SchlüchternttMung
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Samstag den 15. April 1899.
50. JahW»g
?3fftdhm^tt nuf dw .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen — - 1--Postanstalten und Landbrie trägem
sowie von der Expedition entgegen genommen.
(Fortsetzung des stenographischen Commnual-Laudtages- Berichtes betr. den Bau von Kleinbahnen.)
Der Herr Landtags Kommissar:
M. H.I Ich habe aus den Worten des Herrn Vorsitzenden entnommen, daß er die Debatte über diese Frage etwas ausgiebiger gestaltet zu sehen wünscht, als dies eigentlich nach dem Thema der Tagesordnung
erwartet werden sollte. Das ist der Grund, weshalb ich mich zu derselben weniger als Staatskommissar als aus der Erfahrung in meiner früheren Thätigkeit und meiner sonstigen außerdienstlichen Verhältnissen zu äußern wünsche.
Ich möchte meine Ausführungen nach zwei Richtungen hin gruppireu; die eine betrifft die finanzielle Seite der Sache, wesentlich im Anschlüsse an den Hauptreferenten, und die zweite Frage nach der Bedeutung des Klein- bahuwes.ns als Landesmelioration. Was nun zunächst den ersten Theil betrifft, die finanzielle Seite der Sache, so gehen meine Erfahrungen, die, wie ich bemerke, erheblich zurückliegen hinter der jetzigen für das Klein- bahnwesen maßgebenden Gesetzgebung, dahin, daß Kleinbahnen überall da angebracht und finanziell gesichert sind, wo es sich um die Beherrschung eines möglichst über das ganze Jahr sich gleichmäßig »ertheilenden Massentransportes handelt oder wo die Dichtigkeit der Bevölkerung, insbesondere der industriellen Bevölkerung, eine große ist und voraussichtlich die Benutzung der Kleinbahn durch letztere eine so starke werden wird, daß aus ihr sehr erhebliche Einnahmen erzielt werden. Ich spreche hier ganz speziell aus den Erfahrungen in zwei Gebieten, die das Kleinbahnwesen schon stark ausgebildet hatten, ehe wir neuerdings durch die Gesetzgebung dazu angeregt worden sind, nämlich aus den Erfahrungen in den schlesischen Judustriebezirken, in welchen ich in den achtziger Jahren Regierungspräsident war, und aus den Erfahrungen in der Provinz Po'en, wo ich Oberpräsident war. Ucberall dort, m. H., wo die Kleinbahn die Ausgabe hat, Massengüter, seien dies Erze, Kohlen, Rüben oder sonstige derartige Produkte, aus bestimmten Bezirken an andere festlicgcnde Verarbutungs-Stellen abzulühren, und in Rückfracht Konsumartikel zurück- zubringen, haben sich durchweg die Kleinbahnen als sehr nützliche, nothwendige und finanziell rentable Unternehmungen erwiesen. Auch Steinbrüche und Holz haben in dieser Beziehung ähnliche Erfahrungen gegeben, wenn auch nicht mit der gleichen Sicherheit, wie die erstgenannten Artikel. Dagegen hat mau die Erfahrung gemacht, daß die Kleinbahnen dort, wo sie mehr dem täglichen Sammelverkehr eines verschiedenartig gestalteten Wirihschaltgebictes dienen sollen, oft finanziell nicht
müsse stellt darauf die Berechnung und Übersicht, daß sich ein erheblicher Theil desselben der Verfrachtung durch die Kleinbahn entzieht.
