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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

38 38. Samstag den 13. Mai 1899. 50. Jahrgang.

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Etablissements haben den Wohnnngsnothstand hcrbci- geführt. Derselbe wi'd einige Monate anhalten, da die zahlreichen im Bau begriffenen Wohnhäustr erst innerhalb eines Vierteljahres bezogen werden können.

Köln. Einer der bekanntesten deutschen Prälaten, der Erzbischof von Köln, Karftnal Krementz ist in der Nacht zum Sonnabend gestorben. Er kränkelte schon seit längerer Zeit und seine Auflösung war bereits an gekündigt. Philipp Krementz hat ein Alter von fast 80 Jahren erreicht.

Düsseldorf, 6. Mai. Im benachbarten Benrath wurden drei Männer verhaftet, die dringend verdächtig sind, einen auf einer Radtour nach Westfalen befindlichen Kau wann aus $euel einer großen Geldsumme beraubt und ihn alsdann ermordet zu haben. Die Leiche des Kaufmanns wurde in einem Forste aufgefunben. Bei einem der Verhafteten wurde eine größere Geldsumme und Sachen vorgcmnden. die dem Ermordeten gehörten

Aus Mühlheim n. d. Ruhr wird berichtet, daß seit der Ankunft des 159. Regiments dort nicht weniger als 300 Dienstmädchen eingewandert seinen. Jetzt wird man bafelft wohl kaum über Dienn botenmang 1 klagen.

Vom Oberharz. Nachdem der Andreasberger Berg­bau seiner Zeit der berühmteste des ganzen Harzes seit längeren Jahren nur ein kümmerliches Dasein gef istet, scheint jetzt eine Wendung zum Besseren einzu­treten. In drei Schichten wurden für etwa 10 12000 M. gediegenes Silber gefördert.

Süben, 8. Mai. Heute früh ertranken 11 junge Burschen aus Löbnitz, welche von einem Tanzvergnügen in Rosa über die stark angeschwollene Mulde setzen wollten. Ein zwölfter konnte sich durch eine den Fluß hinabtreibende Tonne noch retten. Die Ueberfahrt, welche für gewöhnlich mittels Drahtseilfähre bewirkt wird, muß in ihrem letzten Theile, weil die Drahtseilfähre nicht ausreicht in einem Kahn bewerkstelligt werden, welcher, kurz nachdem er sich in Bewegung gesetzt hatte, kenterte. Wie von anderer Seite mitgetheilt wird, sollen sogar 14 Personen, unter ihnen der Fährmann, den Tod in den Wellen ge undcn haben.

Saarbrücken, 8 Mai. Seit heute Nachmittag streiken 4000 Mann Die A> bester verlangen Achtstundenschicht, einen Minimallohn von 5 Mark pro Tag für Häuer, Bildung von Arbeiterausschüssen. Eiuinhrnng von°Lohn- büchern und Schaffung von Badeanstalten.

Buybach, 2. Mai Ein heiteres Stückchen, das den Vorzug hat, wahr zu sein, wird derButzb. Zig." von hier berichtet. Dieser Tage kam in einen hiesigen Laden ein Mann von hier und kauckle Saaterbsen. Durch irgend ein Versehen nun wurde das Säckchen mit den Saaterbsen mit einem solchen verwechselt in welchem sich gerösteter Malzkaffee befand und dieser Malzkasfee wurde (was unbegreiflich erscheint) von dem Knecht auf des Betreffenden Ack r gesät. Erst zu spät gewahrte man der Jrrlhnm und der schöne Malzkafsee wird trotz allerEreseat und Floreat" unfruchtbar im Acker liegen dürste aber ein um so willkommener Leckerbissen für die Feldmäuse sein.

Darmstadt. AergernißerrcgcndeZustände am Ludwigs Georg Gymnasium deckt die Franks. Ztg." auf. Der Darstellung des Blattes sei Folgendes entnommen: Ecin Sohn des Herrn Oberschulraths Pros. Dr. Dettweiler wurde von seinem Klassenführer Dr Ahlheim für die lateinischen Exerzitien vorbereitet; einzelne schwere Wendungen, über die der Junge hätte stolpern können, wurden ihm eingepaukt. Der Knabe wurde auch für die griechischen Klassenarbeiten von seinem Lehrer vor- bereitet; besonders schwierige Ausdrücke in diesen Arbeiten (Uebersetzungen aus dem Griechischen in's Deutsche, die sonst von den Schülern ganz ohne Vorbereitung an gefertigt werden), wurden auch dem Vater vorher schriftlich mitgetheilt; dieser, der Herr Oberschulrath paukte sie dann dem Sprößlinge ein. Beweis: Eines Tages schrieb der Jungeungenügend". Um den Sohn zu entschuldigen, schrieb Herr Dr. Ahlheim dem Vater und Oberschulrath, er möge entschuldigen, er, der Lehrer habe diesmal den Brief zu spät abgeschickt: den Brief nämlich mit den üblichen Angaben. Diese Angaben waren so genau, ausführlich und gut, daß sie der Sohn gelegentlich an seine Kameraden vertäuten konnte. Die Franks. Ztg." fragt, was nun die Regierung diesen Thatsachen gegenüber zu tbun gedenke? Das Blatt ist gern bereit, der Regierung die nöthigen Zeugen für die Wahrheit obiger Behauptung zu nennen; aber nur dann,

