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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 78, Mittwoch, den 27. September 1899. 50. Jahrgang.
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Zwischen dem Kaiser Wilhelm und dem Sultan fand ein äußerst herzlicher Depeschenwechsel statt, welcher dadurch veranlaßt wurde, daß der Kaiser seiner während der syrischen Reise ertheilten Zusage ent prechend für das Regierungsgebäude und die Hauptkaserne in Beirut sein Bild gespendet hat.
— Der Kaiser und die Kaiserin haben zu der Sammlung des Rothen Kreuz-Komitees für die durch das Hochwasser in Bayern Geschädigten einen Beitrag von 30000 Mk. gezeichnet.
— Für den Aufenthalt des Zaren anf Schloß Wolssgarten bei Darmstadt, wo die Ankunft am Sonnabend erfolgte, sind außerordentlich umfangreiche Ab- sperrungsmaßregeln getroffen. Reitende und Fußgen- darmcn, sowie russische Detektivs patrouilliren ständig um das Schloß und weisen schon auf weite Entfernung lebe Annäherung Unbefugter zurück. — Die Zusammenkunft zwischen dem Kaiser und dem Zaren soll nach neueren Meldungen im Laufe des nächsten Monats in Wiesbaden stattfinden.
— Abgelehnt hat der Kaiser nach einer Mittheilung des B. L -A. das Protektorat über das neu zu gründende Bismarckhaus in Stendal in der Altmark. Nach der Berl. Volksztg. ist auch sonst kein Mitglied des kaiserlichen Hauses bereit, das Protektorat zu übernehmen.
— Ueber die Züchtigung der aufständischen Chinesen in Kaumi durch deutsche Seesoldaten theilt ein in Kiautschou stationirter Angehöriger der dortigen Besatzung in einem Briefe an seine Verwandten laut dem , Hamb. Korr." folgende interessante Einzelheiten mit: „Als wir nach zweitägigem Marsche in Kaumi angekommen waren, ging unser Hauptmann Mauve mit einigen Leuten zur Aufklärung des Geländes vor, wurde aber hierbei von einigen Chinesen überfallen, die wie die Wahnsinnigen kämpften. Unser Hauptmann hatte dabei das Unglück, über seine Säbelscheide zu stolpern und hinzufallen. In diesem Augenblick stürzte ein Chine e mit seinem Spieß auf ihn zu, um ihn zu todten, aber ein Schuß von unserer Seite machte den Angreifer kampfunfähig und streckte ihn zum Tode verletzt nieder. Als er dann noch im Todeskampfe auf Hauptmann Mauve zustürzen wollte, erhielt er von dem jetzigen Gefreiten Gölitz einen Bajonetstich in den Hals, der ihm so ort den Garaus machte. Unser dem sicheren ^Tode entronnener Hauptmann trat nun vor unsere Front und rief zum Sturm befehlend: „Seesoldaten! Wir wollen nicht vor den Wällen kämpfen, sondern der Bande entgegengehen. Vorwärts! Marsch, marsch! Hurrah!' Mit kräftigem Hurrah verließen wir unsere Position und stürzten nach vorn, machten etwa dreißig Schritte von der feindlichen Verschanzung Halt und gaben Schützenfeuer. Was von den aufständischen Chinesen nicht fiel, gab Fersengeld. Wir drangen darauf in die Verschanzungen ein, nahmen die Geschütze fort und de- molirten dann das Dorf. Von den Gefallenen fielen nur 26 in unsere Hände, die übrigen hatten die Flüch tigen mit sich fortgeschleppt. Nach dreiwöchigem Aufenthalte vor Kaumi wurden wir durch 40 Mann der 4. Kompagnie abgelöst und rückten wieder in unsere Garnison ab.» — Der Aufstand der Chinesen hatte bekanntlich darin seinen Grund, daß sie die Hergabe des zum Bau einer Eisenbahn erforderlichen Grund und Bodens verweigerten. ..
