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• 64. Samstag, den 10. August 1901. 52. Jahrgang.
Miserin Friedrich t-
Gemahlin Kaiser Friedrichs III., die Mutter 1^ Kaisers, ist am Montag Abend in Schloß Vrichshof sanft entschlafen. Es ist ein ergreifendes IWM, das sich im Taunus vollzogen hat; ergreifend M die schmerzvolle Vergangenheit, die es Heraufbe- lirt, und ergreifend nicht minder durch das bittere Wuugsweh, das es in die Seele unseres regierenden blichen Herrn wirft. Es weiß ja Jedermann im Wen Votke, wie unser Kaiser an seiner Mutter Zeit m Lebens gehangen hat. Niemals hat Kaiser Willi, II. eine Gelegenheit versäumt, seiner pietätvollen Mung für seine erhabene Mutter Ausdruck zu geben, D stets ist das Verhältniß zwischen ihm und der Kaiserin Mich durch die innigste kindliche Zuneigung ausgc- Mt gewesen.
I Die kritische Wendung in dem Befinden der Kaiserin jiitttr trat gerade in einer Zeit ein, wo den Kaiser »reiche Repräsentations-Pflichten an die verschiedensten Mdes Reiches riefen. Dennoch bedachte sich der Wir keinen Augenblick, sondern ließ auf der Stelle ■ Erscheinen bei sämmtlichen Festlichkeiten absagen, » Den Sohnespflichten zn genügen. Es liegt etwas »Mich Sympatlsches in dieser hingebenden kindlichen WiRung, die der Kaiser so recht mitten aus dem MN heraus bekundet. Es ist eine Bethätigung jenes »Magten Familiensinnes, der einen wesentlichen Zug r germanischen National Charakters bildet, und den Ick an der allerhöchsten Stelle so scharf vertreten zu Bin alle deutschen Patrioten mit großer Befriedigung Wm muß. Kaiser Wilhelm H. darf versichert sÄ», «das deutsche Volk mit ihm an der Bahre seiner glichen Mutter mit aufrichtiger Theilnahme steht nnb I sehnlichen Wunsch hat, dem Kaiser möge angesichts P Herzeleids, das ihm betroffen hat, das aus tiefster R quellende Mitgefühl seines getreuen Volkes Trost ^Erleichterung gewähren. —
Seit sie den Wittwenschleier trug, hatte sich die fast Friedrich in die Einsamkeit zurückgezogen. Es sie nicht mehr an dem Orte wo sie ihr Liebstes M sterben sehen müssen. Als strahlende Braut hatte
| englische Prinzessin einst unter dem Jubel des Volkes Kebruar lv58 ihren Einzug in die Havel-Residenz ■Her Seite des ritterlichen Prinzen von Preußen ge- Witii und jetzt verließ schmerzerfüllt die Kaiserin F-ied- M im Wittwenschleier die Stätten, wo sie all das Glück W Unheil ihres Lebens erfahren hatte. Nur auf kurze kehrte sie dann regelmäßig jährlich nach Berlin zurück, falte Beziehungen zu erneuern, bis ihre Krankheit r Meisen ein Ziel setzte. In dem neu erworbenen
im Taunus bei Cronberg, auf dem sie sich ein RchvoUes Schloß hat errichten lassen und das sie mit Wkn Runstichätzen, den schönen Früchten einer lang- WM, kunstverständigen Sammlertyätigkeit, ausgestaltet f1 brächte sie die große Mehrheit ihrer Tage zu. k^n trat sie an die Oeffentlichkeit, sie lebte der Er< Willig an ihren tapferen Helden und unterstützte auch B feinem Geiste mit unermüdlicher Thatkraft alle ge- Wützlgen Unternehmungen und Bestrebungen, die sie Mais deutsche Kronprinzessin ins Leben gerusen hatte. »Zuletzt lag ihr vor allem die Förderung der weib- M Erwerbsthätigkeit, die Einrichtung von Heilanstalten f unbemittelte kranke Kinder, die Ausbildung zu Kranken fttermnen, die Pflge von Kunst und Kunsthandwerk I^Herzen; sie war unermüdlich, immer neue Anregungen Neben und neue Freunde sür die von ihr gegründeten palten zu gewinnen.
wird man denn in Deutschland in der Kaiserin Milch öie Erinnerung an eine edle Frau festhalten, r mit großen Vorzügen des Charakters ausgestaltet, l lD™t;m|te Herz hatte sür ihre Familie, für ihr ®e= pt und für ihr Volk.
