen lassen.
Meine Herren! Ich möchte Sie noch darauf Hinweisen, daß die bezirksständische Verwaltung in ihren gegenwärtigen Verhältnissen nicht in der Lage ist, auch bei Gewährung eines Kleinbahn Darlehens irgend welche Verauiwortnug für die Prosperität des Unternehmens am sich zu nehmen. Die Hauptprüfung muß bei Ihnen liegen. Die Betheiligung des Bezirks-Verbandes - jetzt ist es 1 Million in Darlehen — gestattet es nicht, etwa eine besondere Eisenbahnabtheilung zu schaffen und in eine eingehendere materielle Prüfung der einzelnen Projekte einzutreten. Beruhigen Sie sich daher in keiner Weise, wenn Ihnen das Kleinbahn-Darlehen bewilligt ist. Hier kann die Prüfung nur nach der Seite statt- finden, ob das Unternehmen die Betriebskosten decken wird. Es ist für Sie nicht schwer, sich selbst einen zuverlässigen Beirath zu verschaffen. Ich kann Ihnen dies nur nochmals und dringend empfehlen.
Ich schließe, indem ich das hohe Haus bitte, den Antrag des Haupt-Ausschusses zu genehmigen.
(Fortsetzung folgt.)___________________
Deutsches Reich
Berlin Den jüngst erst erfolgten Personalverändc- rnngen in hohen militärischen Kommandostellen sollen demnächst noch weitere in beträchtlicher Anzahl folgen. Es verlautet, daß dieselben an Zahl denen Dom 26, März nicht nachstehen werden.
— Ueber die Auffindung von Goldlagern in Dentsch- Ostafrika wird berichtet: Die Kommission von Sachverständigen, die im September von der Küste nach dem Inneren anfbrach und jetzt nach Dar-es-Salaam zurückgekehrt ist, fand 5 bis 6 Kilometer vom Südufer des Viktoriasees verschiedene Goldlager in überaus srucht- barer Gegend. Die Untersuchung ergab bis zu 190 Gramm Gold pro Tonne Gestein, was einen hohen Gehalt bedeutet.
— Ueber ein gewaltsames Eingreuen der Engländer und Amerikaner auf Samoa wird gemeldet: Der amerikn nische Admiral Kautz proklami tc am 12. März die Auflösung der provisorischen Regierung und besaht Mataafa, die Bannmeile von Apia zu räumen, trotz des Protestes des deutschen Konsuls Mataa a zog gehorsam ab So ort brächte ein englisches Kriegsschiff 2000 verbannte Malictoa-Leute zurück, welche es mit Gewehren und Munition versah und denen es Apia überlieferte. Am 14. März rückte Malietoa gegen Mataasas Ortschaften vor, und am 15. März begannen die Engländer und
IfMdhniflOtl nuf ^'^ .Schlüchterner Zeitung" iHuUHyi/ll werben nod) fortwährend von allen - ° :-------- ---------Postanstalten und Landbriettrügern sowie von der Expedition entgegen genommen.
(Fortsetzung des stenographischen Communal Landtags Berichtes betr. den Bau von Kleinbahnen.)
Ist eine Kleinbahn normalspurig, so eröffnet sich dieser noch lange nicht die Aussicht, daß sie an der Stelle, wo sie in die Staatsbahn einmünbet, ihre Güter wie eine Nebenbahn überführen kann. Die Staatsbahn verlangt nämlich von allen Gütern, die ihr zugeührt werden, eine Ab ertigungsgebühr und betrachtet die Kleinbahn genau so wie einen privaten Frachtführer. Diese beträgt bei einer Entfernung bis zu 50 Kilometer 6 Mk., bis 100 Kilometer 9 Mk. und darüber hinaus
12 Mk. Die Gebühr wird erhoben einerseits für den Eingang und andererseits für Abgabe des Gutes. Diese! Gebühr steckt in den bekannt gegebenen Tarifen brin;' diese setzen sich überhaupt zusammen aus den Strecken- i sätzen, welche in sehr langsamer Abstufung steigen, und der gedachten Abfertigungsgebühr. Die Gebühr ist auch eine gewisse Prämie dafür, daß das Unternehmen ständig ’ zu Diensten des Verfrachters steht, mag er es nun be- i nutzen oder nicht. !
