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ZchliichternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk, Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

X 30. Samstag, den 12. April 1902. 53. Jahrgang.

K»Kol!«41^S^°uf die .Schlüchterner Zeitung» ^(M-VUUllyK'll toerben nod) fortwährend von allen _ 1' Postanstalten und Landbriesträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J.-Nr. 2235. Unter Hinweis auf die Polizei- verordnung der Königlichen Regierung vom 17. Feb­ruar 1881 Kreisblatt Nr. 22 d 1881 werden die Herren Bürgermeister des Kreises hiermit aufgefordert, binnen 8 Tagen zu berichten, wie groß die Zahl der Haltekinder und der zur Annahme solcher nach der erwähnten Verordnung befugten Personen während des Jahres 1901 in ihren Gemeinden gewesen ist.

Sodann ist binnen gleicher Frist anzuzeigen:

1. Die Zahl und Gattung des geschlachteten Viehes. 2. An welcher Krankheit das Vieh event, gelitten hat. 3. In wieviel Fällen an die Versuchsstation Marburg 'ober anderweitig Trinkwasser und Nahrungsmittel­proben eingesandt und untersucht worden sind und welches Ergebniß die Untersuchung gehabt hat.

Sämmtliche Angaben haben sich auf das Jahr 1901 zu beziehen und sind in einem Bericht aufzunehmen und nicht, wie bisher geschehen, in mehreren Berichten.

Schlüchtern, den 9. April 1902.

Der Königliche Landrath: i. V: Goerz.

Für den am 17. April 1902 in der Stadt Fulda stattfindenden Viehmarkt finden die unterm 13. Januar d. I. int Kreisblatt Nr. 7 bekannt gegebenen Be­stimmungen Anwendung.

Mildem Auftrieb darfum6'/, Uhr begonnen werden. Schlüchtern, den 10. April 1902.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

m a u u s. Dazu sind nun noch die vielen Tausende von Kranken

Berlm. Der Kaiser und der Kronprinz werden un^ Ziechen zu rechnen, die in den Lazarethen liegen großem Gefolge von Berlin 0^er ^ie Heiinath zurückgeschafft werden mußten, um °uf Einladung des Das Blutopf» Englands für Südafrika ist ein furcht- SUnvbboitHrhoii Minhb ntt ntnw Olnat^hrt bpS Mlnhbbnnt, , _ .1 1 ° .. » 1 1 1 ..'.'_

Norddeutschen Lloyd an einer Ausfahrt des Lloyddam-

pferSKronprinz Wilhelm," die für den 17. und 18. d. M. anberaumt ist und weit hinauf in den nordöst­lichen Theil der Nordsee sich erstrecken soll, theilzunehmen. Nach beendigter Fahrt wird der Monarch mit seinem ältesten Sohne die Reise nach Hannover antreten, wo die Enthüllung des Denkmals für den Reitergeneral v. Rosenberg stattfindet. Am 19. April treffen Kaiser und Kronprinz auf dem Schießplätze bei Meppen ein.

Die schlechte Zeit kommt auch in der Konkurs­statistik zum Ausdruck. Im letzten Viertel des ver­gangenen Jahres gelangten im deutschen Reich 2983 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2371 im vierten Vierteljahr 190u. Von den 2983 neuen Konkurs­verfahren betrafen: physische Personen 2342, Nach- lässe 433, Handelsgesellschaften 148, Genossenschaften 8, andere Gemeinschuldner 52.

Ein Neuuniformirung der preußischen Land­gendarmerie scheint bevorzustehen. Dem Ersatz des weißen Lederzeuges durch gelbes soll ein bequemer Waffenrock folgen, der zunächst an der Wohlauer Gendarmerieschule probeweise getragen wird. Hinten rockartig mit Schößen, ähnelt derselbe vorn mehr der bekannten Litewka ohne Metallknöpfe.

Spirituslastautomobilen im landwirthschaftlichen Betriebe. Für 1903 hat die deutsche Landwirthschafts­gesellschaft ein Preisausschreiben für Lastautomobilen erlassen. Der Verwendung des Spiritus als Kraft­erzeugungsmittel soll hierbei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im wesentlichen wird es sich darum handeln, Lastfuhrwerke zur Benutzung im landwirth­schaftlichen Betriebe als Selbstfahrer (Lastautomobilen) auf befestigten Wegen zu prüfen. Die Selbstfahrer sollen sich eignen znr Beförderung von Massengütern oder von Stückgütern oder Milch. Die Centrale für Spiritusverwerthung und der Verein der Spiritusfabri­kanten haben zu der Gesammtsumme, welche zur Preis- vertheilung kommt und die 8000 Mark beträgt, nam­hafte Beiträge geliefert.

Hamburg, 8. April Zum Fallissement der Kaffeimportfirma Neren, Schnitz und & Co. betrage: denHamburger Nachrichten" zufolge die Passiva 1,800,000 M. Voraussichtlich erhalten die Gläubiger 20 bis 25 Prozent.

