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Samstag, den 28. April 1900.

51. Jahrgang.

Ro^l!n^aor, auf dieSchlüchterner Zeitung" merben notf) fortwährend von allen - ~ Postanstalten utd Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen. ^==. . ......-^------ --------

Amtliches.

Nr. 2516. Se. Maj. der Kaiser und König haM zu bestimmen geruht, daß in den öffentlichen Schulen die Schüler bei dem Unterrichte am 5. Mai d. J. tn geeigneter Weise auf die Bedeutung der am nächsten Tage eintretenden Großjährigkeit seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Konprinzen hingewiesen werden. Hiernach ist das Erforderliche bezüglich der im dortigen rreise befindlichen Schulen zu veranlassen.

Cassel, den 25. April 1900.

Königliche Regierung.

Abtheilung für Kirchen« und Schulsachen.

Der Kreis-Ausschuß hat auf den voraussichtlich am 1. Mai cr. erscheinenden neuen telegraphischen Wetterbericht Witterungsübersicht und Wettervor­hersage versuchsweise abonnirt und wird denselben nach dem Erscheinen, zunächst tn Schlüchtern, täglich Vormittags zwischen 1112 Uhr am Post-, Landraths-, Amts-, Rathhaus- und Seminar-Gebäude durch Auf­hängen veröffentlichen.

Da es für Landwirthschaft und Gewerbe von großer Wichtigkeit ist, die wahrscheinliche Witterung für den nächsten Tag schon Tags zuvor zu erfahren, kann ich nur dringend empfehlen, von dieser Neueinrichtung mög­lichst häufigen Gebrauch zu machen.

Schlüchtern, den 19. April 1900.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist am Donnerstag Morgen ; von Schlitz abgereist, um sich über Karlsruhe nach Donau-Eschingen zu begeben, von wo die Rückkehr nach Berlin am Sonntag erfolgt.

Der Hofstaat für den Kronprinzen wird jetzt allmählich gebildet. Zum Hofmarschall wurde vom Kaiser der militärische Begleiter des Kronprinzen, Oberstleutnant von Pritzelwitz vom 2. Garde-Regiment, ernannt, der demnächst nach Potsdam übersiedelt. Außer | einem Stallmeister, in der Person des Königlichen | Sattelmeisters Albrecht, stehen dem Kronprinzen ver­schiedene Reitknechte, Kutscher, Kammerlakaien und : Diener, auch diverses Küchenpersonal zur Verfügung, f Zu den aus den Beständen des Königlichen Marstalls f entnommenen Pferden treten sieben neue, die in Pots­dam eingeritten resp, eingefahren werden.

Der Besuch des Schah's von Persien in Berlin f soll offiziell für August angekündigt sein. Wie es heißt, k würde der Schah auf seiner Badereise die deutsche | Reichshauptstadt bereits im Juni inkognito berühren.

Zur Auswanderung nach Deutschland wird der Kreuzztg." geschrieben, daß in den letzten Monaten | sehr zahlreiche deutsche Bauern und Arbeiter aus ver­schiedenen Gegenden der Habsburgischen Monarchie nach s Deutschland ausgewandert seien, um ihre Lebensbeding ! Unzen zu verbessern, da die Verhältnisse in Ungarn f und Galizien so ungünstig geworden sind, daß eine Existenz dort für Viele zur Unmöglichkeit geworden ist. Die von dort Eingewanderten sind so sparsam, daß sie bei einem Tagesverdienst von 3 bis 4 Mk. durchschnitt- ! lich pro Monat 30 Mk. nach Hause schicken, trotzdem sie 70 Mk. für die Reise aufwenden müssen. Dabei sind die Leute tüchtige Arbeiter.

Der .Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend die Bestrafung der Entziehung elektrischer Arbeit. Dasselbe lautet: § 1. Wer einer elektrischen Anlage oder Einrichtung fremde elektrische Arbeit mittels tines Leiters entzieht, der zur ordnungsmäßigen Ent­nahme von Arbeit aus der Anlage oder Einrichtung nicht bestimmt ist, wird, wenn er die Handlung in der Absicht begeht, die elektrische Arbeit sich rechtswidrig zu- zueignen, mit Gefängniß und mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben der Gefängnißstrafe kann auf Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte erkannt werden. Der Versuch ist strafbar. § 2. Wird die im § 1 bezeichnete Handlung

'N der Absicht begangen, einem Anderen rechtswidrig Schaden zuzufügen, so ist auf eine Geldstrafe bis zu M0 Mark oder auf Gefängniß bis zu zwei Jahren

zu erkennen. Die Verfolgung tritt nur auf An­trag ein.

In einer sorgfältigen amtlichen Statistik der rückfälligen Verbrecher zeigt sich die sehr bemerkenswerthe Thatsache, daß mehr als die Hälfte aller Berufsver­brecher nur im Besitze einer mangelhaften oder ganz ungenügenden Schulbildung ist. Ein unverhältnißmäßig großes Kontingent liefern die östlichen, stark mit Volks­theilen nichtdeutscher Zunge durchsetzten Provinzen; fast ein Fünftel aller Rückfälligen ist polnischer Mutter­sprache, davon ein erheblicher Theil gänzlich ohne Schul­bildung Auch die Schule des Heeres hat kaum der vierte Theil der gewerbsmäßigen Verbrecher durchgemacht.

Das Programm des internationalen Sozialisten- kongresses, der im September d. J. in Paris stattfindet, ist zu schön, als daß wir uns die Mittheilung seines Inhalts versagen könnten. Es lautet: Politische und ökonomische Enteignung der Bourgeoisie, internationaler Friede, Abschaffung der stehenden Heere, Organi­sation der Seeleute, Gemeindesozialismus, u. s. w.

Die Petroleumlampe des armen Mannes. Ge räuschlos, aber zielbewußt und mit rücksichtloser Energie hat sich der von langer Hand vorbereitete Petroleum ring geschlossen.Das Privat-Petroleum-Monopol ist eine vollendete Thatsache", also lautet ein Satz aus dem neuesten Bericht der Handelskammer zu Düssel darf. Durch jahrelang fortgesetzte Preisdrückerei ist es der Deutsch Amerikanischen Petroleum Gesellschaft ge lungen, die Konkurrenz zu beseitigen. Jetzt, wo unter Führung der Standard Oil Company in New Aork die großen Petroleum-Gesellschaften nicht allein in Deutsch­land, sondern in fast ganz Europa, England, Schweden, Norwegen, Belgien, Holland Frankreich, Spanien und Italien das ganze Absatzgebiet unter sich theilen, bat auch die Preissteigerung begonnen. Im Dezember 1897 notirte Petroleum in Bremen 4,90 Mark, im Dezember 1899 dagegen 6,95 Mark. Diese Preis- steigeiung bedingt eine Mehrausgabe der deutschen Kon­sumenten für Petroleum von über 40 Mill. M. Kein Wunder, daß die Petroleum-Gesellschaften, trotz bedeu­tender Geschäftsunkosten und Abschreibungen. Dividenden von 60 v. H. und darüber zur Bertheilung bringen konnten. Derarme Mann" aber bezahlt diese Wucher- gewinne

Bremen, 23. April. In der oldcnburgi'chen S iadt Wildeshausen wurden heute Abend durch Großwuer mehrere Straßen mit achtzig Gebäuden zerstört. Menschen sind nicht verunglückt.

Münster i. W., 23. April. Als dringend verdächtig am 8. September 1898 hierselbst einen Postdiebstahl ausgeführt zu haben, wurde der frühere Postunterbe- amte Klaes verhaftet. Der damals entwendet" Werth- briefbeutel enthielt 130 000 Mk. Auf dem Hausboden des Verhafteten fand man in einem Versteck noch 95 000 Mark.

Hamm. Eine ungewöhnlich hohe Strafe verhängte das hiesige Schöffengericht in einer Beleidigungsklage gegen einen Fabrikdirektor. Derselbe war vor Kurzem im V-Zuge gefahren und hatte in einem Nichtraucher- Abtheil sich eine Cigarre angezündet. Bald kam der Zugführer und untersagte ihm das mit dem Bemerken, man habe ihn bei ihm denunzirt, er müsse das Rauchen daran geben. In seiner wohl entschuldbaren Erregtheit hat er den bekannten Ausspruch:Der größte Lump m ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant." Der sich hierdurch getroffen fühlende Mitpassagier trengte Klage an und erzielte denn auch die Verar­beitung des Fabrikdirektors zu 1500 Mark Geldstrafe.

In Bochum gab kürzlich das Waarenhaus Jos. Wolfs seinen Angestellten einFest", wofür die Firma dann in der Presse gebührend beweihräuchert wurde. Wie sich nun aber herausstellt, wurden die Kosten des Festes nicht von der Firma getragen, sondern aus der Strafgelderkasse der Angestellten gedeckt. Es ist deshalb interessant, zu erfahren, auf welche Weise die Straf­gelder zu Stande kommen. Vorausgeschickt sei, daß die von der Firma gezahlten Gehälter bis auf 40 Mark heruntergehen und die niedriger entlohnten Angestellten in puncto Strafgelder mit demselben Maße gemessen werden als die besser bezahlten. Für Erstere sind also die theilwcise horrenden Strafen doppelt empfindlich. FolgendeVergehen" werden auf administrativem Wege bestraft: Thür-auf-lassen 25 Pfg., 1 Minute zu spät 25 Pfg-, Gespräch untereinander 25 Pfg., Unbefugtes

Verlassen des Geschäftslokales 25 Pfg. Diesen nichts weniger denn milden Strafen wird aber die Krone auf­gesetzt durch den § 20 Absatz 5 der Arbeits- bezw. Geschäftsordnung. Derselbe lautet:. . . wenn er mit Angestellten des andern Geschlechts ein Liebesver­hältniß anknüpft, erfolgt nach der ersten Mahnung eine Geldstrafe von 30 Mark!! Nach der zweiten Mahnung erfolgt dann die sofortige Entlassung beider Theile, ohne daß ein weiteres Salair als bis zum Entlasfungstage beansprucht werden kann."

Bochum. Im hiesigen Centralgefängniß wurde ver­gangene Woche die Musterung abgehalten, zu der sich 154 Sträflinge im Alter von 20 bis 22 Jahren zu stellen hatten. Unter den Insassen des Gefängnisses befinden sich außerdem noch 150 im Alter von 12 bis 18 Jahren und 100 im Alter von 18 bis 20 Jahren, so daß das Centralgefängniß zur Zeit 400 jugendliche Sträflinge im Alter von 12 bis 23 Jahren beherbergt. Ein trauriges Zeichen der Zeit!

Düsseldorf. Gegen 11 Personen sollte vor der Düsseldorfer Strafkammer wegen Entziehung der Wehr­pflicht durch Auswanderung in contumaciam verhandelt werden. und es wurden auch zehn der jungen Leute zu Geldstrafen von je 160 Mk. verurtheilt. Bei dem lebten Angeklagten stellte es sich heraus, daß derselbe bereits als Kind von 2/t Jahren gestorben war, was gegen den Todten die Einstellung des Verfahrens so lautet der juristische Ausdruck zur Folge hatte. Warum die Sache üoerhaupt in die öffentliche Genchts- verhandlung gebracht wurde, ist Nicht recht vernändlich.

Ausland

London, 23. April. Der Korrespondent desStan­dard" meldet aus Vloemiontein unterm 20, April, daß es ungewiß sei, wie lange Marschall Roberts noch in Vloemiontein bleiben würde, da es nothwendig sei, vor dem Vormarsch die Flanke und den Rücken vom Feinde zu säuberu. Auch feien ungeheure Vorräthe für eine Armee von 70 OOu Mann aufzuspeigern, für den Fall, daß die Kommunikations Linie lange unter­brochen würde Noch immer feien Pferde er'orderlich. Jede aus England gebrachte Remonte koste 12"0 Mk General HamUian der öl bc ittene Infanterie-Division befehligt requirirt deshalb jetzt P c de im Freiuaat, wodurch zugleich die Buren einen Theil ihrer Wehr- Haftigkeit verlören Während sich die Lage der Buren in den letzten Tagen tbarfächlich gebessert hat, sucht es das Londoner RczlerungsM.ut, der Standard", so darzu- fieHen, als oo aas Gegentheil der Fall sei. Das Blatt sagt, die Vurea anen aus lyren esten Stellungen im Südoste» von ^lvemfouieur ocinleben worden und die Engländer hätten ine Höhen bei Oewetsport in ihren Beptz gebracht. Des ist eine mehr als optimistische Auslegung der jüngsten Kriegsereigniffe, die thatsächlich ungünstig für die Engländer waren. Da die Buren durch die Errichtung einer Geschützgießerei in Petroria jetzt in der Lage sind, den Abgang an ihrem Geschütz­park ohne Zeitverlust zu ergänzen, so können sie that­sächlich sehr ruhig in die Zukunft schauen. Auch im Westen des Oranjesreistaats haben die Buren insofern einen neuen Erfolg errungen, als es ihnen gelungen ist, Boshof einzuichließen. Ihr nächstes Lager ist nur fünf Meilen von dem genannten Orte entfernt. Cezil Rhodes hat sich schmollend aus London entfernt und befindet sich bereits auf dem Wege nach Südafrika. Von seiner Einmischung in die Kriegsangelegenheit hat nicht einmal sein Gesinnungsgenosse, der Colonialminister Chamberlain etwas wissen wollen. Der Ministerpräsident ^orb Salis« bury oder gar die Königin selber haben nicht im entferntesten daran gedacht, den Mann zu empfangen. Er will sich nun auch in Capstadt gar nicht aufhalten, sondern sofort die Reise nach Rhodesia antreten.

Aus Konstantinopel, 23. April, wird gemeldet: DaS türkische, bei Beyrut stationierte Torpedo-BootScham ' explodierte gestern auf der Rhede und sank unter. Zwei Offiziere, acht Unteroffiziere und der größte Theil der Mannschaft sowie mehrere an Bord befindliche Bevruter Notablen wurden durch die Explosion getö 'tet. 30 Per« onen sind dabei umgekommen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 27. April.

* Se. Majestät der Kaiser passirte auf der Reife nach Karlsruhe mittelst Sonderzug gestern Morgen kurz vor 10 Uhr die hiesige Station,