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SchWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 2. August 1899

50. Jahrgang

Rp^I»!!ltr»ai»« "^ bie -Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ........ =- - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Juli. Die Kaiserliche Familie wird Anfang August auf Schloß Wilhelmshöhe vereint sein. Voraussichtlich trifft die Kaiserin schon am 2. August in Wilhelmshöhe ein. Auch treffen alsdann die ältesten Prinzen aus Tirol dort ein, um ihre wegen der Ferien unterbrochenen Studien fortzusetzen, bevor sie wieder von Wilhelmshöhe nach Plön in Holstein übersiedeln. Der Kaiser trifft, von seiner Nordlandsreise zurückkehrend, heute in Bergen ein und verbleibt dort am 29. und 30. Juli. In Kiel kommt er am 1. August morgens an. Er wird erst am 4. August am Spätnachmittage in Wilhelmshöhe erwartet.

Die Kaiserin geht schon ohne Stütze. Sie wird Berchtesgaden am 2. August verlassen und sich nach Wilhelmshöhe bei Cassel begeben, wo sie längere Zeit zu verbleiben gedenkt mit Ausnahme der drei ältesten Prinzen und zwar des Kronprinzen Wilhelm und der Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, welche am 9. August zur Fortsetzung ihrer Studien wieder im Prinzen­hause zu Plön ihren Einzug halten werden.

* ImJustizministerialblatt" wird eine Ueber­sicht der infolge Einführung des Bürgerlichen Gesetz­buches auf Gründ des Gesetzes betreffend die Versetzung richterlicher Beamter in den Ruhestand zur Erledigung kommenden Richterstellen veröffentlicht. Danach sind voraussichtlich neu zu besetzen: am 1. Oktober 1899 Oberlandesgerichtsrathsstellen bei den Oberlandesgerichten in Breslau, Frankfurt, Kiel und Naumburg; Land­gerichtsdirektorstellen in Glogau, Ratibor, Altona, Danzig und Bromberg, ferner Land- und Amtsrichterstellen bei zahlreichen Land- respektive Amtsgerichten; am 1. Januar 1900 Oberlandesgerichtsrathsstellen bei dem Kammergericht und bei den Oberlandesgerichten in in Breslau, Kassel, Köln, Hamm, Kiel, Königsberg, Marienwerder, Naumburg und Stettin, Landgerichts­direktorstellen in Berlin I, Görlitz, Ratibor, Kassel, Koblenz, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Essen, Flens- burg, Jnsterburg, Königsberg, Lyck, Danzig, Torgau und Lissa; ferner Richterstellen an zahlreichen Land und Amtsgerichten.

Die Sparkassen werden durch den auf sie aus- geübten Zwang, Staatspapiere anzukausen, arg geschädigt. Aus München-Gladbach wird berichtet:Zum ersten Male schließt die städtische Sparkasse in ihrer Rechnung für 1898 99 mit einem Verlust, der durch das Sinken der Kurse für Staatspapiere u. j. w. hervorgerufen wurde. Der Kursverlust belehrt sich auf 102 387 Mk. so daß der Verlust der Sparkasse trotz eines sonstigen Betriebsgewinnes von 48,365 Mark sich auf 54,022 Mark beziffert."

In Sachen der Maifeier hat das Berliner Ge­werbegericht folgende prinzipiell wichtige Entscheidung getroffen. Der § 123 der Reichsgewerbeoldnung ei or­dert als Voraussetzung ein unbefugtes Verlassen der Arbeit. Nun kann es keinem Bedenken unterliegen, daß das Ausbleiben aus der Arbeit gerade am 1. Mai ohne die Genehmigung des Arbeitgebers alsein un­befugtes Verlassen der Arbeit" aufzufassen ist. Hier handelt es sich nicht mehr um ein eigentliches, etwa auf Bequemlichkeit dieses oder jenes Arbeiters zuruckzu führendes und daher im Einzelfall entschuldbares Aus­bleiben, wie etwa beim Blaumontagmachen: hier wird vielmehr bewußt und mit vereinten Kräften gefeiert; es dreht sich um eine Machtprobe der ganzen Arbeiter­schaft gegenüber dem Stande der Arbeitgeber. Wer daher am 1. Mai aus der Arbeit bleibt, obwohl er weiß, daß der Arbeitgeber gegen das Feiern ist, bricht seinen Arbeitsvertrag. - In Dänemark steht die Aus­sperrung von weiteren 15- bis 20,000 Arbeitern bevor bezw. ist bereits erfolgt. Der Verein der Arbeitgeber hat es abgelehnt, auf Grundlage der von dem Arbeiter­verband vorgeschlagenen schiedsgerichtlichen Entscheidung mit den Arbeitern in Verhandlung zu treten.

