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SchWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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M M Mittwoch, den 27. September 1899. 50. Jahrgang.

Tlnl^'nllii««^« sln ^" Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der U I I PPnPPP wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post-

I I III [||| III || abonnenten, welche bis spätestens 26. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß V UU in ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonncments-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Zwischen dem Kaiser Wilhelm und dem Sultan fand ein äußerst herzlicher Depeschenwechsel statt, welcher dadurch veranlaßt wurde, daß der Kaiser seiner während der syrischen Reise ertheilten Zusage ent prechend für das Regierungsgebäude und die Huuptkaserne in Beirut sein Bild gespendet hat.

Der Kaiser und die Kaiserin haben zu der Samm­lung des Rothen Kreuz Komitees für die durch das Hochwasser in Bayern Geschädigten einen Beitrag von 30000 Mk. gezeichnet.

Für den Aufenthalt des Zaren auf Schloß Wolisgarten bei Darmstadt, wo die Ankunft am Sonn­abend erfolgte, sind außerordentlich umfangreiche Ab­sperrungsmaßregeln getroffen. Reitende und Fußgen­darmen, sowie russische Detektivs patrouilliren ständig um das Schloß und weisen schon auf weite Entfernung lebe Annäherung Unbefugter zurück. Die Zusammen­kunft zwischen dem Kaiser und dem Zaren soll nach neueren Meldungen im Laufe des nächsten Monats in Wiesbaden stattfinden.

Abgclehnt hat der Kaiser nach einer Mittheilung des B. L A. das Protektorat über das neu zu gründende Bismarckhaus in Stendal in der Altmark. Nach der Berl. Volksztg. ist auch sonst kein Mitglied des kaiser­lichen Hauses bereit, das Protektorat zu übernehmen.

Ueber die Züchtigung der aufständifchen Chinesen in Kaumi durch deutsche Seesoldaten theilt ein in Kiautschou stntionirtcr Angehöriger der dortigen Besatzung in .einem Briefe an seine Verwandten laut dem , Hainb. Korr." folgende interessante Einzelheiten mit:Als wir nach zweitägigem Marsche in Kaumi angckommcn waren, ging unser Hauptmann Mauve mit einigen Leuten zur Aufklärung des Geländes vor, wurde aber hierbei von einigen Chinesen Überfällen, die wie die Wahnsinnigen kämpften. Unser Hanptmann hatte dabei das Unglück, über seine Säbelscheide zu stolpern und hinzufallen. In diesem Augenblick stürzte ein Chine e mit seinem Spieß auf ihn zu, um ihn zu todten, aber ein Schuß von unserer Seite machte den Angreifer kampfunfähig und streckte ihn zum Tode verletzt nieder. Als er dann noch im Todeskampfe auf Hanptmann Mauve zustürzen wollte, erhielt er von dem jetzigen Gefreiten Gölitz einen Bajonetstich in den Hals, der ihm so ort den Garaus machte. Unser dem sicheren Tode entronnener Hauptmann trat nun vor unsere Front und rief zum Sturm befehlend:Seesoldaten! Wir wollen nicht vor den Wällen kämpfen, sondern der Bande entgegengehen. Vorwärts! Marsch, marsch! Hnrrah! ' Mit kräftigem Hurrah verließen wir unsere Position und stürzten nach vorn, machten etwa dreißig Schritte von der feindlichen Verschanzung Halt und gaben Schützenfeuer. Was von den aufständischen Chinesen nicht siel, gab Fersengeld. Wir drangen darauf in die Verschanzungen ein, nahmen die Geschütze fort und dc- molirten dann das Dorf. Von den Gefallenen fielen nur 26 in unsere Hände, die übrigen hatten die Flüch­tigen mit sich fortgeschleppt. Nach dreiwöchigem Auf­enthalte vor Kaumi wurden wir durch 40 Mann der 4. Kompagnie abgclöst und rückten wieder in unsere Garnison ab." Der Aufstand der Chinesen hatte be­kanntlich darin seinen Grund, daß sie die Hergabe des zum Bau einer Eisenbahn erforderlichen Grund und Bodens verweigerten.

