SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg. ———■—«wmihii ^IIIII l k. m ; - -------- - —-----— * - -Ct«.->o» — rasEst-Tk^«^.-^ - . m>wr ^ v-x--,~sgKKlsaa.aaapi» ■■■ n «rtsiwn i ■ ■■— n ' tsaa«—a—
M 41. Mittwoch, den 21. Mai 1902. 53. Jahrgang.
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K^R^1^4D»-H^^ "'^ ^c Schlüchierner Zeitung r^L ß«.L8LLL!»Lr4A es werden noch fortwährend von allen
PostanitaltcnundLandbric'trägern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser ist Freitag Abend von Wiesbaden abgereist. Nach der Theatervorstellung verabschiedete er sich vom Könige Oskar von Schweden und fuhr dann trotz des .Regens im offenen Wagen zur Bahn. Fackelträger bildeten Spalier.
- Chef von 20 Regimentern ist der Kaisernach der letzten Dienstaltersliste.
— Für unsere Veteranen. Der vorn Bundesrath zur kaiserlichen Vollziehung vorgelegte Nachtragsetat für 1902 betrifft die Erweiterung der Veteranenfürsorge, für welche durch diese Etatsergänzung IP Millionen Mark zur Verfügung gestellt find. Der Betrag wird, da aus den Zinsen des Jnvalidenfonds höhere Einnahmen, als zuerst iu den Etat eingestellt worden sind, nicht erwartet werden können, in den Titel für den Kapitalzuschuß eingestellt werden und diesen auf rund 32,9 Millionen Mk. erhöhen. Im Etat für 1901 war dieser Einnahmeposten, der mit seinen Betrag jedesmal den Bestand des Jnvalidenfonds verringert, noch mit 17'/, Millionen Mk. normiert, er hat also um nahezu 15'/j Millionen Mk. in einem Jahr zugenommen. Der hauptsächliche Theil der Steigerung ist auf die Erweiterung der Fürsorge für die Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen zuruckzuführen, die vom Reichstage int Laufe dieser Session einstimmig beschlossen wurde.
Tarmstadt. Der Gerichtsschreiber Wahs beim Amtsgerichte Gernheim hat sich gestern erschossen, nachdem eine Revision Unregelmäßigkeiten in seiner Amtsführung ergeben hatte. Wahs hinterläßt eine Wittwe und 7 Kinder.
Remscheid. Ein Brautpaar von zusammen 161 Jahren wird demnächst hier die Ehe schließen. Der Bräutigaul ist 83, die Braut 78 Jahrr alt.
München. Nicht weniger als 26 0u0 Meter Weißwürste sind während der elftägigen Dauer des Hosbräu- bocks in München vertigt worden, eine Leistung, die allgemeine Anerkennung finden dürfte, wenn man in Betracht zieht, daß dazu noch ungezählte Tausende von Radi, Bretzen und sonstigen Leckerbissen verzehrt wurden. Aus diesen 26 000 Metern wurden 162 500 Stück Würste hergestellt.
Ausland.
St. Pierre. So viel bis jetzt bekannt geworden ist, sind dem unmittelbaren Verderben in der Stadt St. Pierre selbst noch drei Personen entronnen. Außer einer Negerin und einem Zuchthäusler noch ein Dr. Artier. Dieser, ein Einwohner von St. Pierre, ist auf wunderbare Weise entkommen- Er berichtete, daß der Gouverneur M. Mouttes, um die Bevölkerung zu beruhigen, sich selbst in die Nähe des Vulkans begab in Gesellschaft einiger Herren. Er kehrte zurück, rief die Leute zusammen und erklärte ihnen, daß alle Gefahr vorüber sei, und daß niemand die Stadt zu verlassen habe. Er wollte so einer Panik Vorbeugen. Soldaten wurden rund um die Stadt aufgestellt, um den Einwohnern das Entweichen unmöglich zu machen. Dr. Artier begab sich au dem VerängnißVollen Morgen nach der Vorstadt Rorne Rouge. Als er gerade im Begriff war, in die Stadt zu reiten, sah er Vom Berge her die Feuerwoge gegen die Stadtheranstürmen. Er floh sofort, und es gelang ihm, sich über die Berge nach Fort de Franee zu retten. Neger haben, wie dies vorauszusehen war, schon an einigen Stellen geplündert, aber jeder derartige Versuch wird^ auf das schärfste geahndet. „Potomac", ein Schiff der amerikanischen Regierung, sah auf See, ehe es die Insel anlief, ein Boot treiben. Das Schiff fuhr darauf zu und entdeckte einige Schwarze, die reichliche Beute an Juwelen und Ringen bei sich führten. Sie wurden an die „Suchet" abgeliefert. Die Offiziere des dänischen Kriegsschiffes „Valkyrien" berichten über erschütternde Szenen aus St. Pierre. So sah man z. B. Mütter, die mit dem eigenen Körper ihre Kinder zu schützen versucht hatten. Unweit der Kathedrale befanden sich Wagen, gefüllt mit Menschen, die augenscheinlich fluchteten, als der Tod sie errichte. Man fand auch eine Proklamation des Gouverneurs Mouttes, die be
sagte, daß keinerlei Gefahr vorhanden sei, da e ine gelehrte Kommission positive Kenntniß über die S achlage habe. Am nächsten Morgen war jedes Mitglied dieser Kommission umgekommen. Bemerkenswerth ist, daß lange vor dem Ausbruch des Pelee alle wilden Thiere aus der Nachbarschaft Verschwanden, während die Hausthiere Zeichen großer Angst gaben. Gegenwärtig gilt als Theorie zutreffend die, daß der Vulkan zunächst gewaltige Mengen tödtlichen Gases ausstieß, worauf dann die FeuerstrUne folgten. Diese Theorie wird unterstützt durch die Auffindung unversehrter Häuser, deren Bewohner sämmtlich todt waren.
