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MüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

J2 93 Mittwoch, den 20. November 1901. 52. Jahrgang.

Kl»stl>11lt11«11>11 "^ bie »Schlüchterner Zeitung werben nod) fortwährend von allen - - ----" Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Um über das vom Reichstage bei der Berathung des Etats für die Verwaltung des Reichsheeres für 1901 betonte Bedürfniß der Revision der im § 9 Nr. 2 des Naturalleistungsgesetzes (Reichsgesetzblatt de 1898 Seite 3l'5) festgesetzten Normalsätze für die Vergütung der Naturalverpflegung ein Urtheil zu gewinnen, wünscht der Herr Reichskanzler schleunige Feststellung darüber, ob und in welcher Höhe in jedem der Jahre 1898, 1K99 und 1900 von den Gemeinden den Quartier- gebern Zuschüsse zu den vom Militärfiskus zu ver­gütenden Sätzen für die Einquartierung (Unterkunft und Aerpflegung) gewährt worden sind.

Einquartierungen haben im hiesigen Kreise statt- aefundxn:

1898 in den Monaten Mai und Juni in Schlüchteru, Steinau, Herolz, Salmünster und Soden;

1899 in den Monaten Juni und Juli in Schlüchtern, Steinau, Salmünster und Soden;

1899 im Monat September in Schlüchteru und Elm: 1900 im Monate August in Steinau, Salmünster, Ahl, Soden, Marborn, Romsthal, Wahlert, Eckardroth, Elm, Gundhelm, Hütten, Uttrichs- hausen, Heubach, Oberkalbach und Schlüchtern; 1900 im Monat September in Schlüchtern, Herolz, Ahlersbach, Hütten, Elm, Soden, Salmünster und Niederzell.

Die Herren Bürgermeister der vorstehend bezeich­neten Land- und Stadtgemeinden haben mir umgehend mitzutheilen, ob bei den obenbezeichnetenEinquartirungen (Unterkunft und Verpflegung) gemeindeseitig ein Zu­schuß zu den vom Militärfiskus gewährten Vergütungen ben Quartiergebern ausgezahlt worden ist und be­jahenden Falles, in welchem Betrage pro Mann und Tag, für welche speciell zu bezeichnenden Tage und ob an diesen Tagen die Quartiere mit Verpflegung ober ohne Verpflegung zu stellen waren.

Ist ein derartiger Zuschuß nicht gewährt worden, so ist mir in der bezeichneten Frist Vacatanzeige zu erstatten.

Schlüchtern, den 15. November 1901.

Der Königliche Landrath: J. V. Gocrz.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist gleichzeitig mit dem Groß­fürsten Wladimir von der Letzlinger Hofjagd nach dem Neuen Palais zurückgekehrt. Die Kaiserin und Königin ertheilte am Samstag Mittag 12 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam dem persischen Gesandten Mahmud Khan die erbetene Audienz.

- Großfürst Wladimir von Rußland ist in Pots­dam eingetroffen, um an der Letzinger Hofjagd theil - ^nehmen, zu welcher zahlreiche Einladungen ergangen sind.

Der Fürst von Monaco, der einige Tage Gast des Kaisers war, ist wieder abgereist. Der Fürst war gerade an seinem Gebburtstage, am 13. November, Gast des Kaisers. Wir möchten hier beiläufig bemerken, daß dies der einzige Tag ist, an welchem die Unter- lhanen des Fürsten in Monte Carlo spielen dürfen. An bat übrigen 364 Tagen des Jahres dürfen nur Fremde ihr Geld verlieren, was auch so reichlich ge­schieht, daß die Bank dem Fürsten über 112 Millionen Mark Rente zahlen kann. Daß seit 1860 die in Monte Garlo info ge Spielverluste erfolgten Selbstmorde bereits die Zahl 2000 überschritten haben, sei noch nebenher erwähnt.

Die Berliner Morgenblätter veröffentlichen eine Erklärung des Vorstandes des deutschen Kriegerbundes und des preußischen Landeskriegerverbandes, wonach sie gegenüber zahlreichen Anfragen, weshalb sie noch keine Protesterklärung gegen Chamberlain erlassen hätten, bemerken, daß sie gegen eine Protestkundgebung sind. Tie Abwehr solcher Angriffe gegen die deutsche Krieg- Ehrung müsse allein der berufenen Vertretung der Mischen Wehrkraft überlassen werden. Beide Vorstände fernen für sich in Anspruch, daß sie an Gefühlen na- tionaler Begeisterung und Vaterlandsliebe Niemanden ^achstehen. Sie hätten aber die ernstesten Gründe zu

der dringenden Bitte an die Kriegervereine und Ver­bände, sich jeder Kundgebung in dieser Angelegenheit zu enthalten. (Welches sind dieseGründe" i)

