Einzelbild herunterladen
 

SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

_____ Mittwoch, den U'MaslM 50. Jahrgang?

Npl^piln^^«»« auf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ~----- ' Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat für Sonntag 80 Delegirte des Tuberkulose-Kongresses nach dem Neuen Palais ge­loben. Im Allgemeinen sind mit dem Präsidium je zwei Vertreter der einzelnen Staaten geladen.

Die Prinzessin Heinrich von Preußen ist von ihrer Chinareise wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Sie ist am Sonnabend Nachmittag in Münster a. Stein eingetroffen.

Das Unwesen der Großbazare stecht bei uns augenscheinlich erst in seinem Anfänge. Sowohl der Umfang der einzelnen Geschäfte als auch die Zahl der­selben wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach sehr bald vermehren, wenn nicht bald und nachdrücklich dagegen eingeschritten wird. In Berlin steht eine Neugründung dieser Art bevor mit einem Anlagekapital von 12 Millionen Mark, wovon 5'/2 Millionen für den Grund­erwerb, 3 Millionen für das Gebäude und 3'/2 Millionen für das Waarenlager aufgewandt werden sollen. Und man braucht nur einen Blick in die Fachblätter zu werfen, so merkt man, daß diese Waaren Häuser überall wie die Pilze aus der Erde schießen. In einer einzigen, unlängst erschienenen Nummer des BerlinerKon- sektionär" waren 12 solche neue Gründungen angezeigt!

Dresden. Erklärliche Sensation erregt im Königreich Sachsen, daß der Schatzmeister des unter Protektion der Königin Carola stehendenAlbertvereins", Kommerzien- rath Hopsfe, 200,000 Mark Vereinsgelder unterschlagen habe. Bereits seit mehreren Wochen sind Gerüchte in Umlauf, nach denen bei der Kassenverwaltung des Albert­vereins namhafte Fehlbeträge festgestellt worden sind. Sie belaufen sich insgesammt auf circa 200,000 Mark und sind auf Veruntreuungen des bisherigen Schatzmeisters zurückzuführen. Es fehlen die Erträgnisse der Lotterie der Kassenverwaltung des Vereins in den letzten neun Jahren sowie die laufenden Einnahmen des Jahres 1898, dessen Abschluß noch nicht fertig gestellt war, und des Jahres 1899. Das hohe Ansehen, welches der bisherige Schatzmeister allenthalben bis in die höchsten Kreise genoß, in Verbindung mit der tadellosen Korrekt­heit der Bücher der Kassenverwaltung, haben die Ent­deckung der Veruntreuung so lange Zeit verhindert Zum stellvertretenden Schatzmeister des Vereins ist bis auf Weiteres Generalleutnant Müller v. Bcrneck bestellt worden. Der Defraudant, Kommerzienrath Hopste wurde verhaftet und in das Untersuchungsgefängniß gebracht. Kommerzienrath Hopste war eine der angesehensten Per­sönlichkeiten der Residenz und auch am königlichen Hofe wohlgelitten und vielfach ausgezeichnet. Er besaß einst selbst ein beträchtliches Vermögen, war Inhaber eines großen Geschäftes und ist noch Besitzer mehrerer Häuser. Ob aber noch so viel Vermögen vorhanden ist, daß der Verein sich wird schadlos halten können, erscheint sehr fraglich. Man nimmt an, daß Hopste in verfehlten Spekulationen die bedeutenden Summen verloren hat.

Liegnitz. Wie jüngst gemeldet, soll sich der Fürst­bischof Dr. Kopp aus Breslau anläßlich seiner jüngsten Anwesenheit in Liegnitz dadurch gekränkt gefühlt haben, daß bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof in Liegnitz die Spitzen der Behörden, insbesondere der Regierungs- Präsident und der Oberbürgermeister, nicht zu seinem Empfange erschienen waren. Hierzu dürfte eine Notiz über Fürstbischof Kopp von Interesse sein, die sich auf seine Vergangenheit und seine Herkunft bezieht. Der­selbe ist in dem hannoverschen Städtchen Duderstadt aus dem Eichsfelde geboren und der Sohn sehr einfacher, mittelloser Eltern. Herr Kopp, dem zum Studium die Mittel fehlten, fand in Hildesheim als Telegraphist Beschäftigung und nachher Anstellung. L>o hat Herr Kopp angefangen. Nachher hat er, da seine großen Fähigkeiten erkannt wurden, auf Kosten Anderer das geistliche Fach studirt und es bis zum Fürstbischof und Kardinal gebracht, der jetzt auch stets mit fürstlichen Ehren empfangen werden muß. Tempora mutantur et nos mutamur in illis 1

Glogau, 26. Mai. 3300 Centnee Rosinen ruhen seit einigen Tagen auf dem Grunde der Oder. Bei Weidisch ist nämlich ein vor Anker gelegenes, mit Ro­

sinen beladenes Fahrzeug, dessen süße Ladung nach Breslau bestimmt war, plötzlich gesunken. Die Schiffs- bemannung vermochte nur mit genauer Noth das nackte Leben zu retten. Die ganzen Habseligketten der Leute sind mit in den Fluthen begraben.

