Einzelbild herunterladen
 

WüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 3. August 1901.

52. Jahrgang.

Mblhtttnotl ^ dieSchlüchterner Zeitung" j] werden noch fortwährend von allen --^^^^ Postanstalten und Landbriefträgern, z, wie von der Expedition entgegen genommen.

in Deutsches Reich. Berlin, 1. August. DerHamburger Korrespondent" . gldet: Nach den nunmehr getroffenen endgiltigen Dis- ' sitionen wird der Kaiser mit dem Grafen Waldersee Bord derHohenzollern" nicht, wie zuerst in Aus ht genommen war, am 10. August, sondern bereits 1 zu 8. August, Vormittags 108,4 Uhr, in Hamburg »treffen.

. In diesen Tagen nähert sich Graf Waldersee der * imischen Küste, und im Laufe der nächsten Wochen irb ein Transportdampfer nach dem andern aus den inesischen Gewässern in Deutschland eintreffen, um einen oßen Theil des ostasiatischen Expeditionskorps den An- hörigen in der Heimath wieder zuzuführen. So Der- i nchl der Monat August uns in freundlichem Gewände i erscheinen, und eine Reche von Festlichkeiten, zunächst nS Anlaß der Einweihung des neuen Hafens in Emden, M beim Empfang des früheren Oberkommandirenden er verbündeten Truppen in China und endlich während er Anwesenheit des Sühneprinzen Tschun wird dem Mich erreichten Abschluß des chinesischen Feldzuges ich ein besonderes glanzvolles Gepräge verleihen.

Kaiserliche Ehrung für Chinakämpfer. Auf be- onberen Befehl des Kaisers sind jetzt die seinerzeit in tr deutschen Gesandtschaft in Peking eingeschlossen ge­nesenen Mannschaften des Detachements des Oberleut- Mts Grafen v. Soden zu Unteroffizieren befördert »erden. Auch den inzwischen zur Reserve entlassenen traten ist die gleiche Ehrung zu Theil geworden. Be- ivnltich sind die so ausgezeichneten Mannschaften ge- - gentlich der Einweihung des Denkmals des Großen II Kurfürsten in Kiel für ihr tapferes Verhalten bereits iit den Militärehrenzeichen 1. Kl. dekorirt worden.

Generalleutnant von Lessel meldet am 28. Juli § M Tientsin: Oberleutnant v Heynitz, 1. Ostasiatischen Infanterieregiments, ist am 27. Juli auf Patrouillenntt ei Schanhaikwan im Schiho ertrunken. Bei den iikttungsversuchen ertranken ebenfalls zwei Musketiere. I Der frühere Kultusminister Dr. Julius Robert ' Söffe ist gestern Mittag 12 Uhr nach längerem Kranken- Wger gestorben. Sein Tod war schmerzlos und sanft; Umgeben von den Familienmitgliedern hat Dr. Bosse den -Wen Athemzug ausgehaucht.

| Bremen, 29. Juli. Heute Nachmittag brach in den lPackhäusern der Tabakfirma Eugen Hoffmann u. Co. iGroßfeuer aus. Sämmtliche Feuerwehren sind thätig, jpei Thätigkeit derselben stürzte eine zehn Meter hohe Miebelwand des Packhauses ein, 10 -15 Feuerwehrleute l^cr den Trümmern begrabend. Die Sanitätskolonne B zur Rettung der Verunglückten thätig.

