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ZchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 5. August 1899.

50. Jahrgaag.

Ergebnissen des wirtschaftlichen Aufschwunges der letzten Jahre Theil haben.

Australisches Obst hat nun auch in Deutschland seinen Einzug gehalten. Vor einigen Tagen ist in Hamburg die erste große Sendung australischer Aep°el angelangt, die demnächst zum Versand au die großen deutschenStädte gelangt. Es sind dies tasmanische Aepfel.

Die Bestimmungen über die Aufnahme in die Lehrerseminare sind in den letzten Jahren mehrfach ge­ändert worden. Nach einer Verfügung vom 14. Februar 1888 mußte jedem Präparanden, der sich der Aufnahme­prüfung unterzog und t e erforderlichen Kenntnisse nach wies, ein Reifezeugniß ausgestellt r r .m " "ck- sicht darauf, ob er in ein S- '

werden konnte oder nicht. D

wieder aufgehoben worden. Seitdem- r er?"« . ..l ... Prüfungen nur so viele Prüflinge für reif . .... thatsächlich Aufnahme finden können. Dur^, eine Ver­fügung vom 3. Juni d. I., die stieben imCentral- blatt für die gesammte Unterichtsverwaltung" veröffent­licht wird, sind nun spezielle Vorschriften erlassen worden. Danach sind die Entlassungsprüfungen an den staatlichen und städtischen Präparandenanstalten, deren Bestehen zur Aufnahme ins Seminar berechtigt, so frühzeitig anzu- setzen, und die Präparanden, die hier die Prü ung be­standen haben, den einzelnen Seminaren so zeitig zu überweisen, daß sich bei den besonderen Aufnahme­prüfungen, die noch an den Seminaren abgehalten werden, genau übersetzen läßt, wie viel Schüler noch ausgenommen werden können. Es sind bei der Prüfung dann nur so viel Präparanden als bestanden zu er klären, wie in den Seminarien noch Plätze vorhanden sind. Durch dieses Verfahren erreicht die Unterrichts- verwaltung, daß die Zahl der Lehrkrä te über den Be darfselten hinausgeht; sie kann aber bei plötzlicher Vergröße­rung der Schulsysteme nicht immer die erforderlichen Lehr­kräfte bereitstellen. Für das Schulwesen würde es jedenfalls vortheilhafter sein, wenn bis auf weiteres jeder dem Lehrerberufe zustrebende fähige junge Mann auch in ein Seminar ausgenommen würde. Die Ge­meinden würden dann auch Gelegenheit haben, unter den Bewerbern zu wühlen, während sie jetzt diejenigen jungen Lehrer anstellen müssen, die ihnen die Regierung überweist.

Aus Schlesien. Eine seltene Jagdbeute hat der Landrath des Sud Hier Kreises gemacht. Er erlegte nämlich aur dem Rehanstande ein Känguruh! Allem Anschein nach ist dieses Thier eines der vom Grafen Witzleben s. Z. in Atldvbcrn ausgesetzten Känguruhs Herr von Manteuffel hat die Jagdbeute zum Ausstopfen nach Berlin geschickt.

Aus Thüringen, 1. August. Ein unterer Beamter der Generalkommission in Hildburghausen, der für diesen Herbst für das Militär und zwar zur Infanterie aus gehoben ist, hatte den Wunsch, Kavallerist zu werden. Da er öfter gelesen, daß der Kaiser derartige Wiin che erfüllt hatte, wandte er sich an den Kaiser. Wie erstaunte der Mann, als er auf dem Bataillonsbureau (soll wohl heißen: Bezirkskommando) nach einiger Zeit die Nachricht entgegennahm, daß er zu 24 Stunden Mittelarrest verurtheilt sei, weil er sich direkt an den Kaiser gewandt habe. Es mag dies für alle, die zum Militär ausgehoben sind, eine Warnung sein, in mili tärischen Angelegenheiten den Instanzenweg innezuhalten

In Grevesmühlen hat ein Kammannslehrling durch einen schlechten Scherz arges Unheil verursacht. Er hatte einem etwas geistesschwachen Menschen in eine Cigarre, die derselbe sich im Laden von ihm hatte geben lassen, Schießpulver gethan. Der Mann steckte die Cigarre in Brand, warf beim Sprühen derselben aber Schwefelholz und Cigarre fort, wobei Feuer in das noch offene, auf dem Ladentisch stehende Pulverfaß gelangte. Es erfolgte nun eine heftige Explosion. Ein Schaufenster wurde zertrümmert und dichte Wolken Rauch drangen aus dem Laden. Die Feuerwehr wurde alarmirt, ohne jedoch erst in Thätigkeit treten zu müssen. Der Lehr­ling aber, an Ohren, Nacken und Händen schwer ver­letzt, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Einem im Laden anwesenden Arbeitsmann wurden Bart und Haare versengt, der Käufer der Cigarre kam mit dem bloßen Schrecken davon.

