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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 18. Oktober 1899
50. Jahrgang
Up^h»I!ttttNpir "^ die .Schlüchterner Zeitung" toerben nod) fortwährend von allen "------- - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 2602 K. A. Den Herrn Bürgermeistern der Land' gemeinden und den Herrn Gutsvorstehern wird hiermit bekannt gegeben, daß der Kreisausschuß mit Zustimmung des Kreistages mit dem allgemeinen Deutschen Ver- sichcrungsverein in Stuttgart einen Haftpflichtver- sicherungsvcrtrag für sämmtliche Landgemeinden und Gutsbezirke des Kreises abgeschlossen hat.
Diese Bersicherung schützt die Landgemeinden und Gutsbezirke gegen Ansprüche, welche gegen sie erhoben werden, wenn aus Fahrlässigkeit oder Verschulden der Gemeinden, ihrer Angestellten oder sonstiger Personen, für deren Thätigkeit sie haften, ein Mensch verletzt worden ist oder eine Sachbeschädigung im Werthe von über 20 Mark entstanden ist; insbesondere sind auch in diese Versicherung eingeschlossen Hafipflichtfälle wegen Körperverletzungen, welche durch die den Gemeinden gehörigen Bullen verursacht worden sind. Wenn Schadensersatzansprüche für die Folge an die Gemeinden gestellt werden, so haben dieselben ungesäumt dem Kreisausschuß unter näherer Angabe des Sachverhaltes Anzeige zu erstatten.
Schlüchtern, den 11. Oktober 1899.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Der Krieg in Südafrika.
Nachdem nunmehr der Krieg begonnen hat, ist es zunächst von Interesse, Näheres über die Truppendis Positionen und die Stärke der beiderseitigen Streitfrage zu erfahren. Die Engländer hatten im Lager von Glencoe am 11. Oktober höchstens 7000 Mann. Diesen gegenüber stehen bei Sandspruit, Wakkerstrom und Volksrust 10,000 bis 12,000 Buren aus Transvaal, etwa 2000 Buren Vryheid gegenüber an der Grenze des Buffaloflußes angesichts des Lagers von Glencoe- Dundee und in dessen Rücken an der äußersten Südspitze der südafrikanischen Republik auf der Strafe nach Dundee weitere 1000 Buren. Diesen gerade gegenüber liegen auf der Grenze des Oranje - Freistaates in zwei großen Lagern bei der Albertinastation und nördlich vom Baureenenspasse, die Straße nach Ladysmith beherrschend, 8000 Freistaatburen bereit, die Engländer im Rücken und in ihrer Flanke zu fassen, während die Transvaal-Commandos über Newkastle gegen die Briten vorrücken. An der Westgrenze ist die Lage der Engländer weit bedrohlicher, ebenso an der Waldgrenze. Hier stehen bei Aliwal nur noch ein halbes Regiment Jnfantere (Lancashire) und etwa 100 Mann berittene Infanterie, etwas weiter südlich eine kleine Reserve von Munster-Füsiliren. Kimberley gilt als durch seine Freiwillige theilweise geschützt, zu denen noch 4 halbe Kompagnien North Lancashire mit 20 Kanonen und Maxim Geschützen kommen, die Regulären belaufen sich auf etwa 700 Mann, die Freiwilligen zählen etwa l 600. Maseking wird nur durch 600 berittene Freiwillige unter Oberst Baden Powell geschützt, während die Nordgrenze Transvaals fast vollständig offen ist und den dortigen Kommandos des Zoutpansberg-Distrikts, angeblich 2000 Mann, nur 4000 Freischärler (unter Oberst Plumer) bei Tuli gegenüberstehen. Gegen Kim- berlei können die Buren von dem nahen Boshof aus sofort mindestens 3000 Mann werfen, während die Pässe über die Drackensberge vom Bothaspasse bis nach Bezuidenhout von 3000 Freistaatsburen gehalten werden und weitere 2000 Buren bei Komatiport die portugiesische Grenze und die Eisenbahn nach Laurenzo Marquez bewachen. Weitere 3000 Buren stehen im Innern in Reserve, und 2000 Oranjelcute bewachen das Basuto- land in kleineren Lagern, um einem eventuellen Aufstande der Basutos vorzubengen.
