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ZGuchternerMtung

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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 16. Februar 1901

52. Jahrgang.

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"Uf dieSchlüchterner Zeitung" werben uod) fortwährend von allen >>n-- Postanstalten und Landbriefträgern,

-sowie von der Expedition entgegen genommen.

Artikels über die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Lord Roberts, worin dieser mit dem Räuber Kneißl verglichen wird.

Iir Deutsches Reich.

Berlin. DieRhein-Wests. Zeitung" erfährt von j unterrichteter Seite, bei der Erkrankung der Kaiserin .Friedrich handle es sich um Wassersucht, die mit einer 18 unheilbaren Nierenkrankheit, angeblich Nierenkrebs, Zu­sammenhänge. Es könne sich nur darum handeln, der £ Kaiserin die mit ihrer Krankheit verbundenen Schmerzen nach Möglichkeit zu lindern und den Eintritt der von den Aerzten als unvermeidlich angesehenen Katastrophe soweit z wie möglich hinauszuschieben. Wie gefährlich die un * mittelbar das Leben bedrohende Krankheit sei, dafür spreche der Umstand, daß der Kaiser und die Geschwister wieder beständig in der Nähe der Mutter weilen.

1 Nach dem jüngst erschienenen 5. Verzeichnisse der

beim Reichstage eingegangenen Petitionen sind rund 400 Petitionen mit über 12 000 Unterschriften eingegangen, 1 in denen die Wiedereinführung der Prügelstrafe bei

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Roheitsverbrechen gefördert wird. Dem Vernehmen nach ist das nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil der im Lande noch umlaufenden Petitionen, wie das offizielle Verzeichniß hervorhebt, von Angehörigen der verschieden­sten Berussklassen und Stände aus allen Gauen des deutschen Reiches

Kleine Briefe. Herr v. Podbielsky ärgert sich mit Recht über die Leute, die bei ihren Korrespondenzen, anstatt sich vernünftiger, landesüblicher Couverts zu be­dienen, die Post mit allerlei abenteuerlichen Formen der Briefumschläge behelligen nnd ihre Arbeit erschweren. Der Staatssekretär des Rcichspostamtcs hat in der Budget­kommission des Reichstages eine Sammlung von un­gewöhnlichen Briefformaten, dreieckigen, runden, ganz winzigen rc. vorgezeigt und Maßnahmen zur Beseitigung dieses neuen Sports angekündigt. Auch bei der vom Staatssekretär eingerufenen, demnächst stattfindenden Post- konferenz bildet die Frage, wie ein gleichmäßiges Format der Briefe zu erreichen wäre, einen Punkt der Tages­ordnung. Wie es scheint, will man sich auf Versuche beschränken, auf das Publikum durch Ermahnungen und Belehrungen ein zuwirken. Das große Publikum soll darauf hingewiesen werden, daß es im Interesse der Sicherheit und Schnelligkeit der Briefbeförderung liegt, die Bedürfnisse des Postbetriebes zu berücksichtigen. Schließlich kann ja jeder seinen Geist in den Schreibe­briefen selbst leuchten lassen. Dagegen hat Herr von Podbielsky nichts. Aber im Format wünscht er keine Mätzchen" undKinkerlitzchen".

Ungeschminktes aus China" überschreibt die kleri­kaleKöln. Volksztg." einen ihr aus Peking zugegangenen Bericht, in dem erklärt wird, daß die Roheit auch unter den deutschen Soldaten in erschreckender Weise zunehme. In großer Zahl würden die Soldaten zu langjährigem Zuchthaus oder Gefängniß wegen Mordes, Nothzucht oder Einbruchs verurtheilt. Wir verlieren mehr Leute an Zuchthaus als an Tod. Die Krankheiten treten gleichfalls sehr heilig auf: viele Typhusfälle kommen vor, dagegen nimmt die Ruhr ab. Was in diesem Berichte über disziplinarwidrige Ausschreitungen unserer Soldaten gesagt ist, glauben wir nun und nimmermehr. Dazu ist die Zucht im deutschen Heere denn doch eine zu feste und straffe, als daß solche Exzesse vorkommen könnten.