Essen. Die Schwierigkeit für weitere Kreise der rheinisch wJtfäli'chen Industrie, sich mit der erforderlichen Kohle zu versorgen, hat zu dem Projekt geführt, einen Kohleneinkaussvercin zn gründen, bei dem es sich um die Benutzung des Dortmund - Emskanals für den Import englischer Kohle handelt. Wie geschrieben wird, hat der Bezug englischer Kohle bereits eine grers- bare Gestalt angenommen. Der DampferStamford- Ham" ist am 20. September, von Blyth in England kommend, mit einer aus 1200 Tonnen Kohlen bestehenden Kadung in Emden eiugetrofseu. Die Ladung wird in

die Lichtöffnung sehen konnte, wie der Schlafende von seinemFreunde" betastet und des Inhaltes seiner Taschen beraubt wurde. Der Schaffner machte alsbald dem Zugführer Meldung, dieser verständigte einen zufällig im Zuge befindlichen Gendarmen, und auf dem Bahnhof Oberstein wurde der Abtheil geöffnet, dem überraschten Gauner der Diebstahl auf den Kopf zugesagt, der fest schlafende Fahrgast mit vieler Mühe geweckt und zur Untersuchung seiner Taschen ausgefordert. Da zeigte sich's denn, daß die von ihm vermißten Sachen, wie Uhr, Brieftasche u. s. w., mit den bei dem anderen Fahr- gaste gefundenen übercinstimmtcn. Statt nach Frankfurt reiste dieser nunmehr in das Amtsgerichtsgefängniß zu Oberstein und wird der wohlverdienten Strafe nicht entgehen.__________________________________________________

Ausland

Belgrad, 23. Sepl. DerPol. Korr." zu Folge haben Anmuten zwei serbische Dörfer in der Nähe von Pristina verbrannt und ansgeplündert. Die Christen des Vilajets Kossowo sollen sich an den Sultan um Hilfe gewendet haben.

Charkow, 25. September. In dem Kohlenbergwerk Dereinoja fand eine Explosion schlagender Wetter statt. Bis jetzt sollen 21 Leichen herausgebracht worden sein. Man vermißt angeblich noch 44.

Paris. Dreyfus, der bereits in der Nacht zum Mittwoch auf freien Fuß gesetzt worden war und sich nach Nantes begeben hatte, läßt sich in einer Stadt Süd-Frankreichs nieder, deren Name bisher unbekannt geblieben ist. Ebendahin sind auch seine beiden Kinder Pierre und Jeanne gebracht worden. Auch Frau Dreyfus hat sich dorthin begeben. Dreyfus will seine Freiheit dazu benutzen, um seine Ehre wieder herzustellen. In derAurore" hat er eine mit seinem Namen unterzeichnete Erklärung veröffentlicht, in der es heißt:Die Regierung der Republik giebt mir meine Freiheit wieder. Diese ist aber nichts für mich ohne die Ehre. Von heute ab will ich fortfahren, die Wiedergutmachung des Irrthums zu betreiben, dessen Opfer ich noch bin. Ich will, daß ganz Frankreich durch ein endgültiges Urtheil erfahre, daß ich unschuldig bin. ImJournal off ciell" ist der Bc- gnadigungsakt soeben veröffentlicht worden. Dem Dekret ist ein Bericht des Kriegsministers an den Präsidenten Loubet beigefügt. Der Bericht erinnert daran, daß Dreyfuß schon 5 Jahre Deportation ausgestanden habe und bemerkt, wenn er die 10 Jahre Gefängniß, zu denen er neuerdings verurtheilt sei, zu verbüßen hätte, so würde er eine höhere Strafe erleiden als die, zu der er ver­urtheilt wurde. Dreyfus' Gesundheit sei schwer geschädigt und lasse ihn eine längere Gefängnißstrafe nicht ohne große Gefahr ertragen. Der Renner Dreyfus-Prozeß kostet an Gerichtsgebühren 240 000 Franken, einschließ- ließlich der Zeugen- und Sachverständigengebühren. Hier­zu kommen die Honorare für die Vertheidiger Demange und Labori und deren Sekretäre. Was die beiden Rechts­anwälte erhalten, ist nicht bekannt, aber man will wissen, daß einschließlich der Auslagen für beide Advokaten und deren Sekretäre 480 000 Franks zu rechnen sind. Diese Summe ist von Dreyfus und seiner Familie aufzubringen, sofern er nicht doch noch freigesprochen wird, in welchem Falle der Staat die Kosten zu tragen hätte. Die Kosten vor dem Kassationshof werden auf 160 000 FrancS taxirt, und der Dreyfus«Handel im ganzen dürfte im Laufe der letzten zwölf Monate 1200 000 Francs kosten.

Transvaal. Jede Vorbereitung für eine hartnäckige Verteidigung der Republik ist getroffen. Vier Deutsche, nämlich die Hauptleute Graf Zeppelin, Weiß, von Albe- dyll und Lemnaut Badike sind nach einer Meldung der KapstädterSouth Africa News" aus Pretoria zu per­sönlichen Adjutanten des Kommandeurs des deutsche« Hilfskorps in Transvaal, Oberst Schiel, ernannt und als solche vereidigt worden.