Hieran schließen wir folgende Betrachtung der „Nordd. Allg. Ztg." zur militärischen Lage in Süd- Afrika : Die Streitkräfte Transvaals und der Oranje- Freistaten werden von diesen selbst aus 50,000 Mann angegeben. Ihr Werth als berittene Infanterie wird auch von den Gegnern nicht unterschätzl; im Frühjahr dieses Jahres haben sie eine erhebliche Verstärkung durch 25 Schnellfeuergeschütze neuerer Konstruktion erhalten. Augenblicklich sind ihre Gesammlkräfte denjenigen der Engländer noch überlegen, doch kann, abgesehen davon, wie sich der Zufluß anFreiwilligen auf beiden Seiten gestaltet, im Laufe der Zeit das Uebergewicht an Zahl, Güte der Ausrüstung, Organisation und Einheitlichkeit der Befehlsführung auf Seiten Englands fallen. Die strategische Lage ist für die beiden Freistaaten nicht günstig. Sie sind vom Feinde umgeben und vom Meere als natürlichem Kraftzubringer abgeschlossen. Der Vor-
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbstkontrolversammlungen finden im Kreise Schlüchtern an den in nachstehendem Plane angegebenen Tagen und Plätzen statt.
Der Plan wird den Herren Bürgermeistern resp. Ortsvorstehern des Kreises Schlüchtern mit dem Ersuchen miigetheilt, gefälligst in ortsüblicher Weise bekannt machen lassen zu wollen, daß sich alle in ihren Gemeinden befindlichen Mannschaften nachbezeichneter Kategorien an den angegebenen Gestellungstagen pünktlich einzufinden haben und zwar:
a. sämmtliche Reservisten, einschließlich die Jäger der Klasse A vom Jahrgang 1881 ab aufwärts;
b. diejenigen Wehrleute, welche zur Landwehr 11. Aufgebots überzuführen sind, das sind die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 18»7 eingetretenen Mannschaften;
c. die zur Disposition der Truppentheile Beurlaubten;
d. die vor beendeter Dienstzeit wegen Dienstuntang- lichkeit oder auf Reclamation und wegen anderer Gründe zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften;
e. die als Halbinvalide entlassenen Mannschaften der Reserve.
Es haben zu erscheinen:
1. Am Donnerstag, den 9. November d. I., Vormittags 8'/, Uhr in Schlüchtern auf dem Bleichplatz der Auewiese vor dem Unterthor (an der Kuizig) für die Ortschaften: Ahlersbach, Breiien- bach. Elm, Herolz, Hinkelho;, Hohenzell, Klesoerg, Klosterhöfe, Kressenbach, Neustall mit Oberhof, Nieder- zell, Ramyolz, Schlüchtern, Uerzell, Ulmbach, Vollmerz, Wallroth.
2. Am Donnerstag, den 9. November d. I-, Nachmittags 2 Uhr in Sterbfritz bei der Wirthschaft Blum für die Ortschaften: Altengronau, Breu- mngs, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Sannerz, Schwarzensels, Sterbsritz, Weichersbach, Weiperz, Zünlers- bach, Oberzell.
3. Am Freitag, den 10. November d. Js., Vormittags 8 Uhr in Steinau auf dem Schloß- Hofe für o.e Ortschaften: Ahl, Bellings, Eckardroth, Kerversdorf, Marborn, Marjoß, Rabennein, Rebsdorf, Romsthal, Salmünster, Sarrod, Seidenroth, Soden, Steinau, Wahlert.
Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Kontrolversammlung verhindert ist, muß |0 rechtzeitig ein ärztliches Attest bczw. eine Bescheinigung der Ortsbehörde bei dem Melde-Amt Gelnhausen einreidjen, daß die Befreiung noch vor der Kontrolversammlung eingeholt und mitgetheilt werden kann.
Die Richtigkeit der angegebenen Gründe, sowie etwa heizugebende ärztliche Atteste, letztere nur dann, wenn
sie nicht durch einen Königlichen Kreisphysikus ausgestellt sind, müssen ortsobrigkeitlich beglaubigt sein.
Nur wer durch plötzliches Erkranken oder ganz unvorhergesehene dringende Geschäfte abgehalten ist, der Kontrolversammlung beizuwohnen, kann sich am betreffenden Kontrolplatz mit Ueberreichung eines obrig. keitlichen bezw. ärztlichen Zeugnisses durch einen Anderen entschuldigen zu lassen.
Unentschuldigtes Ausbleiben oder nicht pünktliches Erscheinen, sowie Erscheinen auf einem nicht zuständigen Kontrolplatz wird mit Arrest bestraft.
Die Herren Bürgermeister resp. Ortsvorsteher werden ersucht, diese Bekanntmachung einige Tage vor den angesetzten Kontrolversammlungen wiederholen und hierbei die zum Erscheinen Verpflichteten auf das Mitbringen ihrer Militärpapiere besonders Hinweisen zu lassen.
Stöcke und Schirme sind vor der Kontrolversammlung abzulegen.
Gelnhausen, 16. Oktober 1899.
Königliches Meldeamt.
