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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

W 15.

Mittwoch, den 20. Februar 1901.

52 Jahrgang.

auf bie .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -4?- j."-!!!!.1.."1!"' . . Postanstalten und Landbriesträgern, istwie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Cr»«btrg, 16. Febr. Der Kaiser traf mit dem ' lrinzen Heinrich heute Nachmittag 3 */2 Uhr im Schlitten Mf Schloß Friedrichshof ein und kehrte nach viertel- ündigem Aufenthalt mit seinem Adjudanten nach Hom­burg zurück. Prinz Heinrich ist hier geblieben. Man staubt, daß König Eduard von England etwa Mitte "März in Homburg eintrifft und daß bis dahin das österliche Hoflager dort bestehen bleiben wird.

Berlin, 14. Februar. Nach einem Telegramm aus ^ortsmouth hat die königliche JachtViktoria und Albert" eute den Befehl erhalten, den König und die Königin ton England nach Deutschland und wahrscheinlich auch Hach Dänemark zu bringen. Das Kanalgeschwader wird Je Schiffseskorte stellen.

Eine Erklärung finden die Auszeichnungen briti- fher Militärs durch den deutschen Kaiser vielleicht durch wlgende Mittheilung derRheinisch-Westf. Ztg.": Kaiser Wilhelm soll sich diesem Blatte zufolge bitter darüber behagt haben, daß die Sendung des Grafen Waldersee lrch die Intriguen Frankreichss, Rußlands und der ereinigten Staaten von Nordamerika geradezu illusorisch gemacht worden sei. Einen wirklichen Oberbefehl über ;ie verbündeten Truppen in Tschili hat der deutsche ^eneralfeldmarschall wegen der Quertreibereien der ge- lannten drei Mächte überhaupt nicht auszuführen ver­mocht. Dagegen habe sich das englische Kontingent, und war auf direkte Anordnung des Ministerpräsidenten ^alisbury, durchaus loval benommen. Und diese loyale Haltung habe den Kaiser bewogen, der britischen Armee ;-hte Anerkennung zu beweisen. Der Kaiser habe sich n solcher Dankbarkeit um so mehr bewogen gefühlt, als Deutschland durch die Handlungsweise Englands in ^ina vor einer schlimmen Demüthigung bewahrt worden i. Das Gefühl der Dankbai keit sei es also, was den Kaiser bei seinen Handlungen in England geleitet habe, ,ie man in Deutschland nur als unbegreiflichen Ueber« hwang der Englandfreundlichkeit beurtheile.

X Die Uniformen des Kaisers werden in der Deutsch. Tagesztg." auf 52 berechnet. Er trägt 40 eutsche und 12 fremdländische. Diese 52 Uniformen Waffenrock mit Abzeichen, Beinkleider, Kopfbedeckung. Lchärpe, Stiefel u. s. w.), sind zumeist in mehreren Exemplaren in einer eigenen Garderobenabtheilung unter- ebracht und werden bei den Reisen des Kai ers, je nach- em sie von dem Monarchen angelegt werden sollen, dem aiserlichen Reisegepäck beigefügt.

M 44 Millionen Mark für Butter und Käse zahlte Deutschland im letzten Jahre an das Ausland, während sir nur für 6,2 Millionen Mk. ausführten. Nicht mmer war dies Verhältniß ein so ungünstiges, denn loch im Jahre 1896 gingen für 14,1 Millionen Mk. nS Ausland und kamen nur für 11,3 Millonen Mk. on dort herein. An frühem Obst war die Einfuhr 900 der guten Ernte wegen geringer als im Vorjahr; s gingen nur für 13,6 Millionen Mk. ein gegen 35 Millionen im Jahre 1899. Es sind das recht statt- iche Summen, welche die deutsche Landwirthschaft sich urückerobern sollte.

