SchlilchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
- ■ ——■—^— ■" ■ '-'——-"-^---m~——iirmn mi ■■■■ ■ ,, ,■——[■rnrmnrTrii»ra--~ ' ----i~rn—rMBiMWWWMWWWWM———————————■———■——^^—
32 91. Mittwoch, den 13. November 1901. 52. Jahrgang.
Ri»kkp!lnnap^^ die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen g. ——--------Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Das endgültige Ergebnis; der Volkszählung in Preußen
vom 1. December 1900 wird im „Reichsanz." veröffentlicht. Danach ist die Bevölkerung Preußens feit 1895 von 31855123 auf 34 472509 Köpfe an gewachsen, Die männliche Bevölkerung stieg von 15 645 439 auf 16971425, die weibliche von 16209684 auf 17501 084
Köpfe. Nach dem Religionsbekenntnis; giebt es (im Vergleich zu 1895) 21817577 (20351448) Evangelische 12113670 (10999505) Katholiken, 139118 (119245) sonstige Christen, 392322 (379716) Jsraeliten und und 8913 (5209) Bekenner anderer Religionen und
Personen unbekannter Religionen. Die Zunahme der Evangelischen in Preußen beträgt also in dem Jahrfünft 1895 bis 1900 7,1%, der Katholiken 10,1%, der Juden 3,3%. Für den ganzen preußischen Staat betrug die Zunahme der Bevölkerung 8,2%. Auf die einzelnen Provinzen vertheilt sich die Bevölkerung (die Zahlen von 1895 sind in Klammern beigefügt) wie folgt: Rheinprovinz 5759798 (5109002) Schlesien 4368857 (4415309)
Westfalen Brandenburg Sachsen Hannover Ostpreußen Hessen-Nassau
3187 777 (2701420) 3108 554 (2 821695) 2832616 (2698549) 2 590 939 (2 422 020) 1996 626 (2 006 689) 1897 981 (1756 802)
Stadtkreis Berlin 1888 848 (167 7 304)
Posen 1 887275 (1828658)
Pommern 1634 832 (1574147) ’ ’ Westpreußen 1563 658 (1494 360)
Schleswig-Holstein 1387 968 (1286 416)
Hohenzollern 66 7 80 (65 752)
Alle Provinzen mit Ausnahme von Ostpreußen reifen demnach eine Zunahme der Bevölkerung auf. Von den 1897981 Bewohnern unserer Provinz Hessen- Nassau entfallen 890142 auf den Regierungs-Bezirk Cassel, 1007 839 auf den Regierungs-Bezirk Wiesbaden. Zn der Provinz waren (die entsprechenden Zahlen für kn Regierungs-Bezirk Cassel sind in Klammern beigesetzt): 923959 (430350) männliche und 974322 (459788) weibliche Personen; 1308016 (723277) Evangelische, 530 441 (145 488) Katholiken, 10 611 (373b) andere Christen, 48105 (17 483) Juden, 708 (158) ohne Konfessionsangabe, 15593 (9333) Militärpersonen.
Ueber die englischen Barbareien
tob der Volkszeitung", „von einer Seite, die aus den zuverlüssigstnn transvaalischen Quellen zu schöpfen in der Lage war," geschrieben: Seit Monaten ver- Mgen die Buren den Zweck, die einfachen Söldner und kolonialen Soldaten zu schonen, dagegen die Offi- Me und Unteroffiziere wegzuschießen und gefangen zu nehmen. Das geschah z. B. bei Bethet so gründlich, daß den Engländern von drei Regimentern auch nicht einziger Chargierter übrig blieb; vom Sergeanten aufwärts waren alle Kommandirenden todt oder schwer derwundet am Boden oder gefangen. Da Tommy ^thid, der gemeine Soldat, weiß, daß er nach drei ^agen freigelassen und als Gefangener gut behandelt tob, so wirft er seine Patronen massenhaft weg unb M im Moment der Gefahr die Hände hoch. Die Monialtruppen waren insbesondere derart des Krieges tobe geworden, und zeigten sich in solchem Maße Widerspenstig, daß sie in aller Stille aus den Angriffs- "sien zurückgezogen, zum Etappendienst verwendet oder hinwärts geschickt werden mußten. Zuerst verschwanden
Kanadier, dann die Australier. Im englischen ^uptguartier wurde man über die rapid wachsende ftNtmuthiguug und Unzuverlässigkeit des Heeres derart ^hend, daß man den Zorn an den armen Frauen R Kindern der Buren ausließ, denen man Wissent- R und geflissentlich die dürftigsten Nahrungsmittel Mg. So erzählte der im Haag wohlbekannte Bureu- Wer Jongher von Leven, daß unter den Augen von Scheuer ein aus fünfzehn Wagen bestehender Train /"Lebensrnitteln, bestehend aus englischem Zwieback, Zensierter Milch, präparirten Fleischmehl und ge
