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Erscheint Bcittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 50

Samstag, den 24. Juni 1899

50. Jahrgang

Wer eins NMMn

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß 'ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land-

brieft äger ist verpflichtet, Abonnements Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellunsett auf das mit 1. Juli 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist in Kiel eiugetroffen und vom gesummten im Hafen liegenden Geschwader und den Schulschiffen durch Salut und Hurrahrufen der Bc satzungcn begrüßt worden. Des Kaisers erste Landung galt einem Besuch bei der aus Ostasien heimgekehrten Prinzessin Heinrich. Der Monarch laugte von der JachtHohen- zollcrn" im Kaiserboot, letzteres selbst steuernd, im Hafen an.

Der Reichstag nahm einstimmig einen Antrag an, sich bis zum 14. November zu vertagen.

Der Ernteertrag war in Preußen nach der jetzt vorliegenden endgiltigen Statistik für 1898 bei den meisten Frnchtarten so groß wie noch nie zuvor in den letzten Jahrzehnten. Winterweizen sind 18,484 453 Doppelcentner gewonnen, Roggen 55,23 Mill., Sommer­gerste 12.26, Hafer 36,08, Erbsen 2,04, Kartoffeln 218,5, Zückerrüben 91,58, Klee 40,72, Wiesenheu 93.34 Mill. Doppelzentner.

Koburg. Derklingende Punkt" in der Koburger Erbfolgefrage. DasGothaische Tageblatt" antwortet in seiner jüngsten Nummer im Briefkasten des Blattes einem Herrn B. Z. in Berlin:Die Salbadereien der meisten Berliner Blätter über unsere Thron'olgefrage entspringen nur der Unkenulniß der Artikelschreiber über unsere staatsrechtlichen Verhältnisse. Das dem Staats- grundgesetz gleich geachtete Domäuen-Abkommen vom Jahre 1855 bestimmt, daß das gefammte Domäneugut im Falle des Nichtmehrregierens der jetzigen Linie an dieselbe als Haus- und Familien-Eigenthum zurückfällt. Das will so viel sagen, daß wenn wir dem Rathe der Berliner Blätter folgen und mit Zuhülfenahme der Reichsgesetzgebung eine neue Dynastie berufen bezw. anerkennen wollten, das gefammte Erträgnis; der Domänen (gegenwärtig etwa 1 300 000 Mk. für das Jahr) dem Lande völlig verloren gehen würde. Außerdem hätte das vereinigte Herzogthum noch für die Civilliste der neuen Dynastie au'zukommen. In solchen liefein- schneidenden Geldsachen hört aber nicht nur die Ge­müthlichkeit, sondern selbst der hochgradigste Mund Patriotismus auf."

Erfurt, 20. Juni. Zur letzten Minute erreichte gestern in Apolda der Techniker Paul Röhrstedt mit Mühe und Noth den nach Erfurt abgehenden Personen- zug. Schweißtriefend begab er sich an's Wagenfensler, um seinen Angchöugen den Scheidegruß zu entbieten. Doch im selben Augenblick legte sich ein tiefer Schatten aus seine Augen. Dunkel wurde es rings um ihn her. Als der Bedauernswerthe in Erfurt ankam, war er vollständig erblindet; er wurde nach Halle in die Klinik gebracht.

Münden, 17. Juni. Es dürfte nicht allgemein be­kannt sein, daß der Wäschereibesitzer Joh. Zimmermann seit Jahren lautM. Nachr " ständig die Wäsche :ür die kaiserlichen Prinzen in Plön besorgt. Gestern war die Wäschcmamsell von Wilhelmshöhe zum Besuch der Zimmermannschen Anstalt anwesend.

Aus dem Münstcrlande, 19. Juni. Das bei Borken gelegene Wenn -- eine große Moor- und Haidcfläche - trennt seit zwei Tagen. Erfahrungsgemäß kann ein solcher Brand monatelang dauern.

Mayen. Als das Dienstmädchen einer Herrschaft auf den Boden gehen wollte, sprang ihr dort ein zwölf­jähriger Bursche mit dem Messer in der Hand entgegen. Bei der Visitation des Burschen durch die Polizei kam ein Messer, eine Schnapsflasche, eine Rolle Tabak nebst Pfeife und Streichhölzer zum Vorschein. Der vielver­sprechende Jung-, welcher sich schon 8 Tage vom elter­lichen Hause fernhält, wurde in Haft behalten.