* ~ Eine Nachprägung der Denkmünzen zur Preußen- lier ist, wie der Reichsanzeiger mittheilt, in größerem lmfange in Aussicht genommen. Um die thunlichste Verbreitung der Denkmünzen zu ermöglichen, wird be- bstchtigt, das Prägeergebniß auf die königl. Kassen dem Bedarf entsprechend zn vertheilen.

* ~ 174728 Landwehrleute und Reservisten werden N Laufe dieses Jahres zu Uebungen eingezogen werden. )avon gehören an: der Infanterie 135,500, der Feld rttHcrie 15,000, dem Train 7 7 54, der Fußartillerie WO, den Pioniren 3600, den Jägern und Schützen M0, der Eisenbahnbrigade 2400, den Telegraphentruppen

W und der Luftschifferabtheilung 373 Mann. Bc 'Udcrs bemerkenswerth erscheint, daß auf Anordnung des 'aiserS die Uebungen möglichst nicht in den Erntezeiten bzuhalten sind, damit infolge des offenkundigen Mangels u Landarbeitern nicht diese Krä te der Erntearbeit lttzogen werden. Ganz läßt sich allerdings dieser kaiser- che Wunsch nicht erfüllen, doch sollen in der Erntezeit

die Landarbeiter erst in letzter Linie zu Uebungen heran- gezogen werden; dieStädter" sollen vorerst Ordre zur Uebung erhalten.

An Stelle des geplanten Wintermanövers beim preußischen Gardekorps, das endgültig abgesagt worden ist, verunstalten die einzelnen Truppeutheile auf Befehl des Kaisers längere Märsche zum Zweck der Felddienst- Übung in kriegsstarken Bataillonen.

Berlin mit seinen Vororten hatte, als einheitliches Wirthschaftsgebiet aufgefaßt, am 1. Dezember 1900 eine ortsauweseude Bevölkerung von 2,523,491 Personen.

Berlin. Der aus dem Sternbergprozeß bekannte Eriminalkommissar Thiel wurde wegen versuchter Be­stechung und Verleitung zum Meineid zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Der Rechtsanwalt Osear Münz er zu Berlin wurde wegen Nothzucht, an einem seiner Dienstmädchen verübt, zu 18 Monaten Zucht­haus verurtheilt.

Die ungeheure Durchschlagskraft kleinkalibriger Ge­wehre zeigte sich jetzt in Spandau. Wie von dort ge­meldet wird, erschoß sich ein Artillerie-Oberleutnant mit dem Karabiner seines Burschen. Wie nun nachträglich festgestellt ist, hat die Kugel, nachdem sie den Offizier tödtlich verwundet, die Decke des zweiten Stockwerkes durchschlagen, dann den Stuhl vor dem Arbeitstisch eines Oberlehrers, der sich kurz vorher erst entfernt hatte, und hierauf noch die Fußböden und Decken des dritten und vierten Stockwerks bis zum Dach, das auch noch durch­schlagen wurde. Die Schußlöcher in den Decken sind kaum bemerkbar.

Konitz. Das Schwurgericht verurtheilte den Metzger Moritz Levy, welcher es bestritten hatte, den ermordeten Ernst Winter gekannt zu haben und dies auch mehrmals beschwor, wegen Meineid zU vier Jahren Zuchthaus und die Nebenstrafen. Durch viele Zeugen wurde nachge­wiesen, daß Levy den Winter doch recht gut gekannt haben muß.

Pose«. Vor Kurzem wurde in dem Dorfe Grysin bei Kosten, in der Provinz Posen, die über 90 Jahre alte Lehrerwittwe Thekla Hoffmann, geb. von Dalow, unter allgemeiner Theilnahme zu Grabe getragen. Ihr Ehemann starb 1869 und hinterließ die kinderlose Wittwe in größtem Elend mit der gesetzlichen Pension von 39 Mark, welche sich in einigen Jahren auf 60 und endlich auf 250 Mk. erhöhte. Solange sich die Bauern ihrer erbarmten und sie gesund war, arbeitete sie mit auf dem Felde und holte trockenes Reisig mit den Aermsten des Dorfes aus dem entlegenen Gutswalde. Seit 10 Jahren wurde die Greisin immer schwächer und arbeitsunfähiger, bis sie endlich in den letzten Jahren bettlägerig krank war, nur auf Hilfe und Mitleid barmherziger Menschen angewiesen.

