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chlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

K 66

Samstag, den 17. Anglist 1901

52. Jahrgang

Mh»lhmrt0ttf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat mit den übrigen leidtragenden Fürstlichkeiten an dem Leichenbegängnisse der Kaiserin Friedrich thcilgenommcn. Die ganze Straße von der Wildparkstation bis zum Mausoleum war auf das strengste m einer doppelten Postenkette abgesperrt, sodaß nur die Wenigen, welche eine Legitimationskarten und daraufhin Einlaß in den Park erhielten, etwas von dem Zuge sehen konnten. Der Kaiser uub König Eduard trugen die Uniform des 1. Garde-Dragoner-Regiments und neben fiterem ging Prinz Heinrich in Marineuniform. Es folgte sodann der Kronprinz mit seinen 3 ältesten Brüdern und der Großherzog von Baden. Die nächsten Leid tragenden waren die 4 Schwiegersöhne der Verstorbenen, denen sich Herzog Ernst Günther zu Schleswig Holstein »schloß. Dann folgten programmgemäß die Prinzen, der Achskanzler, die Generalfeldmarschälle, die Ritter des Schwarzen Adler-Ordens, die Generale und Staats- minister, die Präsidenten des Reichstags und des Land­tags, der Oberpräsident der Mark Brandenburg, die Oberbürgermeister von Berlin und Potsdam u s. w. Du Vorüberzug nahm etwa '/« Stunde in Anspruch Im Mausoleum hielt Prediger Pcrsius eine Ansprache, in welcher er das Wirken und Leben der Verstorbenen, ihre Verdienste um das Volk und die Armen hervorhob. - In Kiel fand an Bord der Kriegsschiffe Trauer­gallesdienst statt, im englischen Hafen Portsmouth feuerten die Kriegsschiffe Trauersalut. Zu London wurde in der Kapelle des St. James Palastes ein Gedächtniß GeÄeö bienst abgehalten. Weiterd Trauerfeiern vollzogen sich in den deutschen Botschaften und Gesandtschaften im Auslande.

Der World meldet, das Testament der Kaiserin Friedrich wird vier Wochen nach ihrem Tode eröffnet werden. Friedrichshof sei Prinz Heinrich zugleich mit einer großen Geldsumme hinterlassen; der Rest ihres Vermögens soll zu gewissen Theilen unter ihre drei in Deutschland verheiralheten Töchter vertheilt sein. Die Herzogin von Sparta sei bereits reichlich abgefunden. Das Gesammtvermögen wird auf 20 Millionen M. geschätzt.

Prinz Heinrich von Preußen beging gestern bte Feier seines 39. Geburtstages im Schloß Friedrichshof, wohin er sich mit seiner Gemahlin nach der Berliner Beisetzungsfeier begeben hat. Prinz Heinrich ist am 14. August 1862 im Neuen Palais bei Potsdam geboren.

Zu dem Besuch des deutschen KreuzersHela" in Brest erzählt derSicele" gerüchtweise, daß die fran­zösischen Hafen- und Eisenbahnbeamten, welche die Hela besuchten, den ihnen dort angebotenen Wein und Cigarren zurückgewiesen, was die deutschen Offiziere sehr verstimmt habe. Ferner werde in Brest erzählt, daß ein Offizier der Hela beim russischen Konsul mit der Bitte um Re­gelung der Kosten des Lotsendienstes erschien. Der russische Konsul habe den deutschen Offizier jedoch belehrt, daß er nicht mit der Vertretung der deutschen Interessen betraut sei und daß es seit 1870 keinen deutschen Konsul Nr in Brest gebe.

Ueber eine Ansprache des Grafen Waldersee, die tt in Paottngfu nach der Inspizierung der Pionier- Npagnic Ende Februar gehalten hat, berichtet Baron Binder in derKreuzzeltung". Graf Waldersee hob btroor, daß die Pioniere viele schwere Arbeit in jeder Beziehung gehabt haben, besonders im Gebirge. Im Manöver zu Hause fänden die Pioniere verhältnißmäßig totnig Tank und Anerkennung.Hier im Felde ist es

Wrs; da weiß Jedermann, wie nützlich und nothwendig bit Pioniere sind, wie alles sich nach den Pionieren

"uisieht." Graf Waldersee betonte seine ganz besondere chinesischen Prinzen. In demselben Stalle sind die beiden Freude, den Pionieren dies vor den versammelten anderen Ponies untergebracht, bie der Graf auf seinen Ausritten ^ ' *" ' ""! -^ in Peking benutzt hat Besonders der Hengst ist ein

Puppen sagen zu können.Ohne tüchtige Pioniere ist nichts zu machen, namentlich im Gebirge." Lehrerbildung. Ueber die Berathungen und Be- Misse der Konferenz im Kultusministerium bezüglich' bet Lehrerbildung bringt nur wenig in die Oeffentlichkeit. vK der Vorlage soll, wie dieBerliner Neuesten Nach-1 Wen" erfahren, die Selbstständigkeit der Präparanden-' , _