Herue. Mit den Herner Arbeiterunruhen hat sich soeben die Bochumer Strafkammer beschäftigt. Ein

22jähriger Bergmann, der am 28. Juni, mit einem Zeche Hannover Schacht I und II, Zeche Hannover

Stock bewaffnet, den auf ZecheFriedrich der Große , IH und IV, Zeche Saelzer it. Neuack und neuerdings beschäftigten Arbeitern nachgelaufen war, um sie von Zeche Hannibal, abgesehen von der Betheiligung an

der Arbeit abzuh alten, und einem Gendarmen zurief: anderen Zechen; über 500 Eisensteingruben in Deutsch-

Haut doch den Spürhund kaput", wurde zu 9 Mon ten land, darunter 11 Tiefbauanlagen mit vollständiger

Gefängniß verurtheilt, ebenso ein 18jähriger Schlepper,

der einen jugendlichen Pferdetreiber thätlich angegriffen und mit den Worten bedroht hatte:Warum arbeitest Du; ich mache Euch alle kaput." Zwei Schlepper hatten versucht, die Arbeiter der ZecheFriedrich der Große" zur Einstellung der Arbeit zu bestimmen. Aus der Menge wurde mit Steinen auf die Polizei geworfen und mit Revolvern geschossen. Der eine Schlepper hieb auch mit einem Stock auf einen Polizisten ein. Das Gericht erkannte auf anderthalb und ein Jahr Geangniß. Ein weiterer Bergmann, der zwei Kollegen zugerufen hatte:Deutsche Hundebrut, ich mache Dich kaput" undHeute gehst Dn noch zur Arbeit, morgen bist Du kaput, dann schneide ich Dir den Hals ab",

maschineller Einrichtung; verschiedene Eisensteingruben bei Bilbao in Nordspanien; ein Schießplatz bei Meppen von 16,8 Km. Länge und mit der Möglichkeit, bis auf 24 Km. Entfernung zu schießen; 3 Seedampfer; ver­

erhielt 9 Monate Gefängniß. Von drei Schleppern, die mehrere Bergleute, die von der Schicht kamen, über­fallen und mit Stöcken und einem Schlagring übel zu- gerichtet hatten, wurde der eine zn zwei, die beiden an­deren zu je einem Jahr Gefängniß verurtheilt.

