SWchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 4. Juni 1902
53. Jahrgang
%UftdlltttrttfWauf die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen —— - Postanstalten und Landbriefträgern,
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Großherzog von Mecklenburg, an die Spitze des Garde- würden ihm Minerva und Juno die Augen auskratzen. Schützenbataillons Prinz Friedrich August gesetzt. Nach Bezüglich des Dreibundes erklärte der Kanzler, der der Kritik ritt der Kaiser an der Spitze der Fahnen- i Vertrag habe feine Abänderung erfahren und enthalte kompagnie durch die Stadt zum Schlosse. Der Schah j feine Verpflichtung Italiens gegen Frankreich. Der
Amtliches.
J.-Nr. 1772 K.-A. Die beim Abbruch des Stallgebäudes auf dem Hofe des Landrathsamtes gewonnenen Bauhölzer, Ziegeln und Ziegelsteine rc. sollen
Sonnabend, den 7. Juni er.,
Nachmittags 5 Uhr an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden.
Schlüchtern, den 2. Juni 1902.
Der Königliche Landrath: Roth.
J.-Nr. 1734, 1735 K.«A. Dem bei dem Handelsmann Abraham Adler in Dienst stehenden Dienstknecht Johann Nikolaus Schmidt hierselbst ist für langjährige treue Dienstzeit eine 1. Prämie von 10 Mk., ebenso der bei dem Privatier Hubert Zinkhan in Dienst stehenden Dienstmagd Margaretha Mühl- Hause hierselbst eine 2. Prämie von 20 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 23. Mai 1902.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
War dorthin voraufgefahren. Er trug einfachen Rock,
Abschluß der Handelsverträge sei eine gesonderte Auf-
auf dem Haupte eine Lammfellmütze mit Reiherffder gäbe und werde vor Jahresschluß nicht beendigt sein, und Brillantagraffe. Im Schlosse fand zunächst Für China suche Deutschland keinen Verbündeten. Man Frühstück und Abends 6 Uhr Galatafel statt, wobei sprach von einer Vereinigung mit den Vereinigten Kaiser Wilhelm und der Schah herzliche Worte wech- Staaten bezüglich Chinas. Das ist ganz unmöglich.
selten.
— Die erste Berathung der neuen Polen-Vorlage
Deutschland wird stets mit den Vertheidigern des Friedens sein. Auch in diesem Sinne besteht vollste Uebereinstimmung des Zweibundes mit dem Dreibund.
ist im preußischen Abgeordnetenhaus schon am Dienstage
zum Abschluß gekommen. Der Entwurf des Gesetzes Selten hat der politische Horizont so wenig schwarze wurde an eine Commission von 21 Mitgliedern ver-, Punkte gezeigt.
wiesen. In längerer trefflicher und mit
— Den aus China demnächst heimkehrenden Beifall aufgenommener Rede trat der Reichskanzler Graf . Torpedobooten „8 91" „8 92" ist in Wilhelmshaven von Bülow für die Vorlage ein. Er erklärte, daß die- ■ ein festlicher Empfang zugedacht. Die Boote haben selbe der erste Wechsel sei, den er einlöse in Bezug auf sich gut bewährt.
seine Vorschläge zur Hebung und Stärkung des! — 1300 Mann Ersatztruppen für Ostasien werden Deutschthums in den gemischtsprachigen Provinzen, aber am 12. und 13. Juni d. Js. auf dem Truppen- nicht der letzte bleiben werde, und schloß mit den Worten: ffibungsplatze des 7. Armeekorps, der Senne, zusammen- „Wir wollen auf diesem Wege mit Ernst und Nachdruck ■ und Consequenz weitergehen, damit künftige Geschlechter^ im Osten der Monarchie dieselbe Sicherheit, dieselbe
gezogen werden, um zunächst eine zwölftägige Uebung zu erledigen.
Aufruf.
Die Kunde von dem unermeßlichen Unglück, welches über die französische Colonie der Insel Martinique hereingebrochen ist und in einem Augenblick mit zerstörender Gewalt unzählige Menschenleben und werthvolles Eigenthum vernichtet hat, ruft von einem Ende der Welt zum anderen tiefe, schmerzliche.Theilnahme hervor.
Einer Anregung Seiner Allerhöchsten Protektoffn Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin folgend, glaubt das Central-Comite des Rothen Kreuz-Vereins durch einen Aufruf zur Betheiligung an der den Ueber- lebenden zu gewährenden Hilfe den Wünschen aller derer in Deutschland gerecht zu werden, die, bewegten Herzens, durch eine Spende ihrem Mitgefühl Ausdruck verleihen möchten.