Viel weniger von Bedeutung für die Rentabilität des Unternehmens halte ich die Höhe der Anlagekosten. Es ist ja natürlich sehr erwünscht, wenn man den Kilo- meter billig bauen und ausrüstcu kann; aber auch bei höheren Arlagekosten wird an sich die finanzielle Rentabilität des Unternehmens dadurch nicht in Frage gestellt, wenn die übrigen Voraussetzungen zutresfen, weil bei jenen der Mehrbetrag der Verzinsung geringer ins Gewicht fällt, als die Trausportmasse. Mit dem Herrn Referenten glaube ich daher, daß es sich bei allen Unternehmungen dringend empfiehlt, eine sorgfältige Prüfung der Bedürfnißfrage und der Rentabilitätsfrage voraus-
gehen zu lassen. M. H,! Wir müssen uns darüber verständigen, was man in solchen Fällen unter der Be dürfmßnage versteht. Es ist ja klar, daß das Ideal eines Verkehrs das wäre; jede Oertlichkeit in die Möglichkeit zu versetzen, unmittelbar mit den großen Ver- kchrsccutrcn, mit dem großen Weltmarkt in direkte Verbindung zu treten. Leider ist das aber vielfach nicht zu erreichen. Es wäre eine verchängnißvolle Täuschung die durch die natürlichen Verhältnisse gegebenen Bedingungen unbeachtet zu lassen und ohne Rücksicht auf die Kosten unter allen Umständen dies Ideal verwirklichen zu wollen.
(Schluß folgt)
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser wird seinen Besuch beim G oß- Herzog von Weimar auf der Wartburg mit seiner Reise nach Dresden zum Besuch des Königs Albert derart verbinden. daß er am 23. April Abends von Dresden sich direkt über Eisenach in den Wasungen Forst (Miningen) b.gU:. dort Anerhahnjagd abhält und am 24. früh ant d r Wartburg eintrifft. — Die Nachrichten über Reisen des Kaisers nach Monaco und nach Egypten, die seit einiger Zeit in der ausländischen Presse immer wieder auftouchten und auch in deutsche Blätter übergegangen sind, werden nunmehr offiziell demcntirt
— Die Obstcin'uhr nach Deutschland steigt noch immer; sie hat im vorigen Jahre, ohne die Süd wuchte, 84 Mill. Mark erreicht. Die Mahnung „Pflanzt Obst- bäume" kann nicht dring nd genug wiederholt werden —
freilich muß man hinzufügen: pflanzt vorsichtig! — Das Hauptausführland für Eier ist Rußland, dessen Ans'uhr 1896 147500001)0 Stück betrug. Groß-
rcussirt haben. Zum Theil liegt der Grund, wie der Herr Referent bereits hervorgehoben hat, darin, daß in diesen Fällen die Konkurrenz des Frachlwagens außerordentlich mitspricht. In diesen Gebieten ist es für den einzelnen Produzenten sehr schwer erreichbar, die Wagenladungen zu füllen, dies ist aber die Voraussetzung einer vortheilhaflen Benutzung der Kleinbahn. Wenn z B an irgend einem Punkte eine größere Mühle liegt, in welche die umliegende Gegend gewöhnt ist, ihr Getreide abzuliefern, so wird ein erheblicher Theil derjenigen
von einem deutsch m Beamten in Samoa ; in dem elben heißt es: Kein Anhänger Mataafas ist gctödtct worden. Admiral Kautz hat das Bombardement nicht vorher angekündigt; die Bevölkerung glaubte zuerst, es würde ein Salut gefeuert. Die Deutschen tadeln das Verhalten des Konsuls Mapse, nicht das Verhalten der Amerikaner. Der deutsche Kreuzer „Falke" nahm Deutsche und ebenso amerikanische und englische Frauen und Kinder an Bord. Die Insassen der französischen Mission wurden in hohem Grade in Gefahr gebracht; ein junges Mädchen wurde verwundet. Admiral Kautz verweigerte die Aufnahme der Verwundeten an Bord der „Philadelphia ', „da das Schiff kein Mädcheninstitut sei." Die Maufchaften Tanns wurden durch die Engländer verhindert, sich mit Mataafa zu vereinigen Die Gc-
schäste wurden offen von den Anhängern Mataafas geplündert. Die Engländer fürchteten sich, die Straßen zu betreten, währenb die Mataafa-Leute vor der Stadt waren. Am 24. März erklärte Mataa-a dem Admiral Kautz. er würde mit dem Kampfe aufhören, wenn die Weißen ihn in Ruhe ließen. Der Brief schließt, die einzige Abhilfe für die Wirren ist die Entsendung neuer Konsuln und Befehlshaber, welche in Uebereinstimmung handeln.
