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SchlüchtemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 81

Mittwoch, den 11. Oktober 1899

50. Jahrgang

$<»flt>!lltttnMl auf ^eSchlüchterner Zeitung" toerben noetj fortwährend von allen ~ ! Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin Unser Kaiser, der mit seiner Gemahlin Freitag Abend im Neuen Palais bei Potsdam eingetroffen ist, machte Sonnabend früh einen Spazierritt und arbeitete

Aufruf!

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben das nachfolgende Allerhöchste Handschreiben an das Central- Comitä der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz ge- richtet:

Die Hochwasser Katastrophe, die über das schöne bayerische Alpenvorland hereingebrochen ist, erfüllt Mich mit schmerzlicher Theilnahme. Der angerichtete Schaden, noch nicht zu ermessen, fordert schleunige Hülfeleistung. Thatkräftig sind damit in Bayern das Königshaus, die Regierung und der Magistrat der hart betroffenen Hauptstadt vorangegangen. Aber Ich bin überzeugt, daß im ganzen übrigen Vaterlande das Verlangen, helfen zu können, ein allgemeines ist, und daß mit Mix Tausende der Tage dankbar gedenken, die sie in dem gesegneten Hochlande verleben durften, dessen Bewohner nun, von schweren Schicksalsschlägen hart betroffen, unseres innigen Mitgefühls gewiß sind. Es ist daher Mein herzlichster Wunsch, alle hülfs- bereiten Kräfte zu gemeinsamer Thätigkeit zu vereinen und ich beauftrage das Central-Comitä der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz, durch einen Aufruf in möglichst weitem Umfange eine Samm­lung von Geldspenden zu veranlassen, deren Er­

svdann allein. Abends empfing der Monarch auf Wildparkstation die Königin von Holland und Mutter.

Wie verlautet, finden im Kriegsministerium rathungen statt, die dahin gehen, ob dem Roggen

der ihre

Be- für

das Militärbrod ein Drittel Weizenmehl beizumischen sei, da zur Zeit Roggen theurer ist als Weizen. Die Soldaten würden sich diese Verbesserung ihres Kammißbrodes gern gefallen lassen.

Die rapide der Vieh- und Fleischeinfuhr

nach Deutschland wird auch wieder durch den neuesten amtlichen Monatsausweis über den deutschen Handel bestätigt. Die Fleischeinfuhr, die sich in den ersten acht Monaten des Jahres 1897 auf 240 351 Doppelzentner stellte, belief sich im gleichen Zeitraum dieses Jahres

gebniß dem Central-Hülfs-Comitä in München überweisen ist.

Neues Palais, den 21. September 1899.

Auguste Victoria

I. R.

zu

An das

Central-Comits der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz.

Indem der Unterzeichnete diesen Allerhöchsten Erlaß zur öffentlichen Kenntniß bringt, bittet derselbe um möglichst zahlreiche Spenden aus allen Kreisen, die ihrer Theilnahme an der Heimsuchung des Bayerischen Landes und seiner Bewohner Ausdruck zu geben wün­schen. Der Schatzmeister des hiesigen Zweigvereins vom Rothen Kreuz, Kaufmann D. L. Stern in Schlüchtern ist bereit, die für diesen Zweck bestimmten Gaben ent­gegen zu nehmen, über welche in der Presse Rechnung gelegt werden wird.

Schlüchtern, den 6. Oktober 1899.

Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Rothen Kreuz in Schlüchtern:

Roth, Geheimer Regierungs-Rath.

Wegen Vornahme von Ausbesserungsarbeiten an der Sinnbrücke oberhalb Obersinn wird diese Brücke bis 20 ds. Mts. dem Verkehr geschlossen; Fußgänger und leichte Fuhrwerke können während dieser Zeit den Weg am rechten Sinnufer zum Orte Obersiun benützen, für schwere Fuhrwerke ist dieser Weg nicht fahrbar.

Lohr, den 5. Okrober 1899.

Der Königl. Bezirksamtmann: (Unterschrift).

J.-Nr. 2701 K. A. Der Oekonom Hermann May und Söhne zu Sannerz beabsichtigen, zum Betriebe ihrer Dampfziegelei auf dem an der Brückenauer Straße gelegenen Grundstücke Kartenblatt A Nr. 6 uud 259/7 einen neuen Dampfkessel aufzustellen.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­niß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Zeichnung und Beschreibung der Anlagen können während der Dienststunden im Bureau des Kreisaus- schusses eingesehen werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf Montag den 30. Oktober 1899, Vormittags 10 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Aus­bleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen Werben wird.