Die Vermittelung des „Rothen Kreuzes", dessen über den Schranken jedes trennenden Unterschiedes stehenden Zwecke und Ziele allen Völkern gemeinsam sind, entspricht der solidaren Hilfsbereitschaft aller Nationen in Leid und Noth.
Gaben nimmt der Schatzmeister des hiesigen Zweigvereins, Keisrentmeister Pfalzgraf, jederzeit entgegen.
Schlüchtern, den 29. Mai 1902.
Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Rothen Kreuz: Roth,
Geheimer Regierungs-Rath.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser empfing Abends 7 Uhr den Gegenbesuch des Schahs unb übereichte ihm eigenhändig den Schwarzen Adlerorden. Der Schah übereichte dem Kaiser eine hohe persische Ordensauszeichnung. Zur Abendtafel waren geladen der Kronprinz von Siam, Prinz Paribatra und Prinz und Prinzessin Friedrich August von Sachsen.
— Gestern Abend 6 Uhr fand in der Bildergal- lerie des kgl. Schlosses Galatafel statt. Der Kaiser brächte einen Trinkspruch auf den Schah von Persien aus, auf welchen dieser mit einem Hoch aus den Kaiser in persischer Sprache antwortete. Um acht Uhr war ein thdatre pare im kgl. Opernhause angesetzt, in welchem
Rechtsordnung und dieselbe preußische und deutsche Gesinnung finden wie in allen übrigen Provinzen unter dem Scepter der Hohenzollern." Die Vorlage fand bei den Conservativen und Nationalliberalen ungetheilte, bei der Freisinnigen Vereinigung wenigstens theilweise Zustimmung, während das Centrum, die Freisinnige Volkspartei und selbstverständlich die Polen sich ablehnend verhielten. —
— Aus der Kommissionssitzung ist noch zu erwähnen, daß der Staatssekretär Frhr. v. Thielmann in der Debatte u. A. erklärte, man müsse mit einem Defizit von 70—80 Millionen im nächsten Jahre rechnen, und daß der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben hinzufügte, das Defizit des Reiches lege den Gedanken nahe, eine Erhöhung der Biersteuer und der Tabaksteuer in Aussicht zu nehmen.
— Gestern trat das Plenum des Reichstags noch einmal auf kurze Zeit zusammen, nachdem Zucker- und Zolltarifkommission schon eine volle Woche fleißig gearbeitet haben. Ob es dem Plenum möglich sein wird, die Zuckervorlage noch vor der Vertagung zu erledigen, ist indessen recht fraglich geworden, nachdem auch das Centrum der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Frage noch nicht genügend geklärt und übereilte Be- schlußfassung daher zu verhüten sei. Abg. Müller Fulda (Ctr.) zog zwar seinen Antrag auf Vertagung der Angelegenheit bis zum Oktober auf die Erklärung des Staatssekretärs Grafen Posadowsky, daß die Folge eines derartigen Beschlusses der Zollkrieg sein würde, zurück, behielt sich aber vor, mit seinem Anträge gelegentlich wiederzukommen. — Da die Rechte gleichfalls einer Hinausschiebung der Zuckerfrage bis zum Herbst geneigt ist, so wäre eine Mehrheit für einen diesbezüglichen Beschluß im Reichstage vorhanden. Scheitert die Zuckervorlage, dann will die Linke gegen die Branntweinsteuervorlage Obstruktion machen. Es kann also im deutschen Reichstage während der kommenden Woche noch recht erregte Auseinander-
— Wie der „Lokalanzeiger" aus Rotterdam erfährt, wird die Königin Wilhelmina am 10. Juni die angekündigte Reise nach Schloß Schaumburg antreten.
— Fürst Reuß XXV., der Regent von Reuß ä. L., fährt richtig fort, mit der antideutschen Politik seines
Vorgängers aufzuräumen, indem er kaum einen Tag vergehen läßt, ohne diesen oder jenen Staatsbeamten, der an den Traditionen des verstorbenen Fürsten hält, durch einen reichstreuen Diener zu ersetzen, gar eine Zeitung, die früher den Interessen der gierung diente, ist kalt gestellt worden.
stölu. Der verstorbene Erzbischof Simar
fest- So- Re-
machte fein bedeutendes Vermögen dem Kölner
ver-
. . „ erz-
bischöflichen Stuhle für das Bonner Theologenconviet.
Rudolstadt, 30. Mai. Auf der Eisenbahnstrecke
setzungen geben. Im preußischen Abgeordnetenhaus« soll die Zolltarifvorlage zur Sprache gebracht werden. Die konservative Fraktion will einen Beschluß des Hauses herbeiiühren, in dem die Reichsregierung aufgefordert wird, für höhere Getreidezölle einzutreten, als sie die Regierungsvorlage enthält.
