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MWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

3£ 84, Samstag, den 21. Oktober 1899. 50. Jahrgang.

Q Die Auswanderung aus Deutschland nach über­seeischen Ländern ist wieder in der Zunahme begriffen. So zählte die diesjährige Auswanderung über Hamburg 7928 Deutsche gegen 6221 im Vorjahre. Im ganzen wanderten 48 997 gegen 29 688 Personen über Ham­burg aus.

Einfuhr von Kartoffeln. Die hohen Preise, welche für die auf den Markt der großen Städte, Bade­orte usw. gebrachten, meist aus dem Auslande zugeführten Frühkartoffeln bezahlt werden, sollten eigentlich unsere Landwirthe und Gemüsegärtner anspornen, der Kultur guter Frühkartoffeln mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es handelt sich bei der Einfuhr ausländischer Kartoffeln fast ausschließlich um Speisekartoffeln und zwar vor­wiegend um Frühsorten, wie schon aus der Thatsache hervorgeht, daß die größte EiMuhr regelmäßig vor der gewöhnlichen Erntezeit in Deutschland stattfindet. Wir geben auf diese Weise jährlich mehrere Millionen Mark an das Ausland aus, was theilweise verhütet werden könnte durch Verbesserung bezw. Vermehrung der Jnlands- produktion. Die Einfuhr ist seit dem Jahre 1880 von 30 381 Tonnen im Werthe von 1 */a Millionen Mark auf 188131 Tonnen im Werthe von 10 Millionen Mark gestiegen. In den letzten zehn Jahren stellte sich der Werth der ein geführten Kartoffeln auf rund 72 Mill. Mark Von 1880 bis 1898 ist die Einfuhr aus Holland und Belgien von 7165 auf 89 428 Tonnen, die aus Oesterreich-Ungarn von 5948 auf 26 924 Tonnen, aus Italien von 1196 auf 10 083 Tonnen gestiegen. Im Gegensatz hierzu ist der Absatz deutscher Kartoffeln nach dem Auslande, der beispielsweise im Jahre 1880 auf 5 79 000 Tonnen im Werthe von 52 Millionen Mark sich bezifferte, inzwischen fortgesetzt zurückgegangen. Während der zehn Jahre 18891898 bewerthete sich die Ausfuhr nur noch auf 56 Millionen Mark, wovon 13,6 Millionen Mk. auf das letzte Jahr entfallen, das ausnahmswei'e noch einmal einen verhältnißmäßig großen Export, besonders nach Holland und England, wo die Ernte schlecht ausgefallen, aufzuweisen hatte.

Spandan. Die Hoffnung der Stadt Spandau auf das Hunderttausend Dollar-Vermächtniß eines Deutsch- Amerikaners ist nun endgiltig begraben. Nachdem das Schreiben, worin ein vor 40 Jahren nach Amerika aus- gewanderter Spandauer Namens Charles Wagner der Stadt zur Verbesserung des Straßenpflasters einen Theil seines Vermögens als Erbtheil versprochen, eingetroffen war, hatte der Magistrat an den angeblich in Santa Cruz im Staate Kali-'ornien wohnhaften Wohlthäter das Gesuch gerichtet, das Geld doch schon bei seinen Lebzeiten einsenden zu wollen, weil später bei einer Erbschafts- regulirung Schwierigkeiten entstehen könnten. Dies Schreiben kam als unbestellbar zurück. Darauf wandte der Magistrat sich an den deutschen Konsul in San Francisco mit der Bitte um Anstellung von Ermittelungen nach dem vermeintlichen Erbonkel. Der Konsul hat dem Magistrat jetzt erwiedert, daß der gesuchte Wohlthäter in Santa Cruz nicht existirc.

Halle. Dem Arbeiter N. in Siegclsdorf (Thüringen) ward unlängst ein Kind geboren, dessen Kopf fast voll­ständig dem eines Hasen gleicht; besonders ausgeprägt sind die löffelartigen langen Ohren, auch ist das Gesicht zum Theil behaart. Das unglückliche Geschöpf, das am Leben ist, soll der Klinik in Halle zugeführt werden. Bei Ortrand unweit Halle a. S. überfielen vier Kerle den Viehhändler Bachmann, nahmen ihm mehr als 22 000 Mk. ab und warten ihn alsdann gebunden in's Wasser; vier Stunden später gelang es ihm jedoch, sich selbst aus dem Wasser zu bc reien.

Remscheid. Wegen der rheinischen Militär Befreiungs­sache soll, wie dieBerl. Ztg." mitthcilt, in Remscheid eine Nachmusterung der letzten fünf Jahrgänge, zusammen von fünfhundert Mann, stattfinden und zwar noch im Laufe dieses Jahres. Eine sehr große Anzahl der jungen Leute dürfte dadurch in eine sehr mißliche Lage gerathen.