Nord Amerika. Nachdem an dem famosen Büchseu- Fleisch mehr Soldaten zu Grunde gegangen waren als an deu Bleikugeln der Spanier in dem vergangenen Kriege, hat die Legierung der Vereinigten Staaten den Beschluß gefaßt, Büchfenfleisch zur Truppenverprovian- tirung nicht mehr zu verwenden. Zur Einfuhr nach Deutschland aber soll es gut sein!
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, l4. April.
* — Bei dem Eintritte in die preußische Eisenbahn- Wrwaltnna beugen die Zeitungen folgende Warnung: Die jungen „eute, welche zu Ostern das Einjährig- Freiwilligen Zeugniß erhielten, müssen jetzt öffentlich gewarnt werden, sich dem preußischen Eisenbahndienfte zu widmen. Die Austellungs- und Besoldungsverhält- nisse sind dort so ungünstig, daß ein Anwärter, welcher bereits im Jahre 1890 als Supernumerar mit dem Reifezeugnisse ür die Prima eines Gymnasiums eiuge- eingetreten in und nach einer dreijährigen unbesoldctcu Beschästigung zwei Prüfungen ablegen mußte, vor dem Jahre 192u nicht auf Anstellung rechnen kann. Er wird fast bis zum 50. Lebensjahre mit 3-5 Mark
.......... „ täglicher Diäten und vierwöchentlicher Kündigungsfrist
britannien und Irland führen außer den Eiern, die im ohne jegliche Pcusious-Bercchtignug als Burean-Diätär Lande selbst vroduzirt werden, jährlich noch I '/, Milliard, cheschä tigt. Für die erst jetzt eintretenden Anwärter des
zum großen Theil vom Koutiucutc und aus den Ei eubahndieusies werden die Austcllaugsvcrhältnisse noch englischen Kolonien ein. Deutschland hat eine jährliche j ungünstiger, da in Folge der Neuorganisation eine Ein uhr von etwas mehr als 1 ’/a Milliarden und bezahlt >"-""-" sn»,.„,;«>,»,,,„« s..,- .♦„♦«»,äru.« sn^mt.Hrt.ff^ dafür etwa 60 Millionen Mark.
Aus der Pfalz, 7. April. Der Schaden, der in
der Pfalz im Frühobst durch die stattgehabten Nacht- frvße zugestigt wurde, ist enorm. In einer einzigen Gemeinde, dem Dor e Weisenheim am Sand, wird der
weitere Verminderung der etatsniüßigen SkamtenfieHen
Verlust, der den Produzenten allein an der Aprikosen- ernte erwächst, aus nicht weniger als 60,000 Mark veranschlagt Weisenheim am Sand ist allerdings einer der bedeutendsten Frühobstproduktionsorte der Pfalz.