Essen, 21. Juli. Der Jahresbericht der hiesigen Handelskammer enthält über die Kruppschen Werke u. a folgende Angaben: Nach der Aufnahme vom 1. Januar 1899 betrug die Gesammtzahl der auf den Kruppschen Werken beschä tigten Personen einschließlich 3210 Beamten. 41 750. Von diesen entfallen auf die Gußstahlfabrik Essen 25 133, das Grusonwerk in Buckau 3548, die Gemaniawerft in Kiel 2726, die Hüttenwerke, Schießplatz Meppen usw. 10343. Auf der Gußstahlfabrik waren in Thätigkeit rc. 1600 diverse Oefen, Schmiedefeuer usw. über 3000 diverse Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, darunter über 1100 Drehbänke und ca. 400 Bohr­maschinen, 22 Walzenstraßen, 113 Dampfhämmer, 31 hydrauliche Pressen, 306 stehende Dampfkessel, 458 Dampfmaschinen von 2 bis 3500 HP mit zusammen 36 561 HP, 467 Krähne von 400- bis 150 000 Kilo­gramm Tragfähigkeit. Die Gesammtlänge der Trans Missionen betrug 11 Kilometer, die Gesammtlänge der der Transmissionsriemen 60 Kilometer. Im Jahre 1897 98 wurden verbraucht an Kohlen und Koks: in der Gußstahlfabrik, in Essen 786 415 Tonnen (im Durch­schnitt pro Arbeitstag ca. 2620 Tonnen oder 7 Eisenbahn­zuge a 38 Wagen von 10 Tonnen), anf den übrigen Werken und eigenen Dampfer usw. 413195 Tonnen, also im Ganzen in allen Betrieben der Firma 1 199610 Tonnen oder rund 4000 Tonnen pro Tag. Der Ver­brauch an Wasser auf der Gußstahlfabrik in Essen war im Jahre 1897/98 13 027 806 Kubikmeter, was unge­fähr dem Wasserverbrauch der Stadt Frank'urt a. M. entspricht. Der Verbrauch an Leuchtgas auf der Guß- stahlfabrik in Essen betrug im Jahre 1897 98 17 307 480 Kubikmeter (Verbrauch der Stadt Breslau in der gleichen Periode 16 665 300 Kubikmeter, der Stadt Düsseldorf 14371290 Kubikmeter). Das Gaswerk der Gußstahlfabrik nimmt die sechste Stelle unter den Gaswerken des Deutschen Reiches ein. Das Elektrizitätswerk der Gußstahlfabrik in Essen hat drei Maschinenhäuser mit vier Vertheilungsstationen, 21,36 Kilometer unterirdisch verlegte Kabel und 96 Kilometer oberirdisch verlegte Lichtkabel und speist 720 Bogenlampen und 5771 Glühlampen. Das Telegraphennetz der Guß­stahlfabrik in Essen enthält 31 Stationen mit 57 Morse­apparaten und 80 Kilometer Leitung. Das Fernsprech­netz enthält 295 Stationen mit 298 Fernsprechern und 297 Kilometer Leitung. Täglich finden im Durch­schnitt 925 Gespräche per Telephon statt. Die Arbeiter­kolonien der Gußstahlfabrik in Essen umfassen die

schiedene Steinbrüche, Thon- und Sandgruben rc. ; außerdem ist der Firma Friedr. Krupp vertragsmäßig der Verrieb der Schiffs- und Maschinenbauaktiengesell- schaftGermania" in Berlin und Kiel überlassen. Die hauptsächlichsten Fabrikationsgegenstände der Gußstahl­fabrik in Essen sind Geschütze (bis Ende 1898 über 37000 Stück geliefert), Geschosse, Zünder, fertige Munition rc., Gewehrläufe, Panzerplatten und Panzer- bleche für alle geschützten Theile der Kriegsschiffe, Eisen- bahnmaterial, Schiffsbaumaterial, Maschinentheile jeder Art, Stahl- und Eisenbleche, Walzen, Werkzeugstahl und anderes. Auf den Hüttenwerken wurden im Jahre 1897 98 im Durchschnitt täglich zusammen ca. 2400 To.

Eisenerz aus eigenen Gruben verhüttet. Die Kohlen­förderung aus den eigenen Zechen (ohne Hannibal) be­trug im Durchschnitt pro Arbeitstag ca. 3660 Tonnen.

Gotha, 27. Juli. Der am 21. d. M. dahier ver­storbene Rentner Herr Julius Cosmar und seine Ehe­gattin Frau Katharina Cosmar geb. Hirts haben ihr etwa 700 000 Mark betragendes Vermögen der Stadt Gotha letztwillig zugewendet zu einer für milde und gemeinnützige Zwecke bestimmten Stiftung eine Großthat bürgerlichen Gemeinsinns und edelster Nächsten­liebe, der den Namen Cosmar für alle Zeiten mit der Stadtgemeinde und ihrer dankerfülltenBürgerschaft verbindet.

Gera, 27. Julr. Gestern früh erschien ein Vaga- bond, der in der Nähe des Schützenplatzes genächtigt hatte, auf der Polizeiwache des Schützenplatzes, um sich zu beschweren, daß in der Nacht die Hunde allenthalben gebellt und ihn in seiner Nachtruhe gestört hätten. Er fragte schließlich noch, ob die Hunde denn auch alle ver­steuert würden. Die Polizei hat dem frechen Burschen natürlich schnellstens die richtigsten Wege gewiesen.

