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SchlWemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 46. Samstag, den 7. Juni 1902. 53. Jahrgang.

""f bie -Schlüchreruer Zeitung" H werden noch fortwährend von allen --==-_'. Postanstalten und Landbriesträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen

Amtliches.

J.-Nr. 1772 K.-A. Die beim Abbruch des Stall­gebäudes auf dem Hofe des Landrathsamtes gewonnenen Bauhölzer, Ziegeln und Ziegelsteine rc. sollen

Sonnabend, den 7. Juni er, Nachmittags 5 Uhr an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden.

Schlüchtern, den 2. Juni 1902.

Der Königliche Landrath: Roth.

Aufruf.

Die Kunde von dem unermeßlichen Unglück, welches über die französische Colonie der Insel Martinique hereingebrochen ist und in einem Augenblick mit zer­störender, Gewalt unzählige Menschenleben und werth- volles Eigenthum vernichtet hat, ruft von einem Ende der Welt zum anderen tiefe, schmerzliche Theilnahme hervor.

Einer Anregung Seiner Allerhöchsten Protektorin Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin folgend, glaubt das Central-Comite des Rothen Kreuz-Vereins durch einen Aufruf zur Betheiligung an der den Ueber- lebenden zu gewährenden Hilfe den Wünschen aller derer in Deutschland gerecht zu werden, die, bewegten Herzens, durch eine Spende ihrem Mitgefühl Ausdruck verleihen möchten.

Die Vermittelung desRothen Kreuzes", dessen über den Schranken jedes trennenden Unterschiedes stehenden Zwecke und Ziele allen Völkern gemeinsam sind, entspricht der faltbaren Hilfsbereitschaft aller Nationen in Leid und Noth.

Gaben nimmt der Schatzmeister des hiesigen Zweig­vereins, Keisrentmeister Pfalzgraf, jederzeit entgegen.

Schlüchtern, den 29. Mai 1902.

Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Rothen Kreuz: Roth,

Geheimer Regierungs-Rath.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser, der Montag Nachmittag den Vertrag des Chefs des Militärkabinets hörte, empfing Dienstag früh auf der Wildparkstation bei Potsdam seine Gemahlin, die aus Badenweiler eintraf. Mittwoch abend reiften beide Majestäten zur Ordensfeier nach Marienburg.

Kaiser Wilhelm richtete an den Vizekönig von Irland ein Telegramm, in dem er seinen aufrichtigen Dank misspricht für den brillanten Empfang und die freundliche Gastfreundschaft, die seinem Bruder und dem deutschen Geschwader jüngst zu theil wurden. Möge der Besuch sich als ein weiteres Bindeglied in den Beziehungen der beiden Länder erweisen.

Potsdam. Erbprinz Viktor von Ratibor-Corvey, Leutnant im Regiment Gardes du Corps, stürzte bei einer Hebung auf dem Vornstedter Feld mit dein Pferde. Zwei Züge ritten über ihn fort. Er erlitt einen Ober­schenkelbruch und schwere innerliche Verletzungen. Der Verletzte wurde nach dein nahen Garnisonsfazareth ge­bracht,

Wuskanb.

Jerowih, (Böhrpen^ 4, Juni Wilhelm Fürst zu Hanau ist gestern Abend gestorben. Fürst Wilhelm war der dritte Sohn des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen und dessen Gemahlin Gertrude, Fürstin von Hanau und Schaumburg. Nach dem Tode des Fürsten Moritz von Hanau, seines Bruders, am 24. März i 889, erhielt der jetzt Verewigte das Majorat und den Fürstentitel. Fürst Wilhelm war geboren zu Kassel am 19. Dezember 1836 und vermählte sich am 30, Juni 1 «66 mit Prinsessin von Schaumburg-Lippe. Nachdem diese Ehe geschieden war, vermählte er sich am 1. Juli 1868 mit Elisabeth Gräfin zu Lippe-Biester- feld-Weißenfeld. Diese Ehe ist kinderulos geblieben.

Transvaal. Unaufgeklärt ist es noch immer, wes­halb die Burenvertreter in Südafrika es unterlassen haben, sich mit dem Präsidenten Krüger über ihre Stellungnahme zu den englischen Friedensanbietungen auseinanderzusetzen. Es muß wohl angenommen werden,

daß Lord Kitchener jede Verbindung mit den Buren in Europa verbot, und daß die Buren der Meinung waren, sie könnten vorläufig ihr Loos auch durch längeres Ausharren nicht bessern. Andererseits geht man wohl aber auch mit der Annahme nicht fehl, daß die englischen Unterhändler den Burendelegirten in Pretoria namentlich in Bezug auf die Amnestie der Capholländer verbindliche Zusicherungen in dem Sinne gemacht haben, daß sie ihnen besondere Gnadenerweise Seitens des Königs anläßig der Krönungsfeier in Aussicht stellten. Die geschriebenen Bedingungen würden danach noch nicht die letzten Concessionen darstellen, die den Buren gemacht werden sollen.