Tilsit, 9. Febr. Von einemkaufmännischen Genie" berichtet dieTils. Ztg." folgendes: Der Angestellte eines Tilsiter kaufmännischen Geschäfts erhielt von seinem Prin­zipal den Au'trag, einen Tausendmarkschein zu wechseln Statt diesen Auftrag auszuführen, begab er sich auf den Pferdemarkt, kaufte dort ein Pferd, veräußerte dies schnell wieder mit einem Verdienst von 150 Mark und kehrte nun nachdem er den Auftrag ausgeführt ins Geschäft zurück.

Efscn, 16. Febr. Heute ist die Eingemeindung Alten- dorfs nach Essen durch den Kreistag genehmigt worden. Die betreffende Gesetzvorlage soll dem Landtag so schnell als möglich zugehen, so daß die Eingemeindung bereits zum l, April erfolgen dürfte. Die Zahl der Einwohner Essens würde durch die Eingemeindung Altendorfs von 12uOOO auf 190000 angewachsen.

Gelsenkirchen. Ueber Arbeiterentlassungen aus dem westfälischen Jndustriebezirk wird derBoff Zeitung" aus Gelsenkirchen gemeldet, daß die beschäftigungslos gewordenen ausländischen Arbeiter von den Behörden in ihre Heimath abgcschvben werden. Viele Arbeiter aus dem Osten kehren angesichts der Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse freiwillig in ihre Heimat zurück Das ist ein Zeichen der Zeit, die Industrie hat ihren Höhe­punkt überschritten. Ein Zeichen der Zeit. Wegen Mangels an Befrachtung verkehren, wie dieRh. W.- Ztg." meldet, seit einigen Tagen die Güterzüge 8001/1 und 8218/19 Frinlrop Hochfeld und die Güterzüge 3003/4 Speldorf-Köln und 3065/50 Spcldorf-Düren zum Theil gar nicht oder nach Bedarf. In den letzten Wochen waren für die Züge nur 15 18 Wagen Belastung vorhanden. Dieser Rückgang im Frachtverkehr ist natür­lich eine Folge der allgemein schlechten Lage der Industrie.

Mainz, 12. Febr. Wegen Milchpantscherei stand der Landwirth Nikolaus Schott III. aus Essenheim mit seiner Ehefrau vor der Strafkammer. Die Frau halte mit Wissen ihres Mannes die von ihren 16 Kühen gelieferte Milch mit Wasser gefälscht. Das Wasser entnahm sie einer im Hof offenstehenden Bütte, in der sich gelegentlich die Tagelöhner die Hände wuschen. Manchmal entnahm sie das Wasser einer im Stalle stehenden Bütte, aus der das Vieh getränkt wurde, in der man die Eimer spülte und der Schweizer seine Hände zu waschen pflegte. Diesesaubere" Milch wurde an Mainzer Händler ver­kauft. Sie enthielt nach dem Gntachten des Sachver­ständigen Prof. Dr. Mayrhofer 25 Prozent Wasser und wirkte unter Umständen gesundheitsschädlich. Das Gericht verurtheilte die Ehefrau Schott zu Mk. 1000 Geldstrafe, den Ehemann zu Mk. 150.

Würzburg, 18. Febr. Wegen Unterschlagung von 600 Mark Klientengeldern, Zechprellerei, Verkauf un­bezahlter Fahrräder rc. verurtheilte die Strafkammer den 33jährigen Rechtsanwalt Franz Schott, der früher in Marktbreit wohnte, zu einem Jahre Gefängniß.

Aus Bayern. Ein eigenartiger Erbschaftsprozeß schwebt in Deggendorf (Niederbayern). Nach derNeuen Fr. Volksztg." hatte der Stadtpfarrer Leonhard, früherer Abgeordneter, Dekan, Geistlicher Rath und Päpstlicher Kämmerer, das Vermögen eines alten Mannes verwaltet. Nach dessen Tode gab der Stadtpfarrer an fünf Pathen des Mannes je 100 Mark, und man hörte dann nichts mehr. Später fand sich ein Testament, das den Sohn der verstorbenen Stiefschwester des Mannes als Univer­salerben einsetzte. Die Vermögenssumme war nicht an­gegeben. Die Wittwe des Erben schätzt sie auf 20000 Mark. Vor Gericht geladen, erklärte der Stadtpfarrer, er habe einen Theil des Geldes zu einer Suppenanstalt verwendet, 4000 Mark habe er dem Bischof nach Indien schickt, 1000 Mark habe der Verstorbene für Messen gestiftet. Im Laufe der Vernehmung sagte der Stadt­pfarrer, der Verstorbene habe ihm im Ganzen 14000 Mt. gegeben. Ein Vergleichungsversuch war ohne Erfolg. Die Wittwe ließ den Stadtpfarrer nochmals vorladen, und am Tage vor dem Termin erklärte der Stadtpfarrer zu Protokoll, er sei im Besitze von 16000 Mark aus der Hinterlassenschaft des Verstorbenen.

Gelegentlich einer in der Gegend von Mühlhaust« im Elsaß abgehaltenen Jagd wurde ein als Treiber ver­wandter löjähriger Junge so unglücklich ins Gesicht geschossen, daß der Bedaueruswerthe auf beiden Augen völlig erblindete. Nunmehr ist der unvorsichtige Schütze verurtheilt worden, seinem Opfer eine jährliche Rente von 600 Mark und außerdem dessen Vater eine einmalige Entschädigung von 10,000 Mk. zu zahlen.

Ausland

Zürich. Eine furchtbare Gefahr bedroht seit etlichen Tagen das Traversthal im Neuenburger Jura. Bei Notaigue bestehen große Cement- und Kalksteinbrüche, die tief in den Berg eindringen. Seit einigen Tagen zeig­ten sich Risse im Felsen und es wurde ein donnerartiges Geräusch vernommen. Das Galeriegebälk wurde ein­gedrückt Die Geologen glauben, daß der ganze Berg, über eine Million Kubikmeter, in Bewegung ist und bei Beginn des Thauwetters abstürzt. Gefährdet sind die Straße und die Eisenbahn nebst einigen Ortschaften; auch befürchtet man, daß der Fluß Avreuse gestaut wird. Die Behörden können einzig nur dafür sorgen, die gefähr­deten Menschen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Bukarest Wölfe treten in verschiedenen Gebieten Rumäniens in einer überaus gefährlichen Art und Weise auf; sogar tine militärische Patrouille, aus fünf Mann bestehend, sonnte sich des UcberfalleS durch eine größere Anzahl diese?Räuber" nicht so ohne weiteres erwehren, und es bedrr tc eines förmlichen Pelotonfcuers, um die Wölfe für krrze Zeit abzuwehren Schließlich ermattete, wie dieAll,. Sportztg." meldet, die Kampffähigkeit der fünf Mann mb sie fielen den Wölfen zum Opfer.

Rom, 16. Februar. Im Saale des Schwurgerichts in Neapel spielte sich heute eine furchtbare Blutscene ab. Auf der Alklagebank saß ein junger Bauer, der einen anderen im Streit ermordet hatte. Während der Pause drängte sich ein junger Mensch durch die den Angeklagten umgebenden fünf Karibinieri und stieß dem Angeklagten blitzschnell »as Messer inS Herz. Der Thäler war der sechzehujährye Neffe des Ermordeten, der an dem Mörder Bendetta ülen wollte.