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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 20. September 1899

50. Jahrgang

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in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der | wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post-

I abonnenten, welche bis spätestens 26. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß

J ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser, der zur Zeit im Jagdschloß Hu- bertusstock weilt, hat dort den Vortrag des neuen Mi­nisters des Innern von Rheinbaben entgegengenommen. Am 19. d. M. wird der Kaiser von Malmö zunächst sich nach Ericksdal begeben zum Besuch des Grafen Piper, um dort zu jagen.

Wie mitgetheilt wird, hat die Handelskammer zu Frankfurt a O. an den Staatssekretär des Reichs- postamts eine Eingabe mit der Bitte gerichtet, er möge die Einführung von verschließbaren Abholungsfächern nach amerikanischem Muster verfügen. Die Kammer führte aus, die Abholung von verschließbaren Abholungs­fächern für Briefe, Postkarten, Drucksachen, Zeitungen und Waarenproben zu selbstständiger Leerung durch die Empfänger habe sich in mehreren Ländern, zum Beispiel in den Bereinigten Staaten von Nordamerika, Japan, in der Schweiz, auf das Beste bewährt. AIs Hauptvor­züge werden angeführt: Das lästige Verfahren der Ver- abfolgung von Zeitungen gegen jedesmaligeVorzeigung der Ausgabekarte und die nach § 48 des Reichspostgesetzes zulässige Prüfung der Legitimation des Abholers von Postsendungen falle überhaupt fort und mithin werde dem Schalterbeamten viel Arbeit erspart; die Geschäfts­welt könne ihre Briefe usw. nach Belieben in Empfang nehmen, ohne an die Dienststundengebundenzusein und ohne bei starkem Andrange längere Zeit auf Abfertigung warten zu müssen; die Aushändigung von nicht post- lagernden Sendungen an unberufene Personen sei völlig ausgeschlossen. Hierzu erfährt man daß die Reichspostverwaltung schon seit längerer Zeit in die Prüfung der Frage eingetreten ist, ob und unter welchen Voraussetzungen es sich empfehle, sogenannte Letter boxes im Reichspostgebiet allgemein einzuführen. Die bisher in Bremen und Mannheim getroffenen Einrich tungen erfreuen sich im Handelsstande großer Beliebtheit. Während für die Postverwaltung die Einführung des genannten Systems info-ern vortheilhaft ist. als an Zeit und Beamtenkräste eine Ersparniß erzielt wird, so werden doch wieder durch die beträchtlichen Raumerfordernisse und die Herstellung der Anlagen bedeutende Kosten verursacht, zu welchen die den Vortheil ziehenden Ab­holer ntcht herangezogen werden können, weil nach dem Posttaxgesetze für abzuholende Briefe rc. eine Gebühr nicht erhoben werden darf. Man wird sich also auf die

allgemeine Einführung von verschließbaren Abholungs­fächern noch einige Zeit gedulden müssen; in Amerika ist man damit schon soweit vorgeschritten, daß die Fächer

dem Publikum sogar während der Nachtzeit zugänglich: abtheilungen vom Manöver telegraphisch zurückgeruien, " ' da Gefahr für weitere Brücken besteht. Einen schauer-

sind.

Postverkehr mit Nordamerika In New-York ist lichen Anblick bieten die von zerstörten Kirchhöfen ange - - - " " ~ d schwemmten Leichen.

von dem amerikanischen Generalpostmeister Smith und dem deutschen Gesandten Mumm von Schwarzenstein ein Vertrag unterzeichnet worden, demzufolge vom 1. Oktober ab zwischen beiden Staaten der Postpacket- vcrkchr eingeführt wird, jedoch nur bis zum Gewicht von d Kilogramm. Der Tarif beträgt, demConfek- tionär zufolge, von den Vereinigten Staaten nach Deutschland 12 Cents für jedes Pfund; von Deutsch­land nach den Vereinigten Staaten werden für jedes Packet bis zum Gewicht von 5 Kilogramm 2,40 Mark berechnet.

Nach einem eiugehend begründeten Erkenntniß des Kammergerichts, welches dieDeutsche Juristenztg." veröffentlicht, besteht ein Recht der Polizei, bestraften Personen das vorübergehende Verweilen an bestimmten Orten zu verbieten, in Preußen nicht mehr.

Das wegen Ermordung der reichen Wittwe Schultze und Tochter in Berlin, Königgrätzerstraße, seit zwei Jahren verfolgte Ehepaar Goenezi ist in Rio de Janeiro ergriffen worden. Sie geben ihre Identität zu, bestreiten aber die Schuld.