trockneten und geräucherten Fleisch- und Wurstwaaren, verbrannt worden ist. Dieser Train sollte 600 Frauen, Mädchen und Greise, welche 2000 Kinder unter 12 Jahren zu verpflegen hatten, mit Lebensrnitteln für eine Woche versorgen. In jener Woche starben darum Hunderte von Kindern und Frauen den Hungertod. Ebenso erblickt Jongher in der Füsilirung der gefangenen Feldkornets und anderer Burenführer nur die Rache der ihrer Ohnmacht sich bewußt gewordenen englischen Generale. Präsident Paul Krüger bildete bisher mit seinem Stäbe von Getreuen und Rathgebern das Hinderniß, welches dem Generalissimus Louis Botha trotz der entsetzlichen Gräuel auf englischer Seite humane und noble Kriegführung anbefahl. Botha hat am 2. November sich von diesen Rathschlägen befreit, indem er unter Hinweis auf die von den Engländern gemordeten Kinder, Weiber und Gefangenen den Befehl gab, die gefangenen Offiziere Englands aufs strengste zu bewachen und ihnen zur Abfassung des Testaments Gelegenheit, Beamte und Zeugen zu geben. Botha hat seinen von allen Unterbefehlshabern einstimmig gebilligten Entschluß, alle in Gefangenschaft befindlichen englischen Offiziere erschießen zu lassen, dem in Holland weilenden Präsidenten Krüger und Stein mitgetheilt. So oft ein Bur erschossen wird, fällt ein englischer Offizier. Das Recht der Repressalien tritt jetzt endlich mit der Loosung „Aug' um Aug' und Zahn um Zahn!" in Kraft, so daß der Adel und das wohlhabende Bürger- thum Albions, das für seine Söhne die Offiziersstellungen zu kaufen pflegte, nachgerade aus zahlreichen Testamenten mit Trauer die Erkenntniß schöpfen kann, wie thöricht es handelte, als es seine Söhne den geld- und blutbefleckten Händen des ersten „Armeelieferanten" Joe Chamberlain anvertraute.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wird von der Letzlinger Jagd aus sich zur Enthüllung des Großen Kurfürsten-Denk- mals nach Breslau begeben. — Die Kaiserin wird mit ihren drei jüngsten Kindern den Winter iu Abbazia zubringen. Die Abreise der Kaiserin wird vom Neuen Palais aus erfolgen, da von einer Uebersiedelung des kaiserlichen Hoflagers nach Berlin für diesen Winter Abstand genommen ist. Dagegen wird der Kaiser, je nachdem die Umstände dies erheischen, für einen oder mehrere Tage im Berliner Stadtschloß Wohnung nehmen.
— Aus Pekiug ist auch eine Anzahl reichverzierter Geschütze von den deutschen Truppen fortgeführt worden. Man hat vielfach geglaubt, diese Handlungsweise ebenso beurtheilen zu müssen wie die Fortführung der astronomischen Instrumente. Die „Kreuz-Ztg." meint indessen, daß das doch nicht ohne weiteres zulässig sei und daß man deshalb gegenüber der Fortführung der Geschütze mit dem Borwurf einer völkerrechtswidrigen Handlungsweise vorsichtig sein müsse. Hier handelt es sich um wirkliches Kriegsmaterial, denn das Alter und die Kostbarkeit der Geschütze hindert nicht deren Verwendung zu Kriegszwecken.
* — Die Holzpreise, welche bekanntlich innerhalb der letzten drei Jahre erstaunliche Steigerungen erfuhren, gehen neuerdings wieder zurück. Diese Thatsache trat ganz besonders in die Erscheinung gelegentlich der jüngsten Langholzversteigerungen, bei denen die Taxen knapp oder mitunter sogar nicht einmal völlig erreicht wurden. Durchweg aber wurden mindestens 20 bis 25 Prozent weniger gelöst, als für dieselben Holz- qualitäten im Vorjahre. Der Rückgang der Holzpreise wird vorzugsweise verursacht durch die im Bauhandwerke herrschende Geschäftsflauheit, aber auch theilweise durch die Konkurrenz der amerikanischen und skandinavischen Hölzer auf dem rheinischen Markte, dem diesseitigen Hauptabsatzgebiete.
Aus Westfalen. Der Zug nach dem Osten. Dem Zuge nach dem Westen folgt nun der Zug nach dem Osten. Aus den östlichen Provinzen waren in der Zeit des industriellen Aufschwunges tausende und aberlausende von einzelnen Arbeitern und ganzen Arbeiterfamilien nach den westdeutschen Industrie - Bezirken gewandert, um dort ein vermeintlich glänzendes Loos zu finden. Jetzt ist nun der traurige Wechsel in der wirthschaftlichen Lage der Industrie eingetreten und keine Aussicht auf baldige Besserung vorhanden. Die Industrie stößt viele Arbeitskräfte ab, und den zu- gewauderlen Arbeitern aus dem Osten bleibt nichts
Anderes übrig, als nach ihrer ursprünglichen Heimath zurückzukehren. Die Bahnhöfe im westlichen Industrie- bezirke machen jetzt häufig den Eindruck eines Auswandererbahnhofes in einer Hafenstadt, so stark ist der Abzug.