Madrid, 17. Mai. Auf den erst gestern gekrönten, jugendlichen König Alfons XIII. von Spanien wurde heute Nachmittag, als er sich in das Parlament begehen wollte, ein Attentat versucht, das glücklicherweise mißlang. Einzelheiten fehlen noch.
Für den Krieg in Südafriia ist der 15. Mai von besonderer Bedeutung gewesen. An dem Tage sind die Burenführer zusammengetreten, um zu beschließen, ob es zum Frieden kommen oder ob der Krieg fortgesetzt werden soll. Beide Parteien, Engländer und Buren, wünschen sehnlichst den Frieden. Die Kräfte- abmessung hat zur Genüge gezeigt, daß keiner von ihnen bei der Fortsetzung des Kampfes auf eine erhebliche Besserung der Lage zu rechnen hat. Die Engländer müssen eiugesehen haben, daß sie von einer wirklichen Besiegung der tapferen Burenvölker noch weit entfernt sind. Die Buren aber werden erkannt haben, daß sie bei ihrer geringen Zahl, dem Mangel an Kriegs und Lebendsmittel nicht mehr die Möglich- keit haben, den Feind so erfolgreich zu schlagen, um seinen Rückzug aus dem Laube herbeizuführen. Das weitere Blutvergießen ist also für beide Theile zwecklos. Es kommt nur darauf an, daß Von beiden Seiten ein wenig nachgegeben wird. In den Hauptpunkten sind die Parteien anscheinend bereits einig, trotz der großen Worte, die des Ansehens wegen von englischer Seit noch gebraucht werden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 20. Mai.
* — Eine Versammlung der Laudräthe des Reg.- Bez. Cassel findet am 26. und 27. ds. Mts. in Bad Orb statt.
Das im Januar v. I. in Hohentragen gegründete Bankinstitut Skandia, unterstützt in zahlreichen deutschen Zeitungen Ankündigungen, durch welche sie Mitglieder zu sogenannten Loos-Gelegenheits-Gesell- schaften zu gewinnen sucht. Da diese Gesellschaft offenbar den Zweck verfolgen die geschäftliche Uner- fahrenheit des Publikums auszubeuten, so wird vor dem Beitritt g^..c. nt.
* - Zum Schutz des Handwerks. Gegen die Auktionen und Ausverkäufe wendet sich eine Zuschrift des Verbandes dem,cher Juweliere, Gold- und Silbers'uuiede an den preußigen Handelsmiuister, in der folgen. ln- regungen gegeben werden: Jede Auktion und wöer Ausverkauf ist der Genehmigung der Ortspolizeibehörde unterworfen. Allen sogen. Gelegenheitsauktionen und Ausverkäufen ist die Genehmigung zu untersagen. Ueber die durch die Auktionen zum Verkauf gelangenden Waaren ist eine genaue Inventur einzureichen. Neue Waaren dürfen nicht zugeführt werden. Der Verband erklärte sich bereit, in zweifelhaften Fällen der Polizeibehörde mit Gutachten zur Seite zu stehen und in allen deutschen Städten Vertrauensmänner vorzuschlagen, welche die Auktionen und Ausverkäufe überwachen.
— Wie sehr nützlich es sein kann, wenn die Kriegervereine auf dem platten Lande Sanitätskolonnen bilden, zeigt folgender Vorfall: „Der Bürgermeister und Auszüger Herr Birkenbach in Edelzell hatte unlängst, als er im Walde bei Pilgerzell seinem Sobne Bauholz aufladen half, das Unglück, daß ihm ein rollender Baumstamm den rechten Unterschenkelknochen entzweischlug. Während nun der Sohn heimeilte, um ein leichtes Gefährt zum Transport zu holen, konnte der im nahen Steinbruch _ arbeitende, mit noch . fünf Mitgliedern des Kriegervereins Pilgerzell bei der Sanitäts-Kolonne zu Fulda ausgebildeie Kamerad Emil Bug mittelst improvisirten Schienen (Latten rc.), Hals- und Taschentüchern dem Verletzten einen zweckmäßigen Nothverband anlegen, so daß demselben die sachgemäße erste Hilfe, wovon oft sehr viel abhängt,
sofort bei der Hand war. Bei Unfällen find gewöhnlich des Betroffenen Familienangehörigen, Arbeitgeber oder Kollegen zuerst bemüht, helfend beizuspringen, aber sie richten meistens nichts aus, weil sie nicht wissen, wie anzupacken ist im Allgemeinen und von Fall zu Fall. Bei den Sanitätskolonuen-Mitgliedern ist dies anders, wenngleich auch sie nur so weit ausgebildet sind, daß sie die erste Hilfe leisten aber richtig, oder wenn dies schon durch einen Arzt ge- fchehen sein sollte, einen zweckmäßigen Transport des verunglückten ausführen können. Ferner wissen die Sanitäter die Gefahr richtig zu beurtheilen, in welcher der Verletzte schwebt, und werden daher das Nöthige veranlassen, insbesondere dafür sorgen, daß der Patient sofort in ärzliche Behandlung kommt und nicht etwa einen Kurpfuscher in die Hände fällt.