Bremen, 15. September. Der neue englische Riesen- dampferOceanic", das größte Schiff der Welt, das selbst den ehemaligen «Great Eastern" noch nm einige

Fuß in der Länge übertrifft, hat hinsichtlich seiner Schnelligkeit die Hoffnungen der Engländer nicht erfüllt. Der 704 Fuß lange Dampfer hat seine Jung'ernreise von Queenstown nach Newyork, wo er vorgestern ein« traf, in sechs Tagen, zwei Stunden und 37 Minuten mit einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 19/a Seemeilen in der Stunde zurückgelegt. Als ernster Rivale des zur Zeit schnellsten Oceandampfers, des vom Stettiner Vulkan erbauten SchnelldampfersKaiser Wilhelm der Große" vom Norddeutschen Lloyd, kann der neue White Star Damp'er demnach nicht mehr in Betracht kommen, selbst wenn er auf seinen späteren Reisen vielleicht noch eine Seemeile in der Stunde mehr erzielen sollte. Der deutsche Schnelldamp'er hat bekannt­lich bisher alle seine Oceanreisen mit einer Durchschnitts­fahrgeschwindigkeit von rund 22 '/a Seemeilen bewerk­stelligt ; das sind drei Seemeilen mehr in der Stunde und macht für die Fahrt über den Ozean einen ganzen Tag aus, um den dieOceanic" hinter demKaiser Wilhem der Große" zurückbleibt.

Würzburg. Militärische Geheimpapiere gestohlen. Während der Brigadestnb in den Manövern war, wurden i aus einem im Bureau der 2. Artilleriebrigade unterge­brachten eisernen Schränk mittelst Einbruchs sämmtliche geheimen Mobilmachungspapicre gestohlen. Der Ver­dacht des Diebstahls lenkt sich auf den seit einigen Tagen flüchtigen Trainsergeanten Schlosser, der in jenem Bürcan als Brigadeschreiber kommandirt war.

Aus München wird berichtet: Die Jsar hat den höchsten Stand seit vierzig Jahren erreicht. Auf der von 2 Jsnrarmcn gebildeten Insel, auf der sich die Sportausstellung befindet, ist das Erdreich mit Bäumen fortgerissen worden und ein Haus eingestürzt. Die übrigen Häuser wurden durch die Feuerwehr geräumt. Sämmtliche hölzerne Brücken, welche über die Jsar sühren, sind abgesperrt. Besonders bedroht sind das neue Volksbad und die Elektrizitätswerke. Die Jsar führt eine große Menge von Baumstämmen und Trüm- mern aller Art mit sich. Die Feuerwehr und das Militär, soweit Letzteres nicht im Manöver ist, sind zur Hilfeleistung an den gefährdeten Punkten bereit. Da noch weiteres Steigen des Hochwassers gemeldet wird, sind die Bewohner verschiedener Straßen veranlaßt worden, die Keller zu räumen. Auf zahlreichen Eisen­bahnlinien, namentlich in Bayern, ist in Folge der durch Hochwasser verursachten Schäden der Verkehr unmöglich.

München, 14 Sept. Der Kriegsminister hat auf Wunsch des Bürgermeisters Train- und Pionier-

Bom Rhein. Erst die Krieger und dann die andern Vereine. In Niederlahnstein bei Koblenz waren die Gemüther in große Aufregung gerathen. Der dortige Kriegerverein hatte nämlich bei allen festlichen Umzügen die erste Stelle für sich beansprucht, während die übrigen Vereine, je nach dem Charakter des Festes, auch andern Vereinen den Vortritt überlassen. Dieser Rangstreit ist durch den Regierungsbezirksverband dem Vorstände des preußischen Landkriegerverbandes vorgetragen worden, und dieser hat kürzlich folgende Entscheidung getroffen: Nach Ansicht des unterzeichneten Vorstandes ist es ganz selbstverständlich, daß bei derartigen Feiern bezw. Um­zügen den Kriegerversinen der Vortritt vor allen übrigen Vereinen gebührt. Abgesehen von dem Zwecke unserer Vereine, führen sie mit behördlicher Erlaubniß den preußischen Adler in ihren Fahnen, und es scheint mit der Würde dieses Symbols und der ihm geschuldeten Achtung nicht vereinbar, ihm die Fahnen von sportlichen Vergnügungsvereinen, welcher Natur sie auch sein mögen, vorangehen zu lassen. Thatsächlich ist denn auch dieser Anspruch der Kriegervereine in Preußen fast überall anerkannt worden. Die bisherige Haltung des Krieger­vereins in Niederlahnstein in der in Rede- stehenden

Angelegenheit können wir nur als völlig korrekt ansehen. Mit kameradschaftlichem Gruße! Der Vorsitzende des preußischen Landeskriegerverbandes, gez. v. Spitz, General der Infanterie z. D., Vorsitzender."

