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jedoch keine gute Erfahrungen gemacht zu haben. Nach und nach wurden einige der Kantinen wieder an Privat­unternehmer verpachtet, und nunmehr sollen in Kürze sämmtliche noch in Selbstregie befindlichen Mililär- kantinen wieder an Privatunternehmer in Pacht ge­geben werden.

Mannheim, 27. April. Wegen der Maul- und Klauenseuche verbot das Bezirksamt den großen Mann­heimer Maiviehmarkt.

Baden. Ein deutscher Landsmann als spanischer Oberst in den Kämpfen bei Jlo-Jlo. Im spanisch­amerikanischen Kriege haben sich aus beiden Seiten ebenso wie andere Ausländer auch Deutsche, wenngleich nur in einer relativ kleinen Zahl, unter den Kämpfern befunden. Zu den deutschen Landsleuten, die auf spanischer Seite fochten, gehörte ein früherer badischer Offizier Namens Brandeis. Dieser zeichnete sich namentlich bei Jlo-Jlo aus. Hermann Brandcis, ein jüngerer Bruder des Landeshauptmanns auf den Marschallinseln, stammt aus Baden-Baden. Dem badischen Dragroncrregiment an­gehörend, nahm er 1870/71 an dem berühmten Zeppe- linschen Ritt in Elsaß-Lothringen Theil. Später trat er in spanische Dienste und sümpfte in Katalonien gegen die Carlisten. Er erwies sich dabei, der „M. A. Z." zufolge, als ein kühner, wagemuthiger Reiter. Nachdem er eine Reihe von Jahren in Knba gedient hatte, wurde er in Madrid Chef der berittenen königlichen Leibgarde. Im Herbst 1894 nach den Philippinen gesandt, betheiligte er sich hauptsächlich an den Kämpfen gegen die kriege­rischen Moros auf Mindanao. Das Glück verließ ihn auch nicht bei einem kühnen Zug durch die ganze Insel Nach Ausbruch des Krieges zum Oberstleutnant ernannt, war er in Jlo-Jlo die Seele der Vertheidigung. Er besiegte auch die Insurgenten auf der Insel Panaj. Zum Obersten befördert, verließ er als Letzter mit seinem Stäbe die tapfer gegen die Insurgenten behaupteten Stellungen und leitete die Einschiffung der Spanier beim Rückzug aus Jlo Jlo. Mit mehr Leuten vom Schlage Brandcis stände Spanien heute wahrscheinlich anders da.

Ein gelungenes Stück wurde in Metzinge» nach beendigter Kontrollversammlung von acht Waffenbrüdern ausgeführr. Gelegentlich des Wochenmarktes hatte ein Bauer von der Alp einen Wagen mit 3 *'8 Meter Buchenholz zum Verkauf ausgestellt. Für dieses Quantum Holz wurden dem Bauern von einem Reservisten 27 Mk. geboten, worauf der Bauer spöttisch zur Antwort gab: „Wenn Ihr acht Mann diesen Wagen Holz bis vor die Wirthschaft zum Waldhorn nach Riederich ziehet, so kostet das Holz gar nichts." Wie auf Kommando faßten die Vaierlaudsvertheidiger an und in 30 Minuten war auch die drei Kilometer weite Wegstrecke sammt Wagen und Holz zurückgelegt. Dem Bauern blieb nichts anderes übrig als mit seinen zwei Pferden nachzulanfen und seinen leeren Wagen abzuholen.

Würzburg, 28. April. Amtlich wird bekannt ge­geben, daß einige ins Krankenhaus eingelie'erte rus­sische Landarbeiter an den echten Pocken erkrankt sind.

Ausland.

Schweiz. Der Mörder der Kaiserin Elisabeth, Lucchem, hat endlich gestanden, daß er Komplicen gehabt habe. Diese Hütten im Bahnhöfe gewartet, während er die Kaiserin ermordete. Wie sie heißen, will Luccheni nicht wissen; sie Hütten einander, sagte er, nicht nach ihrem Namen, sondern blos nach ihren Nummern ge­kannt. Man nimmt an, daß einer davon der jetzt in Zara in Haft befindliche Anarchist Bracee sei.

Amerika. Die nordamerikanische Regierung will Deutschland freundliche Beziehungen unterhalten, trotz Coghlans und andere Hetzer, die in den Vereinigten Staaten ja nicht gerade dünn gesät sind. Als ein Be­weis für diesen Wun ch wird die Thcusache angesehen, daß Präsident Mac Kinley das Projekt eines neuen Kabels zwischen den Vereinigten Staaten und Deutsch­land mit den murhmaßlichen Endpunkten Newyork und Emden genehmigt hat. Bisher waren wir bei dem Ver­kehr mit Amerika auf die englische Vermittelung ange­wiesen, weniger einer friedlichen Verständigung zwischen den beidcnLändern, als dem Gegentheil davon gedient hat, das ist leider nur allzu häufig zu Tage getreten. Auch sonst ist die amerikanische Regierung bemüht, die guten Beziehungenmit Deutschland aufrecht zu erhalten.