— Der Reichskanzler Graf Bülow hat sich Pariser
der Kaiser mit seinen Gästen kurz nach acht Uhr erschien.
— Die diesjährige Frühjahrsparade der Berliner Garnison hat viele, viele Schweißtropfen gekostet; die Sonne meinte es zu gut. Die Anwesenheit des Schahs von Persien, des Kronprinzen von Siam, des Groß- Herzogs von Mecklenburg-Schwerin und des sächsischen Thronerben Prinzen Friedrich August erhöhte den äußeren Glanz des militärischen Schauspiels. Die Truppen selbst zeigten auch diesmal wieder ihr Bestes. Es fand zweimaliger Vorbeimarsch statt, nachdem der Kaiser in großer Generalsuniform unter den Klängen der Präsentirmärsche die Fronten abgeritten war. Das 2. Garderegiment z. F. wurde von dem obersten Kriegsherrn selbst, der dabei mit dem Marschallstab salutierte, den fremden Fürstlichkeiten vorgeführt. An die Spitze des Garde-Kürassierregiments hatte sich der jugendliche richterurtheil abgeben sollte, die Venus auszeichnete),
Schwarza-Saalfeld wurde ein zwischen den Schienen schlafendes dreijähriges Kind von einem Personenzug überfahren und sofort getödtet.
Nordhausen, 29. Mai. Bei einem Ausfluge nach dem Kyffhäuser, den Herr Hotelier D. hierselbst in Begleitung eines Freundes unternahm, wnrde er beim Sammeln von Frühlingsblumen von einer Kreuzotter in die Hand gebissen. Der Freund schlug die Otter sofort todt. Mit einem schnell angelegten Nothver- bande fuhr Herr D. nach Nordhausen zurück und ließ sich in der Klinik von Herrn Dr. Eilers verbinden, so daß der Schlangenbiß voraussichtlich keine ernsten Folgen für den Gebissenen haben wird.
Hannover. 31. Mai. Als Stadtdirektor Tramm heute Nacht in einem Automobil von der Jagd zurück- kehrte, stieß das Gefährte gegen eine heruntergelassene Eisenbahnschranke, welche der Wagenführer in der Dunkelheit nicht gesehen hatte. Stadtdirektor Tramni wurde aus dein Wagen geschleudert und erlitt Verletzungen am Kopf. Er konnte sich jedoch ins Krankenhaus begeben, wo er verbunden wurde. Der Wagenführer wurde schwer verletzt und mittels Krankenwagen fortgebracht.
Potsdam, 31. Mai. Heute Vormittag fand hier die Parade im Lustgarten über die Garnison Potsdani statt. Der Kaiser nahm gegenüber dem Standbild Friedrich Wilhelm I. Aufstellung, hinter ihm Prinz Heinrich unb andere Fürstlichkeiten.Von den Fenstern des Stadtschosses wohnten der Schah von Persien und der Konprinz von Siam der Parade bei.
— Die Pariser Schwindler-familie Humbert glaubte
Meldungen zufolge einem französischen Korrespondenten man letzter Tage in Kempten (Bayern) dingfest gemacht gegenüber über die schwebenden innerpolitischen Tages- zu haben. Hinterher stellte es sich heraus, daß — fragen ausgesprochen. Zur Polensrage äußerte der der Prinz von Ratibor, preußischer Gesandter in Wei- Kanzler, indem er aus den an sein Palais anstoßenden.
Park hinwies: Sehen Sie einmal hinaus in diesen Park. Ließe ich da zehn Hasen und fünf Kaninchen, so würden sehr bald fünfzehn Hasen und hundert Kaninchen vorhanden sein. Bei aller Achtung vor den konstitutionellen Rechten der Polen ist die Wahrung unserer nationalen Existenzbedingungen dringend geboten. Zur Zollfrage sagte Graf Bülow: Die Politik der Diagonale wird mir nicht leicht gemacht, sollte einer versuchen, das Beispiel des Paris nachzuahmen, (der bekanntlich unter den drei Göttinnen, über deren Schönheit er ein Preis-
mar, und Fürst Egon von Fürstenberg verhaftet worden waren. Die Entschuldigungen kann man sich denken.
Ausland.
London, 2. Juni. Blättermeldungen zu Folge ist die Nachricht des Friedensschlüsse dem Könige'durch Lord Balfour noch am Samstag um Mitternacht mitgetheilt worden. Bereits am Abend vorher war der König benachrichtigt worden, daß der Frieden ziemlich sicher sei. Der König soll in der letzten Periode der Verhandlungen einen gewissen Druck zu Gunsten des Friedens ausgeübt haben. Gestern Abend fand sich