Einzelbild herunterladen
 

AMchternerZÄung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

eM 31. Mittwoch, den 19. April 1899. 50. Jahrgang.

liUfMht^fäi^ ^ ^ .Schüchterner Zeitung" 65-34^ 1-86 werden noch fortwährend von allen - ----~ Mastanstalten und Landbrie trägem sowie von der Expedition entgegen genommen.

(Schluß des stenographischen Communal-Laudtagcs- Berichtes betr. den Bau von Kleinbahnen.)

M. H.! Ich brauche weiter ein Beispiel. Die^

Wissenschaft ist heute z. V. in der Lehre vom Pflanzen bau soweit, daß fast auf dem Boden jede Frucht gebaut werden kann; es kommt nur darauf an, was es kostet. Wir haben viele Landwirthe gesehen, die ohne Berück­sichtigung des Kostenpunktes so die erstaunlichsten Erfolge erzielten gegenüber früher ganz unbekannten Verhältnissen und trotzdem zu Grunde gegangen sind. Das lehrt uns, daß die Ausnutzung der Technik, der Bcrkehrsvcrhüll- nisse und der wissenschaftlichen Erfahrung doch immer angepaßt bleiben mnß den ursprünglichen natürlichen Verhältnissen, sowohl des Bodens wie der Gegend. Ich komme nun auf die zweite Frage meines mir selbst gestellten Themas : wie ist der Kleinbahnbau vom Stand­punkte der Melioration anfzufasscn? Zweifellos ist jede Verbesserung der VcrkchrSverhültnisse eine Melioration ersten Ranges; ich gehe soweit, zu sagen, daß ich persön­lich die Frage der VerkehrSvcrhältu sse für diejenige halte, welche in unserer ganzen heutigen wirthschaftlichen Ent­wickelung den allerersten Rang entnimmt. Aber auch hierbei ist die eine Erscheinung zu beachten: die Melio­ration bleibt nur dann eine solche, wenn sie die Kosten des Unternehmens wirthschaftlich in irgend einer Form lohnt. Die Kv'en des Unternehmens brauchen durchaus nicht bloß da als lohnend angesehen zu werden, wo 3% oder 3'/4o/o Zinsen und der Abtrag sich in Ueberschüssen bei der Bahnverwaltung herausrechnet; sie können auch Volk erfüllt werden durch eine Steigerung der Wohl­habenheit eines Landestheils oder durch die Entwickelung der Produktionsfähigkeit eines solchen. Das, m. H-, kann aber weder von einer Staatsbehörde, noch von der Landesverwaltung im einzelnen Fall ganz zutreffend beurtheilt werden. Ob ein solcher Fall vorliegt, das müssen die örtlichen Organe, vor allem diejenigen In stanken wissen, welche die Sache anregen und betreiben. Ich habe in früheren Stellungen stets die Ansicht ver­treten und halte sie auch heute noch für richtig, daß die Prü ung darüber, ob eine derartige Melioration im Sinne der Hebung der Wohlfahrt im Allgemeinen ange zeigt und nützlich sei, lediglich der Beurtheilung der lokalen Instanzen überlassen bleiben müsse, und daß wenn die lokalen Instanzen biete Prüfung, wie ich au- nehme, nach sehr eingehender und sabverständiger Er­örterung in bejahendem Sinne durchge ührt haben, die anderen Organe sich zustimmend zu verhalten hätten Aber, nt. H., auch hierin muß ich die dringende War innig des Re ereilten wiederholen: Prüfen Sie sorg­fältig und wägen Sie auch die ungünstigen Chancen. Bor allem aber l ssen Sie sich nicht durch einen unb - stimmten Drang, die Verkehrsverhältnisse zu bessern, ver­leiten, ein Unternehmen unter Verhältnissen zri gründen, wo sich thatsächlich weder ein finanzieller noch eine Melio rationserfolg gegeben findet. Das ist immer zu bc denken in der Welt und wird nicht geändert: Auch das Beste in der Welt kann zum Fehler werden, wenn es auf unrichtiger Grundlage auferbaut wird.

Berichterstatter v. B.

Wir danken Sr. Excellenz für die eingehende Be­lehrung, die wir aus seiner reichen Erfahrung empfangen haben. Ich kann aus einer kurzen Erfahrung nur voll bestätigen, was der Herr Oberpräsident ausgeführt hat. Ein klassisches Beispiel sind unsere Hanauer Kleinbahnen, die thatsächlich aus der Fracht der landwirthschaftlichen Produkte nur eine minimale Rente erhalten und deren

hohe Rente im wesentlichen ans dem Personenverkehr der vom Lande nach Hanau strömenden Arbeiter, sowie aus den Frachten eines industriellen Unternehmens entspringt. Dabei hat der Kreis Hanau eine auf der Höhe stehende wohlhabende Landwirthschaft. Die gleichen Erfahrungen haben wir bei der Kleinbahn Wächtersbach-Blrstein ge­wacht. Hier sind trotz eines landwiithschaftlichcn In­teressengebietes von 10 000 Seelen die Frachten aus der Landwirthschaft ganz unbedeutende. Freilich kann in Unserm an Mineralschützen reichen Lande der Anschluß

Deutsches Reich.