In einem Haus in Fricdrjchslhal bei Saarbrücken explodirte mit furchtbaren Knall der Feuerherd; die umher geschleuderten brennenden Kohlenmassen und glühenden Eisentheile verletzten die im Raum anwesenden

Personen, Vater, Mutter und Kind, sehr erheblich. Man vermuthet, daß unter den Kohlen sich eine von der bergmännischen Sprengarbeit herrührende Patrone befand.

Mannheim, 20. Juni. Das gestrige Unwetter er­streckte sich über Friedrichsfeld, Ladenburg und Schrics- heim. Ein einstündiges schreckliches Schlossenwetter zer­störte fast die ganze Ernte. Verschiedenes Vieh ist er­trunken. Die Herstellung künstlicher Kohle für Ofen brand und Kesselfeuerung scheint einem schlichten Arbeiter Namens Montag in Mannheim gelungen zu sein. Wie nämlich berichtet wird, fanden in einer dortigen Brauerei Brennproben mit der aus Eibe und allen möglichen mineralischen Abfallstoffen hergestclltcn Kohle statt Die Versuche sollen in höchst befriedigender Weise gelungen sein. Zur Ausbeutung der Erfindung well eine Gesell­schaft ein Gelände ankau cn.

Frirdvcrg (Hessen), 19. Juni. Ein Gewinn von 200 000 Mark aus der Aachener Dombaulotterie kam in die Kollekte des Kolonialwaarenhändlers und Unter- Kollektcurs Stamm hierselbst. Ein Viertel davon erhält der in mäßig bürgerlichen Verhältnissen lebende Küfer Karl Müller, ein anderes Viertel der Halbinvalide und frühere Eisenbahnbremser Senn dem s. Z. ein Fuß ab- gequetscht wurde, und das dritte Viertel der im Geschäfte - des Herrn Stamm eingestellte Lehrling. Das letzte Viertel entfällt auf einen bäuerlichen Besitzer in Reichels- Heim in der Wetterau. Sie könncn's aber alle vier gut brauchen, und deshalb ist der Gewinn recht erfreulich.

Hauptquartier, stattiand, einer fürchterlichen Niederlage entronnen. Hätten sie nicht die Geschütze der im Hafen liegenden Kriegsschiffe wirksam unterstützt, dann würden die Filipinos höchst wahrscheinlich sich der Hauptstadt ihres Landes bemächtigt haben.

Ausland

London, 21. Juni. Der Kabinetsrath unter dem Vorsitz Salisburys lehnte des Anerbieten der kontinen­talen Mächte, die Differenzen durch ein Schiedsgericht zu regeln, ab, beschloß dagegen, alle Vorbereitungen zu einem Fcldznge gegen Transvaal zu treffen. Nach Gibraltar, Egypten und Indien ist der Befehl ergangen, Truppen in der Stärke von 45,t 00 Mann zum Ein« schiffen nach der Delagoa>Bay und Natal bereit zu halten. .

Niwyork. In Newyork hat bereits die Hundstagshitze eingesetzt. Die Stadt leidet furchtbar unter Hitze, Wasser­mangel und daraus resultirende Dürre. Viele Todes fälle infolge Sonnenstichs werden gemeldet. Infolge der Dürre sind die Preise aller Gemüse um 50 und mehr Prozent gestiegen, was unter den ärmeren Klassen einen sehr fühlbaren No hstand hervorruft Seit dem 22. März ist nur 1 Zoll Regen gefallen. Der Centralpark ist vollständig verdorrt und die Bäume sterben hier wie in den Avenuen ab. Brooklyn ist von einer vollständigen Wassernoth bedroht. Die Ernte in New-Chersey ist be retts zerstört und Trinkwasser immer schwieriger zu bekommen. Für die Hunderttausende, welche in den Tenelycothäusern und in den engen Vierteln der unteren Stadt wohnen, ist der Sommer in New-Aork eine wahre Hölle. Die Leute liegen Nachts fast nackend vor den Thüren. Tausende flüchten sich in die kleinen städtischen Parks, wo es ihnen von 11 Uhr Nachts bis 4 Uhr Morgens erlaubt wird auf den Bänken sitzend zu schlafen. Die Wohlhabenden suchen Kühlung auf den vielen Dampfern und Fährboten, die zwischen Long Island, Jersey, Skaten Island unb anderen Plätzen an der Küste des Ozeans oder an den Ufern des Hudson und des East-River fahren. Die städtischen Einrichtungen für das Volk wie Bäder und die segensreichen Frischluft- Piers, reichen bei weitem nicht aus. Ein großer Uebel- stand ist es auch, daß das Lcitungswasscr in den Häusern schon Anfang Juni fast lauwarm wirb, so daß es kein erfrischendes Hausbad mehr abgiebt.