Ueber den wachsenden Eisen- und Kohlenexport Nordamerikas wird derVoss. Ztg." geschrieben, daß in den Kreisen der Großindustriellen des niederrheinifch- westfälischen Kvhlenbezirks die Versuche der Vereinigten Staaten, das europäische Festland mit amerikanischen Kohlen- und Eisenerzeugnissen zu versorgen, mit wachsender Besorgniß verfolgt werden. In 10 bis 15 Jahre, so äußerte ein hervorragender Großindustrieller des Ruhrbezirks, werde Amerika sämmtliche Staaten des Mittelmeeres sowie Oesterreich-Ungarn Fast allein noch mit Kohlen und Eisen versorgen. Gegen diese Gefahr müßten sich sämmtliche Staaten Europas eng verbünden, da der einzelne zu schwach sei.

Darmstadt. Zur hessischen Ehescheidungsgeschichte wird denMünch. N. Nach." aus Leserkreisen geschrieben, daß Großherzog Ernst Ludwig, als letzter der ange­stammten Dynastie, viel Sympathie im Lande genießt, während es seiner Gemahlin Viktoria Melitta that­sächlich versagt geblieben ist, sich die Zuneigung des warmherzigen und leichtbeweglichen Hessenvolkes zu er­werben. Es scheint, daß diese Tochter des Herzogs­paares von Ediuburg just jene weniger angenehmen Eigenschaften der Eltern übernommen hat, die beim Vater in einem mürrischen, grämlichen Wesen, bei der Mutter, die überall die russische Kaiserstochter heraus- kehrte, in hochfahrendem Stolze und höchster Unnah­barkeit bestanden. Ueberaus bezeichnend erschien mir das Verhalten der Großherzogin, als sie auf dem Balkon des Mainzer Stadtschlosses an der Seite des Gemahls den Festig des Deutschen Schützenbundes ansah. Der Großherzog voller Lust und Freude die jauchzenden Grilße seiner Unterthanen und der deutschen und österreichischen Landsleute erwidernd, mit den Händen nach den zugeworfenen Blumen haschend und mit Lachen und Zurufen dafür dankend. Und die Groß­herzogin ? Sie ließ die ihr zugekommenen Blumen bei Seite legen und hatte kein freundliches Lächeln, keinen Wink mit dem Taschentuch für den Herauf- trönenden Jubel, nicht einmal die Hannoveraner, die ihr als englischer Prinzessin eine besonders stürmische Huldigung brachten, erzielten besondere Beachtung, ernst und gemessen, mehr Viktoria als Melitta, stand sie an der Seite des Großherzogs und nickte kühlen Dank. Die englische Großmutter Viktoria, die schon früher Zwistigkeiten zwischen diesen beiden Enkelkindern ge­schlichtet hat, wurde neuerdingsbei der bekannt gewordenen Spannung von den fürstlichen Verwanden sehr vermißt. Der den hessischen Standpunkt vertretendenWormser Ztg." wird in auffallend scharfer Betonung aus Darm- stadt geschrieben: Es werden in unterrichteten Kreisen von dem Verhalten der Großherzogin Thatsachen er­zählt, die in englischen Gesellschaftskreisen vielleicht nicht weiter beanstandet werden würden, die aber mit denhausbackenen" deutschen Anschauungen über die deutsche Frau und Mutter doch stark differiren. Unser Großherzog ist ein Fürst von echt deutscher Gesinnung und Gemüthsart, die Großherzogin ist dagegen trotz ihres mehr als siebenjährigen Ehelebens in Hessen in ihrem ganzen Wesen Engländerin geblieben.

Ausland.

Niederlande. Die Königin der Niederlande ist am 10. November vorzeitig entbunden worden. Der Leib- a:zt Dr. Pot hatte am Sonntag Morgen eine Kon­sultation mit Dr. Halbertsma. Daß der Zustand der Königin nicht besoruißerregeud ist, geht daraus hervor, daß Prinz Heinrich am Tage nach der vorzeitigen Ent­bindung seiner Gemahlin auf der Jagd gewesen ist. (Königin Wilhelmina ist seit 7. Februar verheirathet.