il Köln, 28. Juli. Gestern brannte das Lagerhaus Waarenkreditanstalt, Aktiengesellschaft, am neuen JNen bis auf die Grundmauern nieder. Das Gebäude <Mrde erst 1899 in Benutzung genommen. Ungefähr W000 Doppelzentner Getreide sind vernichtet. Der pMchaden wird auf über 1 Mill. Mk. geschätzt. Derselbe durch mehrere Versicherungen gedeckt. Als Ursache Wermuthet man Kurzschluß der elektrischen Lichtanlage 1 Oberhaufeu. Es stellt sich mehr und mehr heraus, fW es sich bei dem Zusammenbruch der Actiengesellschaft Gerhard Terlinden um ganz unerwartet hohe Summen IpMt. Nach den bisherigen Aufzeichnungen find daran [IMtiligt; v. Beckerat u. Heilmann mit 1292 000 Mk., skHannoversche Bank mit 1100000 Mk., Deutsche Effecten- l ilind Wechselbank mit 200 000 Mk, jedoch ausschließlich

Betheiligung aus Wechselgeschäften, die Banque l|W et Nederlandais mit 400 000 Frcs., Fritz Dietz ®o. in Cöln mit etwa 800 000 Mk., Theodor Winter- in Oberhausen mit 879 000 Mk. und Seven in Essen etwa 400 000 Mk. Die Summen sind so außerordent- ) groß, daß die andern an dem Zusammenbruch be= '^'ligten Banken, wie die Darmstädter Bank, die Nord- MMische Bank, die Magdeburger Privatbank, die Discouto- D^iEschast, der Barmer Bankverein und der Dortmunder J^ntDerein, nicht säumen sollten, ihren Actionären die ihrer Betheiligung ebenfalls alsbald bekannt zu geben.

Die Betheiligung derHannoverschen Bank an dem II Wurfe beträgt 800 OuO Mk Ferner werden 300 000

Mk. discontirte Wechsel als faul bezeichnet, so daß für die Bank eventuell ein Verlust von 1 100000 Mk. in Frage kommen kann. Zur Kennzeichnung Terlindens wird weiter mitgetheilt, daß in seinem Privatbureau ein Emaille-Schild hing mit der Aufschrift:Ehrlich im Handel, Christlich im Wandel!" Es ist dies das Privat­bureau, in dem Terlinden die zahllosen Betrügereien sich ausgedacht hat, welche zu der neuen Katastrophe führten. Ganz wie die Privatkapelle des Bankdirektors Sonden in Potsdam. Es bleibt unerklärlich, wie sich die betheiligten Banken über die Kreditwürdigkeit des flüchtigen Terlinden so sehr täuschen lassen konnten, zumal die Geschäftswelt in Oberhausen selbst längst mißtrauisch war und sich von Terlinden möglichst fern hielt. Wie aus Oberhausen geschrieben wird, werden immer mehr Einzelheiten bekannt, aus denen man schließen kann, daß Terlinden die Bei­seiteschaffung von Geld schon feit längerer Zeit betrieb und zwar derart, daß sie Eingeweihten namentlich früheren Beamten der Firma auffiel. Wie berichtet wird, soll im vergangenen Jahre ein Angestellter der Firma Terlinden mit neun Monaten Gefängniß bestraft worden sein, weil er Terlinden der Fälschung seiner Bilanzen beschuldigt hatte. Die Verurteilung seiMdamals erfolgt, weil der Betreffende den Beweis der Wahrheit nicht erbringen konnte; man erwartet jetzt das Wiederaufnahmeverfahren.

Mainz, 29. Juli. In einem kleinen Dörfchen bei Limburg wurde dieser Tage die Gattin des Oberleutnants Richter verhaftet, der aus dem Duell Richter Vogt be­kannt ist. Frau Richter ist überführt worden, werthvolle Diamantringe gestohlen zu haben. Das Vorkommniß bildet zur Zeit das Haupttagesgespräch in hiesiger Stadt.

Ausland.

London, 30. Juli. DieMorningpost" meldet aus Tanger, es verlautet, Elmenebhi, der London und Berlin als außerordentlicher Botschafter des Sultans von Marokko besuchte, wurde bei seiner Ankunft von Europa in Magazan verhaftet. Er soll sich das Mißfallen des Sultans zu­gezogen haben infolge der Konzessionen, die er Groß­britannien freigebig gewährte und weil er während seiner Reise 2 Millionen Pfund Sterling verausgabt hatte.