In Krefeld entstand am Samstag Mittag im städtischen Gaswerk ein großes Schadenfeuer. Zwei Arbeiter wurden verletzt. Die Gasabgabe ist gestört. In allen Straßen, die nicht vom Hauptverkehr berührt werden, herrschte stockfinstere Nacht, die nicht durch Beleuchtung aus dem Inneren der Häuser gemildert wird, dazu Nebel. In Privat- und öffentlichen Gebäuden konnte man Beleuchtungsmittel wahrnehmen, die aus einem Museum herbeigeholt schienen. Thranlämpchen und Kerzen mußten auch im Bahnhof und seinen Unterführungen aushelfen. Vorträge und Versammlungen, Concerte und andere Veranstaltungen müssen „wegen Mangels an Licht" ausfallen. Betriebe, welche mit Gasmotoren arbeiten, erleiden beträchtlichen Ausfall, in Kerzen und Streichhölzern herrscht Haussee. Verdrießlich sind die Besitzer von Gasöfen.
Bingeu, 9. November. Italienische Bahnarbeiter überfielen in der vorletzten Nacht ein Wirthshaus. Sie verletzten den Wirth und die Wirthin durch Messerstiche und Revolverschüsse, raubten das Haus aus und flüchteten.
Aus Schlesien. Der Betriebsleiter der Eisengießerei der Laurahütte hielt dem „Königshütter Tageblatt" zufolge eine Ansprache an die Arbeiter, in der er betonte, daß infolge der mißlichen Conjunktur der Eisenindustrie Betriebseinschränkuugen nothwendig seien. Es niüßten daher Entlassungen von Arbeitern jüngerer Jahrgänge stattfinden. Und dabei ist die Laurahütte das größte Etablissement seiner Art in ganz Oberschlesien. Wenn diese schon den gegenwärtigen Puff nicht aushalten kann, ohne zu Betriebseinschränkungeu zu greifen, was sollen da die mittleren und kleineren Betriebe sagen.
Gloqau. Von Stufe zu Stufe gesunken ist durch den Suff der frühere Seminardirektor Dr. M. Kulla. 1894 seines Amtes enthoben, beschäftigte er sich journalistisch, verlor die Stellung aber bald, weil er dem Alkohol im Uebermaß fröhnte. Seit längerer Zeit nun zieht er bettelnd umher, hin und wieder einige Tage im Krankenhause zubringend. Am Dienstag erschien er in Glogau nnd bettelte betrunken an mehreren Stellen. Schließlich wurde er in hülflosem Zustande in der Nähe der Flußbadeanstalt aufgefunden. Im Krankenhause simuliert K. Geistesgestörtheit. Bald wird er, nachdem er sich einige Tage gepflegt, seine Straße weiter ziehen.
Weißensels, 8. Nov. Das hier in bescheidenen, doch geordneten Verhältnissen lebende Ehepaar Horack dürfte mit seinen strammen vierzehn Jungen den Rekord im ganzen Reich halten. Merkwürdigerweise konnte der Kaiser nicht als Tauspathe geladen werden, weil das siebente Kind allemal ein Mädchen war. Das Ehepaar hatte achtzehn Kinder, von denen zwei Jungen und die beiden Mädchen gestorben sind.
Nordhausen, 6. Nov. Wie leichtsinnig heutzutage mit dem Eid umgegangen wird, bewies die heutige Verhandlung des Schwurgerichts, die sich gegen die 21jährige Dienstmagd Anna Köhler aus Appeurope wegen Meineids und Beihilfe zur wissentlich falschen Anschuldigung und gegen die Arbeiterfrau Johanne Bücking aus Werna wegen Verleitung zum Meineid richtete. Die Köhler hatte in einer Sittlichkeitssache in einem Termin vor der hiesigen Strafkammer auf Veranlassung der Bücking einen Meineid geschworen, wofür sie von der Letzteren eine Belohnung von 20 Pfg. erhielt. Die Köhler erhielt 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, die Bücking 5 Jahre Zuchthaus.
Ausland.
Bern, 9. November. Der „Bund" bezeichnet es als ein Verbrechen an den Buren, weil der Bundesrath gestatte, daß den Engländern von beu Schweizer Milchsiedereien große Mengen condensirter Mlch geliefert werden, wodurch Englands längere Kriegsfübrung ermöglicht und zugleich der Butterpreis in der Schweiz unerhört vertheuert werde.
Spanien. Ueber die Erziehung des Königs von Spanien kam es kürzlich zu einer interessanten Debatte in der spanischen Deputirtenkammer. Alba führte ds-