Ncw-Dork, 28. April. In Kirksville hat ein Cyklon 400 Häuser zerstört. In 2 Stunden wurden 25 Leichen aufgesunden, vermuthlich beträgt die Zahl der Toten 60, 1000 Personen wurden verwundet. Auch in Newton wütete ein Cyklon, dort gab es 15 Tote.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 3. Mai.

* — Der April hat sich mit einem Gewitter ver­abschiedet, das am Sonnabend Nachmittag über unsere Gegend niederging und hier und da auch einigen Schaden angerichtet hat. — In der Stadt Hanau schlug der Blitz in den Schornstein des Altstädtcr Schlosses und in die Telephonleitung der Weinig'schen Maschinenfabrik, ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. Dagegen wird aus Langendiebach berichtet, daß daselbst dmch Blitz­schlag das Dach einer dem Gastwirth LooS gehörenden

Scheuer zerstört wende. In und um Gelnhausen hauste^ das Unwetter gleichfalls mit großer Gewalt. Der Blitz schlug dort auch mehrmals ein, ohne jedoch zu zünden. — Zu gleicher Zeit gingen auch über Frankfurt schwere GetyUer.nieder. Auch dort schlug der Blitz zu ver­schiedenen Malen ein, richtete aber keinen erheblichen Schaden an.

* — Unsere Abonnenten erhalten mit der heutigen Ausgabe unseres Blattes den gewohnten Fahrplan der Frankfurt Bebraer, der Oberhessischen Bahn Fulda- Gießen, Salzschlirf-Schlitz, der Rhönbahnen, der Eisen- bahnlienen Elm Gemünden, Jossa-Brückenau,. Separat- abzüge können durch unsere Expedition bezogen werden.

— Von verschiedenen Eisenbahndirektionen waren vor einiger Zeit die ihnen unterstellten Inspektionen und Bauabtheilungen angewiesen worden, keine Arbeiter an- zunehmen, welche aus ihrem letzten Dienstverhältniß unter Verletzung der etwa eingegangenen kontraktlichen Verpflichtungen ausgeschieden sind. Diese Anweisung wird von den betreffenden Unterstellen genau befolgt. Viele Streckenarbeiter, Planierkräfte rc. wurden beim Beginn | der Frühjahrsarbeiten mit ihren Gesuchen um Arbeit abgcwi-sen, weil sie eben ihrem früheren Arbeit­geber kontraktbrüchig geworden waren.

* — Mit Rücksicht auf den erfahrungsmäßig starken Eisenbahnverkehr in den Pfingsttagen wird auf den preußischen und hessischen Staatsbahnen den am 17. Mai und den folgenden Tagen gelösten gewöhnlichen Rück fahrkarten — nicht auch Arbeiter-Rückfahrkarteu — von sonst kürzerer Dauer verlängerte Gilligkeit bis einschließ­lich den 29 Mai bcigclcgt. Die Rückfahrt muß spätestens am letzten Tage um 12 Uhr Mitternacht angetreten und darf nach Ablauf dieses Tages nicht mehr unterbrochen werden.

— Ueber die Arbeitszeit in Getreidemühlen hat nun­mehr der Bundesrath die erwartete Verordnung erlassen. Danach ist in den Getreidemühlen den Geh lfen und Lehrlingen innerhalb der aus den Beginn ihrer Arbeit folgenden 24 Stunden eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens acht Stunden zu gewähren. Bei Mühlen mit verwiegendem Damp betrieb muß die Ruhezeit min­destens zehn Stunden betragen. Die sonst vorgeschriebene Sonntagsruhe kann so weit beschränkt werden, wie die Durchführung des wöchentlichen Schichtenwechsels das erfordert. Auf Windmühlen finden diese Vorschriften keine Anwendung, vorausgesetzt, daß der Wind aus­schließlich als Betriebskraft benutzt wird. Für Getreide­mühlen mit unregelmäßiger Wasserkraft können von den unteren Verwoltungsb-Hörden Ausnahmen von der vor- geichriebenen Ruhezeit an höchstens 15 Tagen im Jahre zugelassen werden. Lehrlinge unter 16 Jahren dürfen in Getreidemühlen aller Art in der Nachtzeit von 8’'a Uhr Abends bis 5’/2 Uhr Morgens nicht beschäftigt werden. Personen unter 16 Jahren gelten auch dann als Lehrlinge, wenn ein Lehrvertrag nicht abgeschlossen ist.