Südafrika. Die Buren sind siegreich bis Käpstadt vorgedrungen, so müssen jetzt selbst die Londoner Blätter bekennen; eine kleine Burenabtheilung befindet sich in Süd-Darling. Die Blätter meinen zwar, das habe weiter keine Noth, da sich in Kapstadt hinreichende englische Truppen befänden, um die Buren zurückzu- werfen; ihre Bestürzung können sie doch nicht ganz unterdrücken. Wenn wir nun auch nicht hoffen dürfen, daß sich die kühne Avantgarde^ der Buren i t den Besitz Kapstadts werde setzen können, so ist doch die Thatsache immerhin erfreulich, daß die Buren auch vor einem unmittelbaren Angriff der Hauptstadt der

Kapkolonie nicht mehr zurückschrecken. Die Brüsseler Vlamsche Gazet" theilt den Brief einer belgischen Dame mit, die eine der entsetzlichsten Folterstätten besucht hat, die die EngländerConzentrationslager" nennen. Es heißt darin: der Boden ist sumpfig, die Menschen können hier nicht gesund bleiben. Als ich die armen Frauen sah, mußte ich weinen . . . Gemüse ist nicht erhältlich, und so. sind sie allein auf Brod angewiesen. Die Engländer haben ihnen Fleisch gegeben, das von verendeten Schafen stammte. Und die Frauen, die sich weigerten, das ekelhafte Fleisch zu nehmen, wurden mit acht Tagen Kostentziehung bestraft . . . Ich staune blos, wie die Frauen das aushalten. Keine Feder kann ja beschreiben, was sie alles ausstehen müssen, keine Idee kann man sich machen von dem Leben in einem solchen Lager. In meinem Zuge fuhren zwei Engländer zurück. Der eine sagte:Lassen Sie erst mal das heiße Wetter kommen; da werden sie schön in den Zelten schmoren!" Ich dachte bei mir: Das soll die vielberühmte eng­lische Civilisation sein! Niemals mehr kann England sein Haupt erheben vor der Schande, die es bedeckt. Und Transvaal kriegen sie doch nicht!

Nord-Amerika. Auch in Amerika hat die Beschimpfung des deutschen Heeres durch Chamberlain eine Protest-' kundgebung veranlaßt. Die deutschen Veteranen, die sich in den Vereinigten Staaten niedergelassen, haben dem verleumderischen englischen Minister in einer ein= stimmig beschlossenen Resolution sehr gründlich die Wahrheit gesagt. Die Tyroler wollen gleichfalls nichts von den Engländern wissen. In Bozen wurde eine Action eingeleitet, in der dagegen protestirt werden soll, daß den englischen Offizieren der südafrikanischen Armee, welche sich dort als Reconvalescenden befinden, Svm- Pathiekundgebungen bereitet werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 19. Nov.

* Versetzt wurde Postassistent Malmus von Schlüchtern nach Cassel.

* Am Bußtage (20. November) und am Todten- sonntag (24. November) sind alle öffentlichen Lustbar­keiten mit Einschluß der Gesangs- und deklamatorischen Vorträge, Schaustellungen von Personen, theatralischen Vorstellungen und Musikaufführungen verboten. 9Zur Aufführungen geistlicher Musik in Kirchen und in den Räumen solcher Konzert- oder Theaterunternehmungen sind gestattet.

* Die Gewerbetreibenden des Kreises Schlüchtern wählten heute auf die folgenden 3 Jahre einstimmig zum Steuerausschuß der Gewerbesteuerklasse 4 die Herren: Kaufmann Jsaak Oppenheimer und L. A. Denhardt zu Schlüchtern, Johs. Denhardt I., Gerber­meister zu Steinau, Josef Henßler, Müller zu Sarrod und Moses Schuster, Kaufmann zu Sterbfritz.

* - Der in voriger 9tr. gemeldete Selbstmord in Vollmerz wurde nicht von einem Manne, sondern von einer jüdischen Wittfran Namens Birk verübt.

Wächtersbach, 14. Nov. Der Sohn des Forst meisters Mndra dahier, der ! 8 Jahre alte Oberprimaner Herrn. Mudrq, ist in Büdingen aus dem Fenster seiner im 3. Stock gelegenen Wohnung gestürzt und hat sich schwere innere Verletzungen zugezogen; in Folge dessen wurde er in die Klinik nach Gießen gebracht.

Sitzung des Schwurgerichts vom 14, Novbr.

Der Mord auf der Heeg bei Herolz.

(Schluß).

Bureaudiener Anton Heil bat die voll Wasser ge­laufene Uhr des Fuchs zu sehen bekommen; sie zeigte wenige Ginnten über 7,10. Aus früherer Zeit be­kundet der Zeuge, daß ihn Ludwig Fuchs einmal ge­beten hat, ihm sein Obst abmachen zu helfen, denn er bekomme nie etwas davon. Als Zeuge sich bei Gläser für Fuchs verwenden wollte besam er eine unflätige Antwort. Der Bauer Judor Link von Zinnpetershof, der etwa 350 Meter vonAuf der Heeg" entfernt ist, hat die Frau Gläser einmal gefragt, ob sie jetzt einig lebten mit den Fuchs. Diese hat darauf geantwortet: Wer kann mit dem einig sein, der wird doch noch mal todt geschmissen."

Ein wichtiges Zeugniß legt noch der Arbeiter- Melchior Heil von Saunerz ab, Er hat mit dem Johann Gläser jr, auf einer Ziegelei bei Sannerz ge-