Mörs. Ein heiteres Vorkommniß, das buchstäblich wahr sein soll, ereignete sich jüngst in der Bürgermeisterei eines nicderrheinischen Landkreises. Es war dem Ge­meindevorsteher gelungen, sechs falsche Thaler zu beschlag­nahmen. Auf eine Anfrage wurde ihm der Bescheid, die Falschstücke sofort der Staatsanwaltschaft des Land­gerichts einzusenden. Dieser Verpflichtung kam das Gemeindeoberhaupt denn auch bald in der W.ise nach, daß er das falsche Geld bei der Orts-Postkasse einzahlte!!

-N^p^N«ap«°"t die »Schlüchterner Zeitung« 5?v|lLUimyl-ll werben nod) fortwährend von allen

~ ! Postanstalten und Landbriejträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

'J-Nr. 5966. Diejenigen Herrn Bürgermeister, in deren Gemeinden sich im Betriebe befindliche Getreide- Mühlen befinden, wollen mir binnen 3 Tagen ohne Erinnerung bei 5 Mark Strafe die Namen der Besitzer derselben mittheilen.

Schlüchtern, den 14. October 1899.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Reise des Kaisers nach England soll, wie dieKöln. Ztg." wissen will, am 18. November erfolgen. Prinz Albert von Schleswig Holstein Sonder- durg-Augustenburg, Oberleutnant im hessischen Garde- Dragoner-Regiment Nr. 23 in Darmstadt, ebenfalls ein Enkel der Königin Victoria, werde den Kaiser begleiten. Jagdbesuch des Kaisers in Rußland. Der Kaiser von Rußland soll sein in der Bjelowjesher Haide im Gouvernement Grodno belegenes Jagdschloß prächtig ausgestattet haben, um Kaiser Wilhelm Gelegenheit zu geben, der Wicsentpürsche obzuliegen. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland werden wahrscheinlich bis Anfang November in Wolfsgarten bleiben und dann vermuthlich den bereits angekündigten kurzen Besuch am kaiserlichen Hofe in Potsdam machen.

Der neue Cultusminister Studt hat den betheiligten Kreisen in der Provinz Brandenburg die Förderung der Volksbibliotheken durch einen besonderen Erlaß ans Herz gelegt und unter Umständen Staatsmittel zur Vertilgung stellen zu wollen erklärt. Wie wichtig dies Gebiet ist, bedarf keiner näheren Darlegung.' Nur auf einen Punkt macht dieKöln. Ztg." besonders aufmerksam, er betrifft den Inhalt dieser Bibliotheken.Derselbe kann unserer Meinung nach nicht gut genug sein, d. h. mit anderen Worten, solche Bücherhallen sollen nur Bücher enthalten die den Bildungsgrad der Lesenden wirklich zu heben geeignet sind. Eine Musterlcistung nach dieser Richtung hat die Firma Krupp in Essen in ihrer seit März d. Js. eröffnetenKruppschen Bücherhalle" geschaffen, die über 10 000 Bände der besten Litteratur enthält. Ueber die Erfahrungen, welche man dort gemacht hat hören wir aus zuverlässiger Quelle, daß 1. in viel stärkerem Maße, als man es sonst für möglich zu halten pflegt, Bücher höheren Niveaus von Arbeitern gelesen werden; die Gesammtbenutzung ist hinsichtlich Qualität der Bücher wie ihrer Menge eine erstaunliche, dabei unterliegt es für uns 2. keinem Zweifel, daß diese vorzügliche Aus­nutzung hauptsächlich den ausgezeichneten benutzungstech- Nischen Einrichtungen, das heißt mit anderen Worten bim Umstände zuzuschreiben ist, daß ein Fachmann die ganze Anstalt geschaffen hat. Daraus kann man unseres Erachtens folgende Schlüsse ziehen: 1. Wenn man allenthalben, namentlich aber in industriellen Orten, keine Volksbibliotheken niedrigen, sondern Bücherhallen höheren Niveaus natürlich auch mit einfachern Büchern gründet, so werden die intelligenten, geistig regsamen Arbeiter dem Gedankenkreis, in welchen die Sozraldemo- kratie sie bannt, am ersten entzogen werden. 2. dazu ge­hören natürlich überall nicht bloß Bücher der genannten Art, sondern auch die vorzüglichen technischen Einrichtungen. Beides ist da zu erreichen, wo die nöthige Anleitung gegeben wird, falls Mittel zur Anstellung eines Fach­manns nicht da sind. Für diese Anleitung aber sollte Staat oder Provinz Sorge tragen.«

Der Herausgeber derDeutschen Agrarkorre- spondenz" Edmund Klapper zu Berlin wurde wegen Majestütsbcleidigung zu 6 Monaten Festung verurtheilt

Nach den Hauptzahlen, die dieStatlst. Kcrrcsp." über die Bewegung der Bevölkerung Preußens im Jahre 1898 veröffentlicht, war die sich aus dem Ucberschuß der Geburten über die Sterbefälle ergebende natürliche Bevölkerungszunahme noch in keinem Jahr so groß wie im letzten. Dies ist einmal veranlaßt durch die große Zahl der Geburten, andererseits durch die geringe Zahl der Sterbesälle. Die natürliche Bevölkerugsvermehrung betrug im Jahre 1898: 544,342 Köpfe gegen 511,000 im Jahre 1897, 518,666 im Jahre 1896 und 478,396 jm Jahre 1895,

Der Postagent nahm das Geld ohne Anstand an, und so befinden sich die falschen Thaler wieder im Verkehr.

Zweibrücken, 17. Oktober. In verflossener Nacht wurde in Trulben das Anwesen der Wittwe Hungler angezündet. Die Frau selbst wurde ermordet und der Baarschaft beraubt.

Ausland.

Wien, 17. Oktober. Durch Verordnung der Mi- nisterieu des Innern, der Justiz, der Finanzen, des Handels und des Ackerbaues werden die Gautsch'schen Sprachenverordnungen für Böhmen und Mähren außer Kraft gesetzt. Durch die Aufhebung der Sprachenver- ordnung wird in den Sprachenverhältnissen in Böhmen und Mähren der Zustand wie vor dem 5. April 1897, also wie vor den badenischen Sprachenverordnungen wieder eingeführt und zwar provisorisch, da die gesetzliche Regelung der Sprachenfrage folgen soll. Alle deutschen Oppositionsblätter besprechen dieses von den Deutschen lange herbeigesehnte Ereigniß und betonen, daß die Deutschen zwar ihr Recht erlangt haben, aber für die Erhaltung ihrer Stelle weiterkämpfen müssen. Der Kampf gegen die Sprachenverordnungen dauerte zwei Jahre, sechs Monate und zwölf Tage. Die Aufhebung der Sprachenverordnung tritt heute in Kraft.

Wien, 17. Oktober. In Prag kam es heute Abend, wie zu erwarten war, zu drohenden und gefährlichen Massenansammlungen, die aber bis gegen */a10 Uhr durch starkes Aufgebot und rasches Einschreiten von Polizei und Militär im Zaume gehalten wurden, so daß gewaltthätige Ausschreitungen verhindert wurden. Bei Einbruch der Dunkelheit sammelten sich überall in der Stadt und in den Vororten Gruppen junger Burschen und zogen auf den Graben vor das Deutsche HauS. Dort wurden nationale Hetzlieder und auch Trauerchöre angestimmt, von Agitatoren Reden gehalten und Rufe gegen die Deutschen ausgestoßen. Als die Polizeiwache einschritt, zog sich die Menge zurück. In dem Vororte Weinberge war die Menschenmenge so groß und nahm eine so drohende Haltung an, daß das Militär in breiten Kolonnen die Straßen räumen mußte. Die Menge lüchtete, zog in die Stadt und sammelte sich wieder auf dem Wenzelplatz, wo sie sang und johlte. Die Führer der einzelnen Gruppen hielten von der Frei­treppe des Museums aufreizende Reden. Als der Wenzels- llatz von Tausenden dicht gefüllt war, schritt die be­rittene Polizei und die Wache zu Fuß mit gefälltem Bajonnet ein, um die Menge in die Seitengassen zu treiben. Junge Burschen mit Schleudern warfen Steine auf die Wachen, die Pferde, die getroffen wurden, scheuten. Die Wache zu Pferde hieb nun mit flachen Klingen ein, worauf die Masse in wilder Flucht sich zerstreute. Be­merkenswerth ist, daß in mehreren Straßen von Fenstern und Balkönen Ansprachen an die Menge über das Un­recht, das der Nation durch die Aufhebung der Sprachen­verordnungen angethan sei, gehalten wurden. Um 9 Uhr waren der Graben und der Wenzelsplatz geräumt. Es ist jedoch möglich, daß es noch später an anderen Orten zu Exzessen kommt. Schon heute Abend wurden Fenster von Geschäften, deren Besitzer Deutsche und Juden sind, mit Steinen zertrümmert. Das deutsche Theater und andere deutsche Gebäude sind mit Militär besetzt. Die Truppen sind in den Kasernen zum sofortigen AuS- rücken bereit.

Wien. Zum Polnaer Mädchenmord wird nunmehr bestätigt, daß, nachdem der angebliche Ritualmord an der Hruza vom Gericht selbst als nicht erwiesen erkannt wurde, die weitere gerichtliche Uuteriuchung gegen die Mutter des Mädchens und den Bruder eingeleitet wurde, auf welchen gleich nach der Entdeckung des Mordes der erste Verdacht gefallen ist.

Serajewo, 18. Oktober. In Ragusa erregt eine Verfügung der österreichischen Regierung großes Auf­sehen, womit der Postanweisungsverkehr mit Montenegro eingestellt wird, weil Montenegro sich der Verpflichtung entzieht, an Oesterreich-Ungarn die aus dem genannten Verkehr ihm geschuldeten höchst bedeutenden Beträge zu bezahlen.

Transvaal. Die Meldungen über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatze sind mangelhaft, entstellt und widerspruchsvoll. Beispielsweise hat man nach den vor­liegenden Nachrichten die Wahl, zu glauben, daß Mafeking von den Buren genommen worden sei oder daß die Engländer den Angriff der Buren zurückgewiesen haben,