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N 41
Mittwoch, den 22. Mai 1901
52 Jahrgang.
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E die „Schlüchterner Zeitung"
U werden noch fortwährend von allen --'""--" "-----------Postanstalten und Landbriesträgern, lvie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der Abends zuvor Metz verließ, st Sonntag früh in Potsdam ein Später betheiligte h Se. Majestät an der Beisetzung der Leiche der Prin- ssin Luise von Preußen in der Peter-Paulskirche zu ikolskoe. Montag wurde der Monarch in Kabinen zw. Prökelwitz erwartet.
— 17. Mai. Wie aus Peking gemeldet wird, winnt die Annahme an Wahrscheinlichkeit, daß Graf laldersee in den nächsten Monaten die Heimreise an eten wird. Der Oberbefehlshaber wird wahrscheinlich >er Japan reisen und auf Einladung des Kaisers dort nige Tage Aufenthalt nehmen. Graf Waldersee begab h auf 2 Tage nach Paotingfu.
— Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Stutt- ut" ist Donnerstag Mittag mit 322 kranken Soldaten !s China in Bremerhaven eingetroffen. Der Kom- an baut von Geestemünde, Kapitän zur See Krieg, be achte die Heimkehrenden im Rainen Sr. Majestät des raifersi an Bord des Schiffes.
— Das Armeeoberkommando meldet aus Peking vom ). d. M.: Bei einer Explosion in Kalgan sind sieben «längs vermißte Reiter todt aufgefunden worden. Leutnant ummer und ein Fahnenschmied sind schwer, aber nicht denklich, zwei Mann sind sehr schwer verletzt
* — Der Ankauf ron Bergwerken durch den Fiskus, n dem westfälischen Kohlenbezirk ist seitens des preußischen taates der Ankauf bedeutender Grubenielder in die lege geleitet worden, die Verhandlungen sind dem bschluß nahe. Der Besitz des Staates an ausgedehnten vhlcngruben ist für die Preisbildung der Kohlen riätüt- H von hoher Bedeutung. Der Staat ist nicht in dem iaaßc aufs Verdienen angewiesen, wie die Privatbesitzer >n Gruben; er kann auch dannnoch zu relativ billigen reise» Kohlen abgeben, wenn die Privatgruben mit reissteigerungen beginnen ja er kann auf diese Preis übereien, wenn er sich im Besitze ausreichender Kohlen mben befindet, einen gewaltigen Druck ausüben. Da er fiskalische Bergwerksaukau' also eine eminent sozial- olilische Maßnahme darstellt, so war die Vermuthung ufgetaucht. daß sie das Werk des Herrn von Miguel Wesen sei. Diese Annahme ist unbegründet. Wie die Köln. Ztg." festskellt, gebührt das Verdienst an dieser nsorglichen Maßnahme ausschließlich dem bisherigen ^ndelsminister Brefeld.
— Die Rangverhältnisse der Kreisärzte in Preußen llen nach der ..Zeitschr. für Medizinalbeamte" geändert erden. Die .Kreisphysiker gehörten bisher zur fünften angklasse der preußischen unmittelbaren Staatsbeamten; s Auszeichnung wurde ihnen der Titel Sanitätsrath "d nach längerer Dienstzeit der Titel Geheimer Sani- ilsrath ertheilt. In Zukunt soll einem Theil der Kreisle und zwar denjenigen mit dem längsten Dienstalter t Titel „Medizinalrath" und zugleich damit der Rang 'r Räthe 4. Klasse verliehen werden.
Berlin, 19. Mai Die beiden Direktoren der Pom- "scheu Hypotheken-Aktienbank Fritz Romeick und Wil- lm Schnitz sind heute Nachmittag verhaftet und in 's Untersuchungsgefängniß abgeführt wordeu.
— Verbesserung der Gewinnchancen der Preußischen Mfenlotterie Mit der 205. Kgl Preußischen Lotterie, teil 1. Klasse bereits am 5. Juli gezogen wird, tritt 11 neuer Lotterieplan in Kraft, der die Gewinnchancen t Spieler nicht unwesentlich verbessert. Die niedrigsten lohnte der 2., 3. und 4. Klasse sind um je 4 Mark 'mäßigt worden, wobei deren Betrag den Einsatz aber "wer noch übersteigt Dadurch ist es möglich geworden, 1 der 4. Klasse die Zahl der Gewinne von 1000 Mk. 111 105 Stück, die Zahl der Gewinne von 500 Mk. y 1161 Stück zu vel mehren, sodaß schon auf jedes b Loos ein Gewinn von 500 Mark und darüber "fällt.
In München hat kürzlich einen raffinirten Betrüger '" Schicksal ereilt. Der 25 Jahre alte Kaufmann m"av Mayer aus Frankfurt a. M. hatte vor einigen '"3en von der bayerischen Hauptstadt aus bei einem "uttgarter Hotel per Karte ein Zimmer bestellt und Mich gebeten, ein Nachnahmepacket für ihn einlösen 11 "'ollen. Er werde den Betrag nach seiner Ankunft
Ausland.