* — Bei den Juvaliditäts- und Altersversicherungs­anstalten können auch Mädchen angestellt werden, welche 1) mindestens ein Jahr lang die I. Classe einer höheren Töchterschule oder einer Mädchen-Mittelschule mit Erfo'g besucht oder die Prüfung als Volksschullehrerin bestanden haben; 2/ Nachweisen, daß sie am Sitze der Versicher­ungsanstalt Wohnung und Verpflegung in ihrer Familie oder bei nahen Verwandten erhalten; 8) das 18. Lebens­jahr vollendet und das 30. Lebensjahr noch nicht über­schritten haben und 4) unverheirathet sind. Die Be­werbung um Anstellung ist an den Vorsitzenden des Vorstandes zu richten. Ihr sind beizufügen: 1) ein von der Bewerberin selbst verhaßter oder geschriebener Lebenslau'; 2) das letzte Schulzeugniß und, wenn die Bewerberin eine besondere Ausbildung als Lehrerin, Kindergärtnerin, Buchhalterin rc erhalten hat, die hier­über ausgestellten Zeugnisse; 3) ein von dem Physikus ausgestelltes und beglaubigtes Zeugniß über den Ge­sundheitszustand und 4) wenn die Bewerberin minder­jährig ist, die Erklärung des Vaters, .der Mutter oder des Vormundes, daß die Bewerbung mit seiner bezw. ihrer Zustimmung erfolgt ist.

* — Drei goldene Worte für Handwerkslehrlinge. Ein alter Handwerker vermerkte in seinem Tagebuche, daß sein Meister ihn beim Eintritt in die Lehre mit folgenden Worten empfangen hätte: „Sei treu und ehrlich!' „Sei aufmerksam, lernbegierig und folgsam!" „Sei bescheiden und dienstfertig!" Sehr lang sind diese Worte zwar nicht, aber so inhaltsreich, daß jeder Lehr­ling gut berathen ist, der sie beherzigt.

Soden-Salmülster, 1. Mai. Heute am 1. Mai kam der erste Kurgast in Station Salmünster-Soden an, um als Badegast des Soolbades das Gepäck nach Soden bringen zu lassen. Es mußte dem von weit her ankommenden Badegast bedeutet werden, daß d >s Bad noch nicht eröffnet sei. Hierauf, nach weiterer Orien- tirung, daß in der Nähe noch ein ähnliches Soolbad Orb sei, ging der Gast darauf ein, sich von einem Sal- münster Fuhrwerk nach Orb fahren zu lassen. Wir wir Sodener über diese bedauernswerthen Zustände denken, Ute das Aufblühen unseres Ortes als Badeort so un­endlich erschweren, ist wohl nicht nöthig, weiter zu er­örtern.

Wachtersbach. Ein heiteres Stückchen wird von der Kleinbahn Wächtersbach-Birstein geschrieben: Vor ungefähr 14 Tagen fuhr ein Bauer aus dem Vogels-

'berg von Birstein nach Wächtersbach. Da der Bauer nach Gelnhausen wollte, mußte er in Wächtersbach um» steigen. Doch, obwohl der Zugführer sein „Alles auS- steigen" hatte erschallen lassen, unser biederes Bäuerlem wich nicht von seinem Platze. Da wandt? ifW Hmch der aussteigenden Herrn an unsern VogelsbergM<«Mt der Frage, ob er nicht aussteigen wollte? Doch er gab zur Antwort: „Nee aich fahr noach Gelhhause." Als man ihm klar machte, daß er auf diese Weise nicht an das Ziel käme, meinte er treuherzig: „Kömmt nur do nct noch Gelhause? aich hat Angst, mei Platz wird besetzt."

Hanau, 27. April. Der diesjährige Verbandstag ländlicher Genossenschaften Raisfeiscn'scher Organisation für den Rcg.-Bez. Kassel wi- d am 6. und 7. Juni hier in Hanau abgehalten. Dem hessischen Verbände sind 321 Darlehnskassen angeschlossen.

Homberg, 27. April. Auf recht eigenthümliche Weise suchte man in dem nahen Mardorf einen Dachs zu erlegen. Derselbe hatte sich in einen Kanal geflüchtet und der ihn ver olgende Dachshund vermocht ihn nicht herauszutreiben. Da legte man in den Kanal Feuer an und in Folge des sich entwickelnden Rauches sind beide Thiere erstickt. Die Sache ist nun zur Anzeige gebracht worden.