Dresden. Ein Mörder von neun Jahren. Die Pfarrer von Sannerz, und Herr Kuratus Bargon Kriminalpolizei von Dresden hat, demBerl. Lokal- in Altenmittlau zum Pfarrer von Ulmbach bestellt Anz." zufolge, auf Grund eingehender Untersuchung festgestellt, daß der neunjährige Sohn eines Straßen­kehrers in der Vorstadt Pieschen innerhalb der letzten Jahre zwei Knaben und ein Mädchen in die Elbe ge» stoßen und dadurch deren Tod herbeigeführt hat. Auch in anderen Fällen, in denen Kinder ertrunken sind, dürfte der verbrecherische Knabe nicht ohne Schuld sein.

Köln. Ein höchst originelles kühnes Gaunerstückchen ist jüngst in Köln ausgeführt worden. Im südlichen Stadttheil hat die Straßenbahnverwaltung alte Schienen aufgestabelt, und diese versteigerte ein Herr, der einen schönen Knebelbart trug. Nachdem er etwa 5900 M.

hatte, verabfolgte er Quittungen mit dem nicht ganz ungewöhnlichen Namen Müller. Herr Müller wies alsdann die Käufer an, sich zum Rathhause zu begeben, wo sie dann die Abfuhrscheine in Empfang nehmen könnten. Aber dort erfuhren die Leute, daß mau sie geleimt hatte. Jetzt suchen die Geprellten in Gemein­schaft mit der Polizei eifrig nach Herrn Müller mit dem Knebelbart. Ob sich Müller nicht inzwischen hat rasiren lassen?

Ausland.

Glasgow, 5. April. Bei einem heute stattgehabten Fußballwettspiel zwischen Engländern und Schotten durchbrachen die Zuschauer die Barriere. Hierbei wurden drei Personen getödtet und fünfzig verletzt. Wie nunmehr gemeldet wird, sind im Ganzen 177 Personen verletzt und in Krankenhäusern ausgenommen. Außer den drei sofort Getödteten sind noch 17 ihren Ver­letzungen erlegen.

England. Seit Beginn des Krieges hat England nach einer soeben veröffentlichen amtlichen Statistik 29536 Offiziere und Mannschaften an Todten verloren.

bar großes und es ist kaum noch zu begreifen, daß eine starke Majorität des englischen Parlaments noch immer für die Fortsetzung des Krieges eintritt. Da­

gegen erschöpfen die finanziellen Aufwendungen für den Krieg das reiche Land mehr und mehr. Der 59. Dampfer mit Pferden auf englische Bestellung ist aus­gelaufen. Insgesammt wurden in Fiume bisher 45,611 Pferde für Südafrika eingeschifft.

Transvaal. Piet Dewet, Bruder des Burenführes, hat jetzt, wie früher der Winkeladvokat Vilonel, von den Briten sich anwerben lassen. Es muß schlecht genug um deren Sache stehen, wenn sie sich solche Leute erkaufen. Piet, Christian Dewets entarteter Bruder, hat zu Beginn des Krieges wohl ein Kommando gehabt, aber in keinem Gefecht mitgefochten; er verkroch sich immer wieder vor den Engländern und warf schließlich die Waffen ganz weg. Dieser Held wird nun die Buren gewiß nicht in die Pfanne hauen. Seit zwei Jahren sitzt er friedlich in Kroonstadt unter dem Schutze britischer Bajonette. Wenn er jetzt wirklich ins Feld ziehen sollte, dürfte ihm bald dasselbe Schicksal winken, wie dem ersten Organisator der National Scouts, der in Beyers Falle sein Leben lassen mußte. Um die Sache der Briten steht es traurig genug. Ueber die Schlappe, die ihnen Delarey am Ostermontag ganz in der Nähe der Stelle beige­bracht, wo er etliche Wochen zuvor. Wethuen abfing, veröffentlicht das Kriegsamt ergänzende Ziffern, wo­nach die Briten im Ganzen nicht 174, sondern 229 Mann am kleinen Hartfluß verloren haben.

Nev-Aork. Nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind während des letzten Jahres 522 572 Personen (362 470 Männer und 160 103 Frauen) eingewandert, gegen 472 126 Personen im Jahre 1900. Weitaus die meisten von ihnen, nänilich 500 486, kamen aus Europa; 15 721 Personen stammten aus Wen, der Rest aus Afrika, Australien und dem üb­rigen Amerika. Die Zahl der aus Deutschland ein- gewanderten Personen betrug 12 169, Personen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 11. April.

* Herr Kuratus Richter in Marborn ist zum Pfarrer von Herolz, Herr Kuratus Kiesler ist zum

Worden.

