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WemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch den 24. Mai 1899.

50. Jahrgang.

nnf dicSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen --- -""- Postanstalten und Landbrie-trägern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin. Der Kaiser, der am Mittwoch mit seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich, im Kreise der Offiziere des Regiments v. Gcrsdorff sveiste, hielt eine Rede, in der er sagte, er habe dem Regiment das Gründungs- jahr 1813 bestimmt und damit den Will n bekundet, daß es als aus dem kurhessischen Leibgarde-Regiment hervorgegangen zu betrachten sei. Er wünsche dem Regimente zu diesem Ehrentage Glück, ganz besonders deswegen, weil es zum ersten Male seinen Chef (die Kaiserin Friedrich) zu Gaste bei sich sehe. Fest über­zeugt sei er, daß das Regiment im Frieden wie im Kriege dem Andenken des Generals, dessen Namen es trägt, der ein Vorbild an Ritterlichkeit gewesen ist, Ehre machen und Hervorragendes leisten wird.

Die technischen Veranstaltungen, die in Deutsch­land jetzt getroffen werden, um die MinenauLfichten in Südwestafrika genau zu prüfen, schreiten rüstig vorwärts. In den nächsten Tagen schon geht aus Klmslhm im Harz, wo sich bekanntlich die berühmte Bergakademie be­findet, eine Expedition nach Südwestgfrika ab. Sie be­steht aus zehn Mann, nämlich einem Bexgmeister Eich- meyer, der die Führung übernimmt, acht Bergleuten aus dem Harz und einem aus Siebenbürgen. Die

Expedition gilt namentlich den Kupferminen in Süd-

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westa rika, die nach allen Anzeichen ein sehr reiches snltat erwarten lassen. Am 25. Mai schifft sich Kolonne von Hamburg nach Swakopmund ein.

Landwirthschaftliche Ermittelungen. Wie

die

die

Sudd. Rcichs-Corr." mittheilt, hat nach einem Beschluß des Bundesraths jedes Mal im Juni, zum ersten Male in diesem Jahre, im ganzen deutschen Reich eine Er­mittelung der landwirthschaftlichen Flächen, wie dies bisher im Dezember mittels der Ernteberichte geschehen, stattzufinden. Mit dieser Ermittelung der Anbauflächen wird im Großherzogtum Baden auch eine Erhebung der Zahl der Obstbäumc verbunden sein.

* Der Verkehr mit Ansichtspostkarten im Reichs­post. Gebiete zeigt noch immer eine außerordentliche Höhe. Da es Ansichtskarten heutzutage in jedem kleinsten Dorfe giebt, wenn das Bild vielleicht auch nur einen winzigen Bahnhof, eine Kirche, ein Spritzenhaus und einen Baum aufweist, so beläuft sich die Zahl der versandten Karten auf viele Millionen. Die Hauptaufgabestellen sind aber natürlich die bekannten Ausflugsorte und interessante Gegenden. Was an Postkarten von da aus in die Welt geschickt wird, zeigt die amtliche Zusammenstellung aus dem Jahre 1898. Vom Niederwald wurden be­fördert 216,000 Karten (1893: 13,900), vom Kysf- Häuser 168,000 1893: 51,000), von der Wartburg 146,000 (1893: 64,000), vom Brocken 144,000 (1890: 80,000), von der Schneekoppe 139,000, von der Rudels- burg 57,000, vom Heidelberger Schloß 45,000. Die Einnahme aus den Postkarten ist vom Jahre 1896 auf

1897 um 2,5 Millionen gestiegen.

Spaudau, 18. Mai. Ein eigenartiger Taufakt ist am Montag in der hiesigen evangelischen Garnisionkirche vollzogen worden. Ein aus den Reichslanden stammen« der Soldat, Obcrgcfrcitcr bcunGardc-Fnßartillericrcgiment gehörte bisher feiner Religionsgemeinschaft an. Er hat nun während seiner Mllitärzcit den erforderlichen Unter­richt erhalten und ist nunmehr getauft worden. Sein Hauptmann und sein Lieutenant waren die Täufzeugen.

