SchlüchtemerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M 82. Samstag den 14. Oktober 1899. 50. Jahrgang.
Besitzung Olassi im Bereger Komitat zurück, woselbst er das Schloß ganz neu einrichten ließ, da er nach der Heirath dort beständig wohnen wird. Unter den Bedingungen wird angeführt, daß sich die Tochter Stefanies die Erzherzogin Elisabeth, vorher gleichfalls vermählen müsse. Stefanie soll eine Jahresappanage von hunderttausend Gulden erhalten.
Rom, 10. Oktr. König Menelik von Abessinien ist mit großem Gefolge und einer starken Truppenmacht nach Adua nurgebrochen. Der Vormarsch soll auf Anstiften Rußlands erfolgen und bezwecken, England im Sudan Schwierigkeiten zu bereiten.
London, 10 Oktober. Chamberlain empfing eine Depesche Milner's, worin dieser das Ultimatum Transvaals mittheilt. Transvaal verlangt die Regelung aller streitigen Angelegenheiten durch Schiedsspruch oder auf sonstige freundschaftliche Weise, die sofortige Zurückziehung der englischen Truppen von den Grenzen, die Zurückziehung sämmtlicher seit dem 1. Juni 1889 in Südafrika angekommener englischer Verstärkungstruppen aus Südafrika, wogegen die Boeren ihre Truppen von der Grenze zurükziehen, die auf dem Meere befindlichen englischen Truppen sollen keinem Teile Südafrikas gelandet werden. Die Transval-Regierung verlangt eine zustimmende Antwort bis zum 11. Oktober, 5 Uhr Abends, andernfalls sieht sie die Handlungsweise Englands als formelle Kriegserklärung an. — Die „Times" erfährt, die Antwort Großbritanniens auf das Ultimatum Transvaals werde lediglich kurz das Bedauern ausdrücken, daß Präsident Krüger einen so ernsten Schritt gethan habe, und ferner besagen, die britische Regierung habe zu Zeit Krüger weiter nichts mitzutheilen.
London, 11. Okt. Nach Meldungen aus Madras macht sich unter den Muhamedanern eine bedenkliche Gährung gegen die Engländer bemerkbar, welche von russischen Emissären geschärt wird. — Die englischen Waffendepots in Indien werden fortgesetzt bestohlen. Die Diebe sind die Eingeborenen, die aus Haß gegen die englische Herrschaft nach einer Gelegenheit suchen, das verhaßte Joch von sich abzuschütteln. Da jetzt viele indische Truppen nach Südafrika transportirt worden sind, muß den Jndiern die Gelegenheit, sich unabhängig zu machen, recht günstig erscheinen.
London, 12. Oktober. „Morning Leader" melden, daß sich in Irland eine große Bewegung zu Gunsten Transvaals bemerkbar macht. Es wird dort offen der Wunsch ausgcdrückt, daß die Boeren den Sieg davon tragen möchten. Irländische Blätter veröffentlichen das Lied eines irischen Dichters, welches einen Aufruf an das irländische Volk zur Unterstützung Transvaals enthält. - Nach einer Meldung aus Ladyshmit haben die Buren aus dem Oranje-Freistaat über Homegreen Kap die Grenze überschritten und bedrohen die Stadt und Eisenbahnstation. Aus Kapstadt wird versichert, daß die Kap Kolonie im Kriegszustande erhalten wird. -- „Standard" meldet aus Charlestown, die Buren des Oranje-Freistaates haben 37 Meilen südlich von New- captown die Grenze überschritten.
Paris. Die Länge der Telephonlinie Paris-Berlin wird etwa 1100 Kilometer betragen, und von Paris aus über Chalous sur Marne, Verdun, Metz, Frankfurt am Main nach Berlin gehen.
Paris, 10. Okt. Die Ruhe, die während der letzten Wochen in Frankreich geherrscht hat, ist nur eine äußer- liche; unter dünner Decke glimmt der Funke der Em pörung und der Rebellion. Präsident Loubet hat in feinem Heimathsorte Montslimar, der übrigens nicht weit von Carpentras gelegen ist, in dem DreyfuS seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat, in dieser Beziehung bittere Erfahrungen machen müssen. Die Offiziere des dortigen 22. Linien Regiments begingen dort nämlich laute Kundgebungen gegen den Präsidenten der Republik. Die beleidigenden Kundgebungen sollen nach Angabe der „Aurore" in einer Versammlung des Offizierkorps beschlossen und dann auch sofort zur Ausführung gebracht worden sein. Gegen die Excedenten ist eine strenge Untersuchung eingeleitet worden Die Bevölkerung Mon- tslimars, unter welcher der Präsident ausgewachsen, ist empört über das schimpfliche Verhalten der Offiziere und veranstaltete Gegenkundgebungen. In Frankreich herrscht gegenwärtig nun einmal der traurige Zustand, daß die Civil- und Militärgewalt, anstatt Hand in Hand zu gehen, einander bekämpfen. Ein solcher Zustand ist aber aus die Dauer nicht deutbar, er führt unbedingt
Ni>^!i«Nat»11 "^ bie -Schlüchterner Zeitung" gPSJll'UllHytll werben not!) fortwährend von allen
- - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser gedenkt am 26. d. Mts. einer Einladung des Prinzen Albrecht von Preußen entsprechend nach Blankenburg am Harz zu reisen und daselbst an der großen Holjagd theilzunehmcn.