Ausland

Budapest, 13. Februar. Durch die Temesvarer Be­hörde wurde eine in Südungarn seit geraumer Zeit or- ganisirte Auswanderungsaktion ermittelt. Vor einigen Tagen wurde die Answanderung von 200 Personen, welche unter dem Titel einer Anwerbung für die deutsche Kolonieschule für die südafrikanischen deutschen Kolonien bestimmt waren, verhindert. Die Behörde setzte ihre Er­hebungen fort und stellte fest, daß die Anwerbungen, wie Temesvarer Meldungen besagen, durch einen Dr. Al- dinger in Witzenhausen erfolgen.

Spanien. Ernste Unruhen sind ausgcbrochen, die ihre Spitze gegen die Jesuiten richten. In Madrid mußte die Polizei wiederholt ein schreiten und zahlreiche Verhaftungen vornehmen; einige Personen wurden ver­wundet. Am Sonnabend Abend wurden der Wagen des Nuntius und des Ministers des Innern mit Steinen beworfen. Neuerdings dehnt sich die Bewegung auf verschiedene Provinzüädte aus.

Mexico. Der Kabel Correspoudenz wird aus Mexico unter dem 8. Februar telegraphirt: Die fürchterlichste Explosion mit den gräßlichsten Folgen hat sich gestern in der Nähe von Chihuahua ereignet. Die Silbermine von San Andreas hatte vor einigen Tagen ihren Dyna- mitvorrath für die nächsten sechs Monate erhalten und 300 Kisten des gefährlichen Sprengstoffes waren unvor­sichtiger Weite in der Nähe der Minenwerke und des Dortes aufgeschichtet worden. Gegen Mittag explodirte diese ungeheure Masse mit einem Schlage und mit solcher Wirkung, daß von sämmtlichen Gebäuden auch nicht ein Stein auf dem anderen blieb und über 90 Personen ihren Tod fanden. Diese Unglücklichen sind zum großen Theile buchstäblich in Atome zerrissen und ihre Körper-

wagen an der Geburt gestorben, ebenso das Kind. Drei andere Frauen haben auf dem Bahnhöfe geboren usw."

Kapstadt. Piet Dewet und Paul Botha, beide Dele- girte des Friedenskomitees, befinden sich in Kapstadt. Ihr Erscheinen bezweckt, die Mitwirkung der Afrikander zu erlangen, um mit ihrer Hülfe die Buren zum Frieden zu bestimmen. In einem Interview erklärte Dewet, er habe freiwillig und ohne irgend welchen Einfluß sich an die Spitze der Friedensoermittler gestellt. Ueber die noch im Felde stehenden Buren äußerte er sich dahin, daß dieselben aus drei Kategorien beständen, erstens de»«- jenigen, welche der Meinung sind, daß ihre religiöse Pflicht sie zum Widerstände zwinge, zweitens denjenigen, welche unter dem vollständigen Einfluß der Militärzucht stehen und endlich denjenigen, welche nichts mehr zu ver­lieren haben. Die beiden ersten Gruppen könnten sich wohl zur Uebergabe verstehen, während die letztere sich dem naturgemäß widersetzte. Auch die Anhänger von Christian Dewet würden sich niemals übergebeu. Das­selbe gelte von den Truppen, die sich bei dem Komman­danten Louis Botha und dem Präsidenten Steijn be­finden. Der schwarze Tod geht um. Typhus und Enteritis waren seine Wegbereiter, die mit Sicheln schnitten. Jetzt kommt die Pest mit mächtiger Sense und mäht zu Garben das britische Heer. Fünfzig Todte auf den Tag, das ist so jetzt der Durchschnitt. Und die Widerstands­kraft der Tommies ist gering, denn gut ein Drittel ihrer kommt schon verseucht nach Afrika. Nicht mit Pest ver­seucht, aber mit ebenso schlimmem. Eine Sittenkontrole deutscher Art giebt es in allen Garnisonstädten nicht, die Folge ist ein erschreckendes Grassiren geheimer Krank­heiten in der englischen Armee. Nun kommen jetzt noch dazu ganz junge Rekruten an die Front, Rekruten au- dem Mutterlande und der Kapkolonie, die kein militärische- Training hinter sich haben, körperlich darum erst recht leicht angreifbar sind. Mit den sanitären Maßnahmen sieht es aber böse aus. Die Wahrheit über die eng«

