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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

40. Samstag, den 17. Mai 1902. 53. Jahrgang.

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Npkit»!!nnaon "^ dieSchlüchlerner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

-...... Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

^^^»^agmini< Man a ^irr»aw> Pfingsten.

Diel Waienglöckchen hör ich silbern klingen, Die Lerche schwingt sich jubelnd froh empor, Und mit gewaltigen, mächtig vollen Schwingen (Ertönt vom Kirchturm her der Glocken Lhor.

Die lieben Blumen ihren Duft entsenden. Sie grüßen freudig heut die ganze Welt, Der bunte Käfer summt und aller Enden Regt sichs in Wäldern und auf weitem Feld. Die Böglein Hüpfen in dem Strahl der Sonne, Die kleine Biene regt den fleiß'gen Fuß, Ja, der geringste Wurm erkennt voll Wonne Des lieben Frühlings Wehn und Worgengruß.

Dies Danken, Preisen, Jauchzen, Jubilieren

Fn viel millionenfachem Widerhall

Es ist ein herrlich großes Triumphieren, Das laut durchdringt das große Weltenall.

3es? hör es leis und immer Heller klingen Ein hörbar Flüstern geht von Mund zu Mund, Mit gar geheimnisvollen leisen Schwingen Durchdringet es des Erdballs weite Rund.

Der pfingftgeift, hört, er naht; die Seraphinen Sie kommen aus des Fimmels weiten Höh'n, Die Gott bei Tag und nachts getreulich dienen, Sie lassen Ehristi Heldenfahnen wehn.

G hehrer Iubeltag, o Preis und Leben! Den unsres Gottes Geist heut zu uns spricht: Kommt alle, folget mir und schaut nach oben, Ich führ aus finstrer Nacht euch durch zum Licht!"

Breitenbach. H.

* *

Ein freudiges Willkommen rufen wir alle, die ganze Menschheit, dem lieben Pfingstfeste entgegen; wie einen längst ersehnten Gast begrüßen wir das sonnige, wonnige Frühlingsfest, das lenzesduftige, maienge- schmückte. Es ist und bleibt uns immer doch das Fest der endgültigen Befreiung aus Winters Banden, das Fest der Lenzeswonne und Lenzesfreude. In azurnem Blau spannt sich des Himmels Gewölbe über der Erde weite, gesegnete Flur, und frohgemuth von neuer Lebenskraft durchdrungen, erscheint alles, was lebt und webt in Gottes freier Natur. Und auch in des Menschen Herz ist der belebende Frühlingshauch gedrungen, auch des Menschen Brust lebt und weitet sich im Anschauen all' der Herrlichkeit, die sich dem trunkenen Auge zeigt. Hinaus ins Freie treibt es jung und alt, arm und reich, und sie alle werden froh des göttlichen Siebtes und des berauschenden Duftes, die durch das All in unermeßlichen Strömen fluten. Alan kann immerhin im Pfingstfeste das hohe Lied des Frühlings verkörpert sehn und man braucht dennoch nicht zu vergessen, daß das Pfingstsest vor allem ein christliches Fest ist. Soweit sind wir ja glücklicherweise noch lange nicht, daß das eitle Wort Religion ist Privatsache" zum Dogma erhoben ist, und da wir Lebenden hoffentlich dieses zukunftstaatliche Dekret nicht mehr erleben werden, giebt es darin noch Hunderte, Tausende und Millionen, die am heiligen Pfingstfeste ihrem Schöpfer die Erfurcht im Kirchenbe- such erweisen; wie im Grunde genommen ein sinniges Gebet von der gleichen demüthigen Ehrfurcht durch­drungen ist, wenn es draußen in der Natur deren stumme und doch so beredte Sprache zu verstehen und zu würdigen gelernt hat. So vertragen sich denn des größten deutschen Dichters Worte:

Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen; es grünten und blühten Feld und Wald; ans Hügeln und Höhen, in Büschen und Hecken liebten ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel,

Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen, Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde" sehr wohl mit der ewigen Lehre des Pfingstfestes, wie sie im Christenthum enthalten: Unter Sturmeswehen und in Gestalt feuriger Zungen kam der heilige Geist auf die Apostel herab und so ward die christliche Kirche geboren. Höher und höher steigt jetzt die Sonne am Himmel empor, helleres, energischeres Licht gießt sie aus und feurige Strahlen sendet sie nieder, zur Erde. Und als der Gottessohn vor mehr denn