Schlüchtern, den 2. Oktober 1899.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses; Roth.

auf 492 224 Doppelzentner. Die Deutsche Tagcsztg. weist nach, daß diese Einfuhrsteigerung nicht etwa durch die sog. Grenzsperre gegen Lebendvieheiniuhr hervorge­rufen wurde, da auch totere gestiegen ist.

Wegen Vorkommens einiger Pestfälle in Portugal, sowie einer pestverdächtigen epidemischen Krankheit im russischen Gouvernement Astrachan wurde neuerdings in Preußen allgemein durch Bezirks-Polizei-Verordnungcn die Anzeigepflicht für Pest und Pestverdacht eingeführt. Keineswegs haben jedoch etwa schon vorliegende bedenk­liche Krankheitserscheinungen innerhalb des Deutschen Reiches oder Preußens, sondern lediglich die Vorsicht dazu geführt, die für andere ansteckende Krankheiten be­stehende Anzeigepflicht auf die Pest auszudehnen. Bei der durch Entsendung einer Sachverständigen Commission nach Bombay gewonnenen genauen Erkenntniß der Natur, sowie der Verbreitungs- und Bekämpfungsweise der.Pest und bei der durch die Fortschritte der öffentlichen Gesundheitspflege herbeigeführten geringeren Empfäng­lichkeit der einheimischen Bevölkerung liegt daher zur Beunruhigung durchaus kein Anlaß vor.

Deutsche Colonisten für Honduras versucht man neuerdings an,zuwerben. Da auf den zu besiedelnden Ländereien Europäer des Klimas wegen die anstrengenden Arbeiten nicht aushalten, so muß vor einer Auswan­derung nach Honduras ernstlich gewarnt werden.

Plötzensce. In Plötzensee ist wieder die Verhaftung eines Gefangenenaufiehcrs erfolgt. Bei einer Revision! der Zellen, welche das Ziel verfolgte, die geheimen Auf­bewahrungsorte der eingeschmuggelten Kontrcbande zu ermitteln, wurde in der Zelle eines Kalesaktors an einer dunkeln Stelle eine Art Keller entdeckt. Mit großer Sorgfalt war ein Stück aus dem Fußboden geschnitten worden. Darunter befand sich eine Höhlung, in welcher sich ein reiches Lager von Bier, Schmalz, Speck, Tabak, Cigarren und dergleichen befand. Da sich schwere Ver­dachtsmomente ergaben, daß der Aufseher um dieses Versteck gewußt haben muß und bei der Zufuhr der Kontrebande nicht unbetheiligt war, so wurde derselbe in Haft genommen.

Bon der russische« Grenze. Die Posten an den russischen Grenzen gegen Deutschland und Oesterreich sollen am 1. Januar 1900 eine ganze bedeutende Ver­stärkung erfahren, wiewohl dieselben schon jetzt nichts weniger als schwach oder unzureichend sind. So schreibt dieOberschlesische Grenzztg." und fügt hinzu: In Abständen von 1 Kilometer sind fast auf der ganzen Grenze Kordons mit einer Besatzung von 15 bis 20 Fußmannschaften und 3 bis 4 Reitern. Bei Tage stellen die Kordons einzelne Posten aus, zur Nachtzeit aber ist die ganze Besatzung bis auf einen Wächter des Kordons auf den Beinen; fast alle 100 Schritt steht ein Grenzsoldat, der noch dazu meistens einen Wächter- hund bei sich hat, und die Berittenen stellen durch Um­herstreifen die Verbindung unter den einzelnen Posten her. In einer Entfernung von einer halben bis einer Meile von der Grenze sind Nacht für Nacht drei solcher Postenketten aufgestellt, so daß es fast als Wunder auf- zufassen ist, wie trotz dieser scharfen Grenzbewachung immer noch ^tollkühne Schmuggler dem Pascherhandwerk obliegen uud sich mit ihren Schmuggelwaaren glücklich 1 durch diese dreifache Reihe von Grenzbewachern durch­schlagen. 1

Witte». Eine Zwangsrevision in Fabrikräumen nach : Maßen und Gewichten ist unzulässig. So entschied das <