Walten, natürlich unter entpredjenber Verbindung mit hat die Bürbacher Hütte, welche im vorigen Jahre noch W Seminar, ausgesprochen sein. Gewisse Unterrichts- 70 Prozent Dividende ausschütten konnte, im letzten ^Senftiinde kommen dgnach in ihnen im Gegensatz zu Jahre so schlechte Geschäfte gemacht, daß sie nur noch

der bisherigen Praxis zum Abschluß, so daß das Seminar im Interesse seiner eigentlichen Aufgabe entlastet wird. Eine fremde Sprache ist für Seminar- und Präparanden- anstalten obligatorisch. Geeignete Personen aus dem Kreise der Volksschullehrer sollen sich nach dem neuen Plan durch eine höhere wissenschaftliche Ausbildung für die höheren Stellen im Volksschuldienste, für die Kreis- schnlinspcktion und für das Lehramt an Lehrerbildungs­anstalten in besseren Maße vorbereiten, als dies bisher möglich war.

Berlin, 14. August. Aus Wien wird gemeldet, daß Ende September ein Bataillon des 1. Ostasiatischen Infanterie-Regiments aus der Durchreise von Triest nach Berlin in Wien eintrifft. Dort soll es drei Tage Aufenthalt nehmen und im Prater einquartiert werden. Die Mannschaften werden von der Kommune, die Offi­ziere vom Offizier-Korps des 43. Infanterieregiments bewirthet, letztere auf Kosten des Kaisers.

Hannover, 12. August. Graf Waldersee wurde bei seiner Ankunft auf dem Bahnhöfe feierlich begrüßt. Das gesummte Offtzierkorps .var zum Empfange versammelt. Generalleutnant Rosenberg hieß den Grafen willkommen und schloß mit einem Hurrah auf den Feldmarschall. Graf Waldersee erwiderte:Es ging mir ausgezeichnet gut, ich bin frisch an die Arbeit gegangen und gesund wiedergekehrt. Wenn mir Einiges gelungen ist, ist es allein dem Umstände zuzuschreiben, daß ich den Kaiser hinter mir hatte und nach seinen Intentionen handeln konnte. Was in China geschaffen worden ist für Deutsch­land, wird hoffentlich recht bald an den Tag kommen. Wir danken alles allein dem Kaiser. Nochmals herzlichen Dank für die schöne Begrüßung. Unsere Truppen hielten sich bei allen Gelegenheiten ausgezeichnet. Es wurde viel von ihnen verlangt; es gab zwar keine großen Schlachten, aber es war viel zu thun unter den Ichwie- rigsten Umständen. Die jungen Herren von der berittenen Artillerie vollbrachten Leistungen, wie solche noch nicht dagewesen sind. Patrouillenritte wurden ausgeiührt, wie sie im letzten Kriege kaum vorgekommen sind. Wir sönnen sicher sein, daß unsere Freunde uns jetzt noch mehr achten werden als vorher. Unsere Feinde aber kennen uns jetzt ganz genau. Denen haben wir gründ­lich Achtung beigebracht. Sie wissen, daß mit Deutsch­land schlecht anzubinden ist und daß der Kaiser eine starke Macht hinter sich hat." Darauf betrat Graf Waldersee das Fürstenzimmer, wo Oberpräsident Fürst Stolberg-Wernigerode ihn begrüßte. Graf Waldersee dankte und fuhr mit seiner Gattin nach der Villa Walder­see, wo die Stadt Hannover eine Ehrenpforte hatte er­richten lassen. Ueber das Gepäck, das Graf Walder­see aus Ostasien mitbrachte, schreibt man derFranks. Ztg.": Ein friedliches Stillleben, diese kriegerischen Trophäen. Da war ein halbes Dutzend großer und kleiner Koffer, die mit einem fetten rothen W. bezeichnet waren und außerdem die Aufschrift trugen:Graf Waldersee, kaiserliches Oberkommando". Ferner ein Feldsessel aus Rohr mit Lederbeschlägen an Sitz und Lehnen. Sodann zwei mit einem Riemen zusammenge­schnürte Flinten, ein leichter eleganter Jagdstutzen und ein angerostetes deutsches Jnfanteriegewehr, Modell 71, eine der ausrangierten alten Mauserflinten, mit denen die Herren Chinesen auf ihre deutschen Lehrmeister schießen. Endlich eine kleine Holzkiste mit Gitterdeckel, darin das Lieblingsthier des Marschalls, eine Teckel­hündin mit drei possierlichen Jungen, die unter dem Aequator zur Welt gekommen sind. Das Ganze unter der Obhut eines Feldwebels, eines Unteroffiziers und zweier Khakikriegsleute. Zwei prächtige isabellenfarbige Maulesel, die der Feldmarschall aus China mit heim- brachte, sind im Stalle des Bult-Tattersalls zu Hannover eingestellt worden. Die starken und schön gezeichneten Thiere erhielt der Feldmarschall als Geschenk von einem

äußerst kräftiges, seltenes Thier, das, mit 2u0 Pfund belastet, noch ausgezeichnet läuft. Außer diesen Thieren brächte der Feldmarschall noch drei P'erde und einen

großen gelbweißen chinesischen Hund mit.