Berlin. Die Uebersiedelnng des Kaiserlichen Ho'- lagers von Berlin nach Potsdam soll, derPost" zu­folge. am 2l. und 22. April stattsindcn. Der König u^. die Königin von Württemberg werden am 13. April zum Besuch in Potsdam erwartet. An der Kaiser­parade, welche in den ersten Tagen des September auf dem Knnnstatter Exerzierplatz bei Stuttgart stattfinden soll, werden, lautSchwäb. Merkur", auch der Kaiser von Oesterreich, der König von Sachün, der Prinz- regent von Bayern und der Großherzog von Baden theilnehmen. Die Nachricht wird in weiten Kreisen mit Freude ausgenommen werden.

Am I3. April vollendete sich ein halbes Jahr­hundert, daß die sächsischen und bayerischen ReichS- trnppen die Düppcler Schanzen erstürmten, mit welcher ruhmvollen Waffenthat der Grund zu dem 21 Jahre später so herrlich vollendeten Werke der Einigung Deutsch, lauds gelegt wurde. Zugleich empfing an jenem Schlachten- tage König Albert von Sachsen die Feuertaufe im Di nite der deutschen Sache, als 21jühriger Prinz trotzte er muthig dem Kugelhagel aus den dänischen Verschanzungen. Was König Albert seitdem als siegreicher Feldherr für des Reiches Größe und Herrlichkeit vollbracht hat, kann die Bedeutung des Gedenktages vom 13. April nicht ab schwächen der denn auch in den patriotischen Kreisen des Sachsenvolkes gebührend begangen worden ist.

Die ür die Schutztruppe von Südwestafrika vor einigen 'banalen ans der Armee erbetenen Unteroffiziere, Mannschaften und Sanitätssoldaten sind nunmehr aus­gewählt worden und haben sich am 24. d. M. in Berlin zu '.melden, um hier eingekleidet zu werden. Die Ausreise wird nach demLeipz Tagcbl.", in den letzten Tagen des April unterFührung einiger gleich all 3 zur süd- westafrikanischen Schutztruppe versetzten Offiziere erfolgen.

Die Berliner Produktenbörse wird nun doch wieder hergestellt werden. Die Verhandlungen zwischen dem Verein Berliner Produkten- und Getreidehändler und den Vertretern der Landwirthschaft über die Wieder- hcrstellnng der Produktenbörse sollen zu einer Einigung geführt haben. Die gemeinsam ge aßten Beschlüsse der beiden Parteien unterliegen nunmehr der Bestätigung des preußischen Landwirthschaftsministers, an der nicht ge-

zweifelt wird.

Der . Norddeusche Lloyd" in Bremen erhöhte die Zwischendeckfahrpreise nach New York für Schnell-Post- bampfer auf 160 Mk., nach Baltimore für Dampfer der Roland-Klasse auf 140 Mk.

Chemnitz, 14. April Der' Geschäftsführer einer hiesigen Fleischerei beredete seine Prinzipaliu unter der Vorspiegelung von Heirathsabsichten zum Verkauf ihres b°n Steinbrüchen" re- dfe^Rente erfreulich erhöhen. Indes Geschältes, nahm den ganzen Betrag an sidj unb »er- Nt dies regelmäßig voraus, daß die Brüche, Bergwerke,! schwand damtt^ Nun hat d e Frau knn Geschäft, kem 3-honlager :c. unmittelbar mit der Bahn durch Anschluß- Geld und auch c

geleise verbunden sind. Sobald erst eine Verfrachtung der! Massengüter auf der Achse zur Kleinbahnstation und dort Verladung erfolgt, so wird dies regelmäßig die Trans­portkosten auf diese doch geringwerthigen Artikel derart vertheucrn, daß entweder die Versendung überhaupt unter­bleibt, oder der Verfrachter es vorzieht, die Frachten, wenn er sie einmal auf der Achse hat, auch noch die wenigen Kilometer bis zur Staatsbahnstation trans- poniren und dort verladen zu lassen. Ebenso werden vielfachen neben der Kleinbahn die Landwirthe ihre Frachten mit dem Gespann, das ihnen ständig zur Ver­fügung steht, zur Staatsbahn fahren und sich die Klein- bahnfracht gewrssenmaßen in ihrem eigenen Betriebe selbst verdienen. Eine solche Konkurrenz ist aber den Allein» bahnunternchmungcn ungemein nachtheilig. 9J? H.! Ich bin nun nicht der Ansicht, daß man den Bau der Klein­bahnen bei uns überhaupt unterlasse. Ich baue ja selbst in meinem Kreise Bahnen. Aber ich halte es für un­bedingt nöthig, daß Sie sich von vornherein klar darüber werden. daß Sie in der Regel solche Bahnen nur mit ständigen Opfern sich schaffen werden.

