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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg
32 37. Mittwoch, den 10. Mai 1899. 50. Jahrgang.
HtftdhfttAMI nuf bie .Schlüchterner Zeitung« ^IHlUUliytH werben noch fortwährend von allen "'—-------------«- Postanstalten und Landbrie trägern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Znrücklassuug der mitgeführten Waaren, welche von den russischen Soldaten über die Grenze nach dem nächsten Kordon geschleppt wurden. Dem schwerverwundeten Schmuggler ist der rechte Arm und das rechte Kniegelenk durchschossen worden; er fand Aufnahme im Lublinitzer Krankenhause. Bei Aufnahme des Thatbestandes durch den Obergrenzkontrollenr uub der Polizeibehörde wurde sestgestellt, daß der Ueberfall 850 Schritte von der Landesgrenze entfernt auf preußischem Gebiete statt- gefnnben hat.
Mainz, 4. Mai. Die Bäckerinnungen von Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Darmstadt nab einer Reihe anderer Städte haben kürzlich hier eine Versammlung abgehalten, um sich über die Lehrlingsfrage zu besprechen; es ist nämlich seit einer Reihe von Jahren darüber Klage geführt worden, daß nur noch selten ein Junge sich dazu verstehen will, das Bäckerbandwerk zu erlernen; während beispielsweise noch vor dreißig Jahren bei den Mainzer Bäckermeistern BÖ Lehrlinge be chüstigt waren, sind dort heute keine 10 bei sämmtlichen Bäckermeistern in der Lehre. Diese Erscheinung wird allenthalben bemerkt und beklagt. Man kam übereilt, daß man die seither gebräuchlichen Bestimmungen über die Lehrlinge aufgebe und beispielsweise eine wesentliche Abkürzung der Lehrzeit und auch so'orl mit dem Beginn der Lehrzeit eine Vergütung eintreten lassen müsse, die mit den Lehrjahren eine Steigerung zu erfahren habe.
Wald-Michelbach, 5. Mai. Die diesjährigen Rekruten ' von hier, 68 an der Zahl, wurden nun nachträglich höchst unangenehm überrascht, indem sämmtlichen Sirai- bewhle in Höhe von 15 Mk. zugingen, da sie in der Charwoche mit Musik autogen. Unterwegs erlaubten sich noch mehrere mit Gießkannen rc. im Orte herum- zuziehen. diese erhielten eine weitere Strafe von 20 Mk. Ebenso wurden die Musikanten, die Montags an spielten, mit 15 Mk. in Strafe genommen, sodaß die Sinne für alle die Kleinigkeit die Höbe von über 1400 Mk. erreicht. Selbstredeu machend nun die Eltern die bittersten Gesichter.
Ausland.
Rom. Aus Palermo wird den Blättern übereinstimmend die sensationelle Nachricht gemeldet, daß Professor Cervello der medizinischen Akademie zu Palermo einen Bericht über seine großartigen Erfolge bei Be- kämpfnng der Tuberkulose im Guadagnaspitale unterbreitet habe. Der Professor, welcher die Patienten mit Formalin behandelte, soll durchweg wunderbare Erfolge erzielt haben. Dem „Seeolo" zu olge wurden von 100 Schwerkranken 65 geheilt. Der Rest der Kranken sei nur dem Wege der Besserung Es kam seither kein einziger Todesfall infolge von Tuberkulose mehr vor. Der bekannte Krösus Florio hat dem Professor Cervello fünf Millionen Francs zur Gründung eines Instituts und eines Spitals zur Verfügung gestellt. (Wir geben die uns soeben zu gegangene Nachricht mit aller derjenigen Reserve wieder, die gegenüber solchen und ähnlichen Meldungen von Wnnderhcilungen von Tuberkulose geboten ist. Die Red.)
Lyon. Nach dem Blatte „Les Pyrcnecs' strich kürzlich eine als Nonne verkleidete Frau mehrere Gemeinden des Arrondissements Lanucmezau ab und warb 20 junge Mädchen unter der Vorspiegelung an, daß sie bei vorübergehender Arbeit in Gette ein schönes Geld verdienen könnten. Nachdem die Eltern ihre Einwilligung gegeben, reiften die Mädchen mit der an geblichen Nonne ab. Bei der Ankunft in Getto wurden sie sofort „zu einer Vergnügungsfahrt' eingeschifft. Seitdem hat man nichts mehr von ihnen gehört, jedoch lassen Erkundigungen, die ihre Angehörigen ein gewogen haben, vermuthen, daß sie nach Sicilien gebracht worden sind.