Pölnitz Zwanzig ungiltige Ehen hat der Bürgermeister der kleinen Stadt Pölnitz in Pommern geschlossen. Er trat 1898 sein Bürgermeisteramt an und
Landwirthe, welcher in der Lage ist, für volle Trans-' nahm zu gleicher Zeit in dem -Irrthum cay aui) das Porte nach der Mühle die Kleinbahn zu benutzen, Vor-j von seinem Vorgänger verwaltete Am. des Standes theile von dieser ziehen; derjenige Landwirth aber, her; beamten ohne Wnteres auf ihn ubergegnngcn ei, d:e Nicht in der Lage ist, ein größeres Quantum zu ver- Geschäfte diews Amtes aus, ohne daß die Ausich s ehördc laden, wird die Kleinbahn in den meisten Füllen nicht ste ihm übertragen hatte. Jetzt, nachcem er zwanzig l™»; « wir» « -.-,!-»--, I-M-.Trm^m- nM «?-»--«-! -", »»d,E?L'^
toie vor mit dem Frachtwagen zu bewirken, namentlich im Winter, wo die Gespannkra t nicht anderweit dringend gebraucht wird. Solche Beispiele lassen sich in großer Zahl für die verschiedensten G-werbe DerallgemeintrH. Die Thatsachen, welche ihnen als Unterlage dienen, sind Meiner Ueberzeugung nach der Grund, weshalb in so vielen Fällen die Rentabilitätsberechnungen nicht Stich halten gegenüber den Ergebnissen bei dem Betriebe. Den Rentabilitätsberechnungen legt man oft nur ein gewisses Quantum Güter zu Grunde, das in einer ge- lvissen Gegend vroduzirt und von A bis B transporurt wird und glaubt nun, daß dieses Quantum unter allen Ümständk» dem neuen Unternkhinen zugeführt werden
vorgeuommen hat, ist die Suche zur Anzeige gebracht
und eine Mehremstellung von Diätaren und Hilss- beamten beabsichtigt ist.
— Die auf nächsten Sonntag in Geluhansen anbe- raumte Müllervermmmlung findet wegen der Versammlung des Mittelrheinischen Zweigvereins in Gießen an einem später zu bestimmten Sonntag statt.
- * An das Ableben des Fürsten Karl zu Asenburg- Birstein knüp t das „Verl. Tagebl." historische Reminiscenzen : Der Verstorbene war eine bemerkenswerthe Persönlichkeit, und bemerkenswerth ist auch das Haus, zu dessen Häuptern er gehörte. Die Jseuburger bildeten den vollendetsten Typus ehemaliger „Reichsunmittelbaren", der kleinen Souveräne mit den großen Ansprüchen, die eine Eigenthümlichkeit des weiland heiligen römischen Reiches deutscher Nation waren und über die unzählige Satiren geschrieben worden sind. Wie es eine dreibändige Geschichte des Hauses Liechtenstein giebt, so giebt es auch eine dreibändige Geschichte des Hauses Jsenburg oder Isenburg. Die Besitzungen der Familie dehnen sich von
worden. (Sämmtliche Beurkundungen sind für ungiltiglbcn Thoren Frauk urts und den Ufern des Mains längs erklärt worden. DaS Amt des Standesbeamten ist dem । der Kinzig gegen den Vogelsberg hin. ^Ehedem war daS
Bürgermeister nun übertragen worden. Damit werden aber die bis dahin von ihm geschlossenen Ehen nicht giltig. Vielmehr werden für sie neue Eheschließungs afte und neue Beurkundungen nöthig. Für die neuen rechtsgiltigen Eheschließungen hat der Minister den Dispens von den Aufgeboten ertheilt.
Ausland.
Ncwyork, 11, April. Der in San Franzisko erscheinende , Deutsche Demokrat' veröffentlicht einen Brief
Haus auch am Mittelrhein begütert Diese Besitzungen verlor es, weil Gras Friedrich von Asenburg im Jahre 1225 seinen Vetter, den Erzbischof Engelhardt von Köln, erschlug. Die Kölner räderten den Schuldigen und nahmen ihm die rheinischen Güter, die sogenannte Unter- grafschaft Ufenburg ab. Zu dem Fürstenthum Asenburg- Birstein gehört auch die Stadt Offenbach. Für die Hebung des Gewerbfleißes dieses Ortes hat der aufgeklärte Fürst Wolfgang Ernst von Isenburg-Birstein, der bereits 1794 in seinem Gebiete oder besser in seine» „Staaten" die