London, 29. Juli. Nach Meldungen aus St. Helena herrschte in den beiden Lagern der burischen Kriegsge­fangenen in Deadwood und Broadbottom kürzlich große Aufregung. Einige ernste Zusammenstöße zwischen den Gefangenen ereigneten sich, weil eine Anzahl derselben den Treueid geleistet hatte. Viele dieser Leute wurden von ihren Landsleuten in die Latrinengruben getaucht, weil sie deren Ansicht nach die Rolle von Renegaten gespielt. Infolgedessen wurde eine Anzahl derer, welche das Untertauchen vorgeschlagen hatten, unter starker Be­wachung auf Fort High Knoll untergebracht. Alle die, welche den Treueid abgelegt haben, sind in den Lagern von den anderen getrennt und nach besonderen mit Stacheldraht versehenen Einzäunungen gebracht worden Augenblicklich wird es nicht gestattet, daß Gefangene auf Ehrenwort umhergehen können, da es sicherlich zu blutigen Zusammenstößen kommen würde, wenn die zwei Parteim zusammentreffen sollten.

Kapstadt. In der Kapkolonie hat Lord Kitchener ein Regiment des Schreckens etabliert, soweit er dazu im Stande ist. Er hält dort furchtbare Abrechnung mit den Kaprebellen, denjenigen Kapholländern, die den blutsverwandten Buren ihre Hülfe liehen. In den letzten zwei Tagen ließ er 6 der angeblichen Rebellen hängen; es harren jedoch noch eine große Anzahl Todes­kandidaten ihrer Abwürgung. Glücklicherweise lassen sich die Kapholländer durch solche Brutalitäten nicht abschrecken, ihren Brüdern beizustehen. Die Empörung nimmt jedoch in der ganzen Kapkolonie rasend zu.

Newyork, 25. Juli. Der Schaden an der Broklyner Brücke erregt mehr Besorgniß als amtlich zugestanden wird. Der Bruch von zwölf Längsträgern wird mit der Ausdehnung des Eisens durch die Hitze erklärt, dürfte jedoch durch Ueberlastung verursacht worden sein. Auch bei Kälte ist früher schon ein Längsträger g brachen Abgesehen von den Lastwagen. verkehren auf der Brücke täglich 4000 oft überfüllte Wagen der Drahtseilbahn und der elektrischen Bahn vielfach dicht hintereinander. Die polizeiliche Vorschrift, einen gewissen Abstand zu halten, wird nicht befolgt Für solche Belastungen war die Brücke von ihrem Erbauer aber nicht berechnet.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern. 3. August.

* Zum Aehrenleien auf fremden Grundstücken bedarf eS, wie bei der jetzigen Ernte hervorgehoben zu werden verdient, der Erlaubniß des betreffenden Feldbe­sitzers, widrigenfalls das Nachlesen als strafbarer Eigen­nutz angesehen und nach § 368 ad 8 des Reichsstrafge­setzbuches mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft wird.

* Auffallend viele Wespennester zeigen sich gegen­wärtig. Wer da weiß, welchen empfindlichen Schaden im Herbste die Wespen dem Obste zufügen und welch' lästiges Ungeziefer sie sonst bilden, der nehme jetzt die Zeit in acht zu ihrer Vertilgung oder doch Verminderung. In einem einzigen Wespenneste findet man Hunderte von Maden, die schon in nächster Zeit flügge Wespen ge­worden wären. Die Zerstörung der jungen Wespenbrut ist somit das beste Schutzmittel geg en die bekannteWes penplage".