Barmen, 26. Mai. Vor einiger Zeit traf den hiesigen Zahntechniker H. der merkwürdige Unfall, daß er auf dem Hofe des Spediteurs K., wo er eine Aus­kunft wünschte, von einem Heubund heftig an den Fuß getroffen wurde. K.'s Stallknecht war eben dabei, den täglichen Futterbedarf vom Heuboden auf die einfachste Weise hinunterzubefördern; er hatte zwarAchtung" gerufen, sich aber nicht der Wirkung seines Rufes ver­gewissert und so das Unheil angerichtet. Der Zahn­techniker erlitt einen Knöchelbruch, war Monate lang verhindert, seinen Beruf auszuüben, und beanspruchte von dem ersatzpflichtigen Arbeitgeber des Knechtes für Heilungskosten und Verdienstausinll eine Entschädigung von über 2200 Mark. K. hat für das seiner friedlichen Bestimmung zuwider so anstößig wirkende Heubündel bereits 1352 Mark bezahlt.

Linz. Vom Gemeinderath zu Hemmersbach wurde beschlossen, eine Belohnung von 320 Mark Demje­nigen zukommen zu lassen, welcher mit Erfolg Jemanden zur Anzeige bringt, der vorsätzlich ein Nest von Sing­vögeln zerstört, die Eier oder Jungen ansnimmt, oder Singvögel abfängt. Für jeden einzelnen Fall von Nach- tigallenfang werden 20 Mk. gezahlt.

Aus der Pfalz. Admiral Kautz derHeld" von Samoa, stammt, wie jetzt bekannt wird, aus Deutsch- land; er wurde in Jspingen bei Pforzheim in der Pfalz geboren. Sein Vater betrieb daselbst eine kleine Tischlerei und wanderte in den vierziger Jahren mit seiner Familie nach Baltimore aus. Anfangs der fünfziger Jahre siedelte er nach Ohio über, wo er die erste deutsche Weinrebe pflanzte und später eine große Weinfarm er­richtete. Seine beiden Söhne, August und Albert, ge­nossen auf deutsch-amerikanischen Schulen ihre Aus­bildung, und jeder von ihnen machte Karriere. Anglist K. ist gegenwärtig General der amerikanischen Reiterei und Albert K. Admiral der amerikanischen Flotte. Als solcher wurde Albert K. durch den Samoa-Zwischenfall in weiteren Kreisen bekannt.

Mainz, 27. Mai. Heute wurden sämmtliche hier beschäftigten Italiener mit ihren Familien vom Kreis­gesundheitsamte zwangsweise geimpft. Nach dem Niedeirhein gingen heute aus der Wormser Umgegend die ersten Kirschen ab. Wegen Nahrungsmittelver­fälschung und Verkaufs von gesundheitsschädlichem Fleisch hatte sich heute vor der Strafkammer der hiesige Metzger Andreas Jacobi zu verantworten. Er hatte in Heidcs- hnm eine todtkranke Kuh zu 75 Mk. gekauft, sie noch schnell bei dem Landwirthe geschlachtet und das Fleisch in Mainz eingeschmuggelt und an seine Kunden verkauft. In der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der An­geklagte häufig auf dem Landederartiges Fleisch" kaufe. Der Ober-Staatsanwalt Dr. Schmidt bezeichnete das Geschäft des Angeklagten als eineAasmetzgerei". Das Gericht verurtheilte ihn zu sechs Wochen Gefängniß und 150 Mark Geldstrafe. Das Unheil soll in dre Zeitungen publizirt werden.

Im Dorfe Hildenbach im Fichtelgebirge gerieth das Anwesen der Gastwirths-Witwe Preiß in Brand. Als einer der ersten, die helfend und löschend eintreten wollten, erschien an der Brandstätte der frühere Hilden­bacher Bürgermeister Küspert. Kurz vorher, zwischen 12 und 1 Uhr nachts, wurde er gewaltsam aus dem Gasthause entfernt. Bald verbreitete sich das Gerücht, daß Küspert das Anwesen angezündet habe, da er Rache wegen verschmähter Liebe brütete. Von der Gendarmerie ins Verhör genommen, verwickelte sich Küspert in so ausfallende Widersprüche, daß seine Verhaftung erfolgte. Küspert war 24 Jahre Bürgermeister, ist 70 Jahre alt und besitzt ein beträchtliches Vermögen.

Baden-Baden. Ein gewiß seltenes Fest konnten neulich zwei Bürger Baden-Badens^ begehen; die Zwillingsbrüder Franz und Michael Stephan feierten in voller Rüstigkeit die Vollendung ihres 90. Lebens­jahres. Ein im 76. Lebensjahr stehender Bruder, der gerade vor einem halben Jahrhundert nach Amerika auswanderte, ist aus diesem Anlaß zum ersten Male nach der Heimath zurückgekehrt, um seine Brüder und seine 81jährige Schwester zu sehen, J

Lokales it«d Provinzielles.

* Schlüchtern, 30. Mai.