Lüdenscheid. Von Einem, der Millionärlernen" wollte, berichtet dieLüdenscheider Zeitung ', der von

N^Ki»i!nnap^ Ef die .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ------ = Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Aug. Se. Majestät der Kaiser trifft Heute, Freitag früh 7 Uhr 20 Minuten, auf Station Wilhelmshöhe ein. Ihre Maj. die Kaiserin wird etwa 20 Minuten später mit den kaiserlichen Prinzen und Gefolge erwartet. Das Gepäck traf zum Theil schon gestern ein.

Dem Prinzen Heinrich sind bei seinem dienst­lichen Besuch in Söul, als dem Bruder des deutschen Kaisers, die größten Ehren erwiesen worden, wenn er dort auch nicht als solcher, sondern, wie ausdrücklich hervorgehoben worden ist, als Chef des deutschen Ge­schwaders erschienen war. Der Ausflug erstreckte sich auch auf einen Besuch der Goldminen von Tang Kogae.

Die Uebergabe der Karolinen und Marianen an Deutschland wird im September erfolgen. Der Reichsanzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß betr. die Erklärung des Schutzes über die Inseln.

Die bereits früher erwähnten Unruhen in Kiaut- schou anläßlich der Vorbereitungen zum Bahnbau werden jetzt in denNachr. aus KiauNchou" besprochen. Das Blatt tritt dafür ein, daß die deutsche Regierung von Anfang an energisch auftrete; desto eher werde sie dann im Stande fein, die Bevölkerung im Zaume zu halten und den Machenschaften der fremdenfeindlichen Hetzer zu begegnen. Die Eisenbahnvorarbeiten im Kreise Kaumi sind bekanntlich am 18. Juni gestört worden, so daß die Arbeiten eingestellt werden mußten. Ein am 23. dorthin gesandtes Detachement unter Haupt­mann Mauwe stieß beim Dorfe Titung auf ernsten Wiederstand. Die Bevölkerung war mit Gewehren und Geschützen bewaffnet, Kaumi war von Taufenden von Bauern besetzt. Hauptmann 'Mauwe nahm Titung im Sturm, wobei die Chinesen einen Verlust von 9 Todten erlitten. Kaumi öffnete seine Thore bei Annäherung der deutschen Truppen. Hauptmann Mauwe hat Ver­stärkung an Infanterie, Geschützen und Maschinenge­wehren erhalten. Die Ruhe wurde dann ohne weiteres Blutvergießen wieder hergestellt.

Nach allerhöchster Bestimmung sind die Versuche mit der allgemeinen Arbeitsvermittlung für zu entlassende Mannscha len einzustellen und die Generalkommandos angewiesen, in Zukunft ausschließlich die in den einzel­nen Provinzen von den Landwirthschaftskammern bereits eingerichteten Arbeitsnachweise für ländliche Arbeitee möglichst zu unterstützen. Eine Arbeitsvermittlung für städtische Stellen oder für die Industrie soll unter bleiben, ebenso die Betheiligung der Kriegervereine bei der Durchführung der von den Generalkommandos nach Benehmen mit den Landwirthschafiskammern zu treffenden Maßnahmen.

Soldaten, die vom Lande stammen, pflegen nach absolvirter Dienstzeit vielfach in Städten zurückzubleiben. Von den Vertretern der Landwirthschaft ist dieser Um­stand vielmals beklagt worden und man hat sich bemüht, die zur Entlassung kommenden Soldaten wieder dem Lande und der landwirihschaftlichen Arbeit zuzuführen. Diese Bestrebungen werden jetzt auch von dem preußischen Kriegsminister unterstützt, der den Generalkommandos entsprechende Anweisungen hat zngehen lassen. Die Kommandostellen haben danach die Liste derjenigen Mann­schaften, welche nach ihrer Entlassung eine Arbeitsstelle innerhalb des Bezirks einer bestimmten Land­wirthschaftskammer wünschen, der betr. Kammer einzu- reichen. Durch die Veröffentlichung dieser Listen im amtlichen Organ der Landwirthschaftskammer und den Vereinsblättern der landwirihschaftlichen Hauptvereine sollen die Arbeitsuchenden den Landwirthen zur Kenntniß gebracht werden. Die Landwirthe setzen sich dann direkt mit denjenigen Soldaten in Verbindung, welche sie wünschen.

Die Löhne der Arbeiter haben sich, wie aus den Rcchnungsergebmssen der Beruisgenossenschaften, die gegenwärtig dem Reichsversicherungsamle zur Prüfung vorliegen, auch im Jahre 1898 wieder gegen das Vor­jahr erheblich gehoben, wodurch der Nachweis erbracht ist, daß die Arbeiter nicht zum wenigsten an den günstigen

einem Freunde folgender Brief zur Verfügung gestellt wurde:

Lüdenscheid, den 2. 2. 99. Sehr geehrter Herr Rotschild!