Manila. Die Amerikaner haben wieder einmal die Tapferkeit und ungemeine Kühnheit der Filipinos am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Mit knapper Noth sind sie in dem Gefecht vom 13. d. Alts., das in un­mittelbarer Nähe von Manila, also ihrem eigentlichen

Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 22. Juni.

* Von Frankfurt a. M. wird geschrieben: Es wird beabsichtigt, Kinder aus Familien des Mittelstandes : in geeigneten Familien auf dem Lande (Lehrers-, Pfarrers- . und Försters Familien) während der Ferien unterzu­bringen. Die Kinder sollen in der Familie eine ländlich einfache dabei reichliche und kräftige Ernährung erhalten und als Familienglieder betrachtet werden. Der zu zahlende Preis richtet sich nach dem Verhältniß des Gebotenen. In je einer Familie dürfen bis zu fünf Kinder Aufnahme finden. Doch wird vorausgesetzt, daß die Garantie einer guten Verpflegung und Beaufsichtig­ung gegeben ist. Die Verpflegungsstellen werden vor ihrer Beietzung besichtigt. Familien, die zur Aufnahme von Pensionären bereit sind, wollen sich unter Angabe der näheren Verhältnisse (Entfernung des Ortes vom Wa^-. Größe der Wohnung rc.) an den Lehrer Ed. l Schultheis, Frankfurt a. M., Waldschmidtstraße 53 p., wenden.

* Die gegenwärtig noch Gültigkeit habende Bau- Polizei Ordnung für den Regierungsbezirk Cassel vom Jahre 1895 soll einer Umünderug unterzogen werden. Die einzelnen Stadt- und Kreisverwaltungen rc. sind regierungsseitig um Einreibung von Vorschlägen ersucht worden.

* Ein neuer Lehrplan für die Seminare und Präparantenanstalten wird nach der Preuß. Schulztg. im Kultusministerium aufgestellt. Danach sollen die Präparandenanstalten organisch mit den Seminaren ver­bunden werden und der Unterricht in den Seminaren soll nur eine Fortsetzung des Unterrichts in den Präpa- randenanstalten sein, während gegenwärtig in der dritten Seminarklasse nur das Pensum zur Behandlung kommt, das in der ersten Piäparandcnklasse schon behandelt worden ist. Der Seminarkursns würde demnach ein sechsjähriger sein, und wenn in den Lehrplan dann eine ober zwei fremde Sprachen als obligatorische Unterrichts- gegenstünde mit ausgenommen würden, was schon in Rücksicht auf den einjährigen Militärdienst als dringend nothwendig erscheint, so würde damit den Wünschen der Lehrer sehr entgegengckommen fein. Ueber die Größe der Dienstwohnungen für Landschullehrer sind wieder­holt Kundgebungen der obersten Uuterichtsbehörde er­gangen, die sich als allgemeine, dem Verwaltungsrichter biet nde Anordnungen über die Auchührungen der Schulbauten darstellen. Es ist nun wiederholt vorge- kommen, daß Landschullehrer bei dem Minister vorstellig wurden, weil sie sich nicht im Besitze solcher Wohnungen befanden, wie sie in dem Erlassen vorgesehen sind. Daraufhin ist nun festgestellt worden, daß sich die vom Minister ausgestellten Normen nur auf Neubaufälle beziehen, nicht aber ohne Weiteres auf bereits vorhandene Lehrerwohnungen anwendbar sind.

* Eine Krisis in dem Schulbücherhandel. Von derSchulbücherfrage" wissen allen Eltern zu erzählen, die Kinder in die Schule schicken, an die immer kürzeren Zwischenräumen die Forderungen für neue Schulbücher herantreten, ohne daß es ihnen irgend verständlich wird, warum das alte nicht mehr gebraucht werden kann und warum das neue irgend besser ist. Der Rückstoß dieses Zustandes zeigt sich auch schon im Buchhandel selbst, für den in erster Linie dieser fortwährende Wechsel vortheilhaft scheinen könnte. Der Allg. Buchhändlerztg. schreibt ein Fachmann:Kürzlich wollte ich in einer Buchhandlung in einer rheinischen Stadt einige Schul­bücher kaufen. Da theilte mir der Buchhändler mit, er Mre keine Schulbücher mehr; die Sache sei nicht