Essen. Die Schwierigkeit für weitere Kreise der rheinisch westfälischen Industrie, sich mit der erforderlichen Kohle zu versorgen, hat zu dem Projekt geführt, einen Kohleneinkaufsverein zn gründen, bei dem es nch um die Benutzung des Dortmund - Emskanals für den Import englischer Kohle handelt. Wie geschrieben wird, hat der Bezug englischer Kohle bereits eine greifbare Gestalt angenommen. Der Dampfer „Stamfold- Ham" ist am 20. September, von Blyth tn England kommend, mit einer aus 1200 Tonnen Kohlen bestehenden Ladung in Emden eingetrossen, Die Ladung wird in
_______ die Lichtöffnung sehen konnte, wie der Schlafende von seinem „Freunde" betastet und,des Inhaltes seiner Taschen beraubt wurde. Der Schaffner machte alsbald dem Zugführer Meldung, dieser verständigte einen zufällig im Zuge befindlichen Gendarmen, und auf dem Bahnhof Oberstein wurde der Abtheil geöffnet, dem überraschten ? Gauner der Diebstahl auf den Kopf zugesagt, der fest schlafende Fahrgast mit vieler Mühe geweckt und znr 1 Untersuchung seiner Taschen aufgefordert. Da zeigte sich's denn, daß die von ihm vermißten Sachen, wie • Uhr, Brieftasche u. s. w., mit den bei dem anderen Fahr- < gaste gefundenen übereinstimmten. Statt nach Frankfurt reiste dieser nunmehr in das Amtsgerichtsgefängniß zu ; Oberstein und wird der wohlverdienten Strafe nicht / entgehen.___________________________________________________
Ausland
Belgrad, 23. Sept. Der „Pol. Korr." zu Folge haben Arnauten zwei serbische Dörfer in der Nähe von Pristina verbrannt und ansgeplündert. Die Christen ; des Vilajets Kossowo sollen sich an den Sultan um Hilfe gewendet haben.
Charkow, 25. September. In dem Kohlenbergwerk 1 Deremoja fand eine Explosion schlagender Wetter statt. Bis jetzt sollen 21 Leichen herausgebracht worden sein. ! Man vermißt angeblich noch 44.
Paris. Dreyfus, der bereits in der Nacht zum t Mittwoch auf freien Fuß gesetzt worden war un^ sich ; nach Nantes begeben hatte, läßt sich in einer Stadt Süd-Frankreichs nieder, deren Name bisher unbekannt f geblieben ist. Ebendahin sind auch seine beiden Kinder y Pierre und Jeanne gebracht worden. Auch Frau Dreyfus '! hat sich dorthin begeben. Dreyfus will seine Freiheit I dazu benutzen, um seine Ehre wieder herzustellen. In | der „Aurore" hat er eine mit seinem Namen unterzeichnete ; Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Die Regierung . der Republik giebt mir meine Freiheit wieder. Diese ist t aber nichts für mich ohne die Ehre. Von heute ab will y ich fortsahren, die Wiedergutmachung des Irrthums zu 1 betreiben, dessen Opfer ich noch bin. Ich will, daß ganz Frankreich durch ein endgültiges Urtheil erfahre, daß ich unschuldig bin.» — Im „Journal off cicll" ist der Be- ' gnadigungsakt soeben veröffentlicht worden. Dem Dekret ist ein Bericht des Kriegsministers an den Präsidenten Soubet beigefügt. Der Bericht erinnert daran, daß Dreyfuß schon 5 Jahre Deportation auSgestanben habe und bemerkt, wenn er die 10 Jahre Gefängniß, zu denen er neuerdings verurtheilt sei, zu verbüßen hätte, so würde - er eine höhere Strafe erleiden als die, zu der er ver- ■ urtheilt wurde. Dreyfus' Gesundheit sei schwer geschädigt und lasse ihn eine längere Gechngnißstrafe nicht ohne ; große Gefahr ertragen. — Der Renner Dreyfus-Prozeß j kostet an Gerichtsgebühren 240 000 Franken, einschließ- ; ließlich der Zeugen- und Sachverständigengebühren. Hierzu kommen die Honorare für die Vertheidiger Demange und Labori und deren Sekretäre. Was die beiden Rechts- , anwälte erhalten, ist nicht bekannt, aber man will wissen, daß einschließlich der Auslagen für beide Advokaten und deren Sekretäre 480 OoO Franks zu rechnen sind. Diese Summe ist von Dreyfus und seiner Familie aufzubringen, sofern er nicht doch noch freigesprochen wird, in welchem Falle der Staat die Kosten zu tragen hätte. Die Kosten vor dem Kassationshof werden auf 160 000 Francs > taxirt, und der Dreyfus-Handel im ganzen dürste im Laufe der letzten zwölf Monate 1200 000 Francs kosten. "
Transvaal. Jede Vorbereitung für eine hartnäckige Verteidigung der Republik ist getroffen. — Vier Deutsche, nämlich die Hauptleute Graf Zeppelin, Weiß, von Silbe« dyll und Leutnant Badike sind nach einer Meldung der Kapstädtcr „South Africa News" aus Pretoria zu per- < sünlichen Adjutanten des Kommandeurs des deutschen Hilfskorps in Transvaal, Oberst Schiel, ernannt und als solche vereidigt worden.