* * * LGloria Adclaide Marie Luise Kaiserin und Königin
war geboren am 21. November 1840 im Buc ^MM.Pulast in London, hat also das erste Jahr des L Jahrzehnts nicht mehr vollendet. Sie war das ( lte Kind der erst vor einigen Monaten ihr im Tode ?^^gaiigenen Königin Viktoria, hatte aber in dem Gemahl Albert von Sachsen-Koburg und Gotha
einen deutschen Vater. Im Herbst 1855 verlobte sie sich in Balmoral mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm. Am 25. Januar 1858 fand im Londoner St. Jamespalast die Vermählung statt. Nahezu dreißig Jahre hat die Kaiserin Friedrich Freude und Leid mit ihrem Gemahl getheilt. Dr. Hinzpeter entwarf bei der silbernen Hochzeit des Paares folgende unmuthige Schilderung von dessen Leben während der ersten Ehejahre: „Glücklichere Leute gab es im ganzen Lande wohl kaum. Unter sehr günstigen Bedingungen begannen sie sich in einander ein- zuleben. Voll inniger Sympathie für einander und begeistert für Alles, was des Menschen Herz erhebt, genossen sie zusammen mit Enthusiasmus die poeti'chen Meisterwerke aller Zeiten und Völker, während ihr eigenes noch fast mühe- und sorgenloses Leben in den kleinen Thurmzimmern von Babelsberg oder in einer Ecke des großen Berliner Schlosses selbst des poetischen Reizes nicht entbehrte. Ihre Pflichten waren noch leicht und die Hindernisse zu ihrer vollen Befriedigung noch so gering, daß es ihnen als wichtiger Sieg gelten konnte, wenn etwa der jungen Mutter ihr brennender Wunsch, ihren Erstgeborenen selbst zu nähren, nach einigen Zögern gewährt wurde. . . . Auch politische Gedanken und Träume waren für diese jungen Leute nicht lange abzu weisen; und es hat gleich anfangs auf diesen wichtigen Gebieten der Verschmelzungs - Prozeß begonnen, der zwischen diesen beiden allmählich eine Harmonie des Denkens und Fühlens in Bezug auf die wichtigsten Seiten des Lebens heroorgebracht hat, wie sie selten selbst zwischen so eng Verbundeneu sich bilden." Seit dem 15. Juni 1888 war die Kaiserin Friedrich Wittwe. Von den acht Kindern der Entschlafenen — die Prinzen Waldemar und Sigismund wurden schon im zarten Alter den Eltern entrissen — trauern neben dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich die Gemahlinnen des Erbprinzen von Meiningen, des Prinzen Adolf von Schaumburg, des Kronprinzen von Griechenland und des Prinzen Friedrich Karl von Hessen um die Mutter.
Der Kaiser, die Kaiserin und die Mitglieder der Kaiserlichen Familie weilten am Krankenlager der Kaiserin Friedrich, als diese am Montag Abend gegen halb 7 Uhr sanft hinüberschlummerte. Es war 6 Uhr 27 Minuten, als Professor Renvers dem Kaiser meldete, feine Mutter sei gestorben, ihr Herz habe aufgehört zu schlagen. Der englische Geistliche, der auf ihren Wunsch herbeigekommen war und eine Stunde hindurch der da noch bei vollem Bewußtsein zuhörenden Kranken die Tröstungen der Religion gebracht hatte, sprach ein Gebet und der Kaiser und die Kaiserlichen Familienmitglieder nahmen hierauf Abschied von der Todten. Gendarmen und Husaren besetzten das Schloß, die verstärkten Jnfantrieposten erhielten scharfe Patronen und den Befehl, auf Jeden zu schießen, der unbefugt in den Park eindringe. Der Kaiser richtete alsdann folgende, durch eine Sonderausgabe des „Reichsanzeiger" verbreitete Ordre an das Staatsministerium:
„Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich, Meine innigst geliebte Mutter, ist nach Gottes uner- forschlichem Rathschluß heute verschieden. Ich bestimme, daß um die Verklärte eine mit dem morgigen Tage beginnende Landestrauer von sechs Wochen eintritt. Oeffentliche Musik, Lustbarkeiten, und Schauspiel-Vorstellungen sind bis zum Ablauf der Beisetzungsfeier einzustellen. Das Staatsministerium hat hiernach das Weitere zu veranlassen.
Schloß Friedrichshof, den 5. August 1901.
Wilhel m."