Ueber die Heuschreckenplage in Palästina wird aus Jerusalem, 30. März, geschrieben: Die Bevölkerung hegt ernstliche Besorgnisse in Betreff der Ermeaussichten die es Jahres, da vom Jordanthal herauf die Heu chrecken in ungezählten Schnarrn anrücken. Sie sino erst zwei Gentimeter groß und können noch nicht fliegen. Männer aus allen Dörfern sind an den Ostabhang des Gebirges beordert, wo sie die Thiere auf Hausen zusamme,»treiben und mit Petroleum verbrennen. Obgleich Die Fellachen diese Arbeit umsonst velrichtcn müssen, sind sie nichts w.niger als au rührerisch gegen die Regierung. Willig fügen sie sich meist in diese F. ohndienste und verlieren selbst nicht den Humor dabei. Noch größere Mengen
Deutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar verweilt aus seinem Land- aufenthalt in den Reichslanden in beschaulicher Zurück- gezogenheit und widmet sich der genauen Besichtigung aller Neu-Anlagen rc. Die Vorträge nimmt der Kaiser in gewohnter Regelmäßigkeit entgegen. Der Gottesdienst in der Kirche zu Kürzel wurde besucht.
— Dem „Wiesb. Tagbl." zufolge wird die kaiserliche Familie am Freitag, 12. Mai, Mittags 12 Uhr, von Urville in Wiesbaden eintreffen.
— In Arbeiterkreisen scheint allmählich das Gc'ühl durchzudringen, daß sich die ungeheueren Opfer, die angeblich der Arbeitersache, in Wahrheit den aus Kosten ihrer hart arbeitenden Genossen lebenden sozialdemo- kratischen Wühlern gebracht werden, auf die Dauer nicht ertragen lassen. Die Berliner Metallarbeiter, d rei, Organisation sich kürzlich dem deutschen Metallarbeiter- Verband angeschlossen hat, haben dieser Empfindung in einer Versammlung Ausdruck gegeben, die zur Gründung einer lokalen Gewerkschaft geführt hat Es wurde hier offen ausgesprochen, daß die Gehälter der Gewerkschafts- beamten im Verhältniß zu den Arbeiterlöhnen viel zu hoch wären, wenn nun noch deren Pensiousfähigkeit durchgeführt sein würde, könnten die Interessen der Metallarbeiter in dieser Organisation nicht mehr als gewahrt betrachtet werden. Auch in anderen socialdemokratischen Gewerkschaften macht sich das Bestreben, zu den früheren lokalen Organisationen zurückzukehren, bemerkbar.
■— In Hamburg entstand am 3. Mai durch Kurzschluß ein kleiner Brand in der elektrischen Gentrate, durch welchen die Jsolirung des Hauptkabels gestört wurde. Bis Mittag 1 Uhr waren sämmtliche Motoren- und Beleuchtungsanlagen in der inneren Stadt unterbrochen. Seit 1 Uhr ist die rechte Hälfte der Stadt wieder mit Strom versorgt, während der links von der Gentrate liegende Theil mit Nachhalls, Börse und Fernsprechamt bis Nachmittags 3 Uhr ohne Strom geblieben war. — Die Direktion der Hamburgischen Ettktrizilüts- werke macht bekannt, die Ursache der Stromstörung tt ge in einer Beschädigung des Kabelnetzes in einem Kanal unter den Schienen der Straßenbahn. Die Reparatur fei sehr schwierig, so daß, trotzdem Tag und Nacht gearbeitet werde, vor Freitag Abend oder Samstag früh der Strom nicht zu liefern sein werde. Die Erregung über die empfindliche, anhaltende Störung zahlreicher Geschäftsbetriebe ist allgemein.
— In Brauuschweig war der Arbeiter E. wegen Fahrraddiebstales zu 2 '|.3 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Er wurde dann durch den GenSdarmen nach dem Gefängniß geführt und dem Wärter übergeben Diesem sagte der Verurtheilte: „Ich bin heute ireige- sprochen, geben sie mir nur meine Sachen.« Darauf wurde er von dem Wärter ein ach in Freiheit gesetzt. Noch nie ist einem Zuchthäusler die Flucht so leicht gemacht worden.
Aus Thüringen, 27. April Eine unangen hme Uebcrraschung wurde jüngst einer Anzahl Botenfrauen der Umgegend von Rudolstadt zutheil. Sie wurden unve'miuthet kontrollirt, ob sie verschlossene Briefe zur We.ccrbcförderung mit sich führten. Bei einem großen Theil der Botenfrauen wurden solche auch vorgefunden Sie wurden auf das Postamt zitirt, wo ihnen eröffnet wurde, daß die Mitnahme verschlossener Briefe nicht gestattet sei. Die Botenfrauen, als auch die Absender der Briefe wurden in Strafe genommen. Möge dieser Fall als Warnung dienen!
Aus Obcrschlrsien, 25. April. Ein ernster Fall von Grenzverletzung durch russische Grenzsoldaten erregt hier nicht geringes Aufsehen. Zwölf Schmuggler beabsichtigten in einer der letzten Nächte die Landesgrenze in der Richtung von Preußen nach Rußland bei Woischnik zu überschreiten. Die Leute hatten sich im städtischen Forst von Lublinitz gelagert, um beim Morgengrauen aufzubrcchcn. Da wurden sie im Morgengrauen von russischen Grenzsoldaten Überfällen, von denen einer in einer Entfernung von drei Schritten auf die lagernden Schmuggler einen Schuß abgab, durch welche eine Person schwer und zwei andere hiebt verwundet wurden. Die Schmuggler flohen unter
von ganz kleinen Heuschrecken sollen sich jenseits des Jordans befinden, benen aher vorerst noch bis die Flügel gewachsen sind, der Fluß Hatt gebietet. Auch bei Hebron sind diese ungebetenen Gäste nieteten, und bei der Eisenbahnstation Belir, wo sie vor einigen Tagen in dichten Massen die Schienen besetzten, haben sie eine viertelstündige Verspätung des Zuges verursacht.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchteru, 9. Mai.