Eine Liste studentischer Exzesse in Heidelberg, die den knappen Zeitraum von nur 4 Wochen, vom 16. Juni bis l6. Juli umfaßt, stellt die Mannheimer Bolksstimme auf Grund des Heidelberger Polizeiberichts zusammen: 16. Juni: 1 Student angezeigt wegen Ausdrehens von Gaslaternen. 17. Juni: Desgl. 19. Juni: 4 Studen­ten angezeigt (1 wegen Abbrennen von Feuerwerk, 3 wegen Unfugs ) 21. Juni: 14 Studenten angezeigt wegen Ruhestörung und Unfug). 22. Juni: 19 Studen­ten (1 wegen Auslöschens von Gaslaternen, 18 wegen Ruhestörung und Unfug). 23. Juni: 1 Student wegen Ausdrehens von Gaslaternen. 24. Juni: 5 Studenten wegen Ruhestörung und Unfugs. 26. Juni: 3 Stu­denten (2 wegen Auslöschens von Gaslaternen, 1 wegen Unfugs). 27. Juni: 5 Studenten (4 wegen Ruhe­störung, einer, weil er in der Hauptstraße verschiedene Schachtdeckel aufdeckte). 28. Juni: 2 Studenten wegen Ruhestörung und groben Unfugs. 29. Juni: 4 Stu­denten (1 wegen Auslöschens von Gaslaternen, 3 wegen Ruhestörung und Unfugs). 30. Juni: 1 Student wegen Ausdrehens von Gaslaternen. 1. Juli: 8 Stu­denten wegen Ruhestörung. 4. Juli: 8 Studenten wegen Ruhestörung. 4. Juli: 3 Studenten kommen von Neckargemünd auf dem Hauptbahnhofe in solch be­trunkenem Zustande an, daß sie mittels Handkarrens in den Arrest verbracht werden müssen. 6. Juli: 1 Student wegen Ruhestörung und Unfugs. 8. Juli: 11 Studen­ten wegen Ruhestörungen und Unfugs. 10. Juli: 5 Studenten verhaftet, darunter einer wegen Widerstands, Unfugs, Ruhestörung tc. Außerdem angezeigt 12 Stu­denten wegen Ruhestörung. Im Ganzen 17. 11. Juli: 5 Studenten wegen Ruhestörung und Unfugs. 12. Juli: 3 Studenten wegen groben Unfugs. 17. Juli: 5 Studenten (1 wegen Auslöschens von Gaslaternen, 4 wegen Ruhestörung und groben Un'ugs). Das sind 102 Studenten in vier Wochen, die von der Polizei ausgeschrieben worden sind. Heidelberg hat nur vor-

Kolonien Baumhof, Nordhof, Westend, Kronenberg, Schederhof, Altenhof (für invalide und pensionirte Arbeiter). Mit 80 in Bau befindlichen sind in Essen und Umgegend 4209 Familienwohnungen für Arbeiter vorhanden. Zu den Werken der Firma Friedr. Krupp in Essen gehören zur Zeit: Die Gußstahlfabrik in Essen; das Kruppsche Stahlwerk vormals F. Asthöwer u. Co. in Annen i. W.; das Grusonwerk in Bnckau bei Magde­burg ; 4 Hocho'enanlagen bei Duisburg, Neuwied, Engcrs ' nehme Studenten.

und Rheinhausen (die Hochofenanlage bei Rheinhausens Jnsterburg. Ein unbestellbarer Brief einer ^nster- umfoßt 3 Hochöfen, deren Produktion in 24 Stunden burger Behörde kam kürzlich mit folgendem Vermerk pro Ofen 230 Tonnen beträgt); eine Hütte bei Sayn des Landbriefträgers zurück:Mit Hilfe der Orts« mit Maschinenbaubetrieb) 4 Kohlengruben, nämlich: Polizeibehörde verstorben!"