Frankreich. Wie weit in Frankrreich schon die Furcht vor einem Mannco in der Mannschaftsziffer des Heeres gediehen ist, geht aus folgender Notiz deutlich genug hervor: Das Vorhandensein eines Mindestmaßes von 1,54 Mtr.. welches bisher unerläßliche Bedingung für den Eintritt in das Heer war, ist in Zukunft nicht mehr erforderlich. Ein am 2. April ds. Js. veröffentlichtes Gesetz hebt die Forderung auf und schreibt vor, daß der Mangel an Größe kein Hinderniß für die Einreibung bilden, daß vielmehr lediglich eine hinreichende Körperbeschaffenheit verlangt werden soll.
England. Ein neues Anzeichen des Rückganges im englischen Wirthschaftsleben. Es scheint allen Ernstes mit England abwärts zu gehen. Ganz abgesehen davon, daß der unglückselige Burenkrieg Englands militärischem und politischem Prestige arge Schädigung bereitet hat, führte er zu einer bedenklichen Vermehrung der Staatsschulden, die nicht nur der Steuerfrafi des englischen Volkes immer größere und drückendere Opfer auferlegt, saubern auch eine dauernde Versteifung des Londoner Geldmarktes verursacht, welche Großbritanniens Stellung als Centralgeldmarkt der Welt zu Gunsten Amerikas untergraben hat Jetzt macht sich der Rückgang des englischen Wirthschaftslebens auch auf dem mächtigsten
zurückerstatten. Ein kleines schweres Packet mit 165 Mk. 70 P'g. belastet, traf denn auch in dem Hotel ein und wurde eingelöst. Als der Hotelgast zur festgesetzten Stunde nicht eintraf, öffnete man das Packet und des Pudels Kern war ein Ziegelstein. Der Betrüger aber wurde in München in dem Moment verhaftet, als er die Nachnahme auf der Post erheben wollte. Nachts hat er sich dann mit seiner Halsbinde an der Thürangel erhängt
Düsseldorf. Ein Prozeß der Firma Krupp gegen das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat. Verschiedene größere Eisen- und Stahlwerke haben bekanntlich in den letzten Jahren die Politik verfolgt, sich durch den Ankauf von Kohlenzechen vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat unabhängig zu machen. Natürlich war es der Wunsch der betreffenden Werke, daß ihnen die Förderung der von ihnen angekauften Zechen auch alsbald zur Verfügung stand. Wir hatten der Oefteren zu berichten, wie das Kohlensyndikat sich diesem Bestreben der Eisenwerke widersetzte, indem es behauptete, daß die betreffenden Zechen zunächst alle durch laufende Verträge eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen haben. Auch das Kruppsche Werk, welches vor einiger Zeit die Zeche Haunibal an gelaust hat, in in derselben Angelegenheit mit dem Kohlensyndikat in Konflikt gerathen. Es verlangte, daß die genannte Zeche ihre Förderung nicht mehr dem Syndikat zur Verfügung stelle, sondern nur für Krupp liefere. Diesem Ansinnen wiedersetzte sich das Kohlensyndikat. und um die Angelegenheit auch im Interesse der übrigen an dieser Frage interessierten Werke zum Austrag zu bringen, strengte das Kruppsche Direktorium einen P-ozeß gegen das Kohlensyndikat an. Dieser Prozeß ist nunmehr, laut „Frkf Ztg.", zu Ungunsten der Firma Krupp entschieden worden.
Hann.-Münden, 11. Mai. Das Mainzer Pionierbataillon Nr. 11 wird zum i. Oktober ds. Js. nach Hannooersch-Münden verlegt werden
Schlochau, 16 Mai. Rechtsanwalt Lohwasser ist am Dienstag Abend auf Veranlassung des Ersten Staats anwalts Schweigger in Konitz, der persönlich herüber gekommen war, durch Amtsrichter Richter verhaftet worden. L. wurde, als er eben von Pr. Friedland zurückkehrte, auf das Gericht befohlen, einem eingehenden Verhör in Gegenwart des Staatsanwalts unterzogen und darauf sogleich in Haft genommen. Er wird der Veruntreuung und Unterschlagung fremder Gelder beschuldigt. Die Bürgerschaft befindet sich, wie die „Danz. Ztg." mittheilt, in großer Aufregung da es hier in kurzer Zeit der zweite Fall ist, daß ein Rechtsanwalt die ihm anvertrauten Gelder im eigenen Interesse verwandt hat. Gegen L. schwebte zudem schon vor Jahresfrist ein Verfahren, auf Grund dessen ihm das Notariat entzogen wurde. Auch seiner Olfizierswürde ist er damals entkleidet worden. Wie verlautet, hat er die Gelder hauptsächlich zum Bezahlen seiner Strafen, die ihm infolge nachlässiger Geschäftsführung auferlegt worden, verbraucht. Unter den Geschädigten befindet sich in erster Linie Lohwaffers bester Freund, ein Rentier K.