* — An dem hiesigen Lehrerseminar fiubet vom 19. d. J. ab die zweite Lehrerprüfung statt. Die mündliche Prüfung nimmt am 22. Juni ihren Anfang.
* — Jm Interesse einer pünktlichen Bestellung der nach 93 erlitt gerichteten Postsendungen ist es erforderlich, daß in'der Autschnft die Wohnung des Empfängers nach Straße, Hausnummer, Stockwerk rc. genau bezeichnet wird. Auch bient es wesentlich zur Beschleunigung der Bestellung, wenn außerdem der Poslbezirk (C., W„ 8., 8.0., u. s. w.) und die Nummer der Pogaustalt, in deren Ves-ellbczirk bie Wohnung geleg n ist, hinter dem Ortsnamen „Berlin" angegeben wird. tZ. B.s: C. 2, N. 4, 8.0. 33). Unterbleibt eine nähere Bezeichnung der Wohnung des Gmp ängers, so läßt sich eine Verzögerung in der Bestellung der Sendungen nicht immer venneiben.
* — Das Porto für Postanweisungen beträgt im ganzen Deutschen Reiche nur 10 Pfg. ms zu Betrügen von 5 Mark. Diese endlich erreichte Porto Ermäßigung wird oft unbeachtet gelassen. Viele Geschäftsleute erhalten noch kleine Beträge oou 2 uub 4 Mark durch Postanweisungen, die noch wie früher mit 20 P,g. frantirt sind. Wir machen deshalb hiermit nochmals an, diese Neuerung aufmerksam.
* — Wichtig für Viehhändler. Der Bestimmung einer Reg.-Pol Verordn, gemäß unterliegt zwecks Verhütung des Verschleppens von Viehseuchen alles, nicht aus dem hiesigen Regierungsbezirk stammende, namentlich also aus den angrenzenden bayerischen und ober hessischen Geb eten zu hiesigen Achmärkten eingebrachw Vieh, einer sechsiägigcn Beobachtungsfrist. Nachdem biete Bestimmung bisher in Hauau nicht zur Anwendung gelangte, wurde sie kurz vor bem vorigen für den 24. April angesehen Viehma»kt, nach dem Vorgehen der Polizeibehörde in Gelnhanseu, auch hier plötzlich der Vergessenheit entrissen und dem Kreisthicrarzt Weisung ertheilt, die Verfügung mit aller Strenge dnrchznführeu. Letzteres wäre nun für die theilwcye schon auf bem Weg nach Hanau befindlichen Händler, die der veränderten Sachlage noch kcnntnißloS gegenüberftanben, von größtem Nachtheil geworden. Um solchen zu verhüten, wandle sich das hiesige Viehmarkt-Comitö. an die Landwirthscha tskammer z»i Kassel mit der Bitte, bei dem Herrn Regierungspräsidenten vorstellig zu werden und ihn lücksichtlich des Umstandes, daß die betr. Ver- fügung bisher hier nicht veröffentlicht und nicht geübt worden sei, zu ersuchen, die Handhabung der fraglichen Bestimmung für dies eine Mal ausnahmsweise auSsetzen zu wollen. Dieseni Ansuchen wurde denn auch sofort entsprochen, daran jedoch die Mittheilung geknüpft, daß für die übrigen Viehmärkte die Bestimknnng aufrecht gehalten werden müsse. Daraufhin wandle sich das Viehmarkt-Comils abermals an die Landwirth chasts- fammer mit dem Ersuchen, anregen zu wollen, daß die äußerst lästige und wohl kaum durchführbare Verfügung gänzlich aufgehoben werde. Nunmehr ist die Aushebung jedenfalls zu allseitiger Be ricdigung der Händler seitens der Regierung verfügt worden und dürfte wahrscheinlich bereits in der nächsten Nummer des Amtsblattes bekannt gemacht werden. — Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, ist außerdem die Aushebung weiterer, lästiger und nicht gut durchführbarer Bestimmungen ins Auge gefaßt.
* — Mahnruf der Vögel im Frühling. Die gesamte Vogelschaar im Deulfchcn Reiche Hal in ihrer ersten diesjährigen Versammlung uachstchenden Mahnruf erlassen : Nachdem wir aus fernen fremden Landen in unsere alte liebe Heimath zurückgekehrt sind, in Wald und Feld, in Stadt und Land unsere früheren Wohiiungen bezogen haben, gedenken wir hier einen glücklichen Hausstand zu gründen und ein friedliches, fröhliches Leben zu führen. Wir stellen uns und unsere Nachkommen- schatt unter den krä tigen Schutz der Menschen und hegen die Hoffnung, daß sie insgesamt, alt und jung,