London, 1. Juni. Die Bekanntmachung des Frie­densschlusses ist von der Bevölkerung mit größter Be­geisterung ausgenommen worden. Vor Mansionhouse ist ein weißes Placat angeschlagen, worauf in rothen Buchstaben die Worte stehen: Der Frieden ist proclamirt Der Lordmayor erschien auf dem Balcon und hielt eine Ansprache an die Menge. Die Straßen wurden während des ganzen Abends von einer zahlreichen Menschen­menge durchwogt, welche patriotische Lieder sangen. Von den Kirchenthürmen ertönen die Glocken. Ueberall herrscht große Begeisterung.

London, 3. Juni. Kaiser Wilhelm hat außer ei­nem Glückwunschtelgramm auch noch den deutschen Bot­schafter angewiesen, dem König Eduard persönlich zum Abschluß des Friedens zu gratuliren, welcher Aufgabe sich der Botschafter am Montag entledigte. GrafWolff- Metternich wurde aus diesem Anlaß in längerer Audienz vom König empfangen. Das deutsche Botschaftspalais war gestern Abend reich illuminirt.

Paris, 3. Juni. Als der Polizeipräsident gestern Nachmittag ein Krankenhaus, wo er einen bei einem Straßenkrawall verwundetenPolizeibeamten besucht hatte, verließ, wurde auf ihn aus einem Trupp, der gegen­über dein Krankenhause stand, geschossen. Der Polizei­präsident wurde nicht getroffen, die Arbeiter flohen

Aus Martinique wird gemeldet: Graf von Fritz- James, der zum großen Ausbruche des Pelö amStrande, zwei Kilometer davon entfernt, fischend beiwohnte, ist von Martinique in Newyork eingetroffen und bestätigte die Wahrnehmungen anderer Zeugen, daß gleichzeitig ein großer unterseeischer Ausbruch stattfand. Er sah, wie das bis dahin völlig ruhige Meer plötzlich aufkochte und das gegenüber liegende DampfschiffGrappler" ebenso unvermittelt in die Luft geschleudert wurde, wobei der Kiel desselben mindestens fünf Meter über den Wasserspiegel emporflog. Das unglückliche Schiff fiel dann hilflos auf die brodelnden Wasser zurück, um sofort in die Tiefe zu versinken. Gleichzeitig verbreitete sich auf dem Wasfer eine unerträgliche Hitze er und sein Begleiter retteten sich, den Strand entlang laufend, nach Fort de France.

China. Die Controverse darüber, ob die Zahlung der chinesischen Zölle in Gold oder Silber zu erfolgen habe, ist noch immer nicht geschlichtet. Die inter­nationale Commission hatte die Zollfestsetzuugen unter der Voraussetzung der Zahlungen in Silber vvrgc- nommen, und es verlautet nun, die chinesische Re­gierung beabsichtige, die Einrichtung der .Zölle in Gold zu verlangen, da die Mächte auf Zahlung der Entschädigungssumme in Gold bestehen. Der Direktor der Zölle, Sir Robert Hart, hat seine Meinung zu Gunsten des Entwurfs der fremden Kaufleute abge­geben und wird sich dem Plane der chinesischen R gierung widersetzen. Es wird sich nun demB. T." zufolge fragen, in Wie Weit China die Kriegsent­schädigung in Gold zahlen kann, wenn es die Zölle nicht in Gold erheben soll. Die in den Verhältnissen des Auslandes zu China bestehenden Schwierigkeiten sind also noch nicht beseitigt. Die Erhebung der Zölle in Gold würde den Handel des Auslandes mit China belasten. Wenn China aber Schwierigkeiten macht in Bezug auf die Währung, in der es die Kriegsentschädigung zahlt, entstehen Gefahren anderer Art. *___

Lokales unv Provinzielles.

* Schlächtern, 6. Juni 1902.

* Eine der seltenen Gelegenheiten, den Planeten Merkur zu sehen, bietet gegenwärtig der Abendhimmel bei freiem Nordwesthorizont. Er steht links von dem Stern Beta imStier" und übertrifft ihn an Glanz

und Weiße. Am Abend des 7. Juni steht der Mond als ganz schmal zunehmende Sichel links vom Merkur.

