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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

«M 2. Samstag, den 5. Januar 1901. 52. Jahrgang.

^ bic «Schlüchterner Zeitung" werben nod) fortwährend von allen ......- ~ Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat, wie gewöhnlich, am Neu­jahrstage die kommandirenden Generäle in Berlin um sich versammelt. Ob er den preußischen Landtag dies­mal persönlich eröffnen wird, steht dahin.

Preußenjubiläum und Kaisers Geburtstag. Der Kaiser hat befohlen, daß an sämmtlichen preußischen Universitäten, Akademien und allen höheren und niederen Schulen am 18. Januar das 200jährige Krönungs jubiläum durch einen Festakt unter Wegfall des Unter­richts festlich begangen werden soll. Mit diesem Festakt soll in diesem Jahre die Feier des Geburtstages des Kaisers derart verbunden werden, daß am 27. Januar keine besondere Feier stattfindet.

Ein außerordentlich reicher Ordenssegen wird sich zum diesmaligen preußischen Krönungs- und Ordensfest aus Anlaß der 200jährigen Jubelfeier des Königreichs Preußen ergießen. Das preußische Staatsministerium hat darüber, wie über die Thronrede zu der vom Grafen Bülow zu eröffnenden Landtagsfessiou berathen. Der Staatshaushalt wird dem Landtage sofort bei seinem Zusammtritt am 8. Januar unterbreitet.

In Berlin war das Gerede aufgetaucht, die Schatulle der Kaiserin habe bei dem Zusammenbruch der Bankfirma Anhalt und Wagner 1 y, Millionen Mark verloren. -Die genannte Firma hat allerdings Coupons für die Schatulleuverwaltung der Kaiserin einkassirt, doch sind keinerlei Verluste zu beklagen. In dem Verfahren gegen den Bankdirektor Sanden haben die Gerichte schwere Arbeit, festzustellen, welche Geldeinlagen Sanden und welche seiner Frau gehören. Es scheint bald, als

nach dem Ergebniß der bisherigen Versuche wahrscheinlich ist, so dürfte er eine neue Berufskrankheit im Gefolge haben.

DemArbeitsmarkt" zufolge hat die zunehmende Verschlechterung der wirthschaftlichen Lage das Verhält­niß von Angebot und NachfrAge auf dem Arbeitsmarkt gegen das Vorjahr gänzlich geändert: an Stelle des Ueberwiegens der Nachfrage ist überreiches Angebot ge­treten. Bis zum August war die Lage noch immerhin günstig, wenn auch nicht mehr in dem Grade, wie es 1899 der Fall war. Von September an ist in der raschen Zunnnhine des Angebots im Vergleich zu den beiden Vorjahren eine Verschlechterung nicht mehr zu verkennen. Diese Erscheinung wird einmal dadurch erklärt, daß in den gewerblichen Betrieben die Neuein- ste düngen zur Ausnahme werden, sodann aber auch dadurch, daß von Juni ab die Zahl der beschäftigten Arbeiter in Folge von Entlassungen abgenommen hat. Leider wird weiterhin noch bemerkt, daß das Jahr 1900 nur erst den Anfang der Krise bedeute und ein weiterer Niedergang im neuen Jahr bevorstehe.

Leipzig. Ein Zechpreller mit gesegneten Appetit hat in Leizig eine Gastrolle gegeben. Ein Berliner Kommis kehrte in ein Lokal ein und verzehrte in verhältnißmäßig kurzer Zeit 8 Portionen Essen, trank 11 Flaschen Wein, 11 Tassen Kakao und rauchte 13 Zigarren. Als er die über 60 Mark betragende Zeche berichtigen sollte, stellte es sich heraus, daß er nicht einen Pfennig Geld bei sich hatte. Ein Schutzmann brächte den Vielfraß zur Wache.