I Oberverwaltungsgericht in der Verwaltungsstreitsache der . Gußstahlfabrik zu Mitten gegen den Regierungspräsidenten . zu Arnsberg. Im November 1897 wollte der Aichmeister : Cremer in den Fabrikräumen der genannten Fabrik, in welcher über 1600 Arbeiter beschäftigt werden, eine Revision nach Maßen und Gewichten vornehmen; es wurde ihm aber der Zutritt zu diesen Räumen ver­weigert. Darauf erhielt die Direktion der Fabrik eine polizeiliche Verfügung mit etwa folgendem Wortlaut: Bei der durch den Aichmeister Cremer ausgeführten technischen Maß- und Gewichtsrevision ist dem Aichmeister der Zutritt zu dem Werke untersagt worden. Wie fest- geftellt' ist, findet auf dem Gußstahlwerk ein öffentlicher Verkehr insofern statt, als die Fabrikate im Großen nach Maß und Gewicht abgesetzt werden. Da nach Artikel 10 der Maß- und Gewichtsordnung zum Zu- messen und Zuwügen im öffentlichen Verkehr nur ge­hörig geaichte Maße und Gewichte benutzt werden dürfen, so hat sich die Revision auch auf das dortige Werk zu erstrecken. Demgemäß wird die Maß- ' und Gewichts­revision nunmehr veranlaßt werden." Die eingelegten Beschwerden der Gußstahlfabrik blieben erfolglos, wes­halb dieselbe die Klage anftrengte. Das Oberverwaltungs- gericht gab derselben statt und hob die angefochtene polizeiliche Verfügung mit der Ausführung auf, daß es sich hier nicht um Verkaufs- sondern um Fabrikatious- räume handele. Zur Revision sei der Aichmeister aber nur befugt, die Räume zu betreten, in denen ein öffent­licher Gewerbeverkehr stattfindet, und in denen Waaren für Jedermann feilgehalten oder verkauft werden.

Essen. Auf den Krupp'schen Werken, einschließlich des Grusonwerkes und der Schiffs- und Maschinenbau- Aktien-GesellschaftGermania" find in diesem Jahre 41,720 Mann beschäftigt, einschließlich 3210 Beamten. Von jener Zahl entfallen auf Essen 25,133.

Mainz 2. Oktober. Der Fischbestand des Rheins erleidet starke Einbuße durch den Damp'erverkehr, die Baggerungen, Regulirungsarbeiten, welch letztere die Laichplätze beseitigen, und nicht zuletzt durch die giftigen Abwässer der Fabriken. Dem gegenüber sind die Fischerei- vereine bestrebt, den Fischbestand durch Aussetzen vo« Bruten aufzufrischen. So hat der hessische Fischerei- verein im letzten Geschäftsjahre in den Rhein 50,000 Zandereier, 60,000 Karpfenbrut und 10,000 Regen­bogenforellen ausgesetzt. Das seit einigen Jahren be­thätigte Aussetzen von Zandern hat sich sehr bewährt, und man hofft das Gleiche jetzt von den Regenbogen­forellen. Beide Arten waren bisher dem Rhein fremd.

Bonn. Einen Rekord in dicken Kartoffeln hat Herr- Heinrich Heuseler in Grav-Rheindorf aufgestellt. Er erntete ein Exemplar im Gewichte von 750 Gramm, das so leicht nicht übertrumpft werden dürfte.

Würzburg, 7. Oktober. Ein sechsjähriger Knabe fiel gestern aus dem Fenster des zweiten Stockes, und zwar einem untenstehenden Dienstmädchen auf den Kopf. Letzteres erhielt eine schwere Gehirnerschütterung, der Knabe kam mit einer Verletzung an der Wange davon. - - Die hiesigen Schreinergesellen beabsichtigen, in nicht allzu ferner Zeit in eine Lohnbewegung einzutrxten. Außerdem verlangen dieselben die neunstündige Arbeits­zeit. An die hiesigen Schreinermeister sind bereits die bezüglichen Cirkulare zur Erklärungs-Abgabe abgegangen.

Ausland.

Reichenberg, 6. Oktober. Infolge des Zeitungsauf- rufcs zur Bildung eines Freiwilligenkorps für Trans­vaal haben sich bei der hiesigen Meldestelle bereits einige HundertMann gemeldet. Die' Bewegung wird durch eine hie- sigeKapitalskraft gefördert und erregt allgemeine Beachtung.

Rußland. Wie man der P.-Corr. aus Petersburg meldet, sind dort Berichte verschiedener an der Wolga ansässiger fremdländischer Industriellen an die betreffen- diplomatischen Vertretungen eingetroffen, aus denen her- vorgeht, daß es nahezu unzweifelhaft ist, daß in Zaryzin die wirkliche asiatische Pest ausgebrochen sei. Da sich aber die Epidemie noch in den engsten Grenzen hält und ausschließlich unter den Fabrikarbeitern ihre Opfer- sucht, hält man es in den offiziellen russischen Kreisen noch nicht für nothwendig, das Schweigen über diese Angelegenheit zu brechen.

Rom, 6. Oktober. Ganz Süditalien ist von eng­lischen Agenten überschwemmt, die allenthalben Maul­thiere aufkaufen und das Stück bis zweiundzwanzig Pfund Sterling bezahlen, Die italienischen Militärbehörden