Uttrichshausen, 30. Juli. Im Laufe dieses Monats sind nicht weniger als drei Kinder der hiesigen 72 Schüler zählenden katholischen Schule gestorben. Als Todesursache wird amtlichLungenkrankheit", (bei einem der verstorbenen Schüler speziellLungenentzündung') angegeben

Bom Lande. 29. Juli. Die Kohlraupen kommen. Sie entwickeln sich aus den Eiern des Kohlweißlings und man findet die gelben, kleinen Eier zur Zeit zu je 20 bis 100 Stück an der Unterseite der Kohlblätter kleben, wo man sie beim Umkehren des Blattes sofort sieht. Da bei gutem Wetter täglich neue Häuflein ent­stehen, so ist mit der Arbeit des Absuchens der Kohl­blätter, Herausschneidens der Eierfelder und Verbrennen derselben sofort zu beginnen.

Fulda. Am Mittwoch Nachmittag 1 Uhr wurden im Kgl Amtsgerichtsgebäude auf polizeiliche Anordnung 5 Rehböcke versteigert, welche aus einem Jagdvergehen her­rühren. Der Bauer Jöckel von Hosenfeld wurde vor­gestern von einem Schutzmanne anzehalten, dem der Transport verdächtig erschien. Richtig, es befanden sich 5 in Säcke gesteckte Rchböcke auf dem Wagen und der gesetzlich geforderte Ausweis über die Herkunft des Wild- prcts konnte vom Wagenführer nicht erbracht werden, daher erfolgte polizeiliche Beschlagnahmung der Rehböcke. Am 15. Juni wurden in das hiesige Gefängniß zwei Zigeunerinnen eingeliefert, von welchen die eine in Dietershan einer Bauersfrau 120 Mark aus der Tasche entwendet hatte, während ihre Kollegin zu derselben Zeit der Betrogenenaus der Hand" wahrsagte. Die Diebin ist jetzt von der hiesigen Strafkammer zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Durch eine Haus­suchung bei dem in der F. Kramer'schen Möbelfabrik beschäftigten Hausburschen Füller ist man einem abge­feimten Spitzbuben auf die Spur gekommen. Derselbe stand im Verdacht, dem Rechtsanwalt Dr. P'eiffer die Acetylenlaterne seines Fahrrades entwendet zu haben, und da er dies hartnäckig leugnete, wurde zur Haus- suchung geschritten, wobei die Laterne in einer Kom­mode gefunden wurde. Auch noch ein anderer Umstand fiel bei dieser Gelegenheit den Beamten auf, die außer­ordentlich vornehme Einrichtung der Wohnung des noch ledigen Füller, und wurden dieserhalb Nachforschungen angestellt, welche ein überraschendes Resultat ergaben. Die Erlaubniß, Holzabfälle und Hobelspähne mitzunehmen, hatte Füller in der Weise mißbraucht, daß er nach und nach Gardinen, Portieren, Teppiche u. dergl. im Werthe bis zu 400 Mk entwendete. Füller soll diese Gegen­stände in einem Zeitraum von ungefähr anderthalb Jahren zusammengetrogen haben. Auch wird derselbe beschuldigt, vor 2 Jahren ein ganzes Feld Kraut, Kartoffeln und Gemüsegeerntet" und am Hellen Tage nach Hause ge­schafft zu haben.

Gelnhausen, 29. Juli. Wie alljährlich so soll auch in diesem Jahre auf dem nahen Dietrichsberg das alt­historischeBarbarossa-Turnfest" abgehalten werden und zwar am 11. August. Das Fest dürfte sich voraussicht­lich großer Theilnahme aus Nah und Fern erfreuen.

Büdingen, 29. Juli. Bus Anlaß der bevorstehen­den Jubelfeier des Gymnasiums sind Denkmünzen in etwa Thalergröße, und zwar in Silber und Bronze, ge­prägt worden ist Der Avers zeigt das Bild des Grafen Wolfgang Ernst, des Gründers der Lateinschule, und d 14 des Fürsten Bruno, des Patrons des hiesigen Gym­nasiums, mit der Unterschrift:Wolfgang Ernst Graf und Bruno Fürst zu Ysenburg und Büdingen,