I theil der Operationen auf der inneren Linie ist für sie ausgeschlossen, da bei der Nothwendigkeit, die Grenzen in großer Ausdehnung zu bewachen, kaum ein Truppen- theil in genügender Stärke übrig bleibt, dem man eigentliche operative Ausgaben zuweisen könnte. Hierzu tritt erschwerend, daß man.in den beiden Hauptzentren geschlossene Massen zur Hülfcleistung an besonders bedrohten Grenztheilen zurückbehalten muß. Die Kriegführung der bkwen Staaten dürfte voraussichtlich an die Thätigkeit der Besatzung eines großen cingeschlossenen Platzes erinnern. So weit die Verhältnisse jetzt zu überblicken sind, werden die englischen Hauptkräfte auf der Linie Durban — Ladysmith operiren. Von letzterem Orte aus können sie sowohl Johannesburg wie Bloem- fontein bedroh'eu. Zum Vorgehen gegen diese beiden Punkte müssen sie sich allerdings erst der vorliegenden Höhen bei Laings Nek und bei van Reenen bemächtigen.
Hier sind wohl die ersten, den Ausschlag anbahnenden größeren Kämpfe zu erwarten. Im Verwehren der Uebergänge durch den nach Osten abschließenden Höhen- zug und im „kleinen Krieg" gegen die rückwärtigen Verbindungen wird die Hauptthäligkeit der Transvaal- Buren sich zunächst zeigen müssen. Zum Führen des »kleinen Krieges haben sie den Vortheil der Beweglichkeit und größerer Unabhängigkeit von ihren Verbindungslinien. Vertheidigung und „kleiner Krieg" entscheiden aber keinen Feldzug, oder doch nur dann, wenn der Gegner seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. Vom Standpunkt europäischer Kriegsführung in Berücksichtigung der strategischen Verhältnisse und des Umstandes, daß die Machtmittel Englands eine fortwährende Zufuhr von Material, Munition rc. gestatten, liegen somit die Verhältnisse für beide Freistaaten nicht günstig. Die langen Seewege, auf welche die englischen Truppensen- dungen und Nachschübe angewiesen sind, vermindern indessen etwas die Vortheile Englands, jedenfalls verlangen sie eine sorgsame Vorausberechnung undOrgani- sirung. Ueberdies können die weiten Wege, welche die englischen Truppen im Lande selbst zurückzulegen haben, die Gefährdung ihrer rückwärtige» Verbindungen, die Sicherstellung der Verpflegung, sowie die Natur des Landes und der Wege erschwerend für die englische, erleichternd für die freistaatliche Knegssührung sein.
Deutsches Reich.
Berlin. Eine Begegnung des russischen mit dem deutschen Kaiserpaare, und zwar in Potsdam, wird jetzt für die nächsten Tage angekündigt. Der Besuch soll nur auf wenige Stunden bemessen sein, aber bestimmt erfolgen.
— Prinz Heinreich von Preußen ist nach einer Mittheilung aus Ostasien nicht vor April 1900 in der Heimath zu erwarten. Der Prinz wird die Heimreise um Amerika herum antreten.
— Das Auswärtige Amt in Berlin erhielt amtlich die Meldung, daß in Asuncion (Argentinien) die Beulen- pest konstatiert sei, eingeschleppt aus Portugal; zugleich wird das Auftreten der Pest in Nordchina gemeldet.
— Frankreichs und Deutschlands Staatsschuld. Der neue französische Finanzminister hat soeben ausgerechnet, das die Staatsschuld Frankreichs rund 30 Milliarden Mark beträgt. Nach Frankreich kommt Großbritanien mit 16 Milliarden Mark. Dabei zählt Großbritanien derzeit schon 2 Millionen Seelen mehr als Frankreich — Deutschland 15 Millionen mehr! — und Englands Bevölkerung wächst jährlich um 300- bis 400,000, während die Frankreichs fast dieselbe bleibt. England ist zudem sicherlich erheblich reicher. Uebertrifft Frankreich wiederum Deutschland an Nationalvermögen, so ist unsere Verschuldung dagegen mit der französischen gar nicht zu vergleichen. Die Schuld des deutschen ReichS und die der deutschen Einzelstaaten mag zusammen etwa 12 Milliarden Mark betragen. Aber der französstche Staat hat seiner Verschuldung nur ein verhältnißmäßig geringes Aktivvermögen in Staatsbahnen u. s. w. ent« gegenzustellen, während Preußen, Bayern, Sachsen usw. in ihren Staatsbahnen, Domänen, Forsten u. s. w. einen Gegenwerth besitzen, welcher die Schulden überfteigt, so daß sie überhaupt nicht verschuldet sind. ■ Und die Schuld des deutschen Reiches beträgt immerhin erst etwa 27s Milliarden Fr. Während die Bevölkerung Frankreichs seit dem Sturze des Kaiserreichs noch nicht um 10 Proz. gewachsen ist, sind die Steuern um 80Proz., um 17s Milliarden Franken, in diesen 29 Jahren hinaufgegangen.