Für die Beisetzungsfeierlichkeiten sind laut „Fr. Ztg." folgende Bestimmungen getroffen: Am Donnerstag findet im Schloß eine Faunlienandacht statt, an der nur die Angehörigen, der Hofstaat und die Schloßdienerschaft theilnehmen. Samstag Abend halb 1U Uhr wird die Leiche mit Fackelbegleitung nach der Cronderger Stadt klrche übergeführt. Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr soll in der Stadtkirche eine Feier abgehalten werden. Montag Abend wi^d die Lerche nach Potsdam befördert, wo am Dienstag, den 13. d. M., Vormittags, die Beisetzung im Mausoleum der Friedenskirche stattfindet. Sümml iiche Feierlichkeiten sollen sich, dem ausdrücklichen Wunsch der Verstorbenen entsprechend, in möglichst einfacher Form vollziehen, unter Hinzuziehung nur der Nächststehen
den. Viel fürstlicher Besuch ist daher nicht zu erwarten, doch ist anznnehmen, daß der König von England nach Cronberg kommen wird. Unmittelbar nach der Leichenfeier in Cronberg reift das Kaiserpaar mit dem Kronprinzen nach Berlin. Der Kaiser ist gefaßt, leidet jedoch unter sehr großer Abspannung. Der Kaiser hat den Aerzten sowohl wie dem Hauspersonal gegenüber seine Genugthuung ausgesprochen über die Diskretion, mit der das Leiden nach außen hin behandelt wurde. „Die Welt soll nicht erfahren, was ich leide, ich will nicht beklagt sein in meinem Unglück." In diesem Sinne lautete der Wunsch der hohen Dulderin. —
Zur Krankheitsgeschichte der Kaiserin Friedrich wird mitgetheilt: Das Grundübel (Krebsleiden) dessen Name in den ärztlichen Berichten noch mit keinem Worte genannt wurde, war eine Zeitlang gebunden geblieben, bis er Anfang vorigen Monats erneut einsetzte. Ihren Höhepunkt erreichten die furchtbaren, schmerzhaften Unfälle am vorletzten Sonntag. Seit dieser Zeit spielte der Telegraph zwischen dem Friedrichshofer Schlosse und dem in den nordischen Gewässern weilenden Kaiser lebhafter denn je. Die Aerzte erkannten, daß angesichts der hochgradigen Schwäche mit einer jähen, unvermittelten Katastrophe gerechnet werden müsse. —
In einem Nachruf des „Militär-Wochenblatts" heißt es: „Nach Art der tückischen Krankheit, der auch sie wie einst ihr Gemahl nach schwerem Leiden erlag, ist dieser Tod freilich als Erlösung zu betrachten " Dieser Satz bestätigt die allgemeine Anschauung, daß es sich um ein krebsartiges Leiden gehandelt hat. — Von einem Herrn, der zur Leiche zugelassen wurde, erfährt man über das Aussehen der Kaiserin Friedrich im Tode: Friedlich, delt Kopf etwas zur Seite gureigt, als ob sie schliere, liegt die Todte da. Die Haare sind schneeweiß.
Behufs Bewachung des Schlosses Friedrichshof sind ganz außergewöhnliche militärische Maßnahmen getroffen worden Neben der Besetzung des Schlosses, die von einer Compagnie der Achtziger durchgeführt wird, sind zwei Schwadronen Bockenheimer Husaren zur Stelle. Eine davon ist beständig auf Wache und streift durch die bewaldete Umgebung des Schlosfes. Auch in der Nacht finden regelmäßige Patrouillciirltte statt, da das Kaiserpaar zwischen Homburg und Friedrichshof fast ausschließlich das Waldgebiet des Taunus passiert. So sollen die Kavalleriepatrouillen augenscheinlich zur Sicherung der Wege dienen. Außerdem ist die Gendarmerie und ein Kommando von Criminalschutzleuten ständig auf Posten.
Deutsches Reich.
Berlin. Infolge des Todes der Kaiserin Friedrich geht der Kronprinz nicht nach Hamburg, wo General von Wittich (Cassel) den Grasen Waldersee im Aufträge des Kaisers begrüßen wird. Die Truppen bilden Spalier, wie vorher vor geschrieben, doch wird kein Spiel gerührt. Graf Waldersee begiebt sich vom Anlegeplatz der Gera zu Wagen nach der Stadt. Ein Bankett findet nicht statt. Auch Graf Bülow kommt nicht nach Hamburg
— Die Folgen der rückgängigen Conjunctur in Handel und Gewerbe sind jetzt Tag für Tag zu beklagen. Namentlich hart leidet unter den gegenwärtigen Umständen Süddeutschland. Wie aus Mannheim gemeldet wird, wurde dort in einer Versammlung von Arbeitern der Maschinenfabrik von Heinrich Lanz mitgetheilt, daß seit dem Rückgänge der Conjunctur etwa 1UU0 Mann entlassen worden seien. Ganz ebenso schlimm stehen die Dinge aber auch in den rheinischen Jndustnebezirken, und auch aus Sachsen und Schlesien werden fortgesetzt Klagen laut. Der bevorstehende Winter wird viel Noth und Elend bringen, das ist eine bitterböse Aussicht, aber eine solche, der sich Niemand verschließen kann.
— Die Anarchisten betreiben neuerdings in Deutschland eine sehr lebhafte Propaganda. Die Polizei paßt ihnen aber dermaßen auf, daß sie viel Unheil nicht werden anrichten könne». Zahlreiche Anarchisten sind in den letzte» Wochen mit kürzeren oder längeren Freiheitsstrafen bedacht worden.
— Eine ganz bedeutende Einfuhr von Getreide hat die geplante Kornzollerhöhung herveigcführt. Wie dem „Reichsboten" aus Hamburg gemeldet wird, sind noch in keinem Jahre so viel große Segelschiffe mit vollen Ladungen Getreide, namentlich aus Kalifornien eingetroffen,