achtzehn Jahrhunderten die Erde verließ und über alle Himmel emporstieg, da geschah es, um zehn Tage später jenes göttliche Feuer zu entsenden, das als heiliger Geist noch heute in Werken der Liebe und Barmherzigkeit, der Gesittung und Menschlichkeit lebendig waltet. Wie unter den Strahlen der Sonne das Leben in der physischen Schöpfung zu seiner höchsten Entfaltung und Vollendung gelangt, so ist auch unter dem Wehen des heiligen Geistes das höhere geistige Leben in der Welt aufgesproßt, so ist aus des Heidenthums Nacht das Licht des Christenthums siegend über das Weltall geeilt. Gleichviel ob nun ein kindlich gläubiges Gemüt oder grübelnder Verstand das Pfingstfest begeht, der Weihe dieses Festes, seiner geisti­gen Bedeutung sich zu entziehen vermag nur der Mensch, der überhaupt kein Gemüth mehr besitzt, dem in rohem Materialismus alle Ideale abhanden gekommen, alle jene geistigen Güter, die das Christenthum umfaßt.

Wir aber wünschen unseren freundl. Leserinnen und Lesern ein recht frohes, schönes Fest, ein fröhliches Erwachen am Pfingstmorgen und ein liebliches Tage­werk für beide festliche Tage. Mögen die beiden Pfingsttage allen guten Menschen angenehme, freudige Tage sein und sich für alle unser Wunsch erfüllen:

Recht frohe vergnügte Feiertage!

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser traf mittels Sonderzugs um 2 Uhr 52 Min. in Bad-Homburg ein. Nach der Ankunft hielt Minister von Thielen in dem Kaiser- Pavillon des Bahnhofes einen Vortrag über',die Bahn­hofsanlage in Homburg ab. Der Kaiser begab sich hier­auf in die Saalburg. Um 5 Uhr traf Se. Majestät auf dem hiesigen Bahnhöfe ein, wo er die Rückreise nach Wiesbaden antrat.

Nach einer Potsdamer Mittheilung ist der Aufenthalt der Kaiserin in Badenweiler auf 4 Wochen berechnet. Ärztlicherseits werde Werth darauf gelegt, daß die Kaiserin die Kur dort nicht unterbreche; deshalb werde die Kaiserin auch nicht zum Pfingstfeste im Neuen Palais eintreffen, während der Kaiser dort zeitweilig Aufenthalt nehme.

Hofmarschall des Kronprinzen wird der in Wiesbaden wohnende Rittmeister a. D. Graf Byland- Rheydt, der frühere Adjutant des Großherzogs von Sachsen-Weimar.

Das deutsche Geschwader ist unter dem Befehl des Prinzen Heinrich von Breineraven nach Kingstown in See gegangen.

Das Herrenhaus erledigte Freitag eine Anzahl Vorlagen, von denen die bedeutsamste die Sekundär- bahnvorlage war. Das Herrenhaus, welches zuletzt in die Ferien gegangen ist, wird Ende Juni wieder zu- fammentreten.

Die neue Polen - Vorlage ist dem preußischen Landtage noch immer nicht zugegangen. Die entge­gengesetzten Meldungen in anderen Zeitungen waren unrichtig. Nach übeinstimmenden Zeitungsnotitzen sollen in der Vorlage weitere hundert Millionen Mark ge­fordert werden für Ansiedelungszwecke in den Landes­theilen mit polnisch sprechender Bevölkerung; es soll indessen schon feststehen, daß vom Landtage im nächsten Winter noch weitere hundert Millionen für die gleichen Zwecke abverlangt werden sollen. Auch in konserva­tiven Kreisen beginnt man bedenklich zu werden. Es handelt sich nur um landwirthschaftliche Ansiede­lungen, wie sattsam besann ist.Sollen so schreibt die agrarisch-konservative, Deutsche Tageszeitung' die Ansiedelungen wirthschaftlich gedeihen, soll das verwendete Geld thatsächlich und bildlich Zinsen tragen, so müssen die Preise der landwirthschaftlichen Erzeugnisse derart sein, daß sie nicht nur die Erzeugungskosten decken, sondern einen mäßigen Gewinn abwerfen. Geschieht das nicht, so können neue Ansiedelungen viel mehr schaden als nützen." . Möglicherweise hängt die Verzö­gerung in der Einbringung dieser neuen Polenvorlage mit Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Staatsre­gierung selbst zusammen.

Unsere Marineverwaltung beabsichtigt auf allen Kriegsschiffen zur Conservirung der rauchlosen Pulver- munition besondere Kühlanlagen für die Munitions- fammern an Bord einzubauen. Der Einbau dieser Anlagen wird sich für das gesammte schwimmende Flottenmaterial aus mehrere Millionen Mark stellen.

Auch bei den Linienschiffen der Brandenburgklasse, die jetzt einem großen Umbau unterzogen werden, sollen diese Anlagen bereits eingebaut werden; die China­reise der Schiffe hat diese Nothwendigkeit bewiesen.