N-»stpi!«^a?« ^ die Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen :------------------- Postanstalten und Landbrie trägern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hielt, wie aus Metz gemeldet wird, gestern Vormittag Truppenrevue auf dem Nebungs platze bei Freseati ab. Der Kaiser führte sein Regiment der Kaiserin vor, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe Langeuburg führte sein neuntes Dragonerrcgimeut vor. Um 211 war die Parade zu Ende. Nach dem Früh­stück beim Königs-Jufanterieregiment Nr. 145 teerte ber Kaiser nach Urville zurück, wohin die Kaiserin sich be reits alsbald nach Beendigung der Parade begehen hatte.

Bei seinem Aufenthalt in Wiesbaden wird an einem noch zu bestimmenden Tage, entweder am 14.

15. oder 16. Mai, der Kaiser auf Schloß Cronberg zum Besuch der Kaiserin Friedrich eintreffen und von dort einen Ausflug durch den Taunus zum Römerkastelt Saalburg unternehmen.

Der Kronprinz, der im 18. Lebensjahr steht, wird zum Ostertermin 1900 die Universität Bonn beziehen.

Eine bedeutsame Aeußerung des Finanzministers V. Miguel in Bezug auf die Handwerkerfrage ist soeben er'olgt. Der Minister, welcher von seiner früheren Thätigkeit her Beziehungen zu Osnabrück hat, schrieb wie mitgetheilt wird, an den Vorsitzenden des dortigen Jnnungsansschusscs unter dem 6. Mai d. I.:Ich habe zu meiner Freude gesehen, daß der Osnabrücker Handwerkerstand, dessen Organisation in Innungen wir in langen Jahren dnrchgesührt haben, den Muth noch nicht verloren hat, sondern anfängt, entschlossen gegen die Ungunst der Zeit mit eig ner Kraft anzukämpfen. Es gilt heute für den Handwerkerstand wie für die Bauern, durch festen Zusammenschluß diejenigen Vortheile, soweit möglich, sich anzueignen, welche das Großkapital und der Großbetrieb vor ihm voraus haben. Tüchtige Vorbildung, gute Buchuihrung, energisches Mitarbeiten des Meisters in der Werkstatt, billiger Kredit durch Kreditgenossenschaften unter Anlehnung an die preußische Centralgenossenschaftskasse, genossenschaftlicher Einkan' von Rohmaterialien, wo es möglich ist, genossenschaftlicher Verkauf, ja, soweit die Verhältnisse es gestatten, Bildung gemeinsamer Werkstätten unter Benutzung von Dampf­maschinen und anderen Motoren, jedennills Verwendung in der eigenen Werkstatt, diese und ähnliche Mittel welche die moderne Entwicklung barbietet, werden den Mittelstand auch heute noch erhalten und stärken, wie dies die ländlichen Genossenschaften täglich zeigen. Die Zeit der Privilegien und Monopole ist vorbei! Die durch die Gesetzgebung gegebenen Organisationsrahmen haben nur Werth, wenn sie durch Selbsthilfe uns wirthschaftliche Energie ausgefüllt werden. Vorwärts, nicht rückwärts, muß der Handwerker blicken, dann wird sein Ringen auch mehr Verständniß finden, sein Werth für die heutige Gesellscha t wird besser erkannt und sein Streben mehr als bisher auch von dcu übrigen Klassen der Bevölkeaung unterstützt werden." . . . v. Miguel.

Ueber die Entwickelung Tsintaus (Kiautschaos) wird neuerdings geschrieben: Unsere Kolonie entwickelt sich über alles Erwarten trefflich. Die Bauthäligkeit wird immer intensiver; sämmtliche größeren Firmen, die bisher gezögert, eigene, diesen Namen verdienende Ge­bäude zu errichten, haben jetzt die nöthigen Terrains erworben und lassen nicht nur Bureaus und Wohnungen sondern auch Waarenschuppen bauen. Jede Woche bringt uns neue Kolonisten. Ein umfassendes Telephonnetz ist in der Herstellung begriffen.

Kiel, 7. Mai In unserer Stadt herrscht augen­blicklich eine arge Wohnungsnoth. Am 1, Mai meldeten sich 15 Familien bei der Armenverwaltung obdachlos. Da diese nur für völlig verarmte Leute einzutreten verpflichtet ist, wurden 10 Familien zu ihrer Unter­bringung bei Stadtverwaltung zugewiesen. Den übrigen fünf Familien stellte man Räumlichkeiten im städtischen Armenhause zur Verfügung, da die Baracken bereits überfüllt sind. Dieses Anerbieten fand kein Entgegen­kommen, vielmehr zogen die Obdachlosen es vor, sich in den kleinen Gartenhäusern der Umgegend eiuzuqnartiren. Die Vergrößerung der Werften, das Verbot der Polizei, gewisse baufällige Arbeiterkasernen fernerhin zu bewohnen, das Niederreißen einer Anzahl Wohnungen im be riachbarten Gaarden zur Erweiterung des Kruppschen

wenn die Sache öffentlich verhandelt werde. Zum Schluß wird noch mitgetheilt, daß Herr Oberschulrath Dr. Detttweiler sich in Wort und Schrift als Gegner jeder Privatstunde bekannt hat, und als Beleg eine Stelle aus Dettweiler's BuchDidaktik und Methodik des lateinischen Unterrichts" zilirt