Bcverungen, 25. April. Infolge einer unsinnigen Wette, um eine Flasche Bier, erkletterte der hier wohnende Stellmacher Wilhelm Zarnitz gestern im benachbarten Lauenförde einen noch im Bau befindlichen Fabrikschorn- stein der Firma H. Löwenherz, Holztabrik. Oben angelangt, gab ein noch nicht ganz befestigtes Steigeisen, nach und Zarnitz stürzte in die Tiefe, wodurch er so schwere Verletzungen erlitt, daß er nach mehreren Stunden seinen Geist aufgab.

Von der Werra, 26. April. Die amtliche Ver - wiegung des Tabaks ist in voriger Woche beendet worden. Im Jahre 1898 wurden in Alten- und Frauenbreitungen einschließlich der Höfe rund 2000 Ctr. Tabak geerntet. Die angebaute Fläche umfaßt ca. 6000 Ar. Im Jahre 1897 waren etwa 3200 Ctr, geerntet worden. Infolge des Sinkens des Tabakpreises dürfte in diesem Jahre ein weiterer Rückgang in der Tabakproduktion in der hiesigen Gegend zu verzeichnen sein.

Zwei Briefe aus der „Jugend".

Im Salon weinte das gnädige Fräulein, als wolle ihr das Herz entzwei gehen, und in der Küche schluchzte die Mali tu so elementargewaltigen Naturlauten, daß das Blechgeschirr an den Wänden mitklirrte. . .

Vor Fräulein Lore lag ein Brief, und vor der Mali lag auch einer. Der erstere war durch eine Gra enkrone- gekennzeichnet und der letztere durch einen Tintenklex oder zweie. Das gnädige Fräulein wurde von der Frau Mama getröstet, und der Mali sprach die Hausmeisterin zu, und dem Gehege ihrer Zähne entflohen die Worte: ..Hören Sie zu Heulen auf! Die Mannsleut' sind Luder, Einer wie der Andere!"

Der Brief, über welchen Fräulein Lore so bitterlich weinte, war an ihren Papa gerichtet und lautete:

Sehr geehrter Herr Rath!

Zu meinem tiefen Bedauern zwingt mich unsere i gestrige Unterredung, ein Verhältniß abzubrechen, dem Sie die nöthigen materiellen Grundlagen nicht zu geben gewillt sind; ich hatte erwartet, Sie würden einsehen, daß ein Mann von meinem Range von dem Wenigen, was Sie Ihrer Tochter aussetzen, seine Familie nicht standesgemäß erhalten kann und daßLhre Zumuthung, ich solle mir durch eine bürgerliche Thätigkeit die fehlenden Summen dazu erwerben, kaum ernsthn't genommen zu werden verdient. Ich hoffte ferner, Sie würden be­greifen, daß ein Mann, wie ich, sich nicht ein Jahrgeld, gleich einem Almosen, aussetzen lassen kann, sondern als Edelmann die Ueberantwortung des Vermögens seiner. Frau verlangen muß. Sie haben meine Hoffnungen enttäuscht und mich zu der Erkenntniß kommen lassen, d-ß ich im Begriffe war, die Würde meines Stammes durch eine Verbindung zu gefährden, die ich hiermit, wenn auch mit blutendem Herzen, löse. Ich ersuche Sie, Ihrer Fräulein Tochter hiervon geziemend Mittheilung machen zu wollen.

Was die mir gelegentlich gemachten Vorschüsse be­trifft, so werden Sie einsehen, daß die mir aus den nun vergeblichen Vorbereitungen zu der geplanten Vermählung erwachsenen Kosten jene Beträge reichlich aufwiegen, und . ich erwarte, daß Sie sich wenigstens in diesem einen Punkte gegen mich kavaliermäßig benehmen werden..,

Ich mache Sie noch darauf aufmerksam, daß in dieser nun abgethanen Angelegenheit mir die Wahrung voll­kommener Discrelion ganz besonders im Interesse Jhrep^ Frl. Tochter zu liegen scheint,.

Mit ausgezeichneter HochaDung

Adolf Graf Glattwitz auf Strauchau."

Der Bnef, über welchen die Mali so heiße Thränen vergoß, war an sie selbst adressirt und hatte folgende» Inhalt:

„Theuere Mali!!

Wen es dabei bleibt und Du so gemein bist und - Dein Sparkassenbichel nicht anrühren willst damit ich jez schon ein Gescheft anfangen und Meister wern kan und dich dan in ein bar Jahr geheirät Hädde so mag '4 von dir nix mehr wissen und wenn ich dich einmal