Beim Uebergang der Güter von der Kleinbahn auf die Staatsbahn wird jetzt Zahlung der vollen Abfer ' tignugsgebühr verlangt. Sie dürfen bei Finanziirnng' der Kleinbahnunternehmen nicht damit rechnen, daß Ihnen diese Gebühr etwa zur Hälfte ausgelassen wird. Es wird dies nur in Ansnahmeiällen und unter ganz besonderen Verhältnissen erfolgen können. Bon ähnlichen Grundsätzen wie die Staatsbahn wird aber der Klein- bahnunternehmer bei Normirung der Tarife ausgehen müssen Nur ist er in der viel schwierigeren Lage, daß er meist nur auf kurze Strecken zu verfrachten hat und befürchten muß, daß ihm, wenn er die Tarife recht ausgiebig bemißt, die Frachten verloren gehen; denn dann verfrachtet der Landwirth lieber mit dem ihm ohnehin zur Verfügung stehenden Gespann seine Sachen auf der nächsten Staatsbahustatiou. Auch Massengüter, wie Holz, Steine, werden vielfach, wenn nicht für einen günstigen Anschluß und niedrige Tarife Sorge getragen ist, der Staatsbahn unter Umgehung der Kleinbahn direkt zugeführt werden. So steht der Unternehmer vielfach zwischen zwei unerfreulichen Möglichkeiten: entweder er bemißt die Tarife hoch, daß es rechnungsmäßig einen Ueberschuß ergiebt, dann gehen ihm vielfach die Frachten ganz verloren — oder er bemißt sie niedrig, dann bekommt er zwar die Frachten, aber keine Rente. Die Konkurrenz des Achsentransportes ist beachtenswert!; und kann vielfach eine dauernde bleiben.
Neuerdings wird von der Ceutralstelle der Land- wirltsichaftskammern eine Eingabe vorbereitet, welche die Auflassung eines Theiles (Viertel) der Ab ertignngs- gebühr zu Gunsten der nebeubahnähulicheu Kleinbahnen für bestimmte Güterarten, z. B. Steine, Holz, Kohlen, Getreide, Stroh rc. bezweckt. Es erscheint mir zweifelhaft, ob eine derartige allgemeine Rcgulirnng möglich sein wird. Wahrscheinlich wird eine Entscheidung von Fall zu Fall vorbehalten werden.
Meine Herren, ein weiterer Punkt, der mehr ach zu Bedenken Veranlassung gegeben hat, ist das Eintreten speciell unseres Unternehmerthums.
Wie Pilze schießen die Ballgesellschaften aus der Erde und es vergeht kaum ein Monat, daß nicht eine neue Gesellschaft gegründet wird. Es muß ein allgemein einträgliches Geschäft sein, für die Kommunal-Bcrbüude Kleinbahnen zu bauen, sonst wäre es unverständlich, daß sich der Kreis der Unternehmer so ungeheuer erweitert. Diese Thatsache enthält für die Kommunal Verbände eine ernste Mahnung zur Anwendung der größten Vorsicht Da den Verbänden Sachverständige in der Regel nicht zur Verfügung stehen, werden sie an sich auf das angewiesen sein, was der Unternehmer in seinem Sachverstand ihnen vorstellt. Es erscheint daher unerläßlich, daß sich bei allen solchen Unternehmungen die betreffenden Verbände einen beim Baue unbelheitigten Eisenbahn- techniker beschaffen, welcher als Berather vorher und während des Baues ihnen ständig zur Seite steht. An solchen Personen fehlt es nicht und die geringen Ans- gabeir für ihre Heranziehung werden sich hundert ach lohnen,
Bei der Frage der Rentabilität, meine Herren, i|t ja nicht allein maßgebend der Umstand, ob Sie Ihr Anlage
Amerikaner ein Bombardement, wehrlose Dörfer in Brand schießend. Der deutsche Konsul protestirte wiederholt vergeblich und mußte, nachdem eine Granate durch das deutsche Konsulat geschlagen war, mit allen Deutschen an Bord des „Falke" flüchten. Eine zweite Bombe zerschoß das amerikanische Konsulat und tödtete eine Anzahl Engländer und Amerikaner. Mataafa behauptete trotz achttägigen Bombardements und der fortwährenden Angriffe der vereinigten Gegner alle seine Stellungen rings um Apia. Der deutsche Einfluß ist schwer geschädigt, die Erbitterung der Deutschen groß.
