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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
U 35. Mittwoch, den 1. Mai 1901. 52. Jahrgang.
MMhtttaWtl auf ^e „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ====== Postanstalten und Landbriefträgern, wie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
Die Abhaltung des am 2. Mai d. J. hier statt- ibenben Viehmarktes erfolgt unter den seitherigen Be- ngungen.
Fulda, den 24. April 1901.
Der Königliche Landrath: Steffens.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser weilt wiederum zur Jagd in m Thüringer Bergen, und zwar find es die an iuerhähnen so reichen Jagdgründe des Großherzogs von Leimar an den waldbekränzten Ufern der Werra bei öasungen, in denen der Kaiser dem edlen Waidwerk bliegt. Wenn auch die Nächte bisher noch ziemlich kühl saren. so ist die Auerhahnbalz doch in vollem Gange.
— In Bonn ist unser Kronprinz jüngst Student Morden, wie es sein Großvater und Vater vordem dort Mesen. Kaiser Wilhelm hat seinen Sohn der Univer- iiiit persönlich zugeführt und sowohl dem feierlichen Kitt der Immatrikulation wie dem Abends nachfolgenden allgemeinen Kommerse der Bonner Studentenschaft durch seine Gegenwart besonderen Glanz verliehen. In züu- denden, aus der Tiefe des Herzens quellenden Worten gedachte der Monarch auf dem Kommerse der eigenen frohen Stndentenjahre und ermähnte die studierende Jugend, festzustehen in christlicher Gesinnung und den nationalen Gedanken zu pflegen.
— Einer Meldung des Oberkommandos zufolge wurdrwnm 23. und 24. April bei den Kämpfen irrten Schansipäffen die Chinesen von den Deutschen aus ihren Positionen nach Schansi zurückgeworfen und über die große Mauer verfolgt. Außer Feldgeschützen alter Konstruktion wurden 18 Schnellfeuergeschütze erobert. Diesseits ist ein Leutnant und 7 Mann todt, 11 Mann schwer, 4 Offiziere und 24 Mann leicht verwundet.
— Gründungen. Der Eintritt ungünstigerer wirth- schaftlicher Verhältnisse zeigt sich auch dadurch, daß die Neugründungen von Actien Unternehmungen abgenommen haben. Während in Deutschland 1899 364 Aktien- Gesellschaften mit einem Grundkapital von 544 000 000 Mk. in's Leben traten, gegen 329 mit 464000000 Mk. im Jahre 1898, betrug die Zahl der 1900 neugegründeten Gesellschaften nur 261 mit einem Grundkapital von 340 000 000 Mk.
Aus Ostpreußen. In diesem Jahre werden die Landwirthe, so schreibt man aus Thorn, keinen Grund haben, über Leutemangel zu klagen. Der Ersatz der auf dem Lande fehlenden Arbeitskräfte durch die sogenannten „Sachsengänger" muß dieses Mal wirklich reichlich sein. Sonst könnte es wohl nicht vorkommen, daß ganze Trupps und Dorfschaften vergeblich über die russische Grenze kommen und, nachdem sie sich überall angeboten haben, zurückfahren müssen in ihre kujawische Heimath. Das ist aber in diesem Jahre der Fall. Die Grenzstadt Thorn ist seit Langem ein Sammelpunkt für Sachsengänger. Vor zehn bis zwölf Jahren schlugen sich die Unternehmer und Agenten noch um die ankommenden Trupps; oft prügelten sich die „Herren" halbtodt. Das ist aber vorbei. In diesem Jahre warten die Trupps nicht nur einen — nein, zwei, drei, ja sogar acht Tage vergeblich auf Arbeit. Und zu Hunderten lungern sie in der Stadt und am Fluß herum. Zu Hunderten fahren sie, schmerzlich enttäuscht, zurück in ihr mit Arbeitskräften überfülltes, hungerndes Rußland.
Mainz, 16. April. In geheimer Sitzung des Kreisausschusses wurde kürzlich eine Klage verhandelt, in der sich um die Entziehung einer Wirthschaitskonzession handelte, da in der fraglichen Wirthschaft sich in Bezug auf Sittlichkeit die haarsträubendsten Dinge ereigneten, vn der Verhandlung wurde nun auch die Wirthschafts- Arung überhaupt, durch eine Anzahl Zeugen in greller Weise beleuchtet. Weim bct Wirth und die Wirthin ^ffchiedener Ansicht waren, dann gab es regelmäßig Disput, der alsdann zu Thätlichkeiten ausartete. Wenn sich alsdann der Wirth in dem Wirthslokal befand, dann Ariff die hinter dem Büffet stehende Wirthin etwa ein Yuppenstück, das für die Gäste bestimmt war und schleuderte
Ausland.
Budapest, 26. April. Der landwirthschaftliche Landesverein berieth in seiner letzten Sitzung eingehend die Frage der Auswanderung deutsch sprechender landwirth- schaftlicher Saisonarbeiter aus Südungarn nach Deutschland, insbesondere nach Württemberg; bei der Regierung sollen Vorstellungen erhoben werden, daß sie gegen die Inswanderung Maßregeln ergreife und die Agitation der Vermittler einschränke.
Peking, 27. April. Maueranschläge in chinesischer Sprache fordern die Patrioten auf, sich am 16. Mai zu erheben, um die fremden Teufel aus China zu vertreiben.
Japan. Das Reutersche Bureau meldet aus Doko hama, vom 25. April. Ueber 20 Banken in Osaka und in den südlicheren und mittleren Provinzen Japans stellen ihre Zahlungen ein. Die Bank von Japan leistete Unterstützung; jedoch werden weitere Schwierigkeiten befürchtet, und so herrscht finanzielle Panik.
Südamerika. Die drei Brüder Reyes aus Columbia, von denen bedauerlicherweise zwei in Folge ihres Unternehmens das Leben einbüßten, haben eine Durchquerung Südamerikas ausgeführt, die ein Seitenstück zu den afrikanischen Reisen der Livingstone und Stanley bildet. Der allein Ueberlebende, General Rafael Reyes, zur Zeit Gesandter von Columbia in Paris, ist der geographischen Welt kein Unbekannter. Er hat schon früher Forschungsreisen in die Anden und das Flußgebiet des Amazonenstromes gemacht, sowie Karten der durchreisten Gebiete herausgegeben, auf Grund welcher Leistungen ihn die Londoner „Geographische Gesellschaft" als Mitglied erwählte. Bei seiner letzten und wichtigsten Reise hatte er seine Brüder Enrique und Nestor als Begleiter: Ersterer fiel dem Fieber, Letzterer den Kannibalen zum Opfer. Die Feststellung, daß alle südamerikanischen Staaten, mit alleiniger Ausnahme von Chile, eine Wasser- verbindung mit dem Atlantischen Ozean besitzen: die Entdeckung, daß das Quellengebiet des Parana und das des Tokantin, der in den Amazonenstrom mündet, so dicht angrenzen, daß eine Kanalverbindung zwischen La Plata und Amazonenstrom ganz leicht zu bewerkstelligen ist; die Beobachtung endlich, daß fast das ganze Innere von Südamerika ein ungeheures Gebiet des fruchtbarsten Koloniallandes einfaßt, dessen Erschließung durch die ausgezeichneten natürlichen Wasserstraßen sehr erleichtert ist — alles das sind Dinge, die den Reyesschen Reisen ein ungewöhnliches Interesse sichern. Im Gebiete des Amazonenstromes wurde sestgcstcllt, daß mehr als 16 000 Kilometer schiffbarer Flußläufe vorhanden sind. Davon haben 5000 Kilometer genügende Tiefe für Ozeandampfer, die nach Reyes bis Jquitas in Peru von der Mündung des Amazonenstromes aus ungehindert vordringen können. Flußdampfer könnten dagegen alle Zuflüsse auf Distanzen von 500 bis 1500 Kilometer das ganze Jahr hindurch befahren. Das eigentliche Land der Zukunft ist daher Südamerika, wo noch einmal alle Kulturnationen ihre Kräfte mit einander messen dürften.
dies ihrem Gemahl an den Kopff was dieser in derselben Weise zurückbeantwortete, dabei kollerte allerdings das Rippenstück in dem handhohen Schmutz des Bodens herum; damit nicht genug, ergriff die Gemahlin den Häringstopf und ein Häring nach dem andern flog nach der Richtung, in der sich der Herr Gemahl befand, der aus Liebenswürdigkeit für seine andere Hälfte die Häringe vom Boden aufraffte und diese wieder zurückwandern ließ. Als weitere Wurfgeschosse dienten alsdann noch Handkäse, Wurst und sonstige Speisen, die für die geehrten Gäste auf dem Büffet standen. War dann das Pulver verschossen — der Krieg kann doch nicht ewig dauern — und der Friede soweit wieder hergestellt, dann begaben sich Mann und Frau gemeinsam an die Arbeit, um die über und über mit Schmutz bedeckten, auf dem Boden überall umherliegenden Wurfgeschosse wieder auf- zuheben, und nun begann das „Reinemachen". Als dann später die Gäste kamen, und diese mit sichtlichem Appetit ihre gesalzenen Rippchen und sauren Häringe verzehrten, da hatten die Gäste keine Ahnung davon, daß das Rippchen im Kohlenkasten und der Häring im Spucknapf gelegen hatte. Daß der Kreisausschuß sich veranlaßt sah, diesen ehrenwerthen Wirthsleuten die Konzession zu entziehen, kann nur Jedermann mit Genugthuung erfüllen.
London, 25. April. „Daily Chronicle" zufolge hätte der englische Vertreter in Neu-Orleans in Erfahrung gebracht, daß mehrere von den Engländern als Pferdewärter verwandte Personen Agenten der Buren gewesen seien, die den nach Südafrika bestimmten Pferden Rotz- und Wurmkrankheit eingeimpft hätten. Etwa 100 Pferde seien eingegangen, viele hätten nach der Ausschiffung am Kap getödtet werden müssen. Auf Veranlassung der militärischen Behörden am Kap seien Maßnahmen getroffen, um künftige Pferdetransporte zu schützen.
London, 24. April. Es bestätigt sich die Anfangs mit Zweifel aufgenommene Nachricht über die Entdeckung von Gold in der Stadt Leith. Die Quarzader läuft unter der Kingstreet in nordwestlicher Richtung nach dem Wasser zu. Ein von der Regierung berufener Sachverständiger untersuchte die Quarzproben, dieselben ergaben 30 Unzen Golg auf die Tonne. Die Regierung macht Anspruch auf alles gefundene Gold.
Lokale- und Provinzielles.
* Schlächtern, 30. April.
* — Der Gerichtsaffessor Friedrich Göbel von Fulda wurde mit der Führung der Geschäfte deS Amtsgerichts Schwarzenfels beauftragt.
* — Der Wetterprophet Habenicht schreibt, daß im Nordosten des Kontinents das Frostgebiet den Erdtheil bis heute noch nicht verlaffen hat, so daß gelegentliche Vorstöße der Frostgrenze nach Mitteleuropa auch fernerhin wahrscheinlich sind und daS Frühjahr sich vorwiegend naßkalt gestalten dürfte. — „Abwarten!"
* — Verlegung des ersten Gestellungsjahres? Eine wichtige Mittheilung machte der im Elberfelder Militärbefreiungsprozeß als Zeuge vernommene Generalarzt Dr. Stricker. Er erklärte nach der „Köln. Volsztg.", es werde jetzt in Erwägung gezogen, das erste Gestellungsjahr in das 21. Lebensjahr zu verlegen, da junge Leute von 20 Jahren vielfach noch nicht die gehörige Muskelstärke haben. Er befürwortete diese Einrichtung; dieselbe würde insbesondere für Gegenden mit Eisenindustrie von höchster Bedeutung sein.
* — Der heutigen Nr. liegt der 1901er Sommer« fahrplan für die Eisenbahnen hiesiger Gegend bei.
Bad Orb, 24. April. Beim Landrathsamt in Geln- Hausen war heute Termin betr. Vergebung der hiesigen Bahnhofs-Restauration. Trotz der mangelhaften Räume und obwohl zur Bemessung des künftigen Bierverbrauchs des neuen Restaurants ja noch keinerlei Anhaltspunkte gegeben sind — die Klein-Bahn Wächtersbach-Bad Orb soll erst am künftigen 15. Mai eröffnet werden — wurde doch das außerordentlich hohe Angebot von 1000 M. Jahrespacht, auf 6 Jahre, gemacht und zwar von der Sternbrauerei in Oberrad, welche außerdem sich; bereit erklärt hat, von jedem Hcklo über 200 hl Jahresverbrauch 3 Mark Abgabe zu zahlen. Erschienen waren als Bewerber einige 15 Brauerei-Vertreter aus Hanau, Fulda, Aschaffenburg, Babenhausen, Wiesen rc., die 360 bis 600 Mark Pacht angeboten hatten.
Bad Salzschlirs, 24. April. Der Oberpräsident Graf v. Zedlitz und Trützschler stattete heute in Gesellschaft des Landrathes von Fulda, Steffens, unserem Orte einen Besuch ab und besichtigte die seit dem großen Brande angelegten neuen Straßen und Bauten, ebenso die Bonifaciusquelle, die Badeeinrichtungen und Anlagen des Bades, sowie das Schwesternhaus. Die Besichtigung fiel zur Zufriedenheit des Oberpräsidenten aus, welcher ein lebhaftes Interesse für das fernere Aufblühen deS Bades bekundete und dem Bedauern Ausdruck gab, daß das Bad nicht im Besitz des Staates geblieben sei.
Lodes, 24. April. Von einem empfindlichen Schaden wurde am Montag der hiesige Gastwirth und Schafhalter Kraft Schott betroffen. Die ziemlich starke Schafherde weidete an einem Raine. Durch unbekannte Ursache aufgescheucht, stürzten die geängstigten Thiere in wilder Hast den Abhang hinunter. Im nächsten Augenblick lag der größte Theil der Herde auf einem mächtigen Knäuel. Viele der armen Thiere schienen verloren; doch ist es den Wiederbelebungsversuchen herbeigeeilter Leute gelungen, die meisten derselben zu retten. Trotz aller Anstrengungen konnten aber 10 Thiere nicht gerettet werden, sie fanden ihren Tod.
Hanau, 26. April. Der Untersuchungsgefangene Dachdecker Ritter aus Bayern, der in Gießen neulich zu 15 Monaten Gefängniß verurtheilt worden war und sich