Erlaube mir, hierdurch ergebenft aiMfragn, ob in Ihrem Bankgeschäft eine Lehrstelle als Milionür frei ist, wozu ich große Lust und Interesse habe. Seit Ostern 1898 bin ich hier nach Lüdenscheid in die Lehre geschickt worden, um die Küferei zu erlernen. Aber anstatt der Küfcrei muß ich Kisten machen, wozu ich kein Jntresse dran zeige. Da mir von einem guten Freunde gerathen worden ist, Milionür zu lernen. Es ist jetzt noch Zeit, meine Provision niederzulegen nnd das Gescheut als Milionür anzufangen. Ich bin jetzt 16 Jahre, gesund und normal am Körper. Sollten Sie vielleicht geneigt sein, mir eine Stelle als Milionür anzubieten, so ist es mein heißester Wunsch, dieselbe mit bestem Willen, Wissen und Be­kennen auszuführen. Einer ersehnenden Antwort entgegensetzend; zeichnet mit ehrwürdigster Hochachtung W. Z.

Der Brief, der von einem beneidenswcrthcn Opti­mismus rührendes Zeugniß ablegt, war an das Bank- geschä't von Gebrüder Rothschild in Frankfurt a. M. adressirt. Da es eine solche Firma aber nicht giebt, so ist der Brief als unbestellbar wieder zurückgewandert, und der Absender wird sich wohl darein finden müssen, nach wie vor in der Küfcrei Kisten zu machen.

Einem schlauen Gaunerstreich ist bei Rothenburg a. T. ein Oekonom in dem Orte Oberscheckenbach zum Op er gefallen. Es kam zu ihm ein junger Mann und ließ sich als Knecht einstellen. Angeblich war derselbe aus Ostheim. Der Sitte gemäß nahm er sich mit Be­willigung des Dienstherrn ein schönes Pferd aus dem Stalle und fuhr in seine Heimath, Osthcim, um seinen Koffer zu holen. Leider ist er bisher ebenso wie Pferd und Wagen von dort nicht zurückgekommen und in dem angegebenen Orte kennt ihn niemand. Der Bauer ist somit das Opfer eines Gauners geworden. Da er das Pferd von einer fahrenden Bande gekauft hat, nimmt man an, daß der schlaue Dieb ein Mitglied dieser Bande ist und daß er sich durch den geschilderten Kniff das lieb gewordene Roß wieder zurückgeholt hat.

Auslaiev

England. Die Transvaalfrage kann nur dann eine friedliche Lösung finden, das ist in den jüngsten Kam- meroerhaudlungen in London über jeden Zwrifel klar gelegt worden, wenn der Präsident der Südafrikanischen Republik, Krüger, alle Forderungen bewilligt, die ihm seiner Zeit von dem Gouverneur der Capcolonie, Millner, gestellt worden sind. Krüger ist in seinem Entgegen­kommen gegen England schon so weit gegangen, daß es kaum wahrscheinlich ist, daß er noch einen weiteren Schritt thun wird. Geschieht das nicht, dann ist der Krieg gegeben. Hatte man bisher gemeint, der englische Ministerpräsident Lord Salisbury sei ein entschiedener Gegner eines Krieges mit Transvaal, so hatte man darin geirrt. Im englischen Oberhause hat er genau so kriegerisch gesprochen, wie es der Colonialminister Camberlein zu thun pflegt. Salisburys Darlegungen lassen sich in wenige Worte zusammenfassen. Er beruft sich auf eine angebliche Zusage des Präsidenten Krüger aus dem Jahre 1881, wonach dieser beiden Rassen, den Boeren sowohl wie den Engländern, möglichste Gleich­berechtigung in Transvaal verheißt. Salisbury behauptet, Krüger habe gerade das Gegentheil von dem gethan, was er versprochen habe; erfülle er auch jetzt Englands Forderungen nicht, dann sei der Krieg unabwendbar.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 4. August.

* Wie aus dem Jnseratentheil d. Bl. ersichtlich Veranstalter unser landw. Kreisverein wie im Vorjahre, auch in diesem Jahre am 13. September eine Rinder- ausftellung mit Prämirung. Für dieses Jahr soll jedoch nur Jungvieh im Alter von 6 Monaten bis zu 2 Jahren ausgestellt werden. Der Verein beabsichtigt, diese Ausstellungen jedes Jahr zu wiederholen bis die Ueberzeugung gewonnen wud, daß der Stand unserer Viehzucht ein derartiger ist, um auch Zuchtviehmürkte mit Erfolg im Frühjahr und Herbste ausschreiben zu können. Das Vorgehen des Vereins im Interesse der Viehzucht des Kreises ist mit Freuden zu begrüßen,