Nun. m. H, bringen wir nicht in unserm Kom- < munalwefen täglich Opfer der verschiedensten Art um das Gemeine Wohl zu fördern? Bringen wir diese Opfer nicht gern, wenn wir die Ueberzeugung gewonnen haben, ' daß sie nützlich sind? Ebenso müssen wir uns zu den Kleinbahnen stellen, dann werden wir wohl fahren und unsere Thätigkeit dem betr. Gemeinwesen zum Segen 1 gereichen.

Jena, 15. April. Am 20. April wird dieJenaische Zeitung", das älteste Blatt Thüringens und eines der ältesten Blätter Deutschlands überhaupt, das Jubiläum ihres 225jährigen Bestehens feiern. Das Blatt befindet sich seit seiner Gründung ununterbrochen im Besitze der Familie Neuenhahn, die jetzt gerade 275 Jahre in Jena ansässig ist.

Mainz, 13. April. Vorgestern hat sich die 15jährige Dienstmagd Helene Rühl aus Mettenheim vom vierten Stock aus auf die Straße gestürzt, um sich vor den Nachstellungen ihres Brodherrn, eines Wirthes, zu retten. Der Wirth wurde in Untersuchungshaft genommen. Er benahm sich dort, wie dasMainz. Tagbl." erfährt, wie ein Rasender. Das Mädchen wurde, da ihm die Kinn­lade zerschmettert ist, Arme, Beine und Rippen mehrfach gebrochen sind, operirt, doch ist. das Aufkommen der Armen unwahrscheinlich.

Ausland.

Graz, 15. April. Das Kreisgericht in Bozen ver- urtheilte den Inspektor Josef Laiucr aus Grics zu vier­zehn Tagen strengen Arrest, weil er vor einem auf dem Bersebgang befindlichen Priester den Hut nicht abnahm.

Sydney. Eine riesige Fluthwelle trat, wie gemeldet wird, am 17. Februar die Insel Mamiyiki in der Süd­see; während hier Wälder und hohe User größeren Schaden verhüteten, wurde die benachbarte Insel Raka- Hanga überfluthet und fast ganz vom Meere verschlungen. Hunderte von Eingeborenen sollen umgekommen sein; nähere Nachrichten fehlen noch.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 18. April.

* Bürgermeister Salomon, welcher vom Magistrat und der Stac^erordnetenversammkung einstimmig auf weitere 12 Jahre zum Bürgermeister unserer Stadt ge­wählt wurde, ist als solcher vom Herrn Regierungs- piäsidenten bestätigt worden.

Am 13. d. Mts. beehrten Sr. Excellenz der Herr Oberpräsident Graf von Zedlitz und Trützschler und der Herr Regierungspräsident von Trott zu Solz unsere Stadt mit ihrem Besuch. Die Herren trafen um 8.56 früh von Frankfurt kommend hier ein und wurden am Bahnhof vom Herrn Landrath und Herrn Bürgermeister Salomon empfangen, alsdann begaben sich dieselben in das Kreiskraukenhaus und besichtigten dasselbe eingehend, wobei sich beide Herren sehr anerkennend über die ge­troffenen Einrichtungen aussprachen. Alsdann fuhren die Herren durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Lehrerseminar, woselbst zunächst eine Besichtigung des Seminars und im Anschluß daran die Verhandlungen mit der Stadt über Einrichtung einer gesonderten Se­minarübungsschule. über welche wir weiter unten berichten, stattfanben. Diese Verhandlungen dauerten bis gegen halb zwei Uhr und nahm darauf Se. Excellenz und der Herr Regierungspräsident int Rathhaus die Vorstellung der Mitglieder des Kreisausschusses, der selbttständigen Staatsbeamten und der Mitglieder der städtischen Be­hörden entgegen; den letzteren dankte Se. Excellenz für den Festschmuck, welchen die Stadt ihm zu Ehren an­gelegt habe. Auf Einladung des Herrn Landrath Ge­heimen Regierungsrath Roth fand um 2 Uhr ein Mittag­essen zu 15 Gedecken im Hotel Stern statt, bei welchem der Herr Landrath Se. Excellenz den Herrn Oberprä- fibenten und den Herrn Regierungspräsidenten in einer längeren Ansprache begrüßte, worauf Se. Excellenz mit einem Hoch auf Kreis und Stadt Schlüchtern erwiderte. Um 3 Uhr fuhren unsere Gäste nach Fulda weiter.

* In das hiesige Progymnasium wurden mit Be­ginn des neuen Schuljahres neu ausgenommen 8 Schüler, von denen b Französisch und 2 Lateinisch als Fremd­sprache wählten. Es verließen die Anstalt 5, sodaß die Gesammtzahl der Schüler 57 beträgt. Von den Abge- gangenen wandten sich 2 einem praktischen Berufe zu, die 3 anderen bestanden unter großer Anerkennung die Aufnahmeprüfung in die Untersekunda des Gymnasiums

Am 13. d. Mts. fanden unter persönlicher Leitung Sr. Excellenz des Herrn Oberpräsidenten und in Gegenwart des Herrn Consistorialpräsidenten von Altenbockum als Vertreter des Kloster Schlüchtern die Verhandlungen zwischen dem Königlichen Provinzial- Schulkollegium, der Königlichen Regierung zu Kassel und dem Magistrat unserer Stadt über die Abtrennung