theile auf unglaubliche Entfernungen fortgeschleudert, lischen Verluste in Südafrika. Lord Kitchener giebt in worden. Glücklicher Weise befanden sich fast alle in dem

Dorfe lebenden Bergleute in den unterirdischen Minen- gängen und wurden so nur zum Theil verschüttet, während von ihren Familienangehörigen im Dorfe noch nicht ein Dutzend mit dem Leben davon gekommen ist. Wäre die Explosion in der Nacht erfolgt, so würde der Verlust an Menschenleben nach Hunderten zählen. Die Werke liegen auf einem hohen Bergzuge, dessen Formation insofern eine vollständige Veränderung er­fahren hat, als durch die Explosion der ganze mittlere Hügel gesprengt und ein förmlicher Thalkessel gebildet worden ist. Natürlich ist der Betrieb der außerordent lich reichen Mine vernichtet und ein Schaden von vielen Millionen an Dollars angerichtet worden. Der Werth der Mine selbst wird auf 100 Millionen geschätzt. Von der Hauptstadt aus gehen Extrazüge mit allen verfüg­baren Aerzten, Krankenpflegern u. s. w. und mehreren Militär-Abtheilungen nach Chihuahua ab; man fürchtet aber, daß ausreichende Hilfe einstweilen kaum geleistet werden kann. Ueber die Ursachen der Explosion hat sich natürlich noch nichts feststellen lassen; es heißt aber,

daß ein Racheakt Seitens einiger Angestellten gegen Leiter der Mine vorliegen soll.

Aus Südafrika. Von großem Interesse ist Brief eines Arztes, der einem Schweizer Blatte Verfügung gestellt wird und ein grelles Licht auf

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seinen Gefechtsberichten die Verluste seiner Kolonnen immer nur auf wenige Mann an Dem Berl. Tagebl." sind jetzt Burenbriefe ausgehändigt, die ganz andere Dinge mittheilen. Dieselben behandeln die Gefechte bei Donkerpoort am 11. und 12. Dezember, wo die Eng­länder total geschlagen wurden und an 10001200 Todte und Verwundete hatten. In dem Bericht heißt es:Die Engländer gingen in drei Kolonnen vor, ge« riethen aber in ein schweres Kreuzfeuer. Dann versuchten sie es mit einer Kavallerie-Attacke gegen den linken Buren­flügel. Die britischen Lanzenreiter griffen mit großer Bravour an, aber bald stürzten Roß und Reiter unter den wohlgezielten Schüssen massenhaft zusammen. In schnellster Flucht suchte sich der Rest der Kavallerie der talen Vernichtung zu entziehen und hinter ihnen her die Buren. Amspringen laden, abspringen, fünf Schuß ab'euern, wieder aufipringen war das Werk eines Augen­blicks. Mehr als drei englische Meilen wurden die Lanzenreiter noch auf diese ungestüme Weise verfolgt. Die anderen englischen Kolonnen, die anfänglich einige Vortheile errungen hatten, mußten unter dem Einfluß des entsetzlichen Kreuzfeuers ebenfalls schnell zurück, in ganzen Haufen lagen die Leichen umher. Abends um 6 Uhr war der Sieg der Buren auf der ganzen Linie entschieden." Da liegt andere Musik drin als in den Berichten Lord Kitcheners.