* Wie man hört, ist das Projekt der Beleuchtung der Straßen unseres Städtchens mit electrischen Licht jetzt soweit gediehen, daß die Unterhandlungen mit einer Bremer Firma zwecks Ausführung der Anlage in die Wege geleitet worden sind. Vorgesehen ist eine combi- nirte Belenchtungsart mit Gasglühlicht und Electrischem Licht. Die bctr. Firma macht die Anlage für eigene Rechnung.

* Die Unsitte, kleine Kinder vorn auf das Rad zu setzen, hat, wie schon oft, mich in Koblenz recht böse Folgen gehabt. Ein Radfahrer hatte vor sich ein Kind im Alter von 3 Jahren auf dem Rad, stieß gegen einen Stein und das Kind flog in weitem Bogen auf die dort liegenden Pflastersteine. Das Kind hat schwere Verletzungen am Kopf davongetragen. Möge der Vorfall zur Warnung dienen!

* Alle Neune! Eine wichtige Entscheidung für die Liebhaber des Kegelsports wurde in der gestrigen Schöffengerichtssitzung in Mainz gefällt. Verschiedene Herren sollen am 20. April imClub zur Geselligkeit" dadurch groben Unfug und Ruhestörung verübt haben, als sie in ihrer Eigenschaft als Kegelclubmitglieder über die elfte Stunde Nachts hinaus gekegelt hatten. Der in der Nähe wohnende A'zt, Hcrr Dr. Görtz, hatte sich in seiner Ruhe gestört gc ühlt und Anzeige erhoben. Einer der Herren, ein Kaufmann, nahm die ganze Säche aus sich, verlangte aber richterlichen Entscheid. Der Vertheidiger, Herr Dr. Sichel, beantragte Freisprechung, weil ein Gesetz oder Bestimmungen über die Zeitdauer des Kegelus nicht beständen. Herr Staatsanwalt Dr. Jungk, welcher den Amtsanwalt vertrat, ersuchte um Berurtheilung. Die Herren, welche den besseren Kreisen angehörten, können Abends früher mit ihrem Kegelspiel beginnen, dann wären sie um 11 Uhr fertig. Andere Leute, welche beim Tage arbeiten müßten, wollen Nachts ihre Ruhe haben und nicht gestört sein. Das Gericht war der Ansicht, daß das Publikum nach 11 Uhr Ruhe verlangen könne, wenn über 11 Uhr hinaus gekegelt werde, sei dies eine ungebührliche Ruhestörung. Es verurtheilte den Kaufmann zu l Mark Geldstraie.

* Aus der Strafkammer-Sitzung vom 24. Mai. Die Dienstmagd Schleich, jetzige Ehefrau Grün und ihre Mutter Ww. Schleich von Eckardroth haben sich wegen Diebstahls und Hehlerei zu verantworten. Erstgenannte Angeklagte war vor ihrer Verheirathung in der Kuran­stalt Vitriarins in Bad Soden bei Salmünster bedienstet und machte sich die Gelegenheit, auf billige Weise zu einem Theil ihrer Ausstattung zu gelangen, zu Nutze, indem sie Wüjchegcgenstände, silberne Löffel, Gabeln und Messer entwendete, in einen Koffer verpackte und diesen von ihrer Mutter, der Mitangeklagten, nach Westfalen, wohin sie mittlerweile abgereist war, nachbringen ließ. Der Behauptung der Wwe. Sch., sie habe von dem Kofferinhalt keine Ahnung gehabt, schenkt das Gericht keinen Glauben, sondern nimmt an, daß sie sich der Begünstigung schuldig gemacht habe. An und für sich wäre dies Vergehen bezügl. der Beklagten, da ersteres einer Angehörigen gegenüber, um sie der Bestrufung zu entziehen, bewerkstelligt wurde, straflos; der Ltrafaus- schließungsgrund wird jedoch als nicht zutreffend erachtet, da angenommen wird, daß Wwe. Sch. gleichzeitig die Vortheile des Diebstahls der Tochter sichern wollte. Das Urtheil lautet für Ehefrau G. auf 9 Monate, für ihre Mutter auf 2 Monate Gefängniß. In einer eigenartigen Betrugssache hatte sodann die Strafkammer als Berufsinstanz zu entscheiden. Drei Taglöhner Schn., R. und K. waren am 26. September 98 von der Wwe. Wilhelmine D. zu Rückingen als Getreidedrescher ange- worben worden. Nach Erledigung ihrer Arbeit ver­langten sie Auszahlung des vereinbarten Lohnes und beharrten auch auf ihrem Ansuchen mit der Bemerkung, daß sie unbedingt weiter müßten, die Frucht sei vorzüg­lich gedroschen, nachdem die Auftraggebern! erklärt hatte, die Güte der Arbeitsleistung erst kontroliren lassen zu wollen. Demzufolge wurde ihnen der Betrag von rund 19 Alk. ausgezahlt. Am nächsten und nächst­folgenden Tag erhielten sie gleiche Beschäftigung bei Maurermeister H. dorten, dem sie am Abend des zweiten Tages mit demselben Anliegen kamen Auch hier wurde ihnen auf ihr Drängen und die Versicherung, daß nur gute Arbeit geleistet sei, rund 12 Mk. Lohn gezahlt,