Dresden. Den Doktorgrad hatte Lehrer Steglich in Dresden auf einer schweizerischen Universität erworben. Jetzt melden Lehrerzeitungen, daß ihm die Schulaufsichts- behördc die Führung des Doktortitels nicht gestattet habe, da er nicht eigentliche akademische Bildung besitze.
Aus Thüringen. Von den Theilnehmern der Palästina- fahrt des deutschen Kaisers sollen nach einer der Bestätigung durchaus bedürftigen Meldung des „Ainstädter Tageblatt" eine größere Anzahl an Orientbeulen, bezw. Jericho- oder Aleppo Beulen erkrankt sein, die durch ärztliche Behandlung nicht fortznbringen sind und etwa ein Jahr anhalten, dann aber von selbst verschwinden. Ansteckungsgefahr in Deutschland liegt nicht vor; daß in Palästina die Gefahr einer Infektion durch die dort graffirenben Beulenkrankheiten sehr groß ist, unterliegt keinem Zweifel. Andererseits kannten die Theilnehmer der Fahrt aber offenbar die Gefahr, so daß sie ihr aus dem Wege gehen konnten.
Erfurt, 30. März. Infolge einer vor einigen Tagen in einer hiesigen Möbelfabrik erfolgten Arbeitsniederlegung von Tischlergesellen wegen Nichtbewilligung von Lohnerhöhung, Herabsetzung der Arbeitszeit u. s. w , beschlossen die Arbeitgeber der Möbeltischlerbranche ihre Werkstätten so lange zu schließen, bis die Arbeit in der erstgenannten Fabrik wieder ausgenommen sei. Infolgedessen traten heute über 200 Tischlergesellen in den Ausstand.
Mainz Ein Tapezierer spielte mit seinem Sohne ein Loos in der hessischen Waisenschntzlotterie, das mit einem Treffer von 25 000 Mk. gezogen wurde. Der nach jugendliche Sohn verlangte alsbald von seinen Eltern die Hälfte des Gewinnes heraus und — heirathete. Als die Flitterwochen vorüber waren, erhob die junge Frau auf der Sparkasse den Rest des gewonnenen Geldes mit 9000 M und ging nach Amerika durch. Dem Ehemann sandte sie aus Hamburg eine Postkarte mit „Ansicht' und der Mittheilung, daß sie ihr Glück mit dem mitgenommenen Gelde in Amerika versuche. Wie gewonnen — so zerronnen.
Ausland.
Petersburg, 29. März. Ein wenig aus der Schule geplaudert hat jüngst der russische Finanzminister Witte. Dieser hat in dem „Ausschusse zur Regelung des Getreideverkehrs" eine Rede gehalten, die von dem offiziösen Telegraphen mit Stillschweigen Übergängen und darum wenig beachtet worden ist, obwohl sie größte Beachtung verdient. Ihr Kernpunkt besteht nämlich darin, daß Rußland ebenso wie die Vereinigten Staaten von Amerika sich in jeder Beziehung vorn Auslande so unabhängig wie möglich machen will. Nach den lückenhaften Mittheilungen, die über die Rede des in Rußland sehr mächtigen Ministers,an die Oeffentlichkeit hinausdringen, ist der Plan desselben der: ausländisches Kapital soll herangezogen werden, um durch dasselbe Rußland auf eigene Füße zu bringen in Handel, Industrie und Gewerbe; und wenn dies gelungen sein wird, dann giebt man dem ausländischen Kapital allgemach wieder den Laufpaß. In anderen Stücken hat Rußland diese Methode bereits befolgt, und wenn her Augenblick gekommen ist, wo es sich ums Hinanswerfen der Ausländer handelt, kennt man bekanntlich in Rußland außerordentlich wenig Rücksicht und Zartheit.
Amerika. Die Amerikaner haben sich denn doch stark verrechnet, als sie glaubten, nach dem Frieden mit Spanien, Kuba und die Philippinen ohne Weiteres einstecken zu können. Hier wie dort haben sie Kämpfe zu bestehen, und dürfen sich auf noch lange und schwere Kämpfe gefaßt machen. In der Nähe von Manilla haben in den letzten Tagen mehrere blutige Gefechte stattgefunden. Natürlich werden die Tagalen geschlagen. Aber auch die Amerikaner erleiden erhebliche »Verluste, und wahrscheinlich sind sie sogar bedeutender als die