Ein seltenes Stallglück hat den Bauern Martin Wehner zu Horas aufgesucht. Sein Mutterschwein, ein 3 Ctr. schweres Borsteuthier, warf 18 kräftige Ferkel, was bei dem heutigen Preis derselben ein Kapital bedeutet. Da nun das Alte nur 10 Junge saugen lassen kann, so müssen 6 Stück (2 wurden erdrückt) künstlich mit der Flasche aufgezogen werden. Die grunzende Familie befindet sich dessenungeachtet ganz wohl.
Kassel, 16. Mai. Die strafgerichtliche Untersuchung gegen den ehemaligen Direktor der Trebergesellschaft Adolf Schmidt scheint doch nicht so schnell zum Abschluß zu gelangen, wie man gehofft hatte. Der s. Z. von der piesigen Staatsanwaltschaft nach Schmidts Flucht erlassene Steckbrief legte ihm betrügerischen Bankerott zur Last. Wegen dieses Deliktes erfolgte denn auch die Auslieferung durch die französischen Behörden. Die Untersuchung aber hat, . ie es in der „Frkf. Ztg." heißt, zur Feststellung weiterer Verfehlungen geführt, auf die man die Anklage ebenfalls auszudehnen wünscht. Es sind deshalb auf's Neue Verhandlungen mit der französischen Regierung eilige leitet, um bereit Zustimmung zu erlangen, allerdings seither mit negativem Erkolg. Somit ist saunt zu erwarten, daß Schmidt schon in der im Juni be- beginnenden Schwurgerichtsperiode zur Aburtheilung gelangt; man rechnet vielmehr mit einer außerordent liehen Svmmer-Schwurgerichtssessivn
Frieda bei Eschwege, 13. Mai. Unsere Vor kaum zwei Wochen eröffnete Nebenbahnstrecke kann bereits ein „Bahnidyll" aufweisen, das auch des komischen Beigeschmacks nicht entbehrt. Der gestern Vormittag 11 Uhr von Eschwege her fällige Zug traf nämlich ohne Zugführer und Schaffner hier ein, denn diese waren in Schwebda sitzen geblieben.
Hersfeld, 16. Mai. Herr Ghmuasialdirektvr Dr. Duden ist wie die „Hersf. Ztg." erfahren hat, zum Geheimen Regierungsrath ernannt worden.
Gelnhausen, 15 Mai die Gehülfenstelle bei der hiesigen Kreiskasse ist am 1. Juli resp. 1. Okt. 1902 neu zu be' n.
Marburg, 17. Mai. Ein kleines Abenteuer erlebte nach der „Oberh. Ztg." vergangene Nacht eine alw Frau aus der Gegend von Leipzig, die ihren hier seit Jahren wohnenden Sohn besuchen wollte. Ganz fremd hier, traf sie nach Mitternacht auf dem Bahnhof hierein und fand auch Niemand, der sie abholte. Auf dem Wege zur Stadt traf sie zwei in sehr heiterer Stimmung befindliche Studenten, denen sie ihre Noth klagte. Die jungen Leute hielten es für ihre Pflicht das alte Mütterchen nicht zu verlassen. Während der eine ihr das Packet trug, und schwankenden Schrittes voranging, hatte der andere die gute Absicht, sie zu führen. Er that dies auch so gut es deu Uniständen nach möglich war. So langten sie schließlich vor einem Hause der Barfüßerstraße, in dem der Meinung der Frau nach der Sohn wohnen sollte, an. Als nach langem Pochen die Hausbewohner aus dem Schlafe geweckt waren, erfuhren die Untenstehenden, daß die gesuchte Familie längst in ein andes^Vierte! gezogen sei! Wie man hört, sollen die Studenten, die ebenso fremd wie die alte Frau waren, die letztere doch richtig nach langem Umherwandeln in den Straßen an Ort und Stelle gebracht haben. Ihnen gebührt dafür volle Achtung.
Frankfurt, 10. Mai. Heute Bormittag kurz nach 11 Uhr brach in der Fahrgasse 1 5 Großseuer aus der Drogerie Von Haas aus. Das Feuer entstand