Essen. Die Absatzverhältnisse bei den großen Kohlen- und Eisenwerken sind die denkbar ungünstigsten. So

20 Prozent an die Aktionäre zahlen kann. Mit Rück­sicht auf die abnehmende Beschäftigung der Puddelwerke und Gießereien werden, wie aus Essen gemeldet wird, demnächst auf vielen Eisenwerken stärkere Arbelterkündi- gungen stattfinden. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen hat eine Polizei Verordnung erlassen, nach welcher das Feilhalten von Schlagringen, sogen. Todt- schlägern und sog. Hampelmännern (Gummischläuchen, Stricken oder Riemen, die mit Metall oder einer an­deren Beschwerung versehen sind) verboten ist. Niemand darf solche Gegenstände bei sich führen. Revolver, Pistolen und ähnliche Schußwaffen, sowie die dazu ge­hörigen Patronen, ferner Dolche, Dolchmesser und Jagd- knicker dürfen nur an den rechtmäßigen Inhaber eines Waffenscheines verkauft werden. Ein solcher Schein wird nur an durchaus zuverlässige Personen von mehr als 21 Jahren von Jahr zu Jahr ertheilt. Die zum Waffengebrauche berechtigten Personen, sowie zur Jagd ausgerüstete Jäger fallen nicht unter die neue Polizei- Verordnung, die mit dem 1. Januar 1902 in Kraft tritt.

In Bruck in der Oberpfalz sind für 1000 Mark unreife Preißelbeeren, die vor der gesetzlich erlaubten Zeit gepflückt worden waren, mit Petroleum vernichtet worden.

Ausland.

Paris, 12. August. Einem Briefe des Kriegskorre» spondenten der AgenturParis Nouvelles" zufolge fand vor einigen Wochen in den Schurwalbergen zwischen Buren und englischen Truppen ein Gefecht statt, welches mit einer vollständigen Niederlage der Engländer endete. 400 Engländer wurden gefangen genommen und 100 verwundet; die Zahl der Todten ist unbekannt. Die Engländer wurden von den Buren in eine Schlucht ge­lockt. von allen Seiten umzingelt und beschossen. Die Engländer machten nicht einmal den Versuch, sich zu vertheidigen, sondern hoben die Hände hoch. Demselben Berichte zufolge sind über 30 000 Kaffern in der Kap­kolonie ausständig.

Haag, 14. August. Präsident Krüger hat nunmehr eine Protestnote gegen die jüngste Proklamation Lord Kitcheners, welche dieBuren als Räuber bezeichnet, verfaßt.

Bulgarien bezahlte der Türkei den fälligen Tribut von zweihunderttausend Pfund, ließ aber gleichzeitig er­klären, es werde für die Zukunft Zahlung nicht mehr leisten. Dies Vorgehen scheint im Einverständniß mit Rußland erfolgt zu sein und dürfte weitere Folgen haben.

Neapel, 12. August. Crispl ist gestern Abend gegen 8 Uhr nach langem Todeskampf gestorben. Die unge­heuer starke Natur Crispis täuschte die Aerzte, welche seinen Tod bereits früher erwarteten. An seinem Sterbe­bette weilten nur seine nächsten Angehörigen und einige intime Freunde. Die Leiche Crispis wird Donnerstag in Palermo eintresfen, um dort auf Kosten der Stadt bei­gesetzt zu werden. In seinem Testament bestimmt Crispi, daß der Senator Damiani und zwei andere seiner Freunde die nachgelassenen Papiere ordnen und die Veröffentlichung seiner Memoiren besorgen sollen. Der König sprach telegraphisch der Gemahlin Crispis seine und der Königin Theilnahme aus. In dem Telegramm heißt es, der verewigte Patriot werde stets als einer der Schöpfer der Einheit Italiens genannt werden.

London, 14. August. Ganz London beging gestern die Beisetzung der Kaiserin Friedrich durch tiefe stille Trauer. Auf allen öffentlichen Gebäuden und Clubs waren die Fahnen halbmast gesetzt. In den meisten Häusern waren die Fensterläden als Zeichen der Trauer herabgelassen. 12. August. Dem Standard wird aus Pretoria vom 11. August gemeldet: Zwölf Boeren, welche sich ergeben und von den Engländern Gewehre erhalten hatten, um ihr Vieh zu beschützen, wurden in einer Farm nördlich von Volksrust von Boerentruppen umzingelt und ergaben sich, nachdem einer von ihnen getödtet worden war. Fünf derselben wurden vor ein Kriegsgericht unter dem Vorsitz Christian Bothas gestellt, auf dessen Urtheils- pruch, wie es heißt, vier erschossen worden sind. Wenn es richtig ist, daß die Buren von den Engländern Gewehre angenommen haben, wird man den harten Spruch nicht verurtheilen können.

Lokale- und Provinzielles.

* Schlächtern, 16. August.

* Der Anfang der diesjährigen Jagd auf Reb- >ühner, Wachteln, Haselwild, Auer-, Birk- und Fasanen» ;ennen ist auf den 27. August, der Anfang der Hasen» jagd auf den 15. September festgesetzt. Die Zeit^