Maiuz, 29. Dez. (Die holde Weiblichkeit.) Die Zuckerwaarenhändlerin Divenast schlug während eines Streites den 58 Jahre alten Schicßbudenbcsitzer Michael Smuster mit einem Weinglase derart an den Kopf, daß der Mann im Rochushospital an den Folgen starb. Die streitbare Dame sowohl wie ihr Mann und ein Tagc- l löhner Namens Schlappert wurden verhaftet. Die

bei Krankheits- und Nothfällen unterstützt werden sollen. Weitere Zuschüsse sind vorbehalten.

ob alle guten Hypothekeu-Anlagen auf den Namen seiner j Sektion der Leiche des Schießbudenbesitzers Schuster er* Frau, alle schlechten auf den Namen seiner Bank eintragen gab, daß die tödtliche Verletzung nicht mit einem Wein-

ließ. Das gesummte Privatvermögen der vier verhafteten Direktoren, soweit es noch erreichbar war, ist inzwischen gepfändet und thcilwcisc mit Beschlag belegt worden, ebenso sind die nothwendigen Veräußerungsverbote von den zuständigen Behörden erlassen worden. Auch das Grabdenkmal, welches Kommerzienrath Sanden in seinem Erbbegräbniß auf dem städtischen Fricdhofe zu Potsdam errichten ließ, wird wahrscheinlich der Beschlagnahme an= Heimfallen, da es nicht als Grabmal im Sinne des Ge­setzes aufzufassen ist. Es ist eine in weißem Marmor ausgesührte Kopie des vor dem Potsdamer Mausoleum stehenden, segnenden Christus von Thorwaldsen, mit der Inschrift:Kommet her zu nur alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!- Der Werth des Denkmals wird auf dOLOO Mark geschätzt. Es sei bei dieser Gelegenheit erwähnt, daß in der sogenannten Pfingstkapelle zu Potsdam sich eine im Jahre 1894 er­richtete Ehrentafel befindet, die mit goldenen Lettern auf schwarzem Marmor die Worte trägt:Zum ehrenden Gedächtniß dem Bankdirektor Eduard Sunden."- Es wird behauptet, daß Sanden sein etwa dreißig Millionen betragendes Vermögen, welches er während seiner Thätig­keit als Bankdirektorerworben" haben soll, auf seine Frau übertragen habe, sodaß es für die Gläubiger nicht mehr erreichbar sei.

Im Haupttelegraphenamte zu Berlin sind in diesen Tagen vier neue Apparate ausgestellt worden, die für den telegraphischen Verkehr zwischen Berlin und Paris bestimmt sind. Die Apparate sind die Erfindung eines Franzosen Namens Baudot. Französische Techniker haben hier deren Aufstellung bewirkt und Beamte der französischen Telegraphenverwaltung haben den Betrieb erläutert. Diese Baudot Apparate ermöglichen es nicht

nur, auf einem Drahte gleichzeitig vier Depeschen, zwei hin, zwei zurück, zu übermitteln, sie empfehlen sich auch deshalb, weil sie den Inhalt der Depeschen in Typen­druck, gleich den Hughcs-Apparatcn wiedergcbcn. Be­merkenswerth ist ferner die Sicherheit, mit welcher der Baudot-Apparat arbeitet. Die Bedienung dieses Appa­rates ist freilich in hohem Grade nervcnzerrütteud. Der mit der Bedienung betraute Beamte hat mittelst eines zu dem Apparat gehörenden Telephons festzustellen, ob ;

glase, sondern mit der Spitze eines Schirmes, mit dem Frau Divenast auf den Schuster eingestochen hatte, her- beigeführt worden ist Frau Divenast, eine wahre Me­gäre, trügt übrigens an dem ganzen Vorfälle die Schuld. Sie hatte den Streit begonnen. Wegen Körperverletzung

mit tödtlichem einmal zu 6 Damals hatte ihrem Wagen

Erfolge ist sie vor einigen Jahren schon Monaten Gefängniß verurtheilt worden, sie absichtlich ein kleines Kind, das an spielte, mit einem Kessel voll heißen