In Braunschweig ist das große Warenhaus von Rudolf Karstadt völlig niebergebrannt. Der Schaden beträgt etwa eine halbe Million. Bei dem Brande sind fünf junge Mädchen in den Flammen umgekommen. Ein Schwerverletzter ist ebenfalls gestorben. Verschiedene Personen sind leicht verletzt.

Wahn. Bei den auf dem Schießplatz Wahncrhcide stattgefunbenen Artillerieschießübungen flog eine Reihe von Geschossen über die Schießplatzgrenze hinaus an? das Dorf Altenrath zu. Drei davon krepirtcn beim Aufschlagen und gruben metertiefe Löcher in den Boden unweit der Häuser, andere gingen über die Dächer und Platzten in der Luft, wobei Tausende Splitter über Aecker und Gärten flogen. Glücklicherweise ist niemand

verletzt, obaleick ein ac Leute in sehr gefährlicher Nähe wie man. hört, von der Grasnarbe an bis zu einer . ...

- - 9 - - - - Tiefe von sechs Fuß mit starken Goldtderu durchzogenschrfleu ge tifreten Pikal Dem Monarchm kredenzt wird,

der einschlagenden Geschosse sich befanden.

| Cöln, 18. Mai. Eine ergötzliche Scene trug sich dieser^ Tage in einem hiesigen Kaufmannshause zu. Ein Commis hatte davon gehört, daß ein gut zubereiteter Katzenbraten nicht zu verachten sei und demjenigen eines Hasenbratens an Geschmack gleidjf imme Er hatte es deshalb lange auf Nachbars Kater abgesehen, weihte einen Kollegen in sein Vorhaben ein, und so hatte denn bald des Katers letztes Stündlein geschlagen. Man zog ihm das Fell über die Ohren, lieh von der Köchin des Hauses einen Bratkessel mit dem Bemerken, man habe einen gespickten Hasen, den man im Keller auf dem für Lackznbereitnng bestimmten Ofen braten wolle. Die Köchin gab einen Kessel her und bald erschnüffelte der Hausknecht, daß im Keller ein köstlich duftender, wohl- gespickter Hasenbraten schmorte. Er machte sich heimlich an den Braten, und als die Commis Probiren wollten, war der Kessel leer. Unklugerweise machten sie nicht gute Miene zum bösen Spiele sondern höhnten und stichelten, der Dieb werde sich wohl an dem edlen Katzenvich den Magen verdorben haben. Alsbald wußte die Nachbarin, wo ihr Kater geblieben war, und die Commis saßen in der Patsche und mußten, um einer Anzeige zu entgehen, für den Dachhasen baare 10 Mark zahlen. Die Köchin, die erfuhr, daß in ihrem Bratkessel eine Katze gelegen hatte, verlangte energisch Mark 3.50 für einen neuen Kessel; auch diese Summe wurde erlegt, und auch noch von Jedem 5 Mark Ordnungsstrafe, mit welchem der Prinzipal die Entweihung seines Kellers ahndete. Die Hcrcingcfallcncn haben feierlichst darauf verzichtet, zu er ahren, wie ein Dachhase schmeckt.