— Die Königin Wilhelmine der Niederlande und ihre Mutter verabschiedeten sich Mittwoch Vormittag im Stadtschlosse zu Potsdam aufs herzlichste vom Kaiserpaar und fuhren in Begleitung des Kaisers zum Bahnhöfe. Der Kaiser geleitete die Königinnen zum Wagen und verabschiedete sich durch Handkuß, woraus die Abreise der beiden Königinnen erfolgte.
— Die goldenen Fünfmarkstücke und die silbernen Zwanzigpfennigstücke werden bekanntlich eingezogen. Die Einziehung der ersteren wird bereits 20 Jahre hindurch vorgenommen. Von den 28 Millionen Mk. ausgeprägten halben Kronen sind 22 Millionen Mk. zur Einziehung gelangt, sodaß noch 6 Millionen Mk. im Verkehr geblieben sind. Da der letztere Bestand sich schon seit ge raumer Zeit auf einer ziemlich gleichmäßigen Höhe bewegt hat, so ist anzunehmen, daß überhaupt nicht mehr viel halbe Kronen zur Einziehung kommen werden. Diese Münzen sind wahrscheinlich für Schmuckstücke zur Verwendung gekommen, Münzsammlungen einverleibt u. s. W. Die Einziehung der silbernen Zwanzigpfennig stücke, die erst seit kurzem angeordnet ist, schreitet schneller vorwärts. Von ihnen waren insgesammt für 35,7 Mill. Mk. zur Ausprägung gelangt. Davon sind schon für 21 Mill. eingezogen. Auch hier wird man annehmen müssen, daß ein bestimmter Theil uneinziehbar sein wird.
Crefeld, 6. Okt. Eine freche Erpressung und rohe Anrempelung, die den Verlust eines Menschenlebens im Gefolge hatte und die im Sommer an von Creseld nach Düsseldorf fahrenden Radiern verübt wurde, erhielt am Freitag vor dem Schwurgericht zu Düsseldorf die entsprechende Ahndung. Die Schuldigen waren die jugendlichen Arbeiter Theodor Lonny, Nicolaus Hubert Oden- thal und der 39jährige Tagelöhner Jacob Litgcs aus Buderich. Die Burschen hatten zuerst aus reinem Uebermuthe eine Anzahl von Radfahrern angerempclt, einem von diesen einen kleinen Geldbetrag erpreßt und der eine Lonny versetzte dem Radfahrer Fr tz Stuphahn einen Stich, der dessen Tod herbeiführte. Das Unheil lautete gegen den Messerh lden am sieben Jahre Ge fängniß, gegen den andern Lonny auf 3 Jahre, gegen Litgcs au- 3 V, Jahre und gegen den 20jährigen Odcn- thal, der sich besonders frech und brutal benommen, auf 5 Jahre 1 Monat Zuchthaus.
Oberhausen, 10. Okt. Amtl ch wird gemeldet: Gestern Abend 6 Uhr 20 Min. fuhr auf R-ngierbahnhof Oberhausen West ein aus einer Lokomotive und 30 Wagen bestehender Rangierzug in Folge Verlegung einer Weiche in ein falsches Geleis und fuhr gegen den Prellbock. Der hinter der Lokomotive befindliche Packwagen fuhr auf erstere auf; dieselbe wurde stark be-chä- digt. Lokomotivführer und Heizer sind todt. Die Weiche wurde durch Schulkinder, welche bereits ermittelt sind, verstellt.
Bom EichSfeld, 9. Okt. Die Verhaftung eines Augustinerpater im Eichsfeldischen Kloster Germershausen bei Rollshausen sollte kürzlich auf auswärtige Requisiton hin wegen Sittlichkeitsvergehen erfolgen; aber der mit der Verhaftung beauftragte Gendann kam zu spät, der Verfolgte hatte sich durch schleunige Flucht in Sicherheit gebracht. Die Angelegenheit erregt auf dem Eichsfelde mit Recht unliebsames Aufsehen.
Auslands ~
Budapest, 11. Oktober. Hier tritt mit großer Bestimmtheit die Nachricht auf, die Kronprinzessin-Wittwe Stefanie werde demnächst den Grafen Elemer Lonyai heirathen. Wohlinformierte Kreise bestätigen dies^ mit dem Hinzu ügen, daß der Monarch nach einem Fami- lienrath hierzu schon seine Einwilligung gegeben habe. Graf Lonyai, 1863 geboren, ist ein Neffe des gewesenen Finanzministers Melchior Lonyai. Die Familie ei hielt erst 1896 die Grafenwürde. Der Bräutigam war zuletzt Botschaftssekretär in Rom, entsagte jedoch im Frühjahr ^chon der diplomatischen Karriere und kehrte auf seine
vom Staatsstreich. Allem Anschein nach ist Frankreich zu einem solchen nicht mehr weit entfernt.