Nachdem die 50jährige Jubelfeier des 1. See­bataillons Montag Abend mit einem Kommers und mit Begrüßung der aus allen Theilen Deutschlands erschienenen alten Seesoldaten eingeleitet war, erfolgte Dienstag Mittag auf dem Kasernenhofe des Bataillons in Kiel die Einweihung eines Gedenksteins zur Erinnerung an die in den chinesischen .Wirren Ge­bliebenen. Ein Festgottesdienst und ein Parademarsch vervollständigten die Feier. Ein gleiches Denkmal wurde in Wilhelmshafen enthüllt.

Die Einschränkung des Privatunterrichts der Lehreffbezweckt eine Verfügung der Potsdamer Regierung. Danach ist den Lehrern nur die Ertheilung von höchstens 6 Privatstunden für die Woche zu gestatten. Die von inen gegen Entschädigung zu übernehmende Lei­tung von Gesang- oder Turnvereinen stellt sich als eine Nebenbeschäftigung dar, zu der in jedem einzelnen Fall die Genehmigung der Regierung einzuholen ist.

Wie aus Schlesien geschrieben wird, wurde der 48jähr. Bremser Franz Tiralla aus Gleiwitz auf der Strecke Breslau-Kattowitz von 6 Eisenbahnwagen über­fahren. Aus noch unbekannter Ursache hatte Tiralla das Unglück, in der Nähe der Fröbelner Zuckerfabrik von seinem Bremssitze abzustürzen. Dem Unglück­lichen wurden ein Bein, der linke Arm und drei Finger der rechten Hand abgefahren. Obgleich er nicht einen Augenblick das Bewußtsein verlor, konnte er sich dennoch wegen übergroßer Schwäche nicht von der Stelle rühren. Er mußte auf den Schienen liegen bleiben und hatte den Schrecken zu überstehen, daß noch fünf nachfolgende Züge über ihn hin- wegbrausten, ehe er von einem revidirenden Strecken­beamten aufgefunden wurde. Tiralla wurde alsdann eine!.; Breslauer Krankenhause zugeführt.

Auf dem Schießplatz bei Drziwak (Ostpreußen) ereignete sich Montag Nachmittag ein schweres Un­glück. Bon drei mit Soldaten besetzten Lowrys der Feldbahn stürzte in Folge übergroßer Geschwindigkeit an einer abschüssigen Stelle die erste Hinunter, die In­sassen wurden herausgeschleudert. Ein Obergefreiter war auf der Stelle todt, 2 Soldaten wurden schwer, 2 leicht verletzt. 25 erlitten Hautabschürfungen.

Marburg, 13. Mai. Die Strafkammer erkannte heute Morgen gegen den Kastellan Pr. wegen der bekannten Explosion in der Universität auf lOU Mark Geldstrafe.

Aus Nhtinhessen, 9. Mai. Unter den Nackt- fröjten haben vornehmlich die schon gegrabenen Wingerte sehr gelitten, da die Kälte in den gelockerten Boden sehr leicht eindringt. Das Räuchern in den Wein­bergen hat sehr wenig gefruchtet, da der Frost 3" R betrug. In Pfaffen-Schwabenheim wird der Schaden, den die Kälte in den Weinbergen angerichtet, auf ca. 500/miO Mark geschätzt. Besonders in den tieferen Lagen haben die Weinberge gelitten, während der Schaden in den höheren ganz unbedeutend ist.

München, 12. Mai. Zu Wölkerbach bei Herzogenau- rach drang ein Schuhmachergeselle in die Wohnung einer Wittwe ein, ermordete zwei Kinder mit der Holz­hacke und verletzte ein drittes schwer. Der Mörder ist verhaftet.

Der Prinzregent Luitpold von Bayern hat dem Chikagoer Bayrisch-Amerikanischen Verein durch den deutschen Konsul ein Banner überreichen lassen, das zur Versinnbildlichung der geistigen Bande dienen soll, die sich zwischen den Söhnen Bayerns jenseits des Ozeans und dem Heimatlande spinnen.

Würzburg, 13. Mai. Der fränkische Automobil­klub veranstaltet am 21. und 22. Juni ein Preis- tourenfahren von Nürnberg bis Würzburg. Voraus­sichtlich werden sich sehr viele Klubtheilnehmer an der Fahrt betheiligen. Hoffen wir, daß diesmal die üblichen Arm- und Beinbrüche, Beulen und Schrammen nicht zu verzeichnen sind!

Artsland

Holland, 12. Mai. Das Befinden der Königin ist andauernd so günstig, daß tägliche Bulletins nicht mehr ausgegeben werden. Die Wiedergenesung macht fort­gesetzt erfreuliche Fortschritte.

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