München, 6. Mai. Der Prinzregent hat dem Fürsten Albert von Thurn und Taxis anläßlich des 150jä^rigen Jubiläums den Titel eines Herzogs zu Wörch und Donaustaus verliehen.

Der 28 Jahre alte Strumpfwirker Otto Fiedler in Thun, halte vor sieben Jahren das Unglück, halb gelähmt und zugleich der Sprache beraubt zu werden. Nach und nach besserte sich der Zustand wenigstens so weit, daß Fiedler die Arbeit wieder aufnehmen konnte; die Sprache aber fand sich nicht wieder Kürzlich nun kam sein Bruder zum Besuch, weil die Mutter beider schwer krank darnieder lag; dadurch mag das Gemüth des Leidenden heftig erregt worden sein. Plötzlich konnte der sieben Jahre lang der Sprache beraubt gewesene junge Mann auf einmal wieder sprechen.

Auslands

Englind. Nachdem Großbritannien sich erst mit Frankreich, dann mit Rußland auseinander gesetzt hat, das Bischen Samoa Frage wird nebenher erledigt hält es die Zeit für gekommen, einmal mit Transvaal gründlich abzurechnen, und hier scheint es ihm auf einen Krieg nicht anzukommen.Daily Chronicle" erfährt, obwohl kein Ultimatum an Transvaal gesandt worden sei, 10 schlössen Chamberlain's Depeschen in Ton und Geist eine Verständigung aus, und auch Milner's Depeschen an die heimische Regierung seien durchaus nicht im versöhnlichem Sinne gehalten. Das sei ein deutliches Zeichen dafür, daß die Regierung beabsichtige, die Regelung der Angelegenheit zu erzwingen, selbst auf die Gefahr eines Krieges hin.

Amerika. Eines unverdienten Erfolges haben sich die Amerikaner auf den Philippinen zu erfreuen: Aguienaldo, der Führer der Eingeborenen, hat dem amerikanischen General Otis Beendigung der Feindseligkeiten angeboten unter der Bedingung, daß die Amerikaner die Unab­hängigkeit der Philippinen anerkennen und nur eine Schutzherrschaft über dieselben annehmen. General Otis verlangt aber zunächst vollkommene Unterwerfung, worauf die Eingeborenen natürlich nicht eiligeren ; denn eigentlich haben sie ja in den Kämpfen mit den Amerikanern bis­her den Sieg davongetragen. Zunächst ist ein Waffen­stillstand von 3 Wochen verabredet worden - bis zum Abläufe dieser Frist werden die Amerikaner wohl ein wenig bescheidener in ihren Forderungen geworden sein. Auch steht Admiral Dewey, der andere amerikanische Be- whlshaber vor den Philippinen, gar nicht auf dem schroffen Standpunkte des Herrn Otis, und in Washington wünscht man au 's Lebhafteste die Herbeiführung des Friedens.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 12. Mai.

* Versetzt wurde Lehrer Dippel von Wallroth nach Enkheim, Lehrer Schütz nach Wall oth, Lehrer Schreiber von Bellings nach Hinkelhof, Lehrer Lichteu­fet d nach Ahlersbach.

* -- Wir machen darauf aufmerksam, daß die Ein­zahlung der Staats-Einkommen-Steuer für das erste Vierteljahr 1899 bei Meldung der Zwangsbeitreibung bis spätestens den 16. Mai er. erfolgt sein muß.

* Am Sonntag fand in Gelnhausen eine Versammlung der Mühlenbesitzer aus den Kreisen Gelnhausen und Schlüchtern statt. Dieselbe hatte die Gründung eines KreisvereinS zum Zweck. Die Gründung desselben vollzog sich auch alsbald. In den Vorstand wurden gewählt: C. Hadermann-Schlüchtern, Vorsitzender, Schauberger-Niederzell, Schriflsührer, W. Traut- Salmünster, B. Röder-Orb, Jos. Stock-Kassel.

* Für die Besucher der vom 8. bis 13. Juni 1899 in Frankfurt a. M. stattfindenden Wanderaus­stellung der deutschen Landwirthschasis-Gesellschast wird nachstehende Fahrpreisermäßigung gewährt: Alle in den Zeit vom 7. bis 13. Juni 1899 einschließlich gelösten einfachen Personenzug- und Schnellzugsahrkarten I., II. und III. Klasse nach Frank urt a. M. sind zur Rück­fahrt nach der Abgangsstation bis einschließlich den 16. Juni 1899 unter der Voraussetzung gültig, daß der