Nordamerika. Nach Meldungen aus Manila haben zwischen den Amerikanern und den Filipinos neue Gefechte stattgefunden, in denen erstere schwcrcVerluste erlitten. Da die Regierung der Vereinigten Staaten große Verstärkungen nach den Philippinen zu entsenden entschlossen ist, so werden ja die Schlachten bald günstiger für die Amerikaner verlaufen; einen wirklichen Gewinn werden sie aber trotzdem von den Inseln nicht haben, da an eine friedliche Verwaltung der Inseln durch Amerika in absehbarer Zeit gar nicht zu denken ist.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 13. Oktober.
* — Viehhandel. Die auf Anregung der preußischen Landwirthschaftkammern errichtete Zentralstelle für Vieh- verwerthung will mit Hilfe einer von ihr ins Leben gerufenen Genossenschaft versuchen, den Viehhandel und die Viehmärkte in ihre Hände zu bekommen und zunächst privaten Handel am Berliner Viehmarkt „auszuschalten". Dieser Plan erfährt nun eine Besprechung in der „Dtsch. Landw. P" durch den Gutsbesitzer Lehnert-MieSdorf, der in weiten Kreisen bekannt ist als tüchtiger Landwirth und noch mehr als hervorragender Viehhändler. Er schreibt u. A.: „Auch der jetzt gedachte Verkauf durch eine Zentralstelle bleibt ein Zwischenhandel, der verdienen muß, um seine Unkosten zu decken, seine Beamten zu bezahlen. Wir haben alle Ursache, darauf hinzuweisen, daß das sehr oll unbedachte Schreien gegen den Zwischenhandel gar keine Berechtigung hat, sondern von sehr geringem Verständniß zeugt. Der reelle Zwischenhandel kann dem Landwirth nur nutzbringend sein, und er sollte von demselben, d. h immer nur in je nur streng soliden und reellen Handhabung, geschützt und gefördert werden.
* — Diejenigen Gewerbetreibenden, welche an der Ausstellung von Wandergewerbescheinen zum Handeln im Umherzichen Interesse haben, seien daraus aufmerksam gemacht, daß die diesbezüglichen Anträge nach den neu erlassenen Bestimmungen bis spätestens 1. November cr. bei der Ortspolizeibehörde des Wohn» orts zu stellen sind, bei später eingehenden Anträgen kann keine Gewähr für rechtzeitige Ausfertigung der Gewerbescheine übernommen werden. Die Antragsteller haben persönlich zu erscheinen, da die Personalien ausgenommen werden müssen ebenso auch die Personen, welche in den Schein als Begleiter eingetragen werden sollen.
* — Das baierische oberste Landesgericht hat in letzter Instanz den seit 303 Jahren zwischen den Freiherren v. Thüngen und der Gemeinde Burgsinn in Unterfranken schwebenden Prozeß dahin entschieden, daß letzterer der strittige Waldbesitz definitiv zugesprochen wird.
Fu>da. Herr Hauptmann Hallwachs ist vom hiesigen Bezirkskommando als Bezirksoffizier nach Gelnhausen versetzt.
Hanau. Kartoffelprei'e. Die Preise für sämmtliche Kartoffelsorten sind in den letzten Tagen um 20—40 Pf. gestiegen und man nimmt ein weiteres Steigen der Preise an, weil diese Frucht bei dem anhaltenden feuchten Wetter stellenweise gelitten hat. Andererseits haben sich die in diesem Jahre sehr stark curtretenben Feldmäuse nach dem Abernten der Halmfrüchte an die Kartoffeln gemacht und diese vielfach angenagt. Aus verschiedenen Ortschaften hört man harte Klagen über die Mäuseplage, zumal sich diese unlieb amen Gäste nach der eingetretenen kalten Witterung in die Häuser usw. ziehen. Einzelne Gemeinden beabsichtigen Mäusegift zu legen.
Kirchhain, 9. Okt. Vor einigen Tagen wurde der Gutshof Plansdorf, ehemaliger Sitz Hess. Rittergeschlechter — woran noch verschiedene Wappen, großer Rittersaal usw. erinnern — von seinem jetzigen Besitzer, Herrn I. Knauf, zum Preise von 12u 000 Mk. an Herrn Baron von Goldammer, Oberlieutenant zu Frankfurt verkauft. Der Besitz wurde vom Vater des jetzigen Besitzers zum Preise von 360u0 Mk. vor ungefähr 30 Jahren erworben
Aus Waldeck, 9. Oktober. Dieser Tage wurde in der Gemarkung S. große Treibjagd abgehalten.' Offenbar wurde bei dieser Gelegenheit die Mutter eines diesjährigen Rehbockcs abgeschossen. Das verwaiste Thier irrte umher, kam bis zum Orte gelaufen, obwohl derselbe