Wassers begossen, wodurch der Tod des Kindes herbei­geführt wurde. Der Ruhm der Frau Divenast hat offenbar die Ehefrau des früheren Schneiders und jetzigen Tagelöhners Schwer, Kästrich Nr. 13 wohnhaft, nicht schienen lassen. In der Nähe des Forts Karl zer­trümmerte sie ihrem Ehemann eine Bierflasche am Kopfe, daß derselbe aus mehreren Kopfwunden blutend zusammen- fant Die Unholdin ließ ihn ruhig liegen und entfernte sich. Eine Militärpatrouille fand den völlig erschöpften, schon in vorgerückten Jahren stehenden Mann und brächte ihn nach der Neuthorwache von wo er in das Spital kam. Hier wurde festgestellt, daß die Wunde möglicher Weise den Tod des Bedauernswerthen hcrbeiführen könne. Untersuchung ist eingeleitet.

Würzburg, 1. Januar. Das Kommando des 2. bayerischen Armeekorps wird von Würzburg nach Lindau in der Pfalz erlegt. Ueber den Zeitpunkt entscheidet oer Kostenpunkt. Die Verlegung kostet nämlich soviel, daß vorläufig das bayerische Kriegsministeriam niht in der Lage ist, den Posten in den Etat einzustellen.

Aus der Pfalz wird derFrkf. Zkg." geschrieben: Wie man den Tabakdauern auf dein Wege der Selbst­hilfe zu höherem Ertrag verhelfen kann, zeigt ein Erfolg der Raiffeisen Vereinigung zu Lorsch an der hessischen Bergstraße. Die an den Verein angeschlossenen Bauern haben für den besten Tabak 31 Mk. für geringsten aber immer noch 26 M. erhalten, während die übrigen Tabak- bauern als allerhöchsten Preis nur 24 Mk. erhielten.

Aus Baden. Ein Knecht, der seinen Herrn zum Erben einsetzt, ist wohl noch nicht dagewesen. In Nastadt ver­starb kürzlich der Dienstknecht Ph. Kratz, der über­

30 Jahre bei einem Brauer in Dienst gewesen, und setzte seinen Dienstherr» als Erben für seine Erspar- die Vermittelung der Stromsendung in einem bestimmten, | niffe von 1200 Mk. ein. Der Dienstherr hat die Erd- den Betrieb ermöglichenden Takte erfolgt. Dieser be-i schaff angetreten und aus ihr, unter Erhöhung des ständige Gebrauch des Fernhörers greift ungemein an.! Betrages auf 5000 Mk., eine Stiftung gemacht, aus Wird der Baudot-Apparat allgemein eingesuhrt, was welcher alle Brauerciarbeitcr nach drei Jahren Dienst

Ausland.

Frankreich. Ehe die Regierung sich es versieht, dürfte sie mitten im einem Kulturkämpfe stehen. Auf die Vor­lage der Regierung über das kirchliche Vereinswesen, durch welches besonders die geistlichen Genossenschaften getroffen werden sollen, hat der Papst mit der Drohung erwidert, er würde in der Frage des Protektorats über die Katholiken tm Orient nicht mehr Frankreich begünstigen. Durch diese Drohung allein wird sich die Regierung schwerlich schrecken lassen. Aber der Papst hat dem katholischen Frankreich gegenüber noch ganz andere Macht­mittel in der Hand und dürfte sie auch anwenden.