Nord-Amerika. Nachrichten von den Philippinen bestätigen, daß die Amerikaner anfangs dort schlimmer als die Vandalen gehaust haben und durch ihr ver-
Leichter umgeschlagen und auf dem Dortmund-Emskanal nach Dortmund befördert. Im Laufe der nächsten Zeit treffen noch mehrere Dampfer mit englischen Kohlen, für Westfalen bestimmt, in Emden ein.
Dortmund. Justizmord? Die Dortmunder Tre- monia bringt eine Aufsehen erregende Mittheilung, daß eine Frau ihren Ehemann jetzt eines im Jahre 1890 verübten Mordes bezichtet. Es handelt sich um einen in Rauxel bei Castrop an einem Bergarbeiter verübten Raubmord, als dessen Thäter damals der Arbeiter Michalski vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt und hingerichtet wurde. Michalski habe fortgesetzt seine Unschuld betheuert, indessen waren die Jndicicnbeweisc derart belastend, das ein Schuldig ausgesprochen, das Urtheil vom Reichsgericht bestätigt und die Begnadigung abgelehnt wurde. Kurz vor seiner Hinrichtung habe Michalski nochmals betheuert, daß er den Mord nicht begangen und dieselben Versicherungen auch seinem Beichtvater gegeben, der ihn absolvirt habe. Die Trcmonia giebt obiges Gerücht wieder mit dem Bemerken, daß die Staatsanwaltschaft bereits in die Prüfung der Sache eingetreten sei.
Bochum. Ein untrügliches Erkennungszeichen gibt der erste Staatsanwalt in Bochum in einem Steckbrief gegen einen Maurer an; es heißt darin nämlich: Gesichtsfarbe: „Sieht versoffen aus!" Jetzt werden sie ihn wohl kriegen.
Hannover. Aus dem Zigeunerleben. Wie der Hofgoldschmied Karl Rusch in Hannover dem „Hann. Kour." mittheilt, erschienen am Donnerstag in seinem Geschäfte zwei Zigeunerhauptleute die sich zwei paar goldene Sporen im Gewichte von je ‘/a P und bestellten. Als Sporen- rüder bi.nen je ein 20 Dollars- und ein 100 Franken- stück. Die kostbaren Stücke sollen im November d. I. abgeliefert werden. — Die Herren müssen es sich ja wohl leisten können!
Kahla. In der Affäre des durch Ricsendesraudationcu verkrachten Spar- und Vorschußvereins in Kahla wurden abermals zwei sensationelle Verhaftungen vorgenommen. Die entdeckten Fehlbeträge übersteigen bis jetzt 1 */2 Millionen Mk. Zwölf weitere Geschäfte haben in Folge dieser Defraudation fallirt.
Darmstadt. Die Feuerbestattung ist im Großherzog- thum Hessen fortan erlaubt. Das frühere Ministerium Finger sträubte sich ganz entschieden gegen die Feuerbestattung in Hessen. Deshalb konnte auch das schon seit Jahren fertige Krematorium zu Offenbach nicht in Benutzung genommen werden. Jetzt ist die Feuerbe^ stattung unter gewissen Kantelen in Hessen gesetzlich erlaubt. Demzufolge wird das Offenbacher Krematorium künftig zum Verbrennen von Leichen in Gebrauch genommen werden können. In Darmstadt wird bereits der Bau eines weiteren Begräbnißo ens vorbereitet, und auch in Mainz wird ein Krematorium erstehen.
— Der in Würzburg gestohlene Mobilmachungsplan ist, wie zu erwarten war, an Frankreich verkauft worden. Die „Deutsche Tagesztg." fordert eine grundsätzliche Erörterung des Diebstahls.
Vom Rhein. Wie man Eisenbahndiebe sängt. Ueber einen erwischten Eisenbahndieb werden dem „Kreuzn. Gen.-Anz." von Mitreisenden Fahrgänen eines Personen- znges nach Bingerbrück folgende Mittheilungen gemacht: Zwischen Türkismühle und Oberstein gewahrte ein in einen Abtheil schauender Schaffner, daß darin zwei Reuende saßen, von denen der eine in einer Ecke fest schlief. Ein Blick auf ihn zeigte dem mit scharfen Augen begabten Beamten, daß auf der ihm zugekehrten Seite die Hosentasche des Schlafenden ausgeschnitten war. Auf die Frage des Schaffners nach dem Reiseziele erwiderte der wache Fahrgast, der mit auffallender Hast dicht an den Schlafenden herangerückt war, um die ausgeschnittene1 Tasche zu verdecken, er fahre nach Frankfurt und „sein Freund" ebenfalls. Der Schaffner schöpfte Verdacht, verschloß unbemerkt die Abtheilthüren und begab sich auf daß Dach des Wagens, wo er sich niederlegte und durch
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