* Die Abnahme heimische ^hierarten. Bon Seiten aller Naturfreunde wird immer lauter Klage geführt über die Abnahme der heimischen Thierarten. Es scheint, als gingen wir mit raschen Schritte» dem Zustand entgegen, den ein bedeutender Naturforscher mit den Worten schildert:Der civilisirte Theil der Menschheit wird einst mit Schaudern die Eintönigkeit gewahr werden, welche sie jetzt »ichs nur bedroht, sondern bei welchem sie theilweise schon angekommen ist. Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, das wäre die Flora der Zukunft. Und das Thierreich: Haushühner, Truthühner, Tauben, Gänse, Enten, dann Rind, Pferd, Esel die übrigen als Reliquien in den Museen ausgestellt." Soweit sind wir gottlob noch nicht. Aber schneller, als man es gedacht, hat sich bei uns die Abnahme der Singvögel vollzogen; und in Nord­deutschland geht fast jedes Jahr eine Art von Sumpf- oder Wasservögel ein. In dieser Richtung hat auch die Rheinstromcorrektion wegen der damit verbundenen Trockenlegung der alten Rheinarme und der an­grenzenden Bruchwiesen verderblich gewirkt. Allent­halben werden den Meisen, Spechten und Staaren und anderen nützlichen Vögeln die Grundbedingungen ihres Daseins durch Entfernung von Unterholz und Gestrüpp, Fällen alter und morscher Bäume, Aus­rodung der Hecken, Entfernung von Laub und Moos, Trockenlegung von Sümpfen usw. entzogen; der prächtige Eisvogel ist dein Aussterben nahe, der muntere Kiebitz geht schnell an Zahl zurück, Haus­und Steinschwalbe werden durch Zerstörung ihrer Nester aus Städten und Dörfern hinausgedrängt. Ueberall ist der Rückgang einheimischer Thiere bemerkbar, und mancher von Wild jeglicher Art gänzlich ausge- storbene Wald legt Zeugniß von dieser traurigen That­sache ab, Ringelnatter, Blindschleiche Eidechsen, der n^lirov Igel werben von Tag zu Tag seltener; der Fischbestand zahlreicher Flüsse ist durch die zunehmende Verunreinigung der Gewässer aufs Ernstlichste bedroht. Einen theilweisen Trost gewährt die vorstehende Nach richt, daß endlich das internationale Uebereinkommen betreffend den Vogelschutz in Paris unterzeichnet worden ist.

* (Hanauer Strafkammer von 5. Juni). Am Abend des 23. Dezember v. I. saß der Schmied Adam M. zu Hütten in der Wirthschaft des Georg W. daselbst und machte sich durch allerlei schnodderige Bemerkungen einer Anzahl Gäste von Gundhelm ge­genüber höchst lästig. Als die Gundhelmer Gäste fort waren, setzte er fein Benehmen auch gegen die Huttener Gäste fort, stellte ebenso wie vorher allerlei zoologische Vergleiche mit ihnen an und erhielt schließlich vom Wirth die Aufforderung, nunmehr die Wirthschaft zu verlassen. Der Wirth ließ der Aufforderung gleich die That folgen und schob den lästigen Gast hinaus, wo­bei dieser seine Holzschuhe verlor und in den Hausgang fiel. Der Wirth ging-durcheine andereThür ebenfalls in den Hausgang und hier gerieten die Beiden ins Hand­gemenge, wobei sie zusammen zur Erde fielen. Der Wirth hatte ein Stück Eisen ergriffen und auf den Schmied losgeschlagen, sowohl vor den Hinfallen, als auch nach demselben. Der 62jähr Schmied hatte erhebliche Verletzungen am Kopf davongetragen und war mehrere Tage arbeitsunfähig. Den Wirth hatte das Schöffen­gericht zu Schlüchtern zu 14 Tagen Gefängniß ver- urtheilt, wogegen er Berufung einlegte, weil er sich in Nothwehr befunden haben will. Er habe ein hölzernes Bein und sei deshalb bem Schmied gegen­über im Nachtheil gewesen. Die Berufung wird ver­worfen, denn er war der aggressive Theil,'der Neben- klage des Verletzten auf Erstattung von Kosten und Schmerzensgeld wird ebenfals stattgegeben.

Hersfeld, 2. Juni. Die schon unzählige Male ge­rügte Verwendung von Petroleum zum Feuerauzünden hat wieder einmal ein Opfer gefordert. Die bei Herrn Fabrikant Konrad Seelig in Diensten stehende Elise Ries aus Hilmes wollte gestern Abend zum Tanze gehen und hat gestern Nachmittag 6 Uhr, jedenfalls um schneller fertig zu werden, Petroleum in das Herd­feuer gegossen. Die Flamme schlug in die Petroleum­kanne und diese explvdirte. Das brennende Petroleum ergoß sich über das nur leicht bekleidete Mädchen, das