Nord-Amerika. Nachrichten von den Philippinen bestätigen, daß die Amerikaner anfangs dort schlimmer als die Vandalen gehaust haben und durch ihr per«

Leichter umgeschlagen und auf dem Dortmund-Einskanal nach Dortmund befördert. Im Laufe der nächsten Zeit treffen noch mehrere Dampfer mit englischen Kohlen, für Wcstmlen bestimmt, in Emden ein.

Dortmund. Justizmord? Die Dortmunder Tre- monia bringt eine Aufsehen erregende Mittheilung, daß eine Frau ihren Ehemann jetzt eines im Jahre 1890 verübten Mordes bezichtet. Es handelt sich um einen in Rauxel bei Castrop an einem Bergarbeiter verübten Raubmord, als dessen Thäter damals der Arbeiter Michalski vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt und hingerichtet wurde. Michalski habe fortgesetzt seine Unschuld betheuert, indessen waren die Jndicienbeweisc derart belastend, dos ein Schuldig ausgesprochen, das Urtheil vom Reichsgericht bestätigt und die Begnadigung abgclehnt wurde. Kurz vor seiner Hinrichtung habe Michalski nochmals betheuert, daß er den Mord nicht begangen und dieselben Versicherungen auch seinem Beicht­vater gegeben, der ihn absolvirt habe. Die Tremonia giebt obiges Gerücht wieder mit dem Bemerken, daß die Staatsanwaltschaft bereits in die Prüfung der Sache eingetreten sei.

Bochum. Ein untrügliches Erkennungszeichen gibt der erste Staatsanwalt in Podium in einem Steckbrief gegen einen Maurer an; es heißt darin nämlich: Ge- sichts'arbe :Sieht versoffen aus!" Jetzt werden sie ihn wohl kriegen.

Hannover. Aus dem Zigeunerleben. Wie der Hof- goldschmied Karl Rusch in Hannover demHann. Kour." mittheilt, erschienen am Donnerstag in seinem Geschä'te zwei Zigcunerhauptleme die sich zwei Paar goldene Sporen im Gewichte von je/a P und bestellten. Als Sporen- räder di.nen je ein 20 Dollars- und ein 100 Franken­stück. Die kostbaren Stücke sollen im November d. I. abgeliefert werden. Die Herren müssen es sich ja wohl leisten können!

Kahla. In der Affäre des durch Riesendefraudationen verkrachten Spar- und Vorschußvereins in Kahla wurden abermals zwei sensationelle Verhaftungen vorgenommen. Die entdeckten Fehlbeträge übersteigen bis jetzt 1 */2 Millionen Mk. Zwölf weitere Geschäfte haben in Folge dieser Defraudation fallirt.

Darmstadt. Die Feuerbestattung ist im Großherzog- thum Hessen fortan erlaubt. Das frühere Ministerium Finger sträubte sich ganz entschieden gegen die Feuer­bestattung in Hessen. Deshalb konnte auch das schon seit Jahren fertige Krematorium zu Offenbach nicht in Benutzung genommen werden. Jetzt ist die Feuerbe­stattung unter gewissen Kautelen in Hessen gesetzlich er­laubt. Demzufolge wird das Offenbacher Krematorium künftig zum Verbrennen von Leichen in Gebrauch ge­nommen werden können. In Darmstadt wird bereits der Bau eines weiteren Begräbnißo ens vorbereitet, und auch in Mainz wird ein Krematorium erstehen.

Der in Würzburg gestohlene Mobilmachungsplan ist, wie zu erwarten war, an Frankreich verkauft worden. DieDeutsche Tagesztg." fordert eine grundsätzliche Er­örterung des Diebstahls.

Vom Rhein. Wie man Eisenbahndiebe fängt. Ueber einen erwischten Eisenbahndieb werden demKreuzn. Gen.-Anz." von mitreisenden Fahrgänen eines Personen- zuges nach Bingerbrück folgende Mittheilungen gemacht: Zwischen Türkismühle und Obcrstein gewährte ein in einen Abtheil schauender Schaffner, daß darin zwei Reuende saßen, von denen der eine in einer Ecke fest schlief. Ein Blick auf ihn zeigte dem mit scharfen Augen be­gabten Beamten, daß auf der ihm zugekehrten Seite die Hosentasche des Schlafenden ausgeschnitten war. Auf die Frage des Schaffners nach dem Reiseziele erwiderte der wache Fahrgast, der mit auffallender Hast dicht an den Schlafenden herangerückt war, um die ausgeschnittene; Tasche zu verdecken, er fahre nach Frankfurt undsein Freund" ebenfalls. Der Schaffner schöpfte Verdacht, verschloß unbemerkt die Abtheilthüren und begab sich auf daß Dach des Wagens, wo er sich niederlegte und durch