Kölu. Ein folgenschweres Unglück wurde in Köln durch das Scheuwerden des Pferdes eines Wagens herbei ge'ühlt. Als am Sonntag Abend 9'/2 Uhr die Familie eines Baumeisters heimwärts fuhr, scheute das Pferd Aund ging mit dem Wagen durch. Der Kutscher wurde 2 vom Bock und zwei Insassen aus dem Wagen auf das f Straßcnvflaster aefdileiihert. hin st? l<Jhnn>rnprf<>hf tipnon

Straßenpflaster geschleudert, wo sie schwerverletzt liegen blieben. Alsdann rannte das Pferd dem Rheinufer zu und stürzte die Böschung hinab in die hochgehenden Ruthen Dem Heizer eines Dampfschiffes gelang es, einen Herrn zu retten. Die übrigen Insassen ver­schwanden mit Wagen und Pferd im Strom. Die Leiche der Frau des Baumeisters wurde bereits geländet.

Gera. Eine Geburtenstcuer ist für Reuß j. L. in Aussicht genommen, zum Mißvergnügen der Bevölkerung Die Steuer soll 50 Pfg. für jede Geburt betragen und der Unterstützungskasse der Hebammen zufließen.

Aschaffenburg, 12. Febr. Die Nr. 38 desBeo Wachter am Main" ist konsiszirt worden wegen eines

dortigen Verhältnisse wirft:Wir sind gesundheitlich wohl, aber sonst sieht es böse aus, und es ist vorläufig auch gar keine Aussicht auf Besserung vorhanden. Die Buren fechten jetzt, sehr tapfer und haben vor allen Dingen bessere Führung; auch sind sie vorsichtiger und schießen die Verräther todt. Es kann also noch sehr lange dauern, namentlich wenn es wahr ist, daß die Kolonie aufsteht. Die Engländer verbrennen die Farmen und schaffen Frauen und Kinder als Kriegsgefangene nach Johannes bürg, wo sie hart behandelt werden. Hochschwangere Frauen u. s. w. werden ohne Rücksichten transportirt, und cs sind die Greuel nicht zu beschreiben. Die Nahrung besteht für eine Frau wöchentlich aus 7 Pfund Mehl, 4 Unzen Salz, 4 Unzen Kaffee und Kohlen. Kein Holz, keinen Zucker, keine Milch, kein Fleisch, kein Gemüse, keine Kerzen, keine Seife. Die soeben entbundenen Frauen können ihre Kinder nicht stillen, da sie keine Milch haben. Man will die Buren ausrotten. Die Kinder sterben massenhaft; ich fürchte, daß Skorbut ans- brechen werde. Gestern ist eine Frau im Eisenbahn-

Lotales und Provinzielle-.

* Schlächtern, 15. Februar.

* Dem Straßenmeister Geschwindner zu Schlüch- tern wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen,

* Nach Beschluß des KreiSausjchusseS wird all­jährlich eine Nachprüfung der Gemeinde Zuchtbullen durch die Körungs-Kommiffion unter Leitung des LandrathS am Standort der Bullen vorgenommen werden. Von einer vorherigen Impfung der Bullen soll, mit Aus­nahme der Fälle, wo Tuberkulose-Berdacht vorliegt, ab­gesehen werden.

* Der Winter sucht uns diesmal tüchtig mit Schnee heim. Zu der bereits lagernden beträchtlichen Schneemasse fällt täglich neuer hinzu. Jetzt ist es be­sonders am Platze, Futterplätze für die in die Ort­schaften flüchtenden Singvögel zu unterhalten.

* Billige Kohlen. Das Westfälische Kohlen- Syndikat liefert, wie man hört, seit einigen Wochen