Gotha. Wie demGoth. Volksbl." von gut unter­richteter Seite mitgetheilt wird, ist vor einigen Tagen die im Jahre 1894 wegen Dienstmädchen-Schinderei zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilte Frau Oberförster Gerlach aus dem Weiberzuchthaus in Hassenberg ent« lassen, also nach Abbüßung der halben Strafe begnadigt worden.

Lüchow (Hannover), 12. September. Ein furcht­barer Auftritt hat sich gestern in Künsche in dem Vieh­stall des Ortsvorstehers Kuhstrebe zugetragen. Der Knecht desselben war beauftragt. den Gemeindebullen herauszuholen, als das Thier plötzlich wild wurde, sich bäumte und den Knecht in eine Stallecke trieb. Der furchtbar brüllende Bulle drückte sein Opfer so an die Wand, daß dem Knecht die Brust zerquetscht wurde. Sodann warf das wüthende Thier den Sterbenden in die Luft und zerschmetterte ihm bei einer abermaligen Attacke die Hirnschale. Der Knecht war sofort todt. Sodann stürzte der Bulle aus dem Stall, doch wagten 15 Mann nicht, ihn anzugreifen. Erst mit Hunden konnte der Bulle in den Stall zurückgetrieben werden.

Ausland.

Wien, 14. Sept. Aus allen Theilen des Reiches treffen Nachrichten über die durch das Hochwasser an« geeichtsten Schäden ein. In Gmunden steht der See­bahnhof unter Wasser; die Brücken sind eingestürzt. Die Stadt ist völlig überschwemmt. Der Hochwasserstand von 1897 ist überschritten. Unweit Linz ist der Damm bei Klein-München gerissen, die Traunbrücke bei Lambach ist weggerissen, ebenso der Jnundationsdamm bei Wells. In Jschl sind sämmtliche über dieTraun führenden Brücken zer­stört worden. Pioniere helfen. In Payersbach ist nächst Gloggnitz, gestern Abend die eiserne Brücke über die Schwarze eingestürzt. Zehn Personen, die sich bei dem

Einstürze vermißt.

Wien, wird eine g meldet.

gerade auf der Brücke befanden, werden

16. Sept. Aus Gmunden am Traunsee schreckliche Katastrophe infolge Hochwassers Ein Theil der Traunbrücke stürzte ein und

10 Menschen verloren dabei das Leben. Die besten Männer der Feuerwehr und Turner sind unter den Opfern. 17 Häuser wurden fortgerissen. In Hallstadt sind 23 Häuser eingefallen. 6U0 Menschen sind ob­dachlos. Auch aus Ungarn wird rapides Steigen der Donau gemeldet.

Innsbruck, 14. Sept. Infolge der Hochwasserschäden ist der gesammte Eisenbahnverkehr auf den Strecken Salzburg-Bischofshofen, Salzthal-Bischosshofen und Saal- felden-Woergl eingestellt.

England. Die Antwort der südafrikanischen Repu- blick auf die britische Note ist der britischen Regierung zugestellt worden. So ist augenblicklich offiziell noch

nicht bekannt, doch heißt es, sie sei im wesentlichen ab« lehnend, wenn auch höflich. Die Republik halte an der Londoner Konvention fest und erneuere das Aner­bieten der Verleihung des Stimmrechts nach 7jährigem Aufenthalt. Aber Transvaal sei auch willens, weitere Vorschläge, die Großbritanicn hinsichtlich der Wirksamkeit des Wahlrechts mache, zu erwägen und wenn möglich anzunehmen. Man ist in Transvaal auf alles gefaßt; 7 Söhne, 50 Enkel Krügers, alle Mitglieder des Voll- zugrachcs und des Volksraads werden neben den ärmsten Burghers ins Feld ziehen.

Marseille. Von der MittelmeerküsteFrankreichs aus Can­nes, Toulon und Marseille, werden ungeheure Waldbrände gemeldet, die unter einem furchtbaren Südweststurm Mistral) seit vier Tagen wüthen, ohne daß man ihrer Herr werden konnte. Bei Cannes stehen mehrere Hektar Waldes in Flammen. Im Westen von Toullon brennt