* Mittwoch früh hatten wir starken Frost (5 Grad C.). Die Dächer waren stark bereift, auf Wasser- Pfützen bildeten sich Eisdecken und der Boden war mehrere Centimeter tief fest gefroren. Die Rhönberge zeigen wieder ein frisches Schneegewand. Nach einer Postkarte vom Dammersfeld vorn 8. d. Mts. befindet sich oben im Walde noch ein fast 1 Meter hoher Schnee.

* (Warnung vor Auswanderung nach Peru.) Ein Unternehmer Namens Guillermo Speedie will auf Grund eines Abkommens mit der peruanischen Re­gierung die Ländereien am Pachitefluß durch Ansiedelung europäischer und amerikanischer Einwanderer urbar machen. Zuverlässigen Nachrichten zufolge muß den: Speedie auf Grund von Erfahrungen die man mit ihm bei früheren Unternehmungen gemacht hat, mit Mißtrauen begegnet werden. Hierzu kommt, daß die Landstrecken, die der Pachitea und die übrigen oberen Nebenflüsse des Amazonas durchlaufen, wegen der dort herrschenden Sumpffieber fast ohne Ausnahme ein sehr ungesundes Klima haben. Die Einwanderer haben von der Küste einen beschwerlichen Weg größtentheils zu Fuß durch Urwald zurückzulegen. Das Auftreten von wilden Indianern in jenen Gegenden ist wahr­scheinlich. Ansiedler, die dorthin gehen, wären der Willkür des Speedie preisgegeben und während der ersten Zeit auf die Lebensmittel angewiesen, die er ihnen in den Urwald senden würde.

* (Aus der Sitzung dec Hanauer Strafkammer von 9. April.) Am 10. Dezember Abends gegen 10 Uhr kamen die Arbeiter Schöppner und Flach zu Ulmbach aus dem Wirthshause an dem Hause des Schreiners Kreß vorbei, an welchem Flach mit einem $Jje kratzte. Hierüber erbost, ergriff Kreß eine ge­waltige Stange und schlug dem Schöppner hiermit aus den Kops, daß eine 3 Etm. breite, bis auf den Schädel­knochen reichende Wunde entstand. Hierauf wandte er sich zu Flach, welchem er mit der Stange in's Gesicht hieb, daß der Verletzte 4 Zähne einbüßte. 5 Monate Gefängniß ist der Lohn für diese rohe That. Gegen ein den Metzger B. Selig von Schlüchtern freisprechen­des Erkenntniß des dortigen Schöffengerichts wegen Diebstahl erhob die Amtsanwaltschaft Einspruch, welchem die Strafkammer entsprach und den Angeklagten unter Aufhebung des schöffengerichtlichen Urtheils zu einem Monat Gefängniß verurtheilte. Der Diebstahl erfolgte in der Zipf'schen Wirthschaft zu Schlüchtern und das 6jährige Söhnchen des Wirthes wurde der Verräther. An einem Dezember-Abend kam der Kauf­mann Krein in die genannte Wirthschaft, wo er bald nach der Ankunft einen Ohnmachtsanfall bekam und zu Boden stürzte. Während sich zwei Gäste mit dem Ohnmächtigten beschäftigten, erschien auch der Metzger Benjamin Selig, welcher sich jedoch bald wieder ent­fernte. Krein wurde von zwei Männern auf deren Schultern in die elterliche Wohnung gebracht, woselbst sich heransstellte, daß ein von Krein in der Hand ge­haltener Geldbeutel mit 83 Mark Inhalt fehlte. Alles Suchen nach dem werthvollen Geldbeutel war ver­gebens, er war verschwunden. Jetzt fiel dem Gast­wirth Zipf ein, daß bald nach dem Weggehen Selig's aus der Wirthschaft sein noch nicht 6 Jahre alter Sohn Wilhelm sagte:Papa, der Benjamin hat da auch was weggenommen." Das bereits zu Bette liegende Kind wurde nun nochmals über den Hergang befragt und ganz genau erzählte jetzt der Kleine den Hergang.Der Benjaniin Selig hob etwas auf, ging an das Büffet und steckte es in die Hosentasche," er­zählt heute der kleine Wilhelm Zipf, welcher als Kron­zeuge die Verurtheilung des Selig zu 1 Monat Ge­fängniß herbeiführte. In Wallroth wurde vor drei Jahren das Beseitigen der Steine von einem Wege behufs besserer Brauchbarkeit desselben verakkordirt. Dem Wegschaffer, der das Eigenthumsrecht an den Steinen haben sollte, war es erlaubt, dieselben auf die Seite des Weges zu werfen, wenn die Grundbe­sitzer damit einverstanden wären. Der Besitzer der Steine legte aber offenbar keinen Werth auf dieselben und ließ sie am Wegrande liegen. Erst als der Bauer R. einige Wagen voll abgefahren hatte, trat der Bauer Sch. hervor und verlangte mit der Begründung, daß