Aus dem Rheingau schreibt man: Daß der Wein im Rheingau noch in prima Qualitäten zu haben und auch zu ansehnlichen Preisen immer noch erworben wird, bewies die staltgchabte Weinversteigerung des Gräflich Elzschcn Rentamtes in Eltville. Da kamen wieder ganz exquisite Süchelchen zum Vorschein und man kann bei­nahe sagen, die Weine wurden theilweise mit Silber ausgewogen. Für 28 Halbstück (insgesammt 16,800 Liter) wurden nicht weniger als Mk. 98,510 erlöst; schon die 1895er und 1897er wurden sehr gut bezahlt, als es aber an die 1893er ging, da wurden ganz sabel hafte Preise geboten. Nachstehend eine Blüthenlese da

gefüur waren, mit dem Vermerknähere Angaben ver­weigert" versehen. Darauf wurde sie zu einer Geld­strafe auf Grund der Polizeiverordnung vom 18. Juni 1876 verurtheilt. Gegen ihre Freisprechung in zweiter Instanz legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Das Kammergericht bestätigte die Freisprechung mit nach­stehender Begründung:Weigern sich Hotelgäste, ihr vollständiges National gemäß den Anforderungen der , . Ortspolizeibehörde anzugeben, so ist der Hotelloirth nur

Mk 70 0, 1 Halbstück Ranenthaler Balken Mk. 5800. verpflichtet, diese Weigerung der Polizei anzuzeigen, wie

!, Halbstück Eltvillcr Sonnenberg Mk. 8630, 1 Halb- j dies im vorliegenden Fall durch den erwähnten Vermerk

stück Eltviller Münchanach Mk. 10,000. Und wer mag! geschehen ist. Es hieße zu weit gehen, wollte man den

raus: 1 Halbstück (600 Liter) Eltvillcr Langenstück in H 1 an_____.xr' <... mmu Könn 1

nicht staunen, wenn er hört, daß ein Halbstück Eltviller Klümbchen bei einem Gebot von Mk. 14,500 zurück­

wandern sollte in die Elzschcn Kellereien! Schließlich fam es doch nochmals zum Ausgebot uub ging zum Preise von Mk. 15,000 in den Besitz der Firma Ge­brüder Drexel in Frankfurt a. M. über: 600 Liter Mk. 15,000 macht pro Liternur" Mk. 25,, da kann wohl den Ausruf eines Verstcigcrungsbesuchcrs würdigen:Zwee Schoppe 25 Mark was kotscht do c Wolkebruch?"

Ausland

Niederland. Am Donnerstag ist im Haag die auf Anregung des Zaren berufene sogenannte Abrüstungs- Konferenz zusammengetreten. Wie man in Rußland über die Abrüstungs-Frage denkt, sobald ihr praktisch näher getreten wird, dafür liegt ein neuer Beleg vor. DerRaswjedtschik," das offizielle russische Miltiär- Organ, räth nämlich in seiner neuesten Nummer der russischen Regierung, mit ihren Rüstungen eifrig fortzu- fahren. Nach der Ansicht des Blattes wäre ein Still­stand in den Rüstungen, bewirkt durch Rücksichten auf die Verhandlungen im Haag, deren Entscheidung ja noch ganz ungewiß sind, ein kaum wieder gutzumachender Fehler. Uebrigens hat das Verhalten der russischen Regierung in Bezug auf die eigene Wehrkraft auch seit dem August vorigen Jahres gezeigt, daß sie weit ent­fernt ist, in den von dem genannten Organ bekämpften Fehler zu verfallen.

Newyork. Neue Goldfelder. In Nordamerika giebt es durch die Entdeckung eines zweiten Klondike neuer­dings hochgradige Anfrcgnng. Ein Telegram aus Tacoma meldet, daß man in Cape Nome (Alaska) Goldfelder von geradezu fabelhaftem Reichthume anfgcfunden habe. Sie sollen nm vieles ergiebiger sein als die von Klondike.

Der ganze Distrikt strotzt förmlich von Gold und soll,

fein! In den Feldern von Anvil Creek und Snow Crcek sollen ,echs Diggers in der Zeit von drei Monaten für 60,009 Lstr. Goldstaub gefunden haben. Auch sonst klingen die Nachrichten über dieses neue Goldland geradezu märchenhaft. Wie vor 50 Jahren in Kalifornien, hat jetzt wieder ein wahres Goldfieber um sich gegriffen. Zahlreiche Lenke lassen Arbeit und Erwerb im Stiche, um im neuen Dorado ihr Heil zu versuchen. So weit die Kunde aus Amerika über dieses neue Goldland...

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 23. Mai.

* Zu der am 5. Juni beginnenden Schwur- gerichtspcriodc sind folgende Herren als Geschworene ausgeloost worden: Aus dem Kreise Schlüchtern: Meier Neuhof-Schlüchtern, Peter Mattheis-Romsthal, und Joh. Schauberger-Niederzell.

*In Allegheny, Pa., starb vor kurzem Nicolaus Frischkorn aus Sterbfritz, der vor 50 Jahren nach Amerika auswanderte.

* Infolge wiederholter aus den Kreisen des Publikums geäußerter Wünsche hat der Kultusminister angeordnet, daß die Apotheker in Zukunft jede ärztliche Verordnung auf dem Arzncibchältniß abschriftlich zu ver­merken haben. Zu diesen Vermerken sollen die Rück­seiten der Signaturfnhnc, der Schachtel ober des Pulver­kästchens benutzt werden. Schachteln, welche äußerlich anzuwendende Mittel enthalten, sind mit einer Signatur von rother Grundfarbe zu versehen.

* Von Wichtigkeit für Gasthofsbesitzer ist eine Entscheidung des Kammergerichts über ihre Verantwort­lichkeit bei Anmeldung der Gäste. Eine Berliner Gast- Hofsbesitzerin, Frau W., hatte die Anmeldeformulare, die von ihren Gästen nicht in sämmtlichen Rubriken aus­

Hotelbesitzer für die unvollständigen Angaben seiner Gäste verantwortlich machen. Ebenso wenig kann man ver­langen, daß der Wirth solchen Gästen die Aufnahme verweigert, zumal es nirgends Sitte ist, die Eintragung eines Gastes in das Fremdenbuch vor dessen Aufnahme zu vollziehen."

Fulda, 20. Mai. Der Bauer Heinrich Jller aus Grenzenhoi bei Motten war gestern hier in der Stadt, um Nachforschungen nach seinem seit vorgestern ver­schwundenen Kinde, dem 1A jährigen Karl Jller, anzu- stellen. Das Kind soll von Zigeunern mitgenommen worden sein, deren Spur nach Fulda hinwies. Die Be­mühungen des Vaters waren ohne Erfolg.

Gersfeld, 16. Mai. Die von dem Landwirthschaft- lichen Kreisverein hierselbst zum Ankauf reinblütigen Simmenthaler Zuchtviehes nach der Schweiz entsandte Kommission traf heute mit einem großen Transport Simmenthaler Zuchtthiere (einige 20 Bullen und Rinder) hier ein. Die Thiere sollen nächsten Samstag, den 20. Mai, Nachmittag 2 Uhr, im Gemeindesternwirthshanse oder in dem früheren Maul'schen Garten am Spar- broder Pfad öffentlich meistbietend versteigert werden.

Von der Rhön, 20. Mai. Obschon gegenwärtig die Aussichten für eine Fortsetzung der Bahnlinie Fulda Gersfeld nach Bischofsheim in Bayern nach einer an­geblichen Aeußerung des Eisenbahnministers Thielen wegen zu geringen Entgegenkommens der bayerischen Regierung nicht günstig sind, so besteht doch begründete Aussicht, daß die Bahnlinie FuldaTann nach der be­reits gesicherten Herstellung der Bahnlinie Salzungen VachaGeisa Hünfeld durch Fortsetzung nach Geisa Allschluß an diese Linie erhalten wird.

Caffel, 17. Mai. Die Ankunft Seiner Majestät des Kaisers würde, wie man aitneljmcn zu dürfen glaubt, Donnerstag, den 25. Mai gegen Abend erfolgen. An der Begrüßung in der Festhalle, woselbst der Ehrentrunk aus dem von den Mitgliedern der städtischen Körper-