Gebiet desselben, der Schifffahrt, bemerkbar. Der Ueber- gang der Liverpooler-Leyland-Linie in die Hände des Amerikaners Morgan legte den ersten greifbaren Beweis dafür ab; als ein neuer Beleg ist nunmehr der Ankauf der Liverpooler Atlas-Linie durch die deutsche Hamburg- Amerika-Linie hinzugekommen. Um die Bedeutung dieses Besitzwechsels in das rechte Licht zu rücken, ist daran zu erinnern, daß die Atlas-Linie die einzige Gesellschaft ist, die eine regelmäßige Dampferverbindung zwischen New- Aork und den westindischen Häfen unter englischer Flagge unterhält. Diesen Dienst denkt, wie gemeldet wird, die Hamburg-Amerika-Linie durch Einstellung neuer Schiffe zu verbessern. Wie so manches Andere, deutet auch diese Transaktion darauf hin, daß von den europäischen Staaten allein Deutschland gewillt und befähigt erscheint, mit dem amerikanischen Geist und der amerikanischen Unternehmungslust den Wettkampf aufzunehmen.
London, 15. Mai. Die „Times" melden aus Peking: Die chinesische Antwortnote in der Entschädigungsfrage war von einer französischen Uebersetzung begleitet; der erste derartige Fall in der Geschichte der diplomatischen Beziehungen zu China.
Transvaal. Obwohl Lord Salisbury noch vor wenigen Tagen seine belustigende Rede über die Bravour und die Erfolge der englischen Truppen in Südafrika halten, also noch nicht gar so sehr krank sein konnte, so verlautet doch mit großer Bestimmtheit, daß der Ministerpräsident demnächst aus seinem Amte scheiden werde. Das ist also ein schwerschwiegender Beweis für die Thatsache, daß der Gang der Ereignisse in Südafrika die Stellung der englischen Machthaber zu erschüttern droht. Der Kolonialminister Chamberlain ist wohl der einzige von allen, der sich unerschütterlich zeigt; selbst Cecil Rhodes, der getreue Kumpan Chamberlains, wird schon bedenklich. Er hat sich bei Lord Salisbury bemüht, für die Buren mildere Friedensbedingungen durchzusetzen. Folgt auf das Salisburysche Kabinet ein liberales Ministerium, was unter den obwaltenden Umständen keineswegs ausgeschlossen ist, dann wird der Krieg in Südafrika, als aussichtslos, jedenfalls bald aufgegeben werden. Und außer den furchtbaren, in Jahrzehnten nicht wieder gut zu machenden Verlusten an Gut und Blut hat England für seinen Vergewaltigungsversuch noch Spott und Schande zu tragen. Die Strafe ist hart, aber sie ist gerecht! — Die Engländer sind offenbar an den Grenze ihrer Macht. Auch ihr von einer beachtenswertheu Moral Zeugniß ablegende Versuch, die Eingeborenen gegen die Buren mobil zu machen, und sie zum Morden und Plündern in den Buren-Republiken aufzustacheln, scheint nichts gefruchtet zu haben. Ein Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft von Natal theilt nämlich mit, daß unter Mitwissen der höchsten militärischen Behörden des Landes Schritte unternommen seien, die Eingeborenen auf die Buren loszulassen und ihnen zu gestatten, zu rauben und zu plündern. Die Zulus seien von Offizieren des britischen Heeres angewiesen worden, in den Distrikt Vryheid einzudringen; 1000 Stück Vieh seien von ihnen den Buren geraubt. Die Zulus hätten vielleicht dem höchst christlichen Verlangen der britischen Offiziere entsprochen, wenn diese ihnen die ganze Beute zugesichert Hütten. Da sie aber nur ein Zehntel derselben behalten, die anderen 9 Zehntel aber an die englischen Truppen abliefern sollten, so erschien ihnen wohl das Anerbieten der britischen Offiziere nicht verlockend genug. Für ein solches Barbarenthum der englischen Heerführer in Südafrika hat die ganze gesittete Welt aber nur ein Pfui! der Entrüstung und des Abscheues. Daß dies Verfahren ihrer Offiziere öffentlich bekannt wurde, ist auch der englischen Regierung sehr unangenehm, und die Londoner Blätter verurtheilen fast einstimmig die Bewaffnung der Eingeborenen gegen die Buren und fordern energische Maßregeln gegen diejenigen Offiziere, welche den Befehlen der Regierung zuwider gehandelt haben.
Serbien. Dem Könige von Serbien ist eine Enttäuschung bereitet worden, die von peinlichsten Folgen für ihn und das Land sein kann. Nachdem aller Welt mitgetheilt worden war, daß die Niederkunft der Königin Draga nahe bevorstehe, nachdem alle Vorbereitungen für dies Ereigniß — auch staatsrechtlicher Natur in der neuen Verfassung — getroffen worden waren, kommt jetzt folgende geradezu verblüffende Nachricht: Das dip- lomatische Korps in Belgrad ist in geeigneter Form von der Thatsache verständigt worden, daß eine Niederkunft