Transvaal. In der Lage auf dem Kriegsschauplatze ist keine Aenderung eingetreten und in absehbarer Zeit auch keine ernstlich zu erwarten. Lord Kitcheners Truppen sind mehr oder minder marode, sie können die Strapazen nicht mehr aushalten, und das ist nach dem, was die Buren ihnen zumuthen, auch nicht wunderbar. Die Niederlage einer englischen Kolonne bei Helvitia, unweit Lydenburg, beweist, daß auch dieser Distrikt, in dem schon vor mehreren Monaten jeder Widerstand gebrochen sein sollte, noch im Besitz der Buren ist, und der Ver­lust von mehreren Hundert Mann bestätigt das oben über die Marodigkeit der britischen Truppen Gesagte. Der Umstand, daß die Buren jetzt so häufig Heinere englische Kolonnen mit gutem Erfolg angreifen, läßt klar erkennen, daß die Herbeischaffung von Lebensmitteln und Pferdefutter immer schwieriger wird, denn fast alle diese Kolonnen waren Proviantkolonnen, die nach allen Rich­tungen der Windrose hinausgeschickt waren. Die Buren wissen ganz genau, wo die Achillesferse ihrer Gegner ist. Hunger soll sie zum Lande hinaustreiben. In der Kap- kolon:' wo sich die einzelnen Kolonnen der Buren noch immer frei und nach ihrem Willen frei bewegen, dauern die Verhaftungen bekannter nichtenglischer Persönlichkeiten fort. Daß darin alles andere als eine Beruhigung der Kapholländer zu suchen ist, liegt doch auf der Hand. Lord Kitchener muß selbst einräumen, daß die Zerstörung der Eisenbahnen in der Kapkolonie durch die Buren un­gehemmt fortschreitet. Bei Rosmead nahmen die Buren einen ganzen englischen Proviant- und Munitionszug, den sie verbrannten, nachdem sie sich mit allem, was sie gebrauchen konnten, versorgt hatten. 60 Engländer wurden gefangen genommen. Auch bei Middelburg sind Burenscharen über die Grenze gebrochen, britische Truppen zum Widerstand fehlten. Ein Aufruf an die Kapkolonisten, sich den englischen Truppen anzuschließen, den die Re­gierung veröffentlichte, hatte gar keinen Erfolg; wie es mit den Briten steht, zeigt aber die Thatsache, daß der Aufruf nöthig wurde.

Nette Aerzte. Ein soeben aus Südarika zurück- gekehrter englischer Arzt, Dr. Pernington, hielt in einer Londoner ärztlichen Gesellschaft einen Vortrag über die Erfahrungen im südafrikanischen Kriege. Er er­klärte dabei, daß neun Zehntel aller englischen Aerzte ganz unerfahrene Leute gewesen seien und bis zu rhrer Abreise nach dem Kriegsschauplätze Chirurgie höchstens in einem theoretischen Lehrkursus kennen gelernt hätten. Nach seiner Ueberzeugung seien an den Ver­wundeten 10- tus 12000 unnöthige Amputationen von Armen und Beinen vorgenommen worden, unb die Mehr­zahl der heimgekehrten Krüppel könne als Opfer der ärztlichen Unfähigkeit des britischen Sanitätsdienstes an­gesehen werden.

China. Die Annahme der von den Gesandten in Peking aufgestellten Friedensbedingungen durch den chine­sischen Hof scheint Thatsache zu sein, denn eS liegen heute wieder folgende Meldungen in diesem Sinne vor: Die Bedingungen der gemeinsamen Note der Mächte sind am Sonntag Nachmittag vorbehaltlich angenommen worden und zwar durch eine Note, die folgenden Wort­laut hat: .Tsching und Li-Hung Tschang nehmen im Namen Chinas die diesem auserlegten Bedingungen an und bitten um eine Zusammenkunft." Die Vollmachten der chinesischen Friedensuuterhändler sind völlig regelrecht. Man glaubt, daß die Unterhandlungen mit ihnen in einigen Tagen beginnen werden. Unsere deutschen Streif­kolonnen haben auf ihren Zügen wertere erhebliche Beute an Munition und Kriegsausrüstungen aller Art gemacht. Die Boxe'scharen lassen sich aber doch nicht so leicht